Die Wüste des deutschen Rechtsintellektualismus

 

Die Rechtsintellektuellen scheinen in Deutschland mit Heidegger, Jünger, Carl Schmitt, Spengler und Mohler (Konservative Revolution) ausgestorben zu sein. Die Junge Freiheit versucht sich zwar wie auch die Danubia intellektuell zu geben, aber es bleibt nur oberflächlicher Teint.Letzte verzweifelte Versuche sind eben Sarrazin und Henkel, die versuchen sich als intelektuelle Vordenker zu gebärden.Sehr viel mehr ist da aber nicht in Sicht ausser vielleicht noch Frank Schirrmacher (FAZ/“Der Methusalemkomplex“),Miegel, Sloterdijik, Eva Herrmann und Baring („Bürger auf die Barrikaden!“).

Kann von Guttenberg der neue Vordenker des deutschen Rechtsintellektualismus werden?Wenn ich den Titel seines Buches „Vorerst gescheitert“ lese, habe ich da meine ernsthaften Zweifel. Die Hälfte des Buches dürfte sich erst mal um Ego-Geschichten drehen, ob da noch Platz bleibt für Visionen oder andere Geselschaftsentwürfe oder eine Auseinandersetzung mit dem bisherigen Rechtsintellektualismus und seiner zukunftsträchtigen Weiterentwicklung–fraglich.  Von der Kritik wird es kaum erwähnt, noch von rechsintellektuellen Kreisen als neues richtungsweisendes Machwerk, dem man irgendwelche Bedeutung zollen würde!!! Da bleiben scheinbar nur Henkel, Sarrazin, Baring und Miegel.

Und Sloterdijik? Der SPIEGEL hatte ja mal eine Titelstory über die „Krise der deutschen Philosophie“gehabt.Es ist auffällig, dass Deutschland nur noch 2 wesentliche Philosophen hat: Habermas und Sloterdijik.Letzterer ist ein gewendeter 68er, moderiert das „Philosophische Quartett“ im ZDF und ist durchaus sozialdarwintischen, elitären und eugenischen Gedanken zugeneigt.Ihm fehlt jedoch die Brillianz zum konservativen Vordenker, wie auch die Tradition und er ist mehr dem deutschen Publikum bekannt als eine internationale Grösse ala Habermas zu sein.Auch im deutschen Raum wird er nicht als Geistesgrösse eingeschätzt.

Die Frage ist, inwieweit man die Junge Freiheit und ihr Konzept der kulturellen Hegemonie ernst nimmt.Die Junge Freiheit hat sich inzwischen bei Konservativen einen Platz erobert, sowie bei der Bundeswehruni Neubiberg neuerdings Einfluss auf das Jungoffizierskorps mittels der Zeitschrift CAMPUS errungen.
Aber kulturelle Hegemonie hängt auch damit zusammen, ob man ein intellektuell brilliantes Opus wie „Das Kapital“, „Die konservative Revolution“oder „Der Untergang des Abendlandes“hat. Man kann mit mittelmässigen Vordenkern nicht kulturelle Hegemonie erreichen. Ein Insidertip in der rechtsintellektuellen Szene ist z.B. der Mohleradept Karlheinz Weißmann. Wikipedia schreibt über Karlheinz Weißmann:

Weißmann gilt, wie seine Mentoren Armin Mohler und Rainer Zitelmann bei Ullstein/Propyläen, als ein Vordenker der Neuen Rechten. Er publiziert seit Jahren in der rechtskonservativen Wochenzeitung Junge Freiheit. Er ist der wissenschaftliche Leiter des Instituts für Staatspolitik (IfS). Die Gründung des IfS, das kein „Reemtsma-Institut von rechts“ sein will, ging wesentlich auf seine sowie Götz Kubitscheks Initiative zurück. Weißmann schreibt regelmäßig in der vom IfS herausgegebenen Zeitschrift Sezession.
Andrzej Madela bezeichnet Weißmann in der Jungen Freiheit zusammen mit Heimo Schwilk, Ulrich Schacht und Brigitte Seebacher-Brandt als die „herausragenden Kulturpatrioten“ der Neuen Rechten. Ihnen ginge es wesentlich um das Konzept einer nationalistischen Metapolitik, also um die kulturelle Hegemonie im vorpolitischen Raum, die eine Hegemonie in den Parlamenten vorbereiten soll. Strategisch und weniger inhaltlich stünden sie im Gegensatz zu den Protagonisten eines „Patriotismus der neuen Herausforderungen“ wie den „Machtpragmatikern“ um Arnulf Baring, Klaus Hornung und einigen „pragmatischen Konservativen“ innerhalb der Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Das konservative Internetmagazin Eigentümlich Frei (ef) kritisiert Weißmann jedoch heftig.Er scheint für konservativen Geschmack doch etwas zu sehr an der Oberfläche zu bleiben und beantwortet vor allem die elementare Frage „Wo steht die neue Rechte?“eben gerade NICHT.

Karlheinz Weißmann: Demokratie, Faschismus und Neue Rechte
von André F. Lichtschlag
Wahr, gut, schön und pipiwarm?
Der Vordenker der Neuen Rechten, Karlheinz Weißmann, ist ein origineller und kluger Kopf. Einer, der sich auch an die ganz schwierigen Fragen herantraut. Einer, der viel auf einen „rechten, nüchternen Stil“ wert legt und deshalb „nicht lange herumredet“. Zu den in Deutschland ganz schwierigen Fragen zählen die Themen „Demokratie“ und „Faschismus“, jedenfalls wenn man sich ihnen diesseits politisch korrekter Floskeln, also unvoreingenommen nähert. Ein Fall für Weißmann, sollte man meinen.
Tatsächlich hat der Autor in diesem Monat gleichzeitig ein kleines Büchlein in der Antaios-Serie unter dem Titel „Post-Demokratie“ publiziert sowie im Internettagebuch der Zeitschrift „Sezession“ eine sechsteilige Serie über „Faschismus“ gestartet (heute morgen ist der fünfte Teil erschienen). Insofern muss man Karlheinz Weißmann für seinen Mut danken.
Doch Weißmann bleibt zuweilen hinter seinen Möglichkeiten und den eigenen Ansprüchen zurück, er laviert herum fast wie ein dialektischer Linker und vermeidet – bislang – eine eigene klare Position.
Im Demokratiebüchlein etwa nehmen Exoten wie „Technokraten“ breiten Raum ein, tiefgreifende Demokratiekritiken aus libertärer, konservativer, monarchistischer, liberaler und katholischer Tradition aber werden entweder in Nebensätzen oder überhaupt nicht erwähnt. Es ist sicher kein Zufall, dass die fundamentalste Demokratiekritik der letzten Jahre, das Buch „Demokratie – der Gott, der keiner ist“ von Hans-Hermann Hoppe indirekt nur in einem Nebensatz erwähnt wird und in den Literaturanmerkungen fehlt. Hoppes vielgliedrige Demokratiekritik aus ökonomischer Perspektive wird nicht zur Kenntnis genommen.
Noch ungewöhnlicher für den strammen Rechten: Weißmanns eigene Position zur Demokratie bleibt völlig nebulös, am Ende ist es ihm nur wichtig zu erklären, dass der Staat an sich wichtiger sei als die Staatsform – wahrlich keine Überraschung für einen Denker, der ein „Institut für Staatspolitik“ gegründet hat. Und doch eben im Vergleich zu Hoppe eine Nullnummer, der sich von der entgegengesetzten, (extrem) staatskritischen Seite demselben Thema näherte, und der es dennoch nicht unterließ, verschiedene Regierungsformen auch zu vergleichen und entschieden zu bewerten.
Die ersten vier Folgen der Faschismus-Serie Weißmanns sind am Ende ähnlich enttäuschend. Auch hier nehmen Exoten breiten Raum ein, wichtigeres wie etwa die Stellung des Faschismus zur Demokratie wird allenfalls zum Randaspekt. Im Aufsatz „Faschismus – liberal“ wird wie zuvor im Demokratie-Büchlein der Gegensatz zwischen Demokratie als Herrschaft aller über alle (und damit letztlich als Verneinung des Privateigentums) und der liberalen Idee als Herrschaft (Eigentum) des Einzelnen über sich selbst nicht benannt. Ludwig von Mises wird zwar zitiert, aber der Grund für dessen kurze und leichte Faschismus-Sympathie, wie bei Hoppe auf der Ökonomischen Analyse und dem Eigentumsrecht beruhend, bleibt unentdeckt und unerklärt. Statt dessen wird ein liberaler Sozialist wie Rathenau zum liberalen Faschisten hochgedeutet oder ein Mussolini ergebener deutscher Journalist zum liberalen Beispiel erhoben.
Ähnlich lückenhaft ist – bei aller Dankbarkeit für auch hier zuweilen originelle und bislang unbekannte Beispiele – der Aufsatz „Faschismus – links“. Dass linke und rechte Totalitäre dieselben Wurzeln haben, wer hätte das gedacht? Ja, der Faschismus hat dieselben sozialistischen Wurzeln – breit und tief zuletzt herausgearbeitet von Josef Schüßlburner in seinem Buch „Roter, brauner und grüner Sozialismus“. Von Weißmann verschwiegen.
Dass und warum deshalb auch die allermeisten Faschismen und Faschisten als Nationalismen oder Sozialismen eigentlich links anzusiedeln sein müssten, hat Erik von Kuehnelt-Leddihn in seiner Aufzählung „Was ist links?“ erklärt. Auch Kuehnelt-Leddihns Überlegungen zum Thema „Faschismus und Linke“ fehlen.
Warum? Um den Faschismus nicht nur ein wenig den Linken und Liberalen in die Schuhe zu schieben, sondern gleichzeitig auch ein wenig für sich als Neuen Rechten zu retten? Aber nur ein bisschen? Nur halbherzig?
In seinem jüngsten Aufsatz von heute morgen nähert sich Weißmann dem Minenfeld doch, welches er so elegant umkurvte. So bemerkt er: „Mit letzter Schärfe wurde die Bruchlinie zwischen dem Faschismus und der traditionellen Rechten deutlich, nachdem der Faschismus als politische Kraft verschwunden war. Natürlich hatte es immer Kritik aus dem Lager der Liberalen, der Konservativen und der Reaktion gegeben, aber in der Unübersichtlichkeit der konkreten Lage war der Gegensatz niemals so prinzipiell gefasst worden wie in der Beurteilung ex post.“ Wir halten fest: die Bruchlinie zwischen traditionellen Rechten und Faschismus. Die eigene Position Weißmanns als Neuer Rechter bleibt dabei unbestimmt. Liberale, Konservative und Reaktionäre aber sieht er am Ende doch als Widersacher des Faschismus. Er fährt fort: „1963 veröffentlichte Julius Evola einen Essay Il Fascismo. Darin entwickelte er eine Kritik aus der Perspektive der authentischen Rechten, derzufolge der Faschismus vor allem als eine Variante jener demokratischen Massenbewegungen zu betrachten ist, die seit 1789 den Untergang des Abendlandes herbeiführten.“ Also doch, wenn auch mit Evola, die Thesen Schüßlburners, Hoppes und Kuehnelt-Leddihns – der Bezug auf 1789 als linke, demokratische, nationalistische und sozialistische Scheidelinie. Weißmann schließt treffend: „Was Evola in der Zeit der faschistischen Herrschaft noch mit einem gewissen Wohlwollen beurteilt hatte – die Verteidigung von Königtum und Hierarchie, der Kampf gegen den Parlamentarismus und das Mehrheitsprinzip – erschien ihm jetzt nur noch als Halbheit. Der Faschismus versagte vor der Aufgabe, den Abgrund der Revolution zu schließen, weil er selbst aus diesem Abgrund aufgestiegen war.“
Wird Weißmann im sechsten und letzten Teil die eigene Position offenlegen? Wenn Liberale, Konservative und Reaktionäre gegen den Faschismus stehen, zumindest da wo dieser Masse, Demokratie, Nationalismus und Sozialismus verinnerlicht hat, dort also, wo er ein Kind der französischen Revolution und mithin der Linken ist – wo stehen dann Weißmanns Neue Rechte? Für Masse, Demokratie, Nationalismus und Sozialismus? Sind die Neuen Rechten am Ende so links wie mancher Faschismus?
Auf echte Antworten darf man gespannt sein. Lauwarmes Lamentieren über Demokratie und Faschismus ist Weißmanns Sache jedenfalls nicht.

http://ef-magazin.de/2009/03/27/1061-karlheinz-weissmann-demokratie-faschismus-und-neue-rechte

Wenn Weißmann nicht mal eine so elementare Frage beantworten kann, wo die Neue Rechte steht, ist das eher ein intellektuelles Armutszeugnis.Zumal die Junge Freiheit den Begriff Neue Rechte ja selbst ablehnt und als Kampfbegriff gegen sich sieht.
Das Institut für Staatspolitik von Götz Kubitschek und dessen Zeitschrift Sezession ist bisher mehr eine Randerscheinung, genauso wie seine „Konservative-Subversive Aktion“ (Stören linker Veranstaltungen mit youtube-Aufzeichnung), von der man inzwischen nichts mehr hört.
Sezession hat immer noch nicht den Leserkreis etwa von Schrenck-Notzings Criticon, welches auch mehr ein Insidertip unter den Konservativen war. Es kommt darauf an, inwieweit solche Publikationen auch massenwirksam werden, als Parteiprogramm dienen können, medial über das sektiererische intellektuelle Zirkelwesen hinaus transzendieren und sich über die Stellung eines Insiderlektüretip erheben–da fehlt es bei weitem.Da ist Sarrazins „Deutschland wird abgeschafft“ oder Henkels „Rettet unser Geld–Deutschland wird ausverkauft“ allemal näher am Puls der Zeit, aber auch dies sind mehr ökonomitische Schriften, die keinen breiteren Gesellschaftsentwurf formulieren.Wobei ich mir durchaus vorstellen könnte, dass Henkel, der ja selbst mit der Jungen Freiheit kooperiert, aus deren intellektuellen Beständen plündert und einige der dortigen Rechtsintellektuellen in seine Partei aufnehmen würde. Die Republikaner wollten auch mal mittels des Republikanischen Hochschulverbands (RHV) sich intellektualisieren, was grandios wie auch desaströs scheiterte. Der REP- Nachfolger von SS-Schönhuber, Schlierer stammte zwar aus der Filbingergesponserten Weikhardt-Stiftung, doch auch von dieser hört man kaum etwas und Schlierer ist bei weitem kein rechtsintellektueller Vordenker, sondern ein recht platter Parteiorganisator. Die NPD hat unter Gansel die „Dresdner Schule“ als „Anti-Frankfurter Schule“gegründet–seitdem hat man aber nichts mehr von diesem vorgeblichen rechten Think Tank gehört. Henkel, Sarrazin, Schirrmacher, Guttenberg (???), Sloterdijik, Miegel, Eva Herrmann und Baring sind so die einzigen massenmedialen Vordenker von Einfluss, die die deutsche Rechte noch hat.Und an Heidegger, Jünger, Mohler reichen sie allesamt nicht ran.Nicht gerade viel!!!

Spricht man jedoch von einer Wüste des Rechtsintellektualismus scheint die Wüste des Linksintellektualismus noch verherrender. Das mag damit zusammenhängen, dass die historische Niederlage des Marxismus noch frisch ist angesichts des Zusammenbruchs des Ostblockkommunismus, während der Nationalsozialismus jetzt schon länger Geschichte ist. Fragt man nach führenden Köpfen eines deutschen Linksintellektualismus so kommt man auch nicht auf wesentlich mehr als auf Jürgen Habermas, Johano Strasser, Elmar Altvater, Oskar Lafontaine („Mein Herz schlägt links“), Sarah Wagenknecht („Freiheit statt Kapitalismus“), Heinz Dieterich (Sozialismus des 21. Jahrhunderts) und Dietmar Dath („Maschinenwinter, auch scherzhaft „Lenin 2.0“ genannt). Ansonsten ist auffällig, dass der Popstar der linken Szene Zizek als tschechischer Import bei der deutschen und internationalen Linken gerne als Geheimtip herumgereicht wird, da sie selbst nichts mehr Substantiles zustande bekommt. Das mangelnde „Selbst- und Sendungsbewusstsein“, sowie die „Visionlosigkeit“ des heutigen Linksintellektualimus bejammert auch der ehemalige JuSo-Vordenker Johano Strasser:

Johano Strasser: „Kopf oder Zahl“

Manchmal scheint es, als wolle Johano Strasser den Konservativen die einstigen Untergangsparolen heimzahlen, gegen die er als Vordenker der Jusos so vehement Sturm gelaufen war. Denn schon wieder schlägt uns ein finsterer Umkehr-oder-Ende-Titel entgegen. Dieses Mal geht es um die Rettung des Linksintellektualismus vor den universellen Gefahren einer durchökonomisierten Welt. Von dem einstigen »Selbst- und Sendungsbewusstsein« der linken Intelligenz sei kaum noch etwas übrig geblieben. Hinter deren »kleinkarierter Konkurrenz um öffentliche Aufmerksamkeit« wittert der Autor einen neuen Verrat der Intellektuellen. Dieser wirkt umso schwerer, als Einmischung und Mitspracherecht noch nie so dringlich erschienen sind wie in diesen Tagen. Denn mit der Hinfälligkeit des traditionellen Sozialstaats sieht Strasser auch »die geheime Geschäftsgrundlage der Demokratie« schwinden. Der Logik der Ökonomie müssten daher endlich Grenzen gesetzt werden, um Räume zu erhalten für »autonome kulturelle Äußerungsformen«. Gerade eine Politik, die in den Augen des Autors nur noch der deregulierten Welt hinterherläuft, bedürfe wieder der »Sprecher der Sprachlosen« und »Wahrer der universellen Werte«.

Strasser erinnert wehmütig an die kritische Rolle des Intellektuellen – vom »Agenten der Befreiung« über den »paradigmatischen Citoyen« bis zum »gesellschaftspolitisch aktiven Humanisten«. Doch gegen den Präsenzwahn des modernen Medienintellektuellen kämpft der SPD-Linke auf verlorenem Posten. Denn der Querdenker ist längst zum Hofnarren der sensationsgierigen Unterhaltungsindustrie geworden, der seine Devianzen in klingende Münze umzusetzen versteht. Schlimmer noch: In globalisierten Zeiten halten Experten die Leerstellen der verlassenen Gesellschaftsentwürfe besetzt, große Unternehmen formulieren »Visionen«, mit denen sich Intellektuelle seit 89 längst nicht mehr belasten wollen.

http://www.zeit.de/2005/16/P-Strasser

Zwar würde die aktuelle Krise des Kapitalismus infolge der Finanzkrise theoretisch eine Chance auch für Linksintellektuelle bieten, aber die bisherigen Hauptträger der Bewegung, sei es Attac oder Occupy zeichnen sich gerade durch Theorielosigkeit und der geradezu paranoiden Angst vor Ideologien aus. Die Shelljugendstudie spricht auch dementsprechend von der „pragmatischen Generation“, die sich lieber den Widrigkeiten des Kapitalismus anpasst und eher auf spontane, mehr unpolitische Event- und Happeningprotestformen zurückgreift. Schlechte Karten scheinbar für den Intellektualismus schlechthin, sei er nun rechter oder linker Provinienz.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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8 Responses to Die Wüste des deutschen Rechtsintellektualismus

  1. Ralf Ostner sagt:

    Leo Brux/Initiativgruppe kommentierte den Artikel derfolgt:
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    Das mit den „mittelmäßigen“ Vordenkern trifft es wohl, und dass damit keine kulturelle Hegemonie zu machen ist.
    Die macht alledings Big Money ganz ohne intellektuelles Vordenken. Wenn ich mich so umschaue: Die Jugend hetzt hinter dem Geld und technologischen Neuerungen und platten Vernetzungsformen her – da bleibt keine Energie für Kritik und Selbstbesinnung, die Distanz zur Gesellschaft ist eine rein egoistische. Das Kaufen und Konsumieren, der platteste materialistische Hedonismus beherrscht die Szene.

    Sowas wie kulturelle Hegemonie im klassischen Sinne – Hegemonie von rechts oder von links oder mittig – hat da keinen Nährboden und keinen Rückenwind und keinen Anker.

    Wenn ich mich mal in einen ehrgeizigen rechten Vordenker hineindenke, was hätte ich dann als Möglichkeiten?
    1. eine grundsätzliche und vernichtende Demokratiekritik, die in ein glattes metaphysisches und politikwissenschaftliches Nein zur Demokratie münden würde;
    2. eine vernichtende Globalisierungskritik, die ein Zurückschrumpfen auf Nationen hinausliefe, samt Abschottung gegen Migrationsströme, Aussonderung und Ausweisung „kulturfremder Elemente“;
    3. eine materialismus- und fortschrittskritische Analyse unses mentalen Zustands, der uns nicht mehr erlaubt, Werte zu leben, für Werte zu sterben, statt als ewig klagende Sozialstaatskinder am Rockschoß der Linken und des Geldes zu hängen.
    Alle drei Punkte verurteilen mich dann zur jämmerlichsten Sektiererei, und jeder Versuch, das in praktische, nach Mehrheiten strebende Politik umzusetzen, würden mich in Gegensatz zum Grundgesetz und in Gegensatz zum Zeitgeist bringen.

    Da versteh ich Weißmanns blasse Vorsicht.

    Gäb’s denn ein vorwärtsweisendes Konzept für eine Neue Rechte?
    Ja. Ich wüsste eins. Soll ich es verraten?
    Aber Vorsicht, es klingt abenteuerlich! Leser, die jünger als 40 sind, sollten jetzt wegschauen.

    Ich würde auf das Kommen der Neuen Aristokratie setzen. Die Gesellschaft sortiert sich neu. Es ist aus mit der bürgerlichen Gesellschaft, mit der Gesellschaft, die von der Mitte aus operiert. Es bilden sich wieder – natürlich auf neue Weise, entsprechend der modernen Technologien und ihrer Folgen anders gestaltet – Verhältnisse heraus, die uns an die aristokratische bzw. monarchische bzw. feudale Welt von früher erinnern:

    Oben eine Schicht unendlich Reicher und Mächtiger, die natürlich auch ihre Kämpfe und Kleinkriege untereinander ausfechten, aber gegen die da unten zusammenhalten. Den Status erreichen sie über den Zwischenschritt der Plutokratie. Sobald sie durch Reichtum unerreichbar sind, schotten sie sich ab, verkehren sie fast nur noch unter sich, entwickeln sie ihre eigene Infrastruktur. Sie halten sich eine gestaffelte Dienerschaft: Edeldiener, die gut bezahlt werden und die die eigentliche Herrschafts-Arbeit leisten; Leibeigene, die sich abschuften und – wie früher die Bauern – die Werte schaffen, die über die Edeldiener dann zugunsten der neuen Aristokraten abgeschöpft wird.
    Unten, die große Masse – der Pöbel, die Canaille.
    Ganz unten noch diejenigen, die überhaupt nicht gebraucht werden und die man sterben lassen könnte, soweit man sie nicht dem arbeitenden Pöbel als drohendes Schicksal entgegenhalten möchte.
    Zu alledem braucht man natürlich eine starke militärische und polizeiliche Truppe mit hightech-Kontrolle über den Pöbel.

    Diese neue Struktur ist geeignet, den Planeten zu retten: Man kann die Menschheit mörderisch auf unter 1 Mrd. Menschen reduzieren, man kann den ökonomischen Output reduzieren – der Pöbel braucht nicht viel, und die Aristokratie ist zahlenmäßig so klein, da fällt der umweltproblematische Aufwand nicht so ins Gewicht.

    Zugleich könnte die Neue Aristokratie die Konkurrenz untereinander hinreichend reduzieren, um die Massenvernichtungswaffen nicht zum Zuge kommen zu lassen.

    Mit anderen Worten: Die Demokratie ist unser Untergang. In der Demokratie herrscht der Pöbel – das muss sich ändern. Wir brauchen keine klitzekleine herausgehobene, geheiligte Elite – nur sie kann den Globus in den Griff kriegen.

    Von wem stammt dieser Text? Vom advocatus diaboli.
    Natürlich wär jemand, der mit diesem Ansatz kommt, erst einmal wirklich einer, den man als Teufel verteufeln würde. Aber so ist das eben manchmal, wenn man seiner Zeit voraus ist. Den Preis muss man als Vordenker schon zu zahlen bereit sein.

  2. Ralf Ostner sagt:

    Zu Leo Brux:

    Dein Aristokratenmodell der Supperreichen klingt so ähnlich wie Jürgen Elsäasser, der Merkels Klimaberater unterstellt eine Bevölkerungsreduktion auf eine Milliarden Menschen zu planen und mit seinem Dekarbonisierungsprogramm unter dem Deckmantel des Klimaschutzes einen neuen Genozid vorzubereiten–Zitat von der Elsässerwebseite:
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    Geplant: Die Klimadiktatur bis 2050
    November 5, 2011 in Uncategorized

    Hans-Joachim Schellnhuber, Klimaberater der Kanzlerin, hat einen Masterplan vorgelegt

    In COMPACT 11/2011 haben wir einen Schwerpunkt über den Klimaschwindel. Darin unter anderem Artikel des tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus („Die Freiheit, nicht das Klima ist bedroht“) und des FDP-Europaabgeordneten Holger Krahmer (ein Mitstreiter von Euro-Rebel Frank Schäffler), der seine eigene Partei zur Umkehr in der Klimapolitik ermahnt. Das Inhaltsverzeichnis finden Sie hier, COMPACT abonnieren geht hier.

    Im Klimaschwindel-Dossier ist auch ein Artikel über die Pläne von Hns-Joachim schellnhuber, dem Klimaberater der Kanzlerin. Er prognostiziert der Erde einen baldigen Hitzetod und schlägt deshalb als totalitäte Maßnahme die vollständige „Dekarbonisierung“ des Globus vor: bis 2050 soll der Einsatz von Atomkraft, Kohle, Öl, Gas vollständig gestoppt werden. Nur erneuerbare Ernergien sollen noch erlaubt sein. Über den Wahnsinn dieses Merkel-Experten schreibt Josefine Barthel in COMPACT 11/2011 (Auszüge):

    Es geht aber nicht nur um Deutschland, denn nach altbekannter Manier muss ja gleich die ganze Welt beglückt werden. Global angewendet, ermöglicht eine so geringe Energieflussdichte, wie sie durch erneuerbare Energien zur Verfügung steht, nur das Überleben für etwa eine bis zwei Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Da ist das vage Risiko einer Klimakatastrophe doch vorzuziehen.

    Insbesondere für die Länder der dritten Welt bedeutet Schellnhubers Doktrin eine schnelle und massive Bevölkerungsreduktion. Die perfiden Pläne wurden ruchbar, und als „Dänischer Text“ in der Zeitung The Guardian abgedruckt. Vertreter der Entwicklungsländer auf der Klimakonferenz Kopenhagen stimmten empört gegen das Genozidprogramm. Verständlich: Diese von grünen Jakobinern vorangetriebene Agenda ist das Todesurteil für Milliarden von Menschen in den nächsten zwanzig Jahren. Das reduziert die Weltbevölkerung schlagartig auf weniger als ein Drittel.

    Ausgerechnet in Deutschland agiert die Avantgarde einer globalen ökofaschistischen Bewegung, deren Menschenhass aus jeder ihrer Publikationen und Statements spricht. Das macht auch den entscheidenden Unterschied zur fröhlich-bunten Hippie-Ökoszene der 80er Jahre aus. Damals ging es um die Zukunft der Menschheit – dass wir „die Erde von unseren Kindern nur geborgt“ haben, dass den folgenden Generationen eine gesunde, bessere Welt übergeben werden soll. Heute wird der Nachwuchs als Belastung für den Planeten dargestellt, die Zahl der Kinder soll drastisch sinken.

    Wem nützt das, wer will das? Schellnhuber trägt den Titel „Commander of the Most Excellent Order of the British Empire“, der ihm von Königin Elisabeth II. persönlich verliehen wurde. Sein Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung verweist stolz darauf, dass sich Schellnhuber in der Tradition von Bertrand Russell sieht, die im englischen Königshaus ebenfalls gepflegt wird. Zitat seiner Royal Highness, Prinz Philip: „Falls ich wiedergeboren werde, würde ich gerne als tödlicher Virus zurückkommen, um etwas zu der Lösung der Überbevölkerung beizutragen“.

    Lord Bertrand Russell hat nie verhehlt, ein glühender Verfechter einer Weltregierung zu sein, die die Kontrolle über alle Rohstoffe, Fortpflanzung und Lebensdauer der Bevölkerung, sowie Kontrolle über Wissenschaft und Forschung ausübt. Dagegen ist die Vision Aldous Huxleys von der Schönen Neuen Welt – so der Titel seines bekanntesten Buches – noch ein gemütlich-naiver Schwank.

    Anscheinend sind diese Menschheitsversklaver aber als Berater in höchster Ebene sehr gefragt. So etwa im direkten Umfeld amerikanischer Präsidenten Barack Obama,wo ein gewisser John Holdren sein Unwesen treibt. In Büchern wie Earth and the Human Future propagiert er die Notwendigkeit von Eugenik, gezielter Menschenzüchtung und strikter Bevölkerungskontrolle sowie einer drakonischen Weltregierung. Ein weiterer Verfechter des globalen, genormten, dauerüberwachten Einheits-Nutzmenschen ist Thomas Barnett, der sogar ein Handbuch mit ganz konkrete Handlungsanweisungen verfasste. A Blueprint for Action lässt keinen Zweifel, wie mit denen zu verfahren ist, die die Freiheit, Würde, Rechte und Selbstbestimmung des Menschen verteidigen: „We shall kill them all! – Wir werden sie alle töten!“

    Das Hauptgutachten der WBGU vermeidet diese starken Worte. Scheinbar sachlich heißt es da: „Um eine Dekarbonisierung weltweit voranzutreiben, sollte der Staat seine Rolle als Gestalter bewusst wahrnehmen (…). Das Treibhausgas CO2 sollte möglichst rasch und global mit einem angemessenen Preis belegt werden (…) Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien sollten weltweit eingeführt werden (…) Zur Finanzierung der Transformation und der erforderlichen massiven Investitionen sollten verstärkt neue Geschäftsmodelle herangezogen werden (…).“
    Die brutalen Konsequenzen dieser Zielsetzung formulieren andere. Im schönen österreichischen Alpbach fand am 5. und 6. September 2010 eine Versammlung unter dem Vorsitz von UN-Generalsekretär Ban-Ki-Moon statt. Sechzig Globalisten der obersten Riege trafen sich, um nicht nur die CO2-Legende zu beschwören, sondern gleich die nächste Stufe der Repressionen gegen die Menschheit in Form zu gießen. Ein paar sehr erhellende Auszüge aus einem Arbeitspapier, das aus dem Hotel herausgeschmuggelt wurde, veröffentlichte der US-Sender Fox-News. “Nicht weniger als eine fundamentale Transformation der globalen Wirtschaft ist notwendig, gründend auf den Quellen für saubere Energie, im Rahmen der geeigneten Politik und Marktanreizen, das zu unterstützen.“ Und weiter: »Oder müssen wir den Reset-Knopf drücken und die Weltregierung neu überdenken, um der 50-50-50-Herausforderung gerecht zu werden?«

    Sieh an, ein neues Schlagwort. Was ist die 50-50-50-Herausforderung? Unter diesem Titel wurde eine neue UN-Klimakampagne aufgelegt, die die CO2-Emissionen vor dem Jahr 2050, wenn die Weltbevölkerung angeblich um 50 Prozent zugenommen haben soll, um 50 Prozent senken soll.
    Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen 2009 nahm die Idee, mittels CO2-Steuer das Geld aus den reichen Nationen abzuziehen und umzuverteilen, bereits Form an. In dem Alpbacher Papier tritt dieser Plan jetzt klar zutage. Das Geld soll nicht den Armen zugute kommen, sondern der Errichtung einer Weltregierung dienen. Die armen Länder sollen gezwungen werden, Öko-Kredite aufzunehmen und sich strengen Öko-Vorschriften zu unterwerfen. Damit wären diese Staaten in Schulden gefangen. Die Kredite sollen an Weltregierungsinstitutionen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank zurückbezahlt werden. Ein genialer Schachzug, der mit einem Streich sowohl die reichen Industrieländer ausbeutet und versklavt, als auch die armen Länder auf ewig in Ketten legt. Zur Legitimierung wird in dem die »Globalen Erwärmung« in eine »Bedrohung des Überlebens der Menschheit durch weltweite Überbevölkerung« umetikettiert.
    Die Niederschlagung von Gegenwehr ist einkalkuliert. »Der Aufbau einer stehenden Justiz und von strafenden Institutionen muss vorangetrieben, und von der Einrichtung einer semipermanenten Polizeitruppe begleitet werden – einer dauernden Einsatztruppe, die in den Ländern (…) Gerichte und Gefängnisse errichten.«
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    Nun glaube ich, dass die Merkel zu human veranlagt ist, um wirklich für solch ein Szenario einzutreten.Interessant könnte aber so ein Blueprint für einen neuen rechten Vordenker werden.

  3. Ralf Ostner sagt:

    Das Problem dürfte aber sein, dass die Rechte bezüglich des Klimaschutzes genauso gespalten ist wie bei der Frage des Sozialstaates und ihrer Position zu Israel.Die meisten neuen Rechten, vor allem die libertären lehnen ja Klimaschutz generell als Ökofaschismus ab und sehen darin eine Diktatur gegen die Indsutrie und die Bürger.
    Ihr Sozialdarwinismus und Eugenik verweist nicht auf ökologische Sachzwänge–und falls gelten diese nur für die armen Länder und die ärmeren Bürger.

  4. Leo Brux sagt:

    Danke für die Übernahme meines Kommentars.
    Hier die Fortsetzung, meine Antwort auf deine Antwort:

    Elsässer (als Global Warming Denier u a.) liefert wieder einmal eine Karikatur des radikalen Denkens.
    Global Warming, man-made, ist nun mal hoch wahrscheinlich, und das gegen den Konsens von 99% der Fachleute einfach zu leugnen und als Lüge hinzustellen, und dann noch zu behaupten, diejenigen, die Konsequenzen draus ziehen wollen, würden Milliarden sterben lassen wollen — na ja.

    Schellnhuber hat einen letztlich auch utopischen, aber doch vernünftigen Plan – den Elsässer natürlich nicht kapieren kann, weil er ein Idiot ist und Global Warming für einen Schwindel hält.

    Außerdem: Der Kern meines Aristokratie-Konzepts kommt bei Elsässer nicht vor, oder?

    Wer weiß, vielleicht übernimmt er ihn ja mal – verwandelt in eine Verschwörungstheorie, die mir dann, wenn ich sie lese, die Schamröte ins Gesicht treiben wird, weil mancher sie dann mit meiner nüchternen Antizipation verwechseln wird.

    Jakobiner,
    der Aristokratie-Entwurf ist weder rechts, links noch in der Mitte angesiedelt. Weder die heutige Rechte noch die Linke noch die Mitte können das geringste damit anfangen. Sie alle wären entschieden dagegen.
    Das Problem ist, dass sich dieser Entwurf HINTER UNSEREM RÜCKEN herstellt. Niemand plant ihn. Niemand strebt seine Realisierung programmatisch an. Niemand steht dafür ein. Niemand denkt auch nur daran. Es passiert einfach.

    Ich hab schon am Anfang meines letzten Kommentars gesagt: Weder die Rechte noch die Linke noch die Mitte haben heute eine kulturelle Hegemonie, und sie können sie auch nicht haben, und sie können sie wohl auch nicht mehr bekommen. Die kulturelle Hegemonie liegt beim Kapital selbst, beim Wirken des Geldes, sie liegt im exzessiven Individualismus, im Egoismus, im Materialismus und Hedonismus einer Konsumkultur und Profitkultur, die über Medien und Arbeitswelt unseren Alltag durchdringt. Dafür braucht es keinerlei geistigen oder explizit ausformulierten und propagierten Kulturentwurfs mehr.

    Grammatik funktioniert ohne jegliches Bewusstsein von ihr, ohne jegliche bewusste Kenntnis. So auch kulturelle Hegemonie. Wird sie explizit und ausformuliert, kann man sie kritisieren, kann man Distanz zu ihr organisieren, sogar eine Parallelkultur. Bleibt sie unsichtbar, wirkt sie „totalitär“ – unhintergehbar, unhinterfragbar, jegliches Abweichen von ihr erscheint als Dummheit oder Gemeinheit.

  5. Ralf Ostner sagt:

    Ja,bei Elsässer kommt das Elitekonzept nicht direkt vor, aber indirekt: Die weltweite Finanzoligarchie ordnet sich alles –die Industrie- wie die Entwicklungsländer–unter, errichtet die Ökodiktatur und eine Weltregierung, die dann nur sie und eine Millarde Menschen überleben lässt.

    Was du beschreibst, hat Marx mal als „das notwendige falsche Bewusstsein“ im Kapitalismus genannt, das sich hinter unserem Rücken vollzieht.Dennoch: kapitalistische Trends im ökonomischen Unterbau bringen auch dementsprechende Denker im ideologischen Überbau hervor.Wer sagt uns eigentlich, dass bei Wirtschaftskrisen und Konsumverzicht nicht auch antihedonistische,puritanische Strömungen aufkommen, die sich der Metaphysik, Religion und einer radikalen Verzichts- und Opferideologie verschreiben?Ist das denn undenkbar?

  6. Ralf Ostner sagt:

    Die Weltgeschichte kennt auch immer wieder als antihedonistische Gegenbewegungen grosse „Säuberungsbewegungen“, die gegen vermeintlich korrupte Regierungen und Sozialschmarotzer agitieren und deren Beseitigung und die Errichtung eines „sauberen Staates“ fordern.Als Lesetip dazu den umstrittenen Artikel „Korruption-ein weitgehend untaugliches Argument“:

    http://www.global-review.info/2011/06/24/korruption-%E2%80%94-ein-weitgehend-untaugliches-argument/

  7. Ralf Ostner sagt:

    Antwort von Leo Brux/Initiativgruppe:
    ———————————————————————————————————————-

    Bezüglich des Themas Korruption: Zum Teil stimme ich dir zu – korrupte Politiker können ganz hervorragende Politik machen, und die größten Verbrecher in der Politik waren meistens überhaupt nicht korrupt, von Hitler über Stalin zu Mao.

    Ich denke aber schon, dass Korruption ab einem bestimmten Level wirtschaftlich schädlich ist. Du bringst das Beispiel Mubarrak, und dass es ja nur 5% des ägyptischen BNP war, das er Jahr für Jahr geklaut hat. Dabei rechnest du nicht ein, was die tausend anderen aus seiner Machtclique, einschließlich des Militärs, durch Korruption angerichtet haben. Dann würde man sehen, dass in Ägypten fast nichts mehr ohne Korruption gelaufen ist, mit rasenden Kosten für die Volkswirtschaft und fatalen Auswirkungen auf die Leistungsbereitschaft derer, die die eigentliche Arbeit gemacht haben.

    Es kommt also ganz darauf an, WIEVIEL Korruption es in einem Land gibt.

    Bezüglich Elsässer:
    Er entwickelt eine Verschwörungstheorie, ich eine Theorie der strukturellen Entwicklung, wie sie hinter dem Rücken der Menschen abläuft, analog der Entwicklung einer Feudalgesellschaft und danach der Entwicklung kapitalistischer Gesellschaften. Weder die Feudalisierung noch die Vermarktwirtschaftlichung sind geplant worden. Irgendwann waren die Strukturen dafür da, sind genutzt worden — und DANN von den Begünstigten interessenbewusst festgehalten und ausgebaut und politisch befestigt und ideologisch gerechtfertigt worden.
    Man verkürzt die Story so, dass sie lächerlich wird, wenn man sie zum willentlichen Plan macht, und man verkürzt sie weiter, wenn man nicht das Strukturelle an der Sache in den Blick nimmt.

    Es kann keine finanzoligarchische Weltregierung geben, sondern nur eine finanzoligarchische Aristokratie, die sich ihrer gemeinsamen Interessen partiell bewusst ist und insofern sowohl rivalisiert als auch gemeinsam das aristokratische Privileg verteidigt. Ich glaube nicht, dass es nur eine finanzoligarchische Gruppe sein wird; da kommen alle Milliardäre zum Zuge, die sich einfügen.

    Und wieso sollten ausgerechnet die heutigen Superreichen, die heute so gegen Global Warming Stimmung und Politik machen, heute eine Ökodiktatur anstreben? Gerade die brauchen keine ökologische Politik, die ihnen den Profit reduziert, sondern volle Kanone voraus, was die Ausbeutung der materiellen und menschlichen Ressourcen angeht. Man muss Profit machen können, auch auf Kosten der Umwelt. Die ökologischen Schäden gehen auf Kosten der kleinen Leute, die sich nicht dagegen schützen können. Die Superreichen finden immer noch einen heilen Winkel auf diesem Globus.

    Elsässer ist doch selber einer, der von Exxon Oil bezahlt wird! Das behaupte ich mal ganz elsässerisch aus dem hohlen Bauch heraus spekulierend. Oder beweise mir einmal jemand, dass die GlobalWarmingLeugner nicht im Schlepptau der Ölkonzerne marschieren. Wenn 99% der tatsächlichen Professionellen auf dem Gebiet der Klimaforschung es für hoch wahrscheinlich halten, dass wir es mit einer menschengemachten Auheizung der Erdatmosphäre zu tun haben, und Elässer und Exxon Oil machen dagegen Stimmung, dann darf ich doch wohl annehmen, dass Exxon Oil oder irgend eine andere Geldquelle im Spiel ist – wenn ich elsässerisch verschwörungstheoretisch aufgelegt bin.

    Warum glauben so gut wie alle Menschen entgegen ihrer Intuition daran, dass die Erde rund ist? Weil sie wissen, dass die gescheiten und erfahrenen Leute das glauben. Nicht, weil sie es selber wirklich kapieren – die Erklärung mit der Schwerkraft bleibt den meisten Menschen auch dann fremd, wenn sie sie kennen und für einen vom Baum fallenden Apfel verstehen. Wieso ist für die Neuseeländer der Boden genauso unten wie für die Deutschen? Kaum ein Drittel der Deutschen wird das wirklich verstehen, auch wenn alle es so für wahr halten. Schließlich gibt’s keine YouTubes aus Neuseeland, bei denen die Menschenkörper falsch herum in die Atmosphäre ragen.
    Im Falle von Global Warming müssen wir abwarten, bis es tatsächlich zur Katastrophe kommt, damit die Leute es wirklich glauben und verstehen. So sind wir Menschen nun mal. Wir werden nur durch Schaden klug, und im Falle von Global Warming ist der Schaden für die Menschheit nicht mehr revidierbar.

    Ich sehe keine Entwicklung hin zu Konsumverzicht. Null. Im Gegenteil. Wieso soll ich annehmen, dass aus so etwas die Lösung kommen WIRD?

    Ich unterscheide bei meinen Antizipationen grundsätzlich
    a) was ich gerne möchte, dass kommen oder nicht kommen soll – und
    b) was tatsächlich kommen wird.

    Ich möchte auch gerne eine Form der globalen Regierung haben. Es ist aber kein Prozess in Sicht, der auf dieses Ziel hinsteuert.
    Es ist aber ein Prozess sichtbar, der auf die Selbstvernichtung der Menschheit hindeutet, und es ist ein Prozess sichtbar, der auf die Aristokratisierung der Weltverhältnisse hindeutet.
    Ich will beides nicht, aber ich hab auch keine Lust, mich blind zu stellen. Mal sehen, wie sich die beiden Prozesse miteinander verbinden.

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