Norwegen-ein faschistischer Anarchist schlägt zu–Europas Nadelstreifenfaschisten distanzieren sich von der Methode

 Stellen wir uns einmal vor, Andreas Brevjik hätte „nur“ die Autobombe explodieren lassen und auf das Massaker auf der Insel verzichtet. Die alten Reflexe des War on Terror wären noch wirksam: Man hätte wahrscheinlich Al-Kaida hinter dem Anschlag vermutet und sogenannte Terrorismusexperten behaupteten dies ja noch am Tag des Anschlags mit aller Sicherheit—so  z.B. Rolf Tophoven oder aber der Leitartikler des Münchner Merkurs Werner Mehner, der bei dem Attentat „eindeutig Al Kaidas Handschrift“ auszumachen wusste. Nun ist der Attentäter aber kein islamistischer, integrationsunwilliger Mensch mit Migrationshintergrund, sondern eben „blond, blauäugig, christlich, konservativ“(SPIEGEL) und zumal Norweger.War zuvor noch die Rede von „Tätern“, so ist man nun bemüht vom geisteskranken Einzeltäter zu sprechen, der kein Umfeld oder Unterstützer hatte.Würden  jetzt Muslime nach solch einem Attentat im Namen ihrer Religion und ihres vermeintlich strukturellen, fortschrittfeindlichen Konservatismus für den Extremismus verantwortlich gemacht, so fällt dies keinem der Kritiker im Zusammenhang mit dem Christentum und Konservatismus ein—was auch richtig ist, aber es ist eben ein doppelter Massstab (wobei man schon den Antiislamismus, der den Antisemitismus ideologisch verdrängt hat und die Evangelikalen in den USA kritisieren sollte). Dass Brevjik Diplomatensohn war und zumal langjähriger Mitarbeiter der dänischen, rechtsextremistischen Fortschrittspartei tut da nichts zur Sache. Ja, die Fortschrittspartei brüstet sich ja nun gerade damit, dass Brevjik ausgetreten sei und ungeduldig wurde–also die Machtergreifung dieser Partei nicht mehr abwarten wollte, da sie ihm scheinbar zu lasch war. Dabei hat sich auch die Fortschrittspartei nur von der Methode Brevjiks distanziert, nicht aber von seinen Zielen, die ja deckungsgleich sind.Von rechtsextremistischer Seite distanziert man sich nun auch europaweit von der Methode.Bezüglich der Ideologie wurde nichts zurückgenommen oder aber versucht diese angesichts der Stimmung in der Bevölkerung quasineutral auszublenden—mit Ausnahme der Liga Nord,die Brevjiks Ideologie offensiv, lautstark und ausdrücklich lobte. Ja, es wird geradeso versucht aus der Distanzierung von dem Norwgenattentat ein Wahlaufruf für rechtsextremistische Parteien zu machen–nach dem Motto: So estrem sind wir nicht, sondern ganz friedlich–wählt uns! Dabei muss man sagen, dass Brevjiks Attentat eben gerade nicht für den typischen Rechtsextremismus in der Opposition steht. Genauso wie es in der Linken z.B. als Extrem die RAF oder bombenbauende Anarchisten gab, so setzte die „normale“ linksradikale Szene der ML-K-Gruppen immer schon auf die Entfesselung eines Massenkampfes, d.h Erringung einer Meinungsführerschaft in der Bevölkerung  mittels parlamentarischem (Aufbau einer revolutionären Massenpartei) oder außerparlamantarischen Weg (Demos, Streiks, Mieterintiativen, Arbeitsloseninitaitiven, Volksküchen, Schülernachhilfe, Sozialberatung, Gewerkschafts- und Stadteilarbeit.etc.) oder eben in einer Kombination aus beidem. Terrorismus wurde da ebenso geächtet, weil er eben kontraproduktiv und stellvertreterisch und kleinbürgerlich-indiviualistisch ist, was den eigenen totalitären Zielen abträglich sei, da sie die Stimmung in der Bevölkerung gegen einen mobiliiseren könne und dem demokratischen Staat Gelegenheit gebe, die gesamte Szene zu kriminalisieren. Ebenso verhält es sich mit Europas Rechtsextremen, die ganz wie Hitler nach seinem gescheiterten Putsch 1923 lernten, dass der parlamentarische Weg mit dem Aufbau einer Massenpartei und eine bürgerlich-biedere Maske viel erfolgversprechender sind. Die eigentliche Gefahr für die Demokratie geht nicht von quasianarchistischen und individualterroristischen Rechtsextremen und Egoshootern wie Brevjik aus (oder etwa dem Oktoberattentäter Gundolf Köhler), die wie die RAF oder anarchistische Bombenleger meinen ein paar schnelle Attentate würden einen spontanen Volksaufstand auslösen, sondern von den sich bieder gebenden rechtsextremistischen Parteien wie NPD, Republikaner, Front National, Die Wahren Finnen, Jobbik,die FPÖ, etc., die  emsig- langfristig, kriechend und schleichend sich unter Zuhilfenahme der  BILD-Propaganda immer breitere Zustimmung in der Bevölkerung sichern. Oder eben wie die Junge Freiheit schon in führender Stellung bei den Redaktionsstuben der Studentenzeitung „Campus“ der Bundeswehrhochschule Neubiberg sitzt und zu seinen Unterstützern solch konservative Menschen wie Scholl-Latour und Thomas Goppel zählen kann. An der Verharmlosung dieser rechtsextremistischen Parteien und des Nadelstreifenfaschismus hat die Politikwissenschaft wesentlichen Beitrag, da sie eben nicht von faschistischen Parteien spricht, sondern von „Rechtspopulisten“ und dabei unterschlagen, dass es Ziel dieser rechtsextremistischen Parteien ist eine neue faschistische Diktatur zu errichten. Absoluter Höhepunkt dieser politischen Relativierung´und Regression ist Claus Leggewie, der ernsthaft behauptete, nach dem Kalten Krieg gebe es kein links und rechts mehr und dementsprechend auch kein rechtsextrem mehr, sondern eben nur „rechtspopulistisch“. Demnächst stehen Wahlen in Österreich an und wird inzwischen die FPÖ als neue Regierungspartei gehandelt, ja ihr Vorsitzender Hans-Christian Strache sogar als Bundeskanzler prognostiziert.Natürlich distanziert sich Strache von dem Norweger Brevjik und seinen Methoden– vom Weltbild nicht, denn da sind sich beide recht einig. So glaubwürdig ist dies jedoch nicht, wenn man auf Wikipedia Straches Vita liest:

Kontakte mit Rechtsextremisten (ca. 1985-1990)

Strache wurde im Alter von 15 Jahren Mitglied der schlagenden Schülerverbindung Wiener pennale Burschenschaft Vandalia.[7] Dort kam er in Kontakt mit Rechtsextremisten wie Gottfried Küssel, dem Leiter der später verbotenen VAPO, und Franz Radl. Er nahm um 1985/1986 an von Burschenschaftern organisierten „nationalen“ Zeltlagern in Kärnten teil. Durch Norbert Burger, den er nach dem Verbot der NDP 1988 häufig besuchte und später als „Vaterersatz“ bezeichnete, lernte er weitere Rechtsextremisten kennen.[8]

Er nahm 1989 oder 1990 in Zweikirchen bei Sankt Veit an der Glan mit einigen österreichischen Neonazis an Übungen in militärischer Kleidung mit Gummiknüppeln, vermuteten Pumpguns und Gewehren teil. Am 31. Dezember 1989 wurde er bei einem jährlichen Treffen der 1994 verbotenen Wiking-Jugend nahe Fulda vom Bundesgrenzschutz festgenommen. Ebenfalls dort waren bekannte österreichische Neonazis, darunter Andreas Thierry und Jürgen Hatzenbichler.[9] Straches Kontakte und Aktivitäten wurden am 23. August 2007 durch sieben Fotografien und zwei Zeugenaussagen, eine davon von Ewald Stadler, erwiesen.[10]

Strache und die FPÖ hatten seine Kontakte zur Wiking-Jugend anfangs bestritten.[11] Er räumte nun aber ein, er habe Silvester 1989 zusammen mit Vertretern der Wiking-Jugend an einer Aktion an der deutsch-deutschen Grenze teilgenommen. Diese erklärte er als Lebensmittelhilfe für DDR-Bürger. Er sei aber nie Mitglied der Wiking-Jugend gewesen und habe danach keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt. Seine Festnahme sei nur zur Feststellung seiner Identität erfolgt.[12]

Fünf der Fotos hatte Strache zuvor selbst dem ORF vorgelegt, sie aber als harmloses Paintball-Spiel zum Aggressionsabbau mit damals „unbescholtenen“ Teilnehmern erklärt.[13] Die übrigen zwei Fotos der Serie zeigten die Teilnehmer mit für Paintball unüblichen Waffenarten; sie wurden 2008 veröffentlicht.[14] Die Fotoserie wird als Beleg für Straches Teilnahme an neonazistischen Wehrsportübungen gedeutet, etwa von Wolfgang Neugebauer und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW).[15] Straches Erklärungen dazu werden in deutschen und österreichischen Berichten als unglaubwürdig eingestuft.[16]

1990 besuchte Strache als FPÖ-Mitglied eine Wahlkampfveranstaltung der Gruppe „Nein zur Ausländerflut“, nach der die Polizei ihn kontrollierte. Spitzenkandidat der Gruppe war der Rechtsextremist Horst Rosenkranz, auf ihrer Wahlliste kandidierten auch der Holocaustleugner Gerd Honsik und Straches Bekannter Franz Radl. Die Gruppe wurde dann wegen NS-Wiederbetätigung nicht zur Wahl zugelassen.[17]

Ebenfalls 1990 nahm Strache an einer Veranstaltung der DVU in Passau teil. Dabei nahm die deutsche Polizei ihm einen Schreckschussrevolver ab. Er habe diesen zum Selbstschutz vor „Glatzköpfen“ bei sich getragen und dafür eine Geldbuße zahlen müssen, erklärte Strache 2007 nach Bekanntwerden des Vorgangs.[18]

Eine 2007 veröffentlichte Fotografie von einem Treffen des Wiener Korporationsringes von 1989 zeigt Strache in Tracht sitzend mit drei erhobenen, gestreckten und gespreizten Fingern der rechten Hand, wobei er eine vor ihm stehende Person anschaut. Die Geste wurde als „Kühnengruß“, eine von dem deutschen Neonazi Michael Kühnen erfundene Variante des Hitlergrußes, gedeutet, der in Österreich nicht verboten ist und den österreichische Neonazis als Erkennungszeichen verwenden. Das Foto sollte belegen, dass Strache sich dieser Szene damals zugehörig gefühlt und gezeigt habe.[19]

Strache bestritt dies noch vor der Publikation und erklärte die Geste zunächst als alten „Gruß der Südtiroler Freiheitskämpfer“.[20] Nachdem Südtirolaktivisten erklärten, ihnen sei ein solcher Gruß unbekannt[21], erklärte Strache die Geste als Bestellung von „drei Krügerl Bier“. Anders als beim Kühnengruß habe er den rechten Arm auf dem Foto nicht gestreckt, sondern rechtwinklig gebeugt. Er verklagte die Zeitung. Am 29. Jänner 2007 distanzierte er sich in einer eigens anberaumten Pressekonferenz vom Nationalsozialismus und verglich Medienberichte über rechtsextreme Kontakte und Symbolhandlungen seiner Person mit dem Stil des nationalsozialistischen Hetzblatts Der Stürmer.[22]

Ein ehemaliger Neonazi aus der Gruppe um Gottfried Küssel, den Kühnen vor seinem Tod 1991 zu seinem Nachfolger ernannt hatte, erklärte den Gruß als Neonazi-Code im Rahmen von ideologischer Schulung. Diese habe Wehrsportübungen begleitet, die dem Abbau von Hemmungen, auf politische Gegner zu schießen, gedient hätten und zu denen damals auch Paintball gehört habe.[23] Der als Gutachter im Gerichtsprozess bestellte Historiker Gerhard Botz erklärte im Jänner 2008, das Foto zeige wahrscheinlich Strache beim Kühnengruß, da er darauf die Handfläche nach außen zum Gegenüber gedreht halte.[24]

2009 räumte Strache laut Angaben in einer unautorisierten Biografie [25] seine Teilnahme an einer Wehrsportübung mit Gottfried Küssel und weitere Kontakte mit Rechtsextremisten ein.[26]

Stache und die anderen Nadelstreifenfaschisten in Europa haben inzwischen gelernt, dass es für Rechtsextreme effektiver ist statt in Wehrsportklamotten und Pumpguns durch den Schlamm zu kriechen und vielleicht einmal Individualterror gegen einige Linke und Ausländer zu verüben, eine rechtsradikale, sich bürgerlich gebende Massenpartei aufzubauen, die einmal an der Macht die gesamte Staatsgewalt in Händen hält und dann systematisch Terror gegen politisch Andersdenkende ausüben kann—das ist viel attraktiver und effizienter.Und gefährlicher. Daher fällt es den Rechtsextremen in der Opposition so leicht sich von der Methode Brevijks zu distanzieren—im Ziel und der Ideologie sind aber beide gleich. Wenn sie aber einmal ganz legal an die Macht kommen sollten, werden sie KZs, Arbeitslager, GeStaPO gegen politisch Andersdenkende und Ausländer,etc. dann in vollem Terroreinsatz einsetzen. Das ist auch der Unterschied zwischen Broder/ Sarrazin und den Rechtsextremen–beide sind zwar Rassisten (vor allem was ihren Antiislamismus und die angebliche Überlegenheit jüdischer Gene betrifft), aber streben nicht nach einer faschistischen Diktatur. Dennoch sind sie natürlich mit ihren antimuslimischen und antisozialen Tiraden bei der Schürung der breiten Volksstimmung verantwortlich, von denen diese Rechtsextremen profitieren. Wobei man aber auch realistisch sagen muss: Wieviele Stammtische lesen schon Henrik M. Broder? Und betrachtet man sich sein „Entweder (B)roder –eine Deutschland-Safari“, so war dies kein Aufruf zur Gewalt, sondern eine sehr ausgewogene, nach allen Seiten austeilende Religionskritik, zumal recht humoristisch-schmunzelnd angelegt. Vielleicht hätte sich dies ja einmal Andreas Brevjik ansehen sollen, aber er war nach 9-11 und der Ankündigung des War on Terror durch George Bush jr. schon zu sehr damit beschäftigt, sein Manifest zu schreiben und das Massaker im Namen des somit erklärten Krieges vorzubereiten.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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