Indiens Interkontinentaltest: Gleichgewicht zu Chinas Atompotential

Indien hat seine erste Interkontinentalrakete AGNI 5 mit einer Reichweite von 5000 Kilometern erfolgreich getestet.Die Reaktionen sind unterschiedlich. Während China darauf relativ gelassen antwortete und die Kooperation zwischen beiden Staaten betonte, stellte die KPChina-nahe und etwas nationalistischere Global Times als Nuance noch heraus, dass Indien jetzt aufgrund seines globalen Abschreckungspotential nicht „arrogant“werden solle, gleichzeotig aber betonte, dass China Indien gegenüber immer noch einen Rüstungsvorsprung habe. Die deutsche Presse reagierte gemischt:  Der SPIEGEL sieht Asien wettrüsten, die FAZ hier eine „gefährliche Dynamik“,BILD, ZEIT und die Süddeutsche Zeitung betrachten den indischen Interkontinantalstart gelassener.Man muss einmal den Kontext des indischen Raketentests sehen.Einig sind sich die Medien, dass Indiens neue Abschreckung vor allem China dient, da die Chinesen bisher schon längst zum Club der Atommächte und der Interkontinentalraketenbesitzer gehörten und jeden Punkt in Indien ausradieren können, nicht aber Indien in China. Von daher ist dieser Test eher als notwendige Nachrüchstung und Herstellung einer gleichseitigen Abschreckung zu verstehen. Indiens Interkontinentalatomraketen dienen nicht dazu Europa oder Pakistan zu schrecken (dies wird durch die Kurz- und Mittelstreckenraketen Agni 1-3 abgeschreckt), sondern eben China. Unerwähnt bleibt aber in allen Pressekommentaren, dass Indiens Interkontinentalrakten auch bis in den Nahen Osten reichen und Indien sich hier auch einmischen könnte. Eine Implikation, die man sehr ernst nehmen sollte, da Indien auch einen Grossteil seines Öls aus dem Perischen Golf und dem Nahen Osten erhält.Aber bisher wird der indische Raketentest vor allem als Ausgleich zu Chinas Rüstungsbestrebungen als gerecht und fair empfunden. Einige Kommentatoren erklären sich dies damit, dass China aufrüste und nun seine Atomrakten neuerdings in Tibet stationiere,was bedeutet, dass die Vorwarnzeiten gegenüber Indien enorm verkürzt werden.Um zu zeigen, dass es eine Regionalmacht wie China ist und der nuklearen Bedrohung durch die neue tibetische Vorstationierung vorzukommen, wäre Indien nichts anderes übriggeblieben als auch ein Zeichen zu setzen.Interessant ist es auch  zu lesen, dass unmittelbar vor  dem Raketentest ein chinesisch-indisches Treffen auf höchster Ebene zur Abrüstung abhalten wurde:

13 Apr, 2012, 10.32PM IST

India, China to resume dialogue on disarmament

MOSCOW: India and China decided to resume dialogue on disarmament and non-proliferation when their Foreign Ministers met here and discussed a whole gamut of bilateral ties, including the plight of two Indian traders stuck in China due to a commercial dispute.
The talks between External Affairs Minister S M Krishna and his Chinese counterpart Yang Jiechi, held on the sidelines of the RIC meet, lasted for an hour and covered various bilateral, regional and multilateral issues, official sources said.
The two leaders also stressed the need for an early meeting on the Maritime Dialogue, the sources said, adding they also felt that the contours of the dialogues on Central Asia, West Asia and Africa should be finalised soon.
Official sources said Krishna sought a speedy and satisfactory resolution to the issue of the two Indian traders in China, to which Yang said that he takes seriously the concerns raised by the Indian leader and recalled that the matter had been raised with him earlier too. The two traders — Deepak Raheja and Shyam Sunder Agrawal — are currently stuck in China due to a commercial dispute. The Ministers also agreed to resume the India-China dialogue on Disarmament and Non Proliferation, the sources said. On bilateral issues, the two Ministers reviewed the activities chalked out for the Year of India-China Friendship and Cooperation.China has assured Krishna that it will encourage its companies to invest in infrastructure projects in India. Sources said there was a wide-ranging discussion on various issues which were on the agenda of the United Nations Security Council, including Syria and North Korea. „They agreed that it was important for the Permanent Missions in New York to work together on these issues in the next few days,“ the sources said. Meanwhile, Yang thanked Krishna for the arrangements made during the BRICS Summit in Delhi. He appreciated the smooth conduct of the event and the substantive outcome. Sources said both ministers agreed that cooperation between the two countries in the year of India-China Friendship was growing and it was important to maintain this momentum. The bilateral meeting also came in the backdrop of the war of words between India and China over India’s oil exploration projects in Vietnamese oil blocs in South China Sea. While China has been warning India to refrain from continuing these oil exploration projects in South China Sea, India’s position has been that these blocs belong to Vietnam under the UN laws.

http://economictimes.indiatimes.com/news/politics/nation/India-China-to-resume-dialogue-on-disarmament/articleshow/12653874.cms

Während China und Indien also recht enge Kooperationspartner bei der BRIC (Brasilia-Russia-India-China)-Gruppe sind, die den Westen gemeinsam herausfordern und ablösen soll, bestehen demzufolge doch noch einige Differenzen zwischen beiden Staaten.Vor allem auch bezüglich Chinas neuerem maritim-militärischen Engagement im Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer, sowie Chinas Raketenstationierung in Tibet, die nur gegen Indien gerichtet sein kann.Interessanterweise engagiert sich umgekehrt Indien auch im Südchinesischen Meer, vor allem auch in Kooperation mit Vietnam, welches es in der UNO gegen China unterstützt. Auffällig ist auch die neue Demokratisierung Burmas. Burmas Militärjunta sah sich in der Gfahr aufgrund der einseitigen Isolation zu sehr von China allein abhängig  und zu einer Quasiprovinz Yunanns degradiert zu werden. Daher öffnet es sich neuerdings Demokrtaie, dem Westen und Indien.Diese Signale werden wohlgehört von den USA, die hier eine Möglichkeit sehen, Indien militärisch und politisch mehr an sich zu binden und gegen China in Position zu bringen:

21 Apr, 2012, 12.49PM IST,

Indo-US political-military dialogue useful: Tom Kelly

 

WASHINGTON: The United States has said that its first Political-Military dialogue with India in six years had covered a wide range of bilateral and regional issues.
The two countries hold their first political-military dialogue in Delhi recently after a gap of nearly six years.
Assistant Secretary of State for Political Military Affairs Andrew Shapiro led the American delegation to dialogue, while the Indian side was led by Joint Secretary (Americas) Javed Ashraf.
„Assistant Secretary Shapiro and Joint Secretary Javed Ashraf had very productive two days of discussion in which they discussed a lot of issues of mutual interest,“ Principal Deputy Assistant Secretary for Political Military Affairs Tom Kelly told reporters here.
„We found them to be very useful and we look forward to continuing political-military consultations with our friends in India,“ Kelly said.
„These are the first pol-mil discussions, formal pol-mil talks, between India and the United States in several years. I was involved in setting those talks up,“ he said.
„We believe that we have a broad range of important issues to discuss with India that have both foreign policy and security aspects. These include things like counter-piracy as well as peacekeeping and just sharing perspectives on the situation in different parts of the world,“ Kelly said in response to a question.

http://economictimes.indiatimes.com/news/politics/nation/indo/us-political/military-dialogue-useful-Tom-Kelly/articleshow/12790828.cms

 Indien wird also eine Ausgleichspolitik verfolgen: Zusammen mit den BRICStaaten, soweit eigene Aufrüstung und Anlehnung an die USA wie es nötig ist, um China in Asien und dem Nahen Osten machtpolitisch auszugleichen, aber es wird sich wahrscheinlich auch nicht in eine antichinesische Achse reinbegeben, wenn China nicht übertreiben und selbst „arrogant“ werden sollte.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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