Die Grosse Verschwörung–von den Protokollen der Weisen von Zion über Ludendorff zum Schwarzen Reich

 

Während 9-11 die kleine Verschwörungstheorie ist, gibt es auch die grossen Verschwörungstheoretiker. Während die Truth-9-11-Bewegung noch von einer zielgerichteten Verschwörung der Neocons um 9-11 zu einer Änderung der Machtverhältnisse im Greater Middle East  ausgeht, gibt es auch Verschwörungstheoretiker, die die ganze Weltgeschichte als grosse Verschwörung erklären möchten. Das erste Mal begegnete mir diese Sorte in meinem Englischlehrer am Gymnasium, der uns George Orwells „1984“ lesen liess und dann zur Quintessenz kam: Im Römerreich habe es immer ein Triumphirat, ein Trio gegeben und ebenso sei das Weltgeschehen zu erklären: Immer drei Mächte, wovon 2 sich immer gegen die dritte verbündeten und dann wiederum wieder mit dieser, um die andere zu isolieren. Somit war ein dynamisches Trio, das die Weltgeschichte erklären sollte, aufgemacht. Diese mehr arithemtische und geometrische Machttheorie sieht völlig von politischen und ökonomischen Inhalten ab, sondern eben nur Konstellationen zwischen diesen drei Machtgruppen. Hätte er noch das Bündnis Mao mit Nixon gegen die Sowjetunion zitiert wäre dies glaubwürdiger gewesen, aber so war dies eine inhaltsleere Theorie, die auch keine nähere Begründung suchte. Orwell entnahm er, dass diese Mächtigen unter einer Decke steckten und ihre Kriege nur als Show inszenierten,um ihre eigene Macht zu erhalten.Den Mächtigen geht es um die Macht und den Machterhalt—zu welchen Zwecken sie die Macht einsetzen wollen, darauf war kein Hinweis zu finden. Dass es vielleicht auch Differenzen und Konflikte zwischen „den Mächtigen“ gab, war von vorneherein ausgeschlossen. Alles Show, alles Inszenierung. Auch hatte unser Englischlehrer noch nie etwas von der „multipolaren Welt“gehört, die seinen Dreiecksentwurf ad absurdum führen würde. Die Weltgeschichte zu vereinfachen und in simple Formeln zu giessen, ist das Ziel aller grossen Verschwörungstheoretiker.Der Tenor ist immer derselbe: Eine Art Geheimbund und geheime Weltregierung existiert schon längst, die alle anderen Staaten und auch die Weltwirtschaft lenkt und die Völker und Staaten, die es seltsamerweise  trotz des gleichfalls angenommenen Strebens, diese unter eine One-World-Regierung- und Kultur zu unterjochenimmer noch gibt, dann in Wirtschaftskrisen, Konflikte und Kriege miteinander zu stürzen, um sie davon abzuhalten, die geheime Weltregierung zu erkennen und zu stürzen.Klassisches: Divide et impera!

Was hier schon der erste Widerspruch ist: Wofür sind eigentlich dann die Verschwörungstheortetiker?Für eine Weltregierung oder Konföderation, die alle Völker eint oder aber zur Zurückkehr zu Nationalstaaten, Ethnien und Stämmen, die noch unversaut und möglichst autark und autochon von der angeblichen One-Wolrdregierung sein sollen? Oder zu dem archaisch-libertären staatenbefreiten Redneck-Einzelkämpfer, der mit SUV, eigener Knarre und Survialkits an Dosenfleisch  samt eigenen Goldreserven sich quasiautark selbst durchkämpft, wie dies die Anzeigenwerbungen des Koppverlages oder von Infokrieg nahelegen. Darauf kommen sie bezeichnenderweise nie so explizit zu sprechen.DENN: Es geht erst einmal um klare Feinderkennung und Frontenbildung—die Feinde sind immer dieselben: Die Illuminaten, die Freimaurer, die Katholiken, die Juden, das  jüdische Finanzkapital,speziell die Warburgbank, die Lenin und Hitler finanziert hätte, die US-Ostküste,David Rockefeller und der Council for Foreign Relations, die Bilderberger und all „ihre“ Suborganisationen von Logen, Geheimbünden und P-2, die da noch existieren.Es wäre falsch, wenn man die Existenz dieser Organisationen leugnen würde. Es ist einmal zu hinterfragen, welche Ziele diese hatten/haben, wie mächtig sie waren/sind und ob es nicht noch wesntlich mehr andere Machtgruppen gibt, auf die die Verschwörungstheoretiker bezeichnenderweise nicht hinweisen.

Dass es die Illuminaten und die Freimaurer gibt, ist klar. Sie waren die Speerspitze der bürgerlichen Revolution in Europa wie auch in den USA. Dass sie für die Werte der Aufklärung kämpften und dazu im absolutistischen Europa geheim arbeiten mussten, ist Verschwörungstheoretikern gleich doppelt suspekt. Erstens, weil sie deren aufklärerischen Ziele zumeist nicht teilen, zweitens, dass sie subversiv agieren mussten. Wie nötig dies war, zeigte die Restauration Metternichs, da es eigentlich nur Frankreich gelungen war, eine bürgerliche Revolution durchzuführen, während der Rest Europas monarchisch blieb.Gegen diese bürgerlichen Revolutionäre wurde die heftigste Propaganda betrieben und Ausdruck dessen ist die von der russisch-monarchitsichen Geheimpolizei verbreitete Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“, in dem die bürgerlichen Revolutionen, speziell die französische Revolution als jüdische Verschwörung dargestellt wurde.Dabei ignoriert wird, dass die wesentlichen Revolutionäre keine Juden waren, weder Robbiespierre, noch Danton. In den Protokollen kommt diesbezüglich auch nichts, es ist mehr eine Schrift, die von angeblichen allgemeinen Handlungsanweisungen der angeblichen Weisen ausgeht, die diese dann verwendet haben sollen und die im Kern besagen, dass der Zweck alle Mittel heiligt und man sich daher auch der Tarnung, Lüge, etc. bedienen kann –aslo genau das, was die russisch-monarische Geheimpolizei mit der Konstruktion der Protokolle selbst gemacht hat. Personelle Verbindungen, Namen, etc. tauchen gar nicht auf, es werden schlicht unbewiesene Behauptungen aufgestellt, die aus einigen Zitaten jüdischer Repräsentanten und der Tora, vor allem aber aus den unbewiesenen Überlieferungen zusammengemixt werden (Erst Hitlers Chefideologe Rosenberg versuchte später mittels seines Elaborates „Die Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische Weltpolitik“wenig überzeugend namentliche und personelle Verbindungen herzustellen).

Am beliebtesten war es noch die Bankersfamilie Rothschild zu kritisieren. Diese jüdische Bankersfamilie hatte einen deutschen, französischen und britischen Zweig. Noch heute kann man in arabischen Fernsehsendern die angebliche Szene vom Tod des alten Rothschilds sehen, der die Welt angeblich unter seinen Söhnen am Sterbebett aufteilte. Heutige Verschwörungstheoretiker erklären sich die europäischen Kriege mit den Rothschilds, die die Staaten gegeneinander ausgespielt hätten, um Geschäfte zu machen. Dabei übersehen wird, dass die jeweiligen Rothschilds eher Hausjuden waren, also als untergeordnete Finanziers des jeweiligen Königshauses agierten, meist auch die ersten Sündenböcke waren, wenn was staatstechnisch schief ging  und dass die Hauptkritik gegen die Rothschilds aus damaligen monarchistischen und nationalen Kreisen zu dieser Zeit war, dass sie Pazifisten waren und Kriege aus Geschäftsinteresse verhindern wollten, anstatt  patriotisch mit Schlachten-Hurrah den Kampf der Völker anzuheizen. Damals war die Hauptkritik an den Rothschilds, dass sie nationalen und monarchische Erlösungskriege sabotiert hätten und verhindern wegen des schnellen Geldes, heute verdrehen dies Verschwörungstheoretiker in die diametral enteggengestezte  Theorie, dass die Rothschilds hinter allen monarchischen Kriegen Europas gesteckt und diese gelenkt hätten—aus Weltherrschaftsplänen oder aber auch wegen des schnellen Geldes. Pluralistisch darf man sich die jeweilige Erklärung aussuchen und: Times are changing.Der Antisemitismus passt sich dem Zeitgeist an.

Die nächste wesentliche Hetzschrift kam nach dem Ersten Weltkrieg von dem deutschen General Ludendorf, der eine Erklärung für sein eigenes Versagen als oberster Militär neben Hindenburg auf dem Schlachtfeld finden musste. In seinem Werk prangert er angeblich antinationalistische und internationalistische Mächte, vor allem Freimaurer, Katholiken (die dem Papst mehr hörig wären als Deutschland) und Juden an, dass sie im Ersten Weltkrieg Deutschland verraten hätten und dieses deswegen verlor. Diese Dolchstosstheorie, die Ausgangspunkt für alle rechten Kräfte dieser Zeit war. hatte im Zentrum, den damaligen Vorsitzenden der AEG, den Juden Walther Rathenau, der von Ludendorf als Hauptsaboteur am deutsche Kriegswesen dargestellt wurde, da er für die Rohstoffversorgung des Heeres in leitender Funktion gesessen hatte und wie die Zentrumspartei und die Freimaurer beschuldigt wurde für die Feindmächte zu arbeiten.Rathenau war dann auch herausragendes Hassobjekt der deutschen Rechten und wurde von Rechtsextremisten in der Weimarer Republik ermordet.Es war kein Zufall, dass Ludendorf zusammen mit Adolf Hitler 1923 an der Feldherrenhalle in München putschen wollte. Ihr Antisemitismus und ihre Verschwörungstheorien lesen sich fast deckungsgleich. Von Ludendorfs Dolchstosslegende zu Hitlers „Mein Kampf“ war es daher nur ein kurzer Weg.

In Hitlers „Mein Kampf“ werden die Juden für alles Schlechte in der Welt verantwortlich gemacht.Freimaurer und Katholiken werden kaum erwähnt, er konzentriert alles auf eine jüdische Weltverschwörung.Alle nationalen Defizite werden den Juden aber ALS RASSE angedichtet. Hitler sieht die Juden nicht als Religionsgemeinschaft, sondern als Rasse und lieferte hiermit den Umschlag vom klerikal-völkischen Antsisemitismus zum völkisch-rassistisch-liquidatorischen Antisemitismus, den Goldhagen zitiert. Ein Jude kann dementsprechend sich nicht mehr retten, indem er konvertiert—nach Hitler- ist er als Rasse auszurotten. Hitler unterschied drei Sorten von Rassen: Die Kulturschöpfer (die Arier und vor allem die Deutschen), die Kulturbewahrer , die zwar ihre Kultur erhalten würden, aber ausser Kopieren zu keinen wesentlichen kulturellen Leistungen fähig wären (z. B: die Japaner)und die Kulturzerstörer (die Juden).Speziell konzentriert er sich aber auf die Arbeiterbewegung und den Kommunismus und die Sozialdemokratie, die er als Ausdruck jüdischen Wirkens sah, sowie die entartete Kultur und die Medien. In „Mein Kampf“ werden die Rothschilds. Rathenau, etc, gar nicht personell gebracht, sondern nur allgemein in „schaffendes“ (deutsches) und „raffendes Kapital“ (jüdisches)unterschieden. Hitlers Schrift verallgemeinert viel mehr als das Werk Ludendorfs.Desweiteren ist in Mein Kampf eine mehrstufige „Einnistungstheorie“ der Juden zu lesen, die sich im deutschen Volk, wie aber auch bei anderen Völkern in gleicher Weise als „Parasit im Wirtsvolk“ eingenistet hätten. Später vervollständigte die NSDAP dann ihre Rassentheorie zu der jüdischen Weltverschwörung des jüdischen  US-Finanzkapitals und der jüdisch-bolschewistischen Verschwörung Sowjetrusslands, die Deutschland in den Zangengriff nehmen wollten. Die Logik war: Wenn man die Weltherrschaft erringen will,muss man alle Juden vernichten.Von ähnlichen Weltverschwörungstheorien gingen auch Hitlers Achsenverbündter Japan aus, der ebenfalls von den „Protokollen der Weisen von Zion“ ausging– aber die führenden japanischen Politiker  hatten pseudomachiavellistisch  eher die Theorie: Wenn die Juden die Welt beherrschten, müsse man sich eben gerade deswegen mit ihnen verbünden. Über diesen Punkt kam es folgerichtig zwischen beiden Achsenmächten immer wieder zu Streit (Vgl. Global Review-Artikel „Japans Judenpolitik 1933-1945).

Nach dem 2. Weltkrieg, dem Holocaust und Auschwitz waren antisemtische Verschwörungstheorien in Deutschland offiziell erst einmal ad acta gelegt.Zwar tauchten in Rheinischen Merkur und dem Bayernkurier hier und dazumal Anspielungen auf, dass die jüdische Warburg-Bank sowohl Hitler wie auch die Bolschewiki unter Lenin finanziert hätten, aber elaboriert fand sich in rechten Kreisen ausser der Nationalzeitung der DVU und der sektiererischen US-amerikanischen La-Rouchesekte kaum mehr offen antisemitische Propaganda oder der Versuch eines geschlossenen weltverschwörungstheoretischen Weltbilds.

Der erste wesentliche“ Tabubrecher“  auf der Linken war Karlheinz Deschner (Autor der „Kriminalgeschichte des Christentums“) mit seinem antiamerikanischen Buch „Der Moloch“. In diesem versucht er den Nationalsozialismus als Produkt der US-jüdischen Warburgbank darzustellen, die zudem auch „schon“ Lenin finanziert habe.Wohl richtig scheint, dass es für eine gewisse Zeit einige begrenzte Überweisungen der Warburgbank an beide Regime gab, aber die Geschichte des Nationalsozialismus und des Kommunismus auf eine derart einzigartige begrenzte Finanztransaktionen verkürzen zu wollen, ist wohl reichlich monokausal angelegt.

In den 80er Jahren kam dann mit „Illuminati“ das erste „ganzheitliche“ Verschwörungswerk in die alternative Szene.Der Film „23“ protraitiert ganz gut den Eingang dieser Verschwörungstheorien in die neuen kreativen Klassen, vor allem in die Hackerszene. Auffällig war, wie angeblich aufgeklärte Linke sich in den paranoiden Strudel numerologischer Mystik einliessen, die hinter jedem Symbol , Datum und jeder Zahl einen Code der Freimaurer vermuteten.

In den 90ern setzte sich diese Entwicklung dann fort: Zum einen ein Bestseller wurde des Pseudonymautors„Van Helsings“ „Geheimgesellschaften“. Dies war jedoch noch ein kruder Mix aus den üblichen Illuminatiphanatsien, Atlantis-Mythos und Nazi-Ufos, der weniger gefährlich war, da er wüst esoterisch versponnen war.

Schon ausgefeilter war das Machwerk von Carmin „Das Schwarze Reich“, das ein Sammelsurium aller möglichen Beziehungsgeflechte zwischen Politikern, Logen, Bilderbergern, Council on Foreign Relations, Thulegesellschaft der NSDAP,kommunistischen Parteien, P-2 ,etc. darstellt. Man wird von der Fülle des Materials erschlagen, doch eine Botschaft kommt immer durch: Die gesamte neuere Menschheitsgeschichte sei rückführbar auf die Illuminaten, die in ihren Ablegern Council for Foreign Relations, den Bilderbergern, etc. die Welt beherrschen. Kommunismus und Kapitalismus seien nur zwei riesige Menschheitsexperimente, in denen die Illuminaten zum einen die Völker gegeneinander aufbringen wollten, um selbst ihre Macht zu erhalten, zum anderen um auszuprobieren, welches Gesellschaftssystem besser funktioniere.Der Kalte Krieg wird somit als riesiges Versuchslabor zweier Systeme aufgefasst, bei dem eine heimliche Weltregierung alles unter Kontrolle gehabt hatte.Die gesamte Weltgeschichte und auch der Kalte Krieg wird als Showinszenierung einer schon geheim existierenden Weltregierung dargestellt, bei dem die wirklichen Herrscher die Völker aufeinanderschlagen lassen und manipulieren, damit niemand ihre heimliche Weltherrschaft entdeckt und gegen diese vorgeht. Aktuellster Vertreter dieser Theorie istder rechtsradikale Blog Infokrieg (nicht zu verwechseln mit Infokrieger)–Zitat:

„Sowohl Kommunismus als auch Faschismus wurden als Goldesel, und noch wichtiger, als Kontrollmechanismen, von den internationalen Bankiers geschaffen.“

http://infokrieg.tv/wordpress/2011/07/22/wall-street-regisseur-oliver-stone-banker-ermachtigten-hitler-und-die-nazis/

Und so ist auch die EU in Wirklichkeit ein Plot zwischen Nazigrössen und Geldadel/Finanzaristokratie.Vergleiche:

http://infokrieg.tv/wordpress/2011/07/22/nazi-grosen-planten-4-reich-das-der-struktur-der-eu-entspricht/

Logischerweise müssten sich ja diese Verschwörungstheorektiker für eine offene Weltregierung aussprechen, die demokratisch  kontrolliert, die Völker miteinander vereinigt. Aber dergleichen ist hier nie zu lesen. Meist driften diese Elaborate in die nationalistische Ecke ab, was die wahre Intention dieser Phantatsereien klarmacht.Als neue Rechtsradikale versuchen sie die Schuld am Nationalsozialismus immer auf internationale Finanzaristokratien, jüdische Banken, US-Eliten, Israel,etc. abzuwälzen. immer irgendwelche internationalisteschen Fremdmächte ausfindig zu machen, die verschworen lauter Agenten in den Wirtsländern lauern und installiert haben. Nie waren es deutsche Nationalisten, die die Nazis gewählt und unterstützt haben. Nie wird dem Nationalismus ein Vorwurf gemacht, sondern dieser gerade im Gegenteil befeuert in angeblicher Globalisierungskritik, die links blinkt, aber rechts abbiegt. Nie waren es Nationalisten wie die Verschwörungstheoretiker ala Koppverlag, Infokrieg,etc. selber, die für rechtsradikale Parteien und „rechtspopulistische“ Bewegungen agieren. Schwieriger für Verschwörungstheoretiker ist dann die neue multipolare Welt, die sich mit dem Erstarken Chinas und Indiens oder der BRIC-Staaten ankündigt, zu erklären. Ist die KP China jetzt auch ein Produkt der Illuminaten? Mao und Deng Xiao Ping Freimaurer?Ghandi, Nehru, Vajpajee,  Rao, Singh auch? Die angeblich heimliche Machtzentrale der Bilderberger erfährt ja schon massive Konkurrenz durch ähnliche asiatische Clubs wie z.B. die Boao-Konferenz oder russische Counterparts. Auch alles Inszenierung?

Fakt ist doch: Die Menschheit hat sich mit der Entwicklung der Produktivkräfte von Kleingruppen in Stämme, dann Kleinstaaten und nun eben Nationalstaaten organisiert.Inzwischen entstehen auch schon supranationale Organisationen wie die EU und sind andere grössere Formationen neben Freihandelszonen angedacht.Die Entwicklung der Produktivkräfte ist keineswegs ein Produkt irgendwelcher Verschwörungen, sondern erfolgt sehr naturwüchsig und in Konkurrenz. Der politische Überbau schreitet meist langsamer voran als das Wachstum der Produktivkräfte, weswegen es zu Friktionen, Konflikten und auch Kriegen kommt. Das passt Verschwörungstheoretikern nicht, die sich auch die gesamte Wirtschaftsgeschichte als eine Aneinanderreihung von Verschwörungen ausmalen oder aber eben Wirtschaftskrisen und Finanzkrisen als Showinszenierungen, um die Leute in Angst und beim Arbeiten zu halten, Ursache und Wirkung wird hier systematisch verwechselt.

Und wie bei den Verschwörungstheoretikern: Alles ist Illusion—eigentlich ein sehr buddhistischer Gedanke.  Oder wie heisst es in der Selbstdarstellung von der Verschwörungswebseite „Alles Schall und Rauch“?!

„Die Welt ist eine Illusion die uns vorgegaukelt wird um uns zu manipulieren und wie Schafe zu treiben. Schall und Rauch eben.“

Vielleicht auch deswegen sind Verschwörungstheorien neben der Rechten  auch vor allem in esoterisch angehauchten Linkskreisen so populär.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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2 Responses to Die Grosse Verschwörung–von den Protokollen der Weisen von Zion über Ludendorff zum Schwarzen Reich

  1. Florian Beck sagt:

    Zwei (vielleicht verknüpfbare) Thesen dazu:
    1. Verschwörungstheoretiker sind nicht daran interessiert ihre Behauptungen zu begründen, sondern ihnen stets neue Elemente hinzuzufügen. Sie kennen keine Kritik, keine Möglichkeit Aussagen zu beurteilen, außer der Einteilung in Selbstverständliches und Lüge (was nicht ins System passt).
    2. Verschwörungstheorien sind konsumierbar (am Kneipentisch und in Filmproduktionen). Es ist wie ein Spiel, das derjenige gewinnt, der noch ein weiteres Element hinzufügen kann.

  2. Ralf Ostner sagt:

    Also, was sicherlich richtig ist: Bei Infokrieg, Infokrieger, Alles Schall und Rauch,etc. werden niemals andere Deutungsweisen überhaupt in Betracht gezogen.Die eigenen Darstellungen werden nicht einmal selbstkritisch reflektiert, dem Selbsttest unterzogen oder nach Widersprüchen abgeklopft. Wer in den Kommentaren gegen die vertretene Meinung schreibt,fliegt aus dem Forum oder wird erst gar nicht veröffentlicht.Wer Kritik äusserrt, wird als Einflussagent der „anderen Seite“verdächtigt. Alles, was nicht in den Kram passt,gilt als Lüge, Manipulation und gar als Verrat.Da sind diese Herren schon sehr doktrinär.Dennoch ist der Artikel ja nicht dazu gedacht, Unbelehrbare belehren zu wollen oder gar die Chefredakteure dieser Webseiten, sondern in ihrer Meinung noch schwankende Menschen, die Gefahr laufen solch pseudolinken Erklärungsmustern hinterherzulaufen, anzusprechen.Und eine Frage ist immer sehr entlarvend: Welches Gesellschaftssystem stellen sich denn die Verschwörungstheoretiker vor?

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