Kernenergie als Naturmacht

Trotz aller technischen Fortschritte sind die Möglichkeiten der Naturbeherrschung begrenzt. Das Erdbeben am 11.März war das schwerste jemals in Japan registrierte; dieses Erdbeben selbst hatte aber noch relativ glimpfliche Folgen, sicher auch aufgrund technischer Erfahrung im erdbebensicheren Bauen. Katastrophal war dagegen der auf das Erdbeben folgende Tsunami, der ganze Küstenstädte wegschwemmte. Diese Naturkraft zu bändigen hat sich als viel schwieriger erwiesen.

Den beiden ersten folgte die Drohung einer dritten Naturkraft. Das Erdbeben zerstörte das Kühlsystem der Kernreaktoren in Fukushima, der Tsunami machte dem Ersatzsystem den Garaus. Die Brennstäbe schmelzen, wenn sie nicht gekühlt werden, was ohne Zweifel unvorhersehbare Gefahren mit sich bringt. Die akute Gefahr aber offenbar der Druck der sich in einem ungekühlten Reaktor aufbaut. Grundsätzlich sollte das Reaktorgebäude stark genug sein, um diesem Druck standzuhalten, ungewiss aber, ob das nach dem Erdbeben noch der Fall ist.

Für die Techniker ist die Kernspaltung diejenige Naturkraft, die es zu bezwingen gilt. Den Menschen aber steht die Atomindustrie selbst wie eine Naturmacht gegenüber. Dass schon ganz zu Anfang radioaktiver Dampf kontrolliert in die Atmosphäre abgegeben wurde, mag technisch sinnvoll gewesen sein, um Schlimmeres zu verhindern. Die Öffentlichkeit erfuhr davon aber erst nachher; sie war vor vollendete Tatsachen gestellt. Es handelte sich nicht um eine politische Entscheidung, was sich dadurch rechtfertigen ließe, dass es keine Alternative gab. Gerade damit zeigt sich die Kernenergie aber als Naturgewalt, bei der damit zu rechnen ist, dass hin und wieder radioaktive Gase freigesetzt werden.

Obwohl die Entwicklung in den japanischen Reaktoren weltweit mit Sorge betrachtet wird, wird sie von einer anderen fast noch überdeckt. Diese Sorge ist, welchen Schaden die japanische Wirtschaft genommen hat, welche Folgen das weltweit haben wird und wie die Märkte reagieren werden. Diese Sorge angesichts der Katastrophe ist weder menschenverachtend noch zynisch. Der Markt gehorcht eben seinen Gesetzen. Ihre Wirkung ist nicht vom Willen der am Markt Beteiligten abhängig. Wie die Kernkraft ist dieser Markt von Menschen gemacht; wie die Kernkraft steht sie ihnen als Naturmacht gegenüber.

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5 Responses to Kernenergie als Naturmacht

  1. Ralf Ostner sagt:

    Nun zur Frage, mit dem alle Germanisten und Deutschlehrer ihre Schüler so zu quälen wissen:Was will uns der Autor eigentlich damit sagen?Was ist seine Intention?So klar wird dies bei mehrmaligem Lesen des digitalen Schriftstücks nicht.Sehr Shakespeare-mässig: Es toben überall Naturgewalten, die man kaum oder gar nicht bändigen kann–die Erdbeben, der Tsunamis, die Kernkraft, die Marktwirtschaft.Irgendwie ist alles Naturgewalt, die sich hinter dem Willen der Menschen vollzieht.Naja, aus der Kernkraft kann man aussteigen und die Märkte kann man regulieren–dazu braucht es aber einen politischen Willen und um diesen wiederum herzustellen politische Organistaion.Der Faktor Politik scheint aber in dem Artikel gar keine Rolle zu spielen–höhere, hehre Naturgewalten vollziehen sich, unabhängig, was der Mensch zu tun gedenkt.Das klingt sehr defätistisch.

  2. Thomas Wagner sagt:

    Auch die Tragödie der griechischen Antike scheint unseren Autor inspiriert zu haben. Die steigernde Darstellung der Naturgewalten und ihrem Zerstörungspotential. Nein, Erdbeben in dieser Stärke waren auch den Statistikern im Erdbebengebiet Japan bisher fremd. Tsunamis in dieser Stärke waren ebenfalls bisher ungewöhnlich.

    Doch hier sollte der Passiv des Ausgeliefertsein enden. Den nächsten Absatz, der den „aktiven Teil“ einleitet, sollen Zeilen aus Theodor Fontanes Gedicht „Die Brücke am Tay“ einleiten: „…Tand, Tand ist das Gebild aus Menschenhand…“ Die Kernspaltung ist keine Naturgewalt, die der Mensch bändigen muss! Spätestens die Erfahrungen aus Tschernobyl 1986 hätten für ein Umdenken in der Energiepolitik bewirken müssen. Nicht der Mangel an Energie, nicht der drohende Energienotstand zwingt die Menschen eine Trchnologie zu nutzen, die nicht beherrschbar ist. Eine Technologie, die im Falle des Scheiterns Katastrophen von apokalypitischen Ausmaßen verursacht.

    Da wir aus der Warte von Altphilologen und Deutschlehrern begonnen haben, müssen wir noch einmal zur griechischen Tragödie zurückkehren. die Tragödie endet mit der „Katharsis“, der reinigenden Katastrophe am Ende des Stückes. Das sind die dramatischen Vorgänge in Japan. Dieses Desaster könnte mit der Verseuchung einer großen Metropole, Tokio, enden. Die Menschen dort würden unendliches Leid erfahren. Nicht nur in dieser, sondern auch in kommenden Generationen.
    In der Tragödie beendet die Katstrophe einen unhaltbaren Zustand. Was aber lernt die aktiv handelnde Politik, welche Erfahrungen zieht eine Weltwirtschaft, dominiert von Controllern aus diesem Desaster? Vermutlich gar nichts! Aber es bliebe zu wünschen, dass eine aktiv handelnde Wirtschaft und eine verantwortungsbewusste Politik, das Fanal von Fukushima als Ende eines Irrwegs aktiven Handelns betrachten!

    • Florian Beck sagt:

      Ich würde empfehlen, die Deutschlehrer und Altphilologen in ihrem Metier zu lassen und die Frage, ob Kernenergie kontrollierbar ist, den science-fiction-Autoren.

      Als Naturgewalt ZEIGT sich mitunter auch, was von Menschen gemacht wurde. Niemand zwingt die Menschen, Kernenergie zu nutzen; niemand aber auch, Erdbebengebiete zu besiedeln.

      Ein Deutschlehrer würde seiner Klasse die Aufgabe stellen zu erörtern, ob die zivile Nutzung der Kernenergie sinnvoll ist. Aber die Frage ist falsch gestellt, denn das Was und Wie ihrer Nutzung hängt nicht von Besinnungsaufsätzen ab. Für die Kernenergie sprechen nicht moralische oder technische Erwägungen, sondern wirtschaftliche und vor allem politische Kalkulationen. Und es ist keineswegs ausgemacht, ob selbst massive nukleare Verunreinigungen diese Kalkulationen umwerfen würden.

      Es geht nicht darum, ob die Kernenergie IM PRINZIP kontrolliert werden kann, sondern darum, dass ihre Nutzung so eingerichtet ist, dass ihre Auswirkungen etwas sind, was den Menschen zustößt. Es ist nicht ihre Unkontrollierbarkeit, sondern gerade ihre Kontrolle, die sie aus dem sogenannten zivilgesellschaftlichen Diskurs herausnimmt. Eine der ersten Meldungen aus Fukushima war, dass radioaktiver Dampf abgelassen wurde, um den Überdruck im Reaktor zu mindern. Dass dies nicht als terroristischer Akt oder zumindest als Körperverletzung in hunderttausend Fällen gilt, liegt an einem Notstand, der von einer Naturgewalt nicht zu unterscheiden ist. Die Entgegnung, das hätte gar nicht gebaut werden dürfen, ist irreal. Die Vorgeschichte der Menschheit endet dann, wenn sie ihre Verhältnisse vernünftig einrichten kann. Das tut sie aber nicht, weil ihr die (von Menschen gemachte) zweite Natur andere Aufgaben setzt. Im Augenblick: den Reaktorenkomplex unter Kontrolle zu bekommen.

      Nur in Fukushima? Nein. Auch anderswo sind die Leute nicht damit beschäftigt, sich von der Natur zu EMANZIPIEREN, also die Zwänge zu vermeiden, auf die man nur reagieren kann. Stattdessen sind sie eifrig damit beschäftigt, Iodtabletten aufzutreiben.

  3. Thomas Wagner sagt:

    Lassen wir Deutschlehrer und auch Geisteswissenschaftler, wie Altphilologen in ihrem Metier. Kultur scheint beim Autor des Artikels ohnehin keine Rolle zu spielen. Ausschlaggebend sind wirtschaftliche Erwägungen – gestützt durch Politik.
    Die Menschheit muss voranschreiten. An dieser Stelle stellen sich ein paar Fragen.

    Ist die Kernenergie wirklich effizient? Enmal abgesehen von den unkalkulierbaren Kosten, die nach tschernobyl nun in Japan entstehen werden. Niemand kann die Schäden, die durch eine verstrahlte Region im Norden Tokios entstehen werden, beziffern. Wie hoch sind die Kosten der Produktion in Atommeilern im Vergleich zu den Kosten, die für den Unterhalt enstehen? – Von Wirtschaftlichkeit kann da gar keine Rede mehr sein.

    Die wirtschaftlichen Zwänge werden durch eine Statisitik des Bundesamtses für Umwelt – das ist keine Öko-Terrororganisation, sondern eine Behörde der Bunderepublik Deutschland, eindeutig widerlegt. Vielleicht kann der Autor seine mächtige Behauptung durch seriöse zahlen belegen?
    Davon abgesehen: wo sollen die abgebrannten Brennstäbe entsorgt werden?

    Da es auf diese Fragen keine seriöse Antwort gibt, da Unfälle Katastrophen auslösen, deren Ausmaß mehrere Generationen betreffen, hat sich die zivile Ntzung der Kernenergie als Irrweg erwiesen.

    Der Autor scheint nun davon auszugehen, dass die Menschheit dazu verdammt ist, Dummheiten nicht zu korrigieren, sondern bis zum Untergang tapfer weiter zu verfolgen.
    Kein selbstständiger Unternehmer würde auf Dauer einen absolut unwirtschaftlichen Auftrag immer weiter annehmen – die Konsequenz wäre die Insolvenz.

    Ganz zu schweigen von dem zynischen Menschenbild des Autors. Das Beharren auf diesen Irrtümern ist nebenbei wenig demokratisch.

    Meine Empfehlung: einfach mal informieren und mit klarem Kopf nachdenken.

    Fukushima sollte das Fanal zur Energiewende sein!

  4. Florian Beck sagt:

    Ein weises Schlusswort! Insbesondere der „Fanal“ als Schlussnote hat es mir angetan. Lobenswert ist auch, dass der Thomas das Geschriebene elegant übergeht. Das führt sonst nur zu einem kleinlichen Hick-Hack.

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