Ägypten: Kampf den Muslimbrüdern–Wasat als Alternative?

Nachdem die Diskussionen um eine neue Verfassung in Ägypten in Schwung kommen und der demokratische Prozess erste Formen annimmt, kam es zu Ausschreitungen gegen koptische Christen und eine Frauendemonstration—u.a. mit 13 Toten. An führender Stelle waren Muslimbrüder bei den Ausschreitungen aus zu machen, auch wenn die Resentiments gegen diese Minderheiten sich nicht nur auf die Muslimbrüder beschränken, sondern es durchaus auch rassistische, sexistische, nationalistische Strömungen bei der Demokratiebewegung gibt.Aber die Muslimbrüder spielen hierbei die treibende Kraft und es wäre daher zu überlegen, sie aus der Übergangsregierung auszuschliessen und gegen sie zu mobilisieren, da sie ihre Agenda eines islamistischen Ägyptens niemals aufgegeben haben, noch werden. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Mubarakleute inzwischen wieder aktiv sind, vor allem seit die Demokratiebewegung die Geheimdienstzentrale versuchte zu stürmen und Mubarakleute hiervor wie auch am Tharirplatz wieder aggressiv attackierten. Von daher wäre es nötig, dass die bürgerlich-demokratische Bewegung sich klar mit den christlichen Kopten und den Frauen solidarisiert und gegen die Muslimbruderschaft und die Mubarakleute mobil macht. Die Muslimbrüder sollten aus der Übergangsregierung fliegen, sowie auch bei Verfassungsfragen kein Mitspracherecht erhalten. Es sollte Schluss sein mit dem Schmusekurs von El-Baradei, der die Muslimbruderschaft unter allen Umständen dabei haben will. Wenn die Muslimbruderschaft für die bürgerlich-demokratische Opposition ernsthaft ein Gesprächspartner und  Kaolitionspartner sein sollte, so ist dies eine Kapitulation. Es ist bezeichnend, dass eine Abspaltung der Muslimbruderschaft, die Wasat-Partei christliche Kopten in ihrer Partei Mitglieder sein lassen kann, während die Muslimbruderschaft hier klar auf Ausgrenzung setzt. Von einer bürgerlich-demokratischen Opposition kann man mindestens das erwarten, was eine moderat-islamische Partei wie die Wasat trotz aller Resentiments ihrer Anhänger, klar vorexerziert hat.

Wenn es eine AKP gibt in Ägypten, so ist dies die Wasatpartei, nicht aber die islamistischen Muslimbrüder. Es ist interessant, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung jetzt eine Kooperation mit der Wasat-Partei eingegangen ist. Die CDU sieht in der Wasat somit ihr islamisch-konservatives Äquivalent in Ägypten. Jedenfalls scheint die CDU hier einen klareren Blick gegenüber den Muslimbrüdern zu haben als all jene deutschen Orientalisten, Golineh Atai, Foreign Affairs und anderen Islamversteher, die die Muslimbruderschaft gnadenlos verharmlosen.

Wobei man sich klar sein muss, dass auch eine islamisch-konservative Wasat-Partei eine ebenso eigenwillige Richtung wie die AKP Erdogans und Davotoglus einschlagen wird.Oft nicht im Sinne des Westens.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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