Ägypten-Israel-Palästina: Zunehmende Spannungen

Nachdem 300 000 Israelis in Tel Aviv gegen soziale Missstände auf die Strasse gegangen waren und erste Forderungen aufkamen die soziale Frage mit dem Siedlungsbau zu verknüpfen, verkündete die Netanjahu-Liebermann-Regierung Zustimmung für den Bau neuer 1500 Siedlungsgebäude in Jerusalem. Palästinensische Terroristen beschossen daraufhin israelische Busse und Israels Bevölkerung scharte sich wieder um die israelische Regierung, da nun die Sicherheitsfrage die soziale Frage zu überdecken schien. Die israelische Regierung beschloss daraufhin gegen palästinensische Terroristen Luftangriffe in Gaza zu fliegen. Nachdem daraufhin die „Volksbefreiungskomittees“ und der vom Iran unterstützte „Islamische Dschihhad“ mit Raketen von Gaza aus Südisrael beschossen, intensivierte Israel seine Luftschläge, woraufhin auch die Hamas den Frieden aufkündigte und Vergeltung übte. Bei den israelischen Luftschlägen wurden 5-8 ägyptische Grenzpolizisten an der Grenze zwischen Sinai und dem Gazastreifen getötet, woraufhin es zu Demonstrationen in Kairo vor der israelischen Botschaft kam, bei denen die israelische Flagge heruntergerissen und durch eine ägyptische Flagge ersetzt wurde.Die säkularen demokratischen Vertreter und die neu gegrüdnete Freedom and Justice Party der Muslimbruderschaft trafen sich darauf mit Vertretern des ägyptischen Militärrats,um den Grenzkonflikt mit Israel zu diskutieren. Betont wurde, dass Ägyptens Armee trotz der innenpolitischen Situation imstande sein müsse, israelischen Aggressionen zu begegnen:

FJP Delegation Discusses Sinai Incident With SCAF

Officials from the Interior Ministry, the governor of Sinai, and representatives from numerous political factions attended a meeting with SCAF on Saturday to discuss the Israeli ambush on Egypt’s borders which resulted in the deaths of policemen and soldiers.

 

Sunday, August 21,2011 17:35

by Hussein Mahmoud

IkhwanWeb

Officials from the Interior Ministry, the governor of Sinai, and representatives from numerous political factions attended a meeting with SCAF on Saturday to discuss the Israeli ambush on Egypt’s borders which resulted in the deaths of policemen and soldiers. Freedom and Justice Party leaders Salah Altabrany, and Abdul Rahman Alshorbagy attended the meeting.

Alshorbagy stressed that history has repeatedly proven that the armed forces in Egypt is able to defend its people just as it did in 1973 during the war against Israel, and again when it refused to get involved in Mubarak’s scheme against the people during the January Revolution.

Today he said time has come for the military to do its part and secure its land and defend it against any Israeli assault or signs of aggression.

He stated that while development and reform are significant in the upcoming phase so is Egypt’s security and the loss of forces from the army must not be dealt with lightly.

http://www.ikhwanweb.com/article.php?id=28959

Die Muslimbruderschaft forderte dazu auf, die Israelpolitik angesichts der israelischen Angriffe zu überdenken, den israelischen Botschafter aus Ägypten auszuweisen und den Boden Ägyptens und seine Söhne zu verteidigen. Der Aufruf der USA, dass Ägypten seine Grenze vom Sinai zum Gazastreifen besser überwachen solle, wurde als Einmischung in innere Angelegenheiten abgetan.

MB Demands Gov’t Reviews Foreign Policy Towards Israel Following Border Attacks

Following the aggressive Israeli attacks which left Egyptian soldiers at the border dead, the Muslim Brotherhood released a statement Sunday demanding that the Israeli Ambassador be expelled from Egypt and the Egyptian Ambassador in Tel Aviv summoned.

 

Sunday, August 21,2011 00:45

 

IkhwanWeb

Following the hostile Israeli attacks on Egyptian borders which left three soldiers dead, the Muslim Brotherhood (MB) released a statement Sunday demanding that the Israeli Ambassador be expelled and the Egyptian Ambassador in Tel Aviv summoned. The statement also called for reviewing the peace treaty with Israel and restoring full control over Sinai.

The statement asserted that Egypt is different after the revolution, and such a crime should not be without consequences.

The MB’s statement warned that Israel is wrong if it believes that the Egyptian army is too preoccupied with domestic politics, or the disagreements among country’s political forces around domesitc issues, will give it the opportunity to commit its crimes without being held accounatble.

„All Egyptians, regardless of ideological differences, always have and always will be united together and with the army and will not tolerate any aggression against their country“

“Egyptians are prepared to fight and defend their nation’s soil and sons,” the statement added.

Meanwhile, the MB rejected statements by US Secretary of State Hilary Clinton calling on Egypt to secure its borders, describing it as an unacceptable interference in Egypt’s affairs. It added that Egypt knows well how to protect its land and people.

http://www.ikhwanweb.com/article.php?id=28955

Gleichzeitig empfing die Muslimbruderschaft am 19. August eine Delegation der Hamas, um über das Versöhnungsabkommen mit der Fatah zu diskutieren:

MB Chairman Discusses Palestinian Reconciliation With Hamas Delegation

Muslim Brotherhood Chairman Dr. Mohamed Badie met with Hamas delegation led by the movement’s political bureau chief, Khaled Mashaal, at the group’s headquarters, Wednesday.

 

Friday, August 19,2011 02:51

 

IkhwanWeb

Muslim Brotherhood Chairman Dr. Mohamed Badie met with Hamas delegation led by the movement’s political bureau chief, Khaled Mashaal, at the group’s headquarters, Wednesday.

During the meeting, the two tackled bilateral relations especially following the January 25 Revolution, and Palestinian developments, particularly reconciliation between Hamas and the Fatah party and other political factions.

The Hamas delegation, which includes Mousa Abu Marzouk, Samy Khater, Mohamed Nasr and Nazar Awad Allah, also met with the MB chairman and other members of the MB Executive Bureau including MB deputy Chairman Eng. Khairat AlShater, Dr. Mahmoud Ezzat and Gomaa Ameen.

The MB chairman presented the Hamas leader a souvenir carrying the group’s emblem.

http://www.ikhwanweb.com/article.php?id=28950

Währscheinlich wird es bei diesen Gesprächen aber auch über die Unterstützung der Hamas durch die Muslimbruderschaft, sowie über  die Eröffnung eines Hamasbüros in Kairo gegangen sein—zumal unklar ist, ob die Hamas ihr Büro in Damaskus angesichts der innenpolitischen Entwicklung in Syrien weiter betreiben kann. Kairo wird seitens der Hamas als günstige Alternative gesehen, zumal der Sinai  Äygptens direkt an den Hamas-kontrollierten Gazastreifen grenzt, was sich für die Logistik für Terroranschläge günstig auswirken könnte.Dennoch bleibt unklar, ob die Hamas Syrien wirklich verlassen muss. Als breaking news platze ein Bericht des Hudson-Institutes namens „ Die USA betrügen die syrische Opposition“ hinein, indem behauptet wird, dass die USA beim Sturz Assads in Syrien auf eine Kooperation der islamischen Erdogan-Türkei mit der syrischen Muslimbruderschaft setzen und die säkularen Gruppen nicht unterstützen würden. Bezeichnend sei, dass die US-Regierung mit den syrischen Muslimbrüdern in Kontakt stehe,während sie den Umgang mit dem Syrian Democracy Council, einer Organisation ethnischer und religiöser Minoritäten, meide.

(http://www.worldtribune.com/worldtribune/WTARC/2011/me_syria1033_08_17.asp).

Inwieweit diese Meldung wahr ist, ist schwer zu überprüfen.Die ägyptische Muslimbruderschaft zitiert den Hudsonreport über die angebliche Achse syrische Muslimbruderschaft-Türkei-USA  jedoch gerne, um nun auch offizielle Kontakte zwischen der ägyptischen Muslimbruderschaft und den USA zu fordern, wie auch jüngste Warnungen des republikanischen US-Kongressabgerodneten Eric Cantors vor einem Sieg der ägyptischen Muslimbruderschaft Wind aus den Segeln zu nehmen. (http://www.ikhwanweb.com/article.php?id=28947)

Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob Israel wie 2008 eine Militäroffensive gegen Gaza abhält und inwieweit das Territorium des Sinai, der zunehmend zum Nachschub- und Operationsgebiet für palästinenische Terrorgruppen zu mutieren droht, davon betroffen ist.Ebenso von Bedeutung ist die weitere innenpolitische Situation in Syrien. Sollte Assad gestürzt werden und die syrische Muslimbruderschaft an die Macht kommen, wäre es durchaus denkbar, dass sich Israel langfristig wieder in einem Mehrfrontenkrieg mit Ägyptens und Syriens Muslimbruderschaft und der Hamas wiederfinden könnte.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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