Eurokrise–ein Kurzkommentar

Dass der Euro kollabiert, dafür sprechen schon die letzten Zeichen: Ertens: Für die Hebel (20-30% staatliche Garantien, 70-80% private Investoren) finden sich nicht die gewünschten Investoren–vom Käuferstreik ist die Rede. Dann die sich abschwächende Realwirtschaft–die UNO hat ihren Wachstumsbericht nach unten korrigiert auf 0,5%–selbst China scheint inzwischen betroffen. UND:
Dann die konzertierte Aktion der grössten westlichen Zentralbanken, um einen Vertrauensboykott seitens der Banken entgegenzuhalten.Merkel und Sarkozy werden wahrscheinlch nun die europäischen Verträge mit Automatismen und stärkerer EU-Finanzkontrolle umschrieben lassen, um dann vielleicht doch Eurobonds auszugeben. Sollten diese ausgegeben werden, dann entwickelt sich die Finanzkrise von der Banken zur Staaten–zur wirklichen Eurokrise. Dann wird nicht mehr gegen einzelene Länder spekuliert, sondern gegen den Euro insgesamt.Fraglich, obn der das aushält.Der Streit wird dann auch unter den EU-Ländern entbrennen, wieviele Eurobonds man dann ausgibt.Selbst wenn das alles funktionieren würde, wären doch Rezessionen aufgrund der Sparprogramme, Arbeitslosigkeit und Inflation zu erwarten.In diesem neuen Umfeld wird es neue rechte Parteien geben.Und wenn der Euro kollabieren sollte, erst recht!!! Dann wird halt die Rückkehr zur DM oder zum Nordeuro dazu führen, dass Deutschland in der ersten Zeit seine Exporte völlig abwürgt (wie die Schweiz, die aufgrund des hohen Frankens ihre Währung schnell wieder an den Euro koppelte, da sie sonst wirtschaftlich dem Exitus entgegengegangen wäre), dann würde der deutsche Markt mit Billigimporten überschwemmt und die Folgen kann man sich ausmalen. Egal,ob man beim Euro bleibt oder zur DM zurückkehrt oder ala Henkel einen Nordeuro schaffen will–die Bevölkerung wird zahlen und das mit Arbeitslosigkeit und Inflation. Mal sehen, ob dies unsere Gutwetterdemokratie dann aushalten wird, denn dann werden Parteien von rechter Seite den Markt schwemmen.Was aber ergibt sich aber dann als Hauptstossrichtung an Forderungen gegen die globalisierte Finanzindustrie? Wenn schon Nationalstaaten und deren Politiker so ohnmächtig sind, braucht es da nicht eine internationale Bewegung von unten, die global agiert? Will man mehr zurück zum Nationalstaat oder mehr Europa oder mehr internationale Gegenkräfte, die auch einen Währungskrieg zwischen US$, Euro, Yen und Yuan abwenden können?Hier könnten ja die Slogans der Occupy-Bewegung in Richtung einer Weltrevolution richtungsweisend sein.Läuft es dann nicht doch auf eine Weltregierung hinaus oder eine starke internationale Bewegung, die die Grenzen des Nationalstaates transzendiert?

Die Frage ist auch, ob diese Krise damit erkannt worden ist,wenn man eine gierige Bankerschicht und ihre Boni zum Kern des Problems erklärt.Der Punkt ist doch der: Die lange Welle des Kapitalismus aufgrund der Elektronik- und PC-Sparte ist mit dem New Economy Crash 2001 fast zum Erliegen gekommen.Gleichzeitig waren auch die Investitionen in die BRIC-Staaten und die emerging economies übersättigt.Dazu die Deregulierungen seit Thatcher und Reagan.Massig überflüssiges Kapital konnte nicht mehr verwertet werden.Hier griff der US-Sozialstaat ein mittels der Wohnbauförderung auf für untere Schichten und garantierte dies (subprime(.
Ähnlich wie in den 20ern erfolgte der Boom der Automobilindustrie unter Ford einhergehend mit den Ratenkredtien, die zu 1929 führten.Die subprime-Kredite sind vergleichbar mit Fords Ratenkrediten und dem damaligen „golden age“, das dann von seinem rapidem Absturz überrascht wurde am Black Friday 1929.
Es ist also nicht nur das Problem einer kleinen Schicht, die zu gierig ist–das wäre ein nettes Feindbild–bringt sie alle um oder enteignet sie und damit wäre das Problem eben nicht gelöst. Es ist mehr ein Problem der Anlagemöglichkeiten und der Überakkumulation, die dann nicht mehr angelegt werden kann.Die Forderungen müssen daher sein. Gegenseitige Öffnung der Märkte, Förderung von new economies, Regulierung der Finanzmärkte, aber eben nicht: Henkt Ackermann!!!

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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1 Response to Eurokrise–ein Kurzkommentar

  1. Ingmar sagt:

    Hallo, ich bin mal so frei und schreibe was auf deiner Seite. Sieht super aus! Ich beschaeftige mich auch seit kurzem mit WordPress steige aber noch nicht durch alle Funktionen durch. Dein Blog ist mir da immer eine willkommene Motivation. Weiter so!

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