9-11: Der ewige Streit

Um die Interpretation von 9-11 tobt auch noch 10 Jahre nach dem Ereignis geradezu ein Grundsatzstreit. Fakt ist, dass keiner genau sagen kann, was an diesem Tag nun eigentlich passiert ist–ausser, dass arabische, vor allem saudische Terroristen–mit Wissen oder ohne Wissen der US-Geheimdienste–diesen Anschlag ausführten.

Während die Theoretiker, die die Bush-Administration dahinter sehen, um einen Vorwand zu haben gegen den Greater Middle East vorzugehen, absolut zu wissen glauben, was geschah, negiert die Pro-US-Israelfraktion mit ebenso gleicher Gewissheit jede mögliche Inszenierung. Es geht hier um Glaubenssachen und um einen Glaubensstreit. Die 9-11-Truth-Bewegung in den USA ist gespalten zwischen den MIHOPs (Made it happen on purpose—bedeutet: kontrolierte Sprenung des World Trade Centers,Abschuss des Flugzeuges und Raketenangriff aufs Pentagon durch CIA und/oder Mossad,o.ä.) und den LIHOPs (Let it happen on purpose—bedeutet: die Attentäter waren schon Osama Binladen und die Al Kaida, aber die US-Nachrichtendienste hätten davon gewusst und hätten es bewusst geschehen lassen, um einen Vorwand zu haben, ihre Neuordnungspläne für den Greater Middle East durchzusetzen). Während die MIHOPs noch leicht zu widerlegen sind und es schon zahlreiche Dokumentationen und Entgegnungen gab ( z.B.

http://pseudowissenschaft.marcus-haas.de/verschwoerungen/911-wtc.html)

, kann man die LIHOPs nicht widerlegen. Niemand kann nachweisen, dass die US-Geheimdienste oder die Regierung dies nicht zuliessen. Es kann aber auch umgekehrt niemand nachweisen, dass sie es zuliessen. Es verbleiben im wesentlichen als „Indizien“, dass es schon einmal ein Versuch unter einem blinden islamistischen Scheich gab, das World Trade Center schon in den 90ern mittels sprengstoffbepackten Wägen, die in der Tiefgarage geparkt wurden, in die Luft zu jagen. Desweiteren, dass es von FBI und CIA über die Attentäter und deren Bewegungen in den USA schon Vorabwarnungen gab. Und zum dritten wird immer wieder gerne die Schrift des Center for a New American Century, speziell Thomas Donelly von dem American Enterprise Institute als Beleg zitiert, in dem dieser über eine langsame Entwicklungsgeschwindigkeit im Greater Middle East schreibt, die nur katalysierend durch ein „new Pearl Harbour“unter Zuhilfenahme der historisch einzigartigen unipolaren Stärke der USA nach 1990 beschleunigt werden könne. Desweiteren oft zitiert wird Israels Ministerpräsident Netanjahus Blue Print für einen neuen Nahen Osten, der den Sturz panarabischer und islamistischer Regime, inklusive einen  Krieg gegen den Irak vorsah.Im wesentlichen diese 4 Fakten summsumieren die LIHOPler als gewollte Tolerierung des Attentats, um die Pläne der Neocons durchzuziehen. Ob dies stimmt oder nicht, darauf möchte ich mich erst gar nicht einlassen. Es wäre eine Diskussion ohne Ende, die nur auf Spekulationen beruht und auch irrelevant für unsere heutige Zeit ist. Als Verschwörungstheoretiker möchte ich Teile dieser Leute auch nicht so einfach abtun, wenn man sich einmal betrachtet, was an Veröffentlichungen über die Geheimorganisation Ergenkon in der Türkei herausgekommen ist. Die Tagebucheintragungen von hohen türkischen Offizieren dokumentieren, dass das türkische Militär und seine Seilschaften in Unterwelt, Rechtsextremismus, ja sogar PKK Attentate vorbereiteten, um den Vorwand für einen neuen Staatsstreich zu inszenieren. Die Ermordung von Christen, die Islamisten in die Schuhe geschieben werden sollte, die Inszenierung eines Konfliktes um die Ägais, um einen Krieg mit Griechenland anzuzetteln, gehören ebenso zu den enthüllten Mitteln, wie die gewollte Unterstützung der radikalsten Teile der PKK. In der Staatenwelt ist nichts ausgeschlossen und auch demokratische Länder bedienen sich Taktiken wie in Sun Tses „Kunst des Krieges“. Von daher würde ich Teile der 9-11-Bewegung nicht einfach als Verschwörungstheoretiker bezeichnen (ausser Infokrieg, Infokrieger , Alles Schall und Rauch, Gerhard Wisnewski, Andreas Bülow wie auch die Steinbergrecherche und Arbeiterfotografie–allessamt MIHOPler), sondern als  Skeptiker, die Staatsgewalten einiges jenseits des Sozialkundeunterrichts zutrauen. Aber umgekehrt ist bei 9-11 eben nichts bewiesen—weder in der LIHOPrichtung noch in der anderen Richtung. Was bewiesen ist,ist aber, dass es einen politischen islamistischen Fundamentalismus gibt und dass Bin Ladens El Kaida, Hamas, Hisbollah,Taliban, Khomeins,Khameinis und Ahamdinedschads Iran und die Unterdückung deren jeweiliger Bevölkerung keine CIA-Gespinste sind. Davon kann sich jeder einmal überzeugen, der mit Exilanten oder Flüchtlingen vor diesen Horrorregimen spricht.

Dass CIA und Mossad die Hamas und die Taliban eine Zeit lang wegen des Kalten Krieges unterstützt haben, verkennt die Tatsache, dass diese sich wie das Frankensteinmonster mit einer eigenen Agenda gegen ihren zeitweiligen Unterstützer selbst richteten. Solche Wendungen sind Verschwörungstheoretikern schlecht klarzumachen. Selbst wenn man an LIHOP-Theorien glauben würde: Inzwischen ist Bush jr. Geschichte und regiert Obama. Die Ironie ist: Während die US-Neocons den Greater Middle East demokratisieren wollten, auch mit Gewalt, gab es damals noch keine demokratische Opposition. Heute gibt es im Greater Middle East mehr als genug demokratische Opposition,in Falle Libyens sogar bewaffnet, aber keinen Westen, der diese entschieden unterstützen würde. Zynisch gesagt: 9-11 und die Neocons kamen eigentlich ein Jahrzehnt zu früh.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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6 Responses to 9-11: Der ewige Streit

  1. Florian Beck sagt:

    So funktionieren Verschwörungstheorien eben: nichts lasse sich jemals beweisen und keiner habe Gewissheit. Darum ist der „Streit“ hier auch eine Propaganda-Floskel, geht es den Protagonisten hier wie beim Intelligent Design doch darum sich als gleichberechtigter Partner im „Streit“ zu etablieren. Der Gehalt steckt anderswo: Anspielungen lassen die Anhänger augenzwinkernd wissen, wo’s lang geht. Leider hat das auf diesen Artikel abgefärbt, wo von der „Pro-Israel-Fragktion“ die Rede ist. Wobei freilich die Aussage, dass man entweder Pro-Israel oder wahnsinnig ist, ja einige Plausibilität hat.

  2. Ralf Ostner sagt:

    Genauso könnte man von der Anti-US-/Israelfraktion reden, die ja das andere Lager ist.
    Mit Pro-USA-/Israel-Fraktion wollte ich eher auf eine ewige Aufzählung von der Achse des Guten über Antiantiamerikanismus bis zu den Bahamas verzichten.Zwischen diesen Lagern wird der Kampf recht manächistisch geführt.Wenn man hinterfragen schon als Verschwörungstheorie bezeichnet und Israelkritik in die Nähe des Wahnsinns stellt,ist dies ein ideologischer Totschläger.

    • Florian Beck sagt:

      Die Sache ist halt die: egal ob Du sie aufzählst oder benennst: es wird immer recht deutlich, dass Du sie nicht für diskussionswürdig hältst. Wohl aber diverse Verschwörungstheoretiker. Nun gut, jeder muss selbst wissen, wie er sich seine Zeit einteilt.

      Sicher sollte man den Staatsgewalten einiges zutrauen, was nicht im Sozialkundebuch steht. Aber die üble Wahrheit besteht nicht in irgendwelchen hinterhältigen Machenschaften Die demokratischen Staaten richten aus so schon genug Unheil an. Die sich mit ihnen identifizierenden Gemeinschaften meinen, sie kommen nicht richtig zur Geltung. Hier müsste eine Erklärung dieser Verschwörungstheorien ansetzen.

  3. Ralf Ostner sagt:

    Das ist kein Zeitvertreib, sondern diese Diskussionen kommen immer wieder, wenn man über Afghanistan, Irak, etc. diskutiert.9-11 darf dann nie fehlen und kommt automatisch.Ich halte es nicht nur für diskussionswürdig, dass El Kaida 9-11 fabriziert hat, sondern selbst auch für eine Tatsache.Mit MIHOPlern diskutiere ich inzwischen nicht mehr, da sie zu festgefahren sind.Mit Teilen der LIHOPler verhält sich dies anders: Sie bestreiten ja nicht die Existenz eines politischen Islamismus und dass El Kaida dies tat, haben aber eben zum Teil eine gehörige Skepsis gegenüber staatlichen Organisationen.Ein Teil der LIHOPler ist daher zugängiger für Argumente.Bei Antideutschen, speziell aus der Antifa ist das Gottvertrauen in die US-Rechte und Israel so gross, das man auch keine Diskussion führen braucht, da sie jeden Krieg der beiden Staaten gutheissen.Das kriegshetzerische Video der Antideutsch Allstars/Bahamas/Antifaschistische Aktion
    „Drop the bomb“ zeigt und illustriert aufs deutlichste mit welch militaristischem und manächistischem Geist man es da zu tun hat (http://www.youtube.com/watch?v=CF5mA7h8pGs&feature=related).
    Die sind wie die MIHOPler keinerlei Diskussion zugänglich.

  4. Ralf Ostner sagt:

    Wenn du von identifierenden Gemeinschaften redest, so klammerst du die Antideutschen und die Linke in Deutschland aus.Sowohl das Pro-US-Israel- Camp, wie auch das Anti-USA-Israel-Camp bilden Gemeinschaften. Auf welcher Basis?
    Die Welt ist nicht mehr in Klassen geteilt, sondern in jeweiliger Solidarität zu Nationalstaaten.Bei den Antideutschen ist dies mehr ein antinationaler Reflex, wie es die zahlreichen K-Gruppen der 70er Jahre auch hatten und es ist auch kein Zufall, dass die führenden Leute der Antideutschen auch ehemalige K-Grüppler sind, während sich dann ein leicht mainpulierbarer judenlicher Anhang drum gruppiert.Früher hatte die deutsche Linke niemals ein eigenes Programm für eine Weltrevolution aufgestellt, sondern suchte immer nur ihr Mekka in der Sowjetunion, China, Nordkorea, Pol Pots Kamobodscha (KBW), Mugabes Zimbabwe, Ho Chi-Minhs Vietnam, Kim-Jonils Nordkorea oder Castros Kuba.Jetzt ist der neue Modetrend: Chaves „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, die Sozialgerechtigkeit des Islam oder aber eben Bush-jr./Neocon-USA und Netanjahu-/ Liebermann Israel.Projektionen sind dies allesamt.Und immer derselbe Tenor: Andere Staaten werden uns erhören und die Zivilisation durchsetzen. Kein Vertrauen auf die eigenen Kräfte.

  5. Hilmar sagt:

    Interessanter Beitrag.Habe einige tolle Denkanstoesse bekommen. Warte auf neue Posts.

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