Zeltdorf in Berlin geräumt–nächster Zeltmarsch: 2.September 16:30 Brandenburger Tor/Berlin

 In Anknüpfung an die Zeltstädte in Israel, Spanien und Griechenland haben unbekannte Gruppen unter dem Pseudonmy ACAMPada per Internet mit dem Slogan „Empört Euch!“ ( in Anlehnung an das gleichnamige, in allen Medien gehypte Buch des französischen Altrevoluzzers Stephane Hessel) zu einer Zeltdemo am Alexanderplatz in Berlin gegen Sozialabau, für eine gerechte Gesellschaftsordnung und echte Demokratie aufgerufen. Es sollen an die 100 Leute gekommen sein, jedoch schritt die Polizei schon präventiv ein und räumte das Zeltlager, um auch nicht den Keim eines Protestes aufkommen zu lassen.Es bleibt unklar, wer die Organisatoren sind, ob sie ähnliche Aktionen wiederholen oder im gesamten Bundesgebiet durchführen wollen und was  hinter ihren Forderungen nach einer gerechten Gesellschaftsordnung und echter Demokratie konkret steckt, bzw. wie sie sich dies vorstellen. Der Aufruf, sowie das „Manifest“bleiben in sehr abstrakter Phrasensprache und sind derart allgemein und unkonkret gehalten, das man nicht sehr viel damit anfangen kann. Die Idee scheint zu sein unter diesen abstrakten Forderungen möglichst viele Leute breit anzusprechen und die Zeltstadt dann zu einem Ort der öffentlichen Diskussion zu machen. Das könnte ja lustig werden, wenn NPD, Linkspartei und Autonome dann ihre jeweilige Version von echter Demokratie und gerechter Gesellschaftsordnung an einem Ort friedlich austragen wollten. Von den deutschen Parteien, selbst der Linkspartei war keinerlei Reaktion hierzu zu vernehmen. Bei der NPD auch nichts. In den deutschen Medien wurde über die Aktion überhaupt nicht berichtet, bei den Verschwörungsseiten nur bei Infokrieger—dieser verteilte den Aufruf aber nicht, da kein Verantwortlicher für die Demo auszumachen war. Lediglich die russischen Medien berichteten kurz über die Zeltdemo und erweckten den Eindruck, dass nun auch in Deutschland die Ansätze für eine Rebellion gegeben sein.Entweder wird diese Zeltstadt ünerhaupt nicht wahrgenommen oder aber alle warten, wie sie sich entwickelt und wollen dann auf den fahrenden Zug springen. Jedoch: Mit einer derart chaotisch-diletantischen Organisation und derart unkonkreten Forderungen ist wohl kaum zu erwarten, dass dies Beispiel Schule macht. Es ist auch nicht vertauenserweckend, wenn lieber anonym bleibende Leute zu einer Demo aufrufen–entweder sie sind zu feige, mit offenem Visier zu kämpfen oder es ist , die Idee, dass es keine Führer und Leitgruppen geben sollte oder es ist diese Anonymsierungstendenz ala Anonymus in der Hackerszene, das auf Schwarmverhalten setzt.Es reicht halt nicht ein paar Zelte aufzustellen und ein paar abstrakte Forderungen zu stellen, in der Hoffnung nun möge alles wie in Tel Aviv oder Spanien kommen. Die Gruppe will jedoch nicht locker lassen und hat den nächsten Zeltmarsch für den Freitag, den 2. September um 16:30 mit Treffpunkt Brandenburger Tor angekündigt. Also mal sehen, wie das weitergeht. Sollten Leute zu diesem Ort und zu dieser Zeit am zweiten Zeltmarsch da sein, informiert uns doch bitte darüber–vielleicht als Kommentar. Hier zu Dokumentationszwecken der Aufruf und das Manifest der Gruppe,damit sich jeder selbst ein Bild machen kann.

AUFRUF

Montag, 29. August 2011

Wer zeltet, kann verlieren. Wer nicht zeltet, hat schon verloren. – Der Zeltmarsch in der Retrospektive

#alex11 – aCAMPada Berlin und die Zelte – das ist für viele von uns untrennbar. 

Wir denken, ein Demokratiecamp sollte auch in Deutschland möglich sein und das wollen wir auch unseren Freunden in aller Welt zeigen. 

Wir wollen zeigen, dass auch in diesem Land eben nicht alle Menschen mit den Entscheidungen einverstanden sind, die getroffen werden um „Märkte“ zu beruhigen oder den Euro zu „retten“. Denn oft stehen Zwangskredite und Sozialababbau  bei unseren europäischen Nachbarn im Zusammenhang mit solchen Maßnahmen.  „Reformen“, die wir hier auch bald wieder zu erwarten haben, wenn wir nicht zeigen, dass wir mit einer solchen Politk nicht einverstanden sind. Das Muster ist immer das selbe: 

Panikmache, Ankündigungen alles würde total schlimm werden und danach die Belehrung sozialer Raubbau sei nun die einzige Alternative. Wir Menschen, die sich seit dem 20. August 2011 auf dem Alexanderplatz versammeln, sagen nein zu einer solchen Politik und dies wollen wir auch zeigen: 

Mit unseren eigenen Symbolen, mit Kreativität, friedlich und basisdemokratisch. Dass es dabei oft auch mal Streit gibt und vielen Menschen vieles zunächst unklar bleibt, ist Teil des Prozesses. 

In den letzten Tagen kam öfter die Frage auf, was die Menschen auf dem Alexanderplatz eigentlich wollen. Einfach gesagt: Eine gerechte Gesellschaftsordnung. 
Gerechtigkeit ist das Ziel und Demokratie ist der Weg dahin. 
Echte Demokratie – mit Versammlungs- und Meinungsfreiheit. 
Derzeit entstehen viele neue Texte, die all das noch besser erklären sollen, doch bietet eines unserer „Manifeste“ schon eine erste Annäherung. 


Nach den restrikiven Einschränkungen des Versammlungsrechts verabredeten sich die Empörten letzten Freitag um gemeinsam mit Zelten vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz zu marschieren. Die Bilder der gewaltsamen Räumung sollten mittlerweile jedem bekannt sein. Doch handelte es sich bis dahin um eine friedliche, kreative Demonstration an der Menschen aller Altersklassen und aus jeder sozialen Schicht teilnahmen.

http://acampadaberlin.blogspot.com/

MANIFEST

Unser Manifest

Am 17.12.2010 verbrannte sich in Tunesien ein Gemüsehändler auf einem Marktplatz. Mohammed Buazizis war gerade einmal 26 Jahre alt und der Ernährer einen großen Familie. Es war eine Tat, die rund 100.000 Tunesier auf die Straßen brachte, die dann wiederrum den tunesischen Despoten Ben Ali aus dem Amt trieben. In riesigen Chören forderten sie Freiheit und formten den Gedanken: „Ab jetzt, echte Demokratie!“

Dieser Gedanke breitete sich aus nach Ägypten, auch dort erkannten die Menschen, dass sie selbst der Souverän sind und riefen:

„Lasst uns zeigen, dass wir viele sind! Wir sind die Menschen und wir fordern nichts großes, wir fordern unser Recht auf ein anständiges Leben!“

Auf dem Alexanderplatz in Berlin treffen sich seit dem 05.06.2011 Menschen, die sich mit dieser Idee identifizieren. In Anlehnung an die in aller Welt entstehenden Demokratiebewegungen fordern auch wir:  „Echte Demokratie- JETZT!“. Doch forden wir dies nicht als Selbstzweck. Demokratie ist der Weg – soziale Gerechtigkeit ist das Ziel dieses Weges.

Der Begriff  aCAMPada (camping) hat seit Mitte Mai 2011 Einzug in die Protestbewegung erhalten. Die Menschen, die in Spanien auf die Straße gegangen sind, um die Plätze dauerhaft zu besetzen, sind ein Vorbild für uns: Die Platzbestzung ist einerseits ein Symbol, vor allem erfüllt sie aber einen ganz praktischen Zweck: Durch das Besetzen der Plätze schaffen wir uns unsere eigenen Foren im öffentlichen Raum, kommen zusammen und beginnen uns über ganz grundlegende Fragen menschlichen Zusammenlebens auszutauschen. Fragen, die letzendlich jeden betreffen und im Verlauf der aCAMPada immer konkreter werden.

Den Weg der vor uns liegt, müssen wir selbst auch erst noch gehen. Wir kennen ihn deshalb noch nicht gänzlich. Doch stehenbleiben werden wir nun auch nicht mehr. Enttäuschungen, Freude, Glück und Verzweiflung werden uns ständig begleiten. Und alles beginnt mit einigen einfachen Wahrheiten:

„Ich möchte gerne frei sein.“ 

„Ich möchte keine Angst mehr haben“ 

„Ich möchte helfen“ 

„Ich glaube, ich kann etwas ändern“ 

„Ich werde für meine Rechte auf die Straße gehen“

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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