Bahrain: Saudiarabien marschiert ein

Nachdem die Khalifa-Dynastie schon friedliche Demonstranten in Manama zusammenschiessen liess, sich dann vorerst zurück zog, sind nun saudiarabische Truppen in Bahrain einmarschiert, um einer möglichen Jasminrevolution den Garaus zu machen.Saudiarabien wollte sich damit als klare Ordnungsmacht im Persischen Golf zeigen, die Iran nicht fürchtet und dazu auch exakt zu diesem Zweck ein 60 Mrd. US$-Waffenprogramm der USA zuletzt erhalten hat.Der Aufstand bedroht zum einen Saudiarabnien selber und hat das Potential sich in einen Konflikt Iran/Irak-Saudiarabien zu entwicklen, da 70% der Bevölkerungs Bahrains Schiiten sind, die von der sunnitischen Khalifa-Dynastie beherrscht werden und zumal 1/3 der Bevölkerung Araber perischer Herkunft sind.Saudiarabiens Norden und seine Ölfelder sind zudem von Schiiten bewohnt, was ein Überspringen des Konfliktes möglich machen könnte. Bahrain selber ist zudem Stützpunkt der 5. US-Flotte, deren Hauptaufgabe die Kontrolle Irans und des Persischen Golfes ist.Hinzu kommt, dass  Bahrain früher zum Iran gehörte und Iran auch schon territoriale Ansprüche angemeldet hat. Dennoch bleibt unwahrscheinlich, dass Iran sich offen in eine militärische Auseinandersetzung mit Saudiarabien und den USA begeben will, solange es noch keine eigenen Atomwaffen hat. Auffällig ist eher die relative Zurückhaltung Irans im Falle Bahrains.Iran scheint anstatt auf eine direkte Auseinandersetzung zu setzen, mehr auf einen politischen Zugewinn mittel- und langfristig zu hoffen.Es setzt mehr auf eine Internationalisierung des Konflikts: Zum einen hat der Iran bei der UNO Widerspruch gegen den saudischen Einmarsch eingelegt, wie auch bei der Arabischen Liga, bei der es als persische Nation noch nicht einmal Mitglied ist. Aber wenn die Arabische Liga Ghaddafis militärisches Eingreifen eindringlich verurteilt und sogar eine Flugverbotszone fordert, kann die Arabische Liga als doppelzüngig dargestellt werden, wenn sie den Einmarsch und die blutige Unterdrückung in Bahrein durch saudische Truppen nicht zugleich geisselt. Somit wird Bahrain dann wieder eine panarabische und muslimische Angelegenheit.Solidarität erfuhr der Iran und die Opposition in Bahrein durch die Schiiten im Irak. Im Irak lebten die 60% Schiiten auch einmal unter der Herrschaft des sunnitischen Saddam Hussein und wurden erst durch die USA und die Einführung der Demokratie im Irak „befreit“.Sowohl der schiitische Ministerpräsident Maliki, wie auch der schiitische Grossajatollah Sistani verdammten den saudischen Einmarsch, der schiitische Hassprediger Muktadar-El Sadr, der über eine eigene Hisbollahmässige Miliz verfügt, mobiliserte gar Demonstrationen im Irak in Solidarität mit den Schiiten in Bahrain. Ebenso fanden Demonstrationen im Libanon seitens der Hisbollah und im saudiarabischen Norden statt, bei denen der schiitische Scheich Hassan al-Saffar heftig gegen das saudische Herrscherhaus wetterte.

Und die USA? Obama rief zur Mässigung auf, forderte jedoch keinen Rückzug der saudischen Truppen—in der Region hat man den Anschein, dass die USA die Saudis hier stillschweigend unterstütze n.Auch haben die USA keine diplomatisch oder gar militärischen Drohungen gegen Saudiarabien erhoben.Es scheint bei der halben Revolution zu bleiben. Jasminrevolutionen in Nordafrika, während die Golfstaaten ruhig gehalten werden sollen. Hier gilt eben immer noch die Formel „Stabilität statt Demokratisierung“. Aber der Iran hat dadurch einige Sympathien gewonnen. Ob er auch so zurückhaltend bleiben wird, wenn er einmal Atomwaffen besitzen sollte, ist fraglich.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Response to Bahrain: Saudiarabien marschiert ein

  1. Ralf Ostner sagt:

    Vielleicht ist Iran auch schon ohne Atomwaffen schon bald nicht mehr so zurückhaltend gegenüber Saudiarabien, wie folgende Meldung von RIA Novostoi verdeutlicht:

    Wegen Einsatz in Bahrain: Teheran droht Saudi-Arabien mit militärischer Einmischung

    18:41 19/04/2011
    MOSKAU, 19. April (RIA Novosti).
    Der Militärberater des iranischen geistlichen Führers, Yahya Rahim Safavi, hat Saudi-Arabien laut dem TV-Sender Al-Dschasira wegen des gegenwärtigen Militäreinsatzes in Bahrain scharf kritisiert und mit einer militärischen Einmischung in die Angelegenheiten des Königreiches gedroht.

    Safavi, Ex-Kommandeur des Corps der „Islamischen Revolutionshüter“, beschuldigte Saudi-Arabien, das Mitte März seine Truppen nach Bahrain geschickt hatte, „der Unterdrückung des Volkes von Bahrain“ und bezeichnete das Handeln von Riad als „eine bewaffnete Einmischung, die dem Völkerrecht widerspricht“.

    Laut Safavi könnte der saudi-arabische Militäreinsatz in Bahrain Anlass für eine ausländische Einmischung in Saudi-Arabien selbst geben, sollte es in diesem Land zu verstärkten Massenprotesten kommen.

    Der Iran besitze genügend Kräfte, um einen Antwortschlag gegen jeden zu führen, „der in Versuchung gerät, den Iran zu überfallen“, so der Militärberater.

    Nach dem Ausbruch von Unruhen in Bahrain, wo die schiitischen Moslems (75 Prozent der Bevölkerung) einen Ausbau ihrer Rechte und ihres Einflusses in dem sunnitisch beherrschten Land forderten, schickte das sunnitische Saudi-Arabien rund 1000 Soldaten nach Bahrain. Der schiitisch dominierte Iran zeigte eine empfindliche Reaktion. Daraufhin warf Saudi-Arabien dem Iran eine rücksichtslose Einmischung in die inneren Angelegenheiten der arabischen Golfsstaaten vor.

    http://de.rian.ru/security_and_military/20110419/258884424.html

Kommentare sind geschlossen.