Pazifik: Chinesisch-russisches Marinemanöver versus US-Return to Asia

Angesichts Chinas Aufrüstung und der jüngeren Streitigkeiten um Inselgruppen im süd- und ostchinesischen Meer, hat der „erste pazifische US-Präsident“ Obama beschlossen den Asian pivot zu betonen und eine Rückkehr der USA nach Asien verkündet. Ausdruck dessen sind die neue Airseabattledoktrin, die vor allem China und den Iran, als Zielgebiete den Westpazifik und den Persischen Golf als Haupteinsatzgebiete des US-Militärs sieht. Neuere Instrumente der USA hierfür sind der Quadrilateral Security Dialogue zwischen den USA, Japan, Indien und Australien, sowie die Stärkung der militärischen Beziehungen zu anderen asiatischen Staaten und ein neuer US-Militärstützpunkt in Darwin/Australien. Desweiteren festgehalten wird an den alljährlichen Marinemanövern zwischen den USA und den Philipinen, den Balikatanmanövern. Neu hierbei ist aber:

„Combined planning, combat readiness and interoperability between the US Filipino forces usually stand at the center oft he exercise, along with disaster response.What´s new is that Japan´s Self-Defense Forces will send two field-grade officials.The militaries of Australia and Southkorea will be represented while Vietnam, Singapore and Malaysia reportedly planning to join. Intriguingly, the geographicval focus of this year`s combat drill has been shifted from the Northern island of Luzon, the Philipines´ main island, to Palawan in the South Chinese Sea, nearer to the disputed Spratley islands, various parts of which are claimed Taiwan, Vietnam, Brunei,Malaysia and the Philipines, and all of it by China.The ocean floor is believed to contain huge deposits of oil and natural gas.”

(Jens Kastner: “US, China and Allies Hold Competing Pacfic Maneuvers”/ 5th of April 2012)

Offiziell wird zur Beschwichtigung Chinas erklärt, dass diese Manöver nicht gegen dieses gerichtet sein:

Balikatan not meant to provoke China, says Palace
By Delon Porcalla (The Philippine Star) Updated April 16, 2012 12:00 AM Comments (7)

 

MANILA, Philippines – The war games that Filipino and US military personnel are starting today near the disputed Spratlys are not meant to provoke China, which lays claim to the entire islands, a Malacañang official said yesterday.“This will not result in provocation. As we have said, the (Balikatan) exercises have long been scheduled and these have nothing to do with the incident,” deputy presidential spokesperson Abigail Valte said over state-run radio dzRB.Valte was referring to the recent standoff between Philippine and Chinese vessels in Scarborough Shoal, which the Philippines calls Panatag and the Chinese Huangyan Dao, where Philippine Navy personnel tried to stop Chinese fishing vessels from harvesting corals.“It has nothing to do with the incident at Panatag because the exercises are always scheduled in advance,” Valte said, addressing speculation that the Philippines-US Balikatan, which will be held through April 27, is meant as a show of force amid tension with China.(…)Meanwhile, thousands of US soldiers will begin nearly two weeks of war games today as the two nations look to strengthen their military alliance amid concerns over China’s rising power.The Balikatan (shoulder-to-shoulder) exercises are an annual event but this year are expected to attract a greater focus with some of the drills set to be held close to sensitive South China Sea waters claimed by the Chinese.The Philippines insists the exercises, involving 4,500 US personnel and 2,300 Filipino troops, should not be seen by China as a provocation.“Our aim is not against any country, our aim is to protect maritime security and to protect the interests of our country,” said Maj. Emmanuel Garcia, Philippine military spokesman for Balikatan.Nevertheless, Garcia confirmed that US and Philippine ships will stage drills in waters facing the South China Sea, while Filipino leaders have repeatedly said that China is one of the country’s main “maritime security” concerns.

Aber es ist schon klar, dass mit dem Balikatanmanöver, der Beteiligung anderer Länder und der Verlagerung des Manöverschwerpunkts an China sehr wohl eine klare Botschaft vermittelt werden soll:

A significant message to China

In this context, Balikatan will hold extra significance in terms of sending a message to China, according to John Blaxland, a regional security and political expert from the Australian National University.“It’s a subtle message affirming for the Philippines that the US is serious about playing in Asia and will lend assistance to those in need,” Blaxland said.

http://www.philstar.com/Article.aspx?articleId=797440

 

Wohl um den neueren US-Ambitionen ein Gegengewicht zu setzen, hat China nun erstmals mit Russland gemeinsame Marinemanöver im Gelben Meer abgehalten—unter der Schirmherrschaft der Shanghai Cooperation Organization (SCO), die bisher als zentralasiatisches Bündnis zwischen China, Russland und 5 weiteren zentralasiatischen Staaten galt, um Terrorismus sowie Seperatismus zu bekämpfen und gemeinsame Infrastrukturprojekte und wirtschaftliche Kooperation vor allem im Energiesektor zu fördern. Schon in den Anfängen versuchte China auch gemeinsame Militärmanöver in Nähe Taiwans zu initieren, stiess damit aber auf russischen und zentralasiatischen Widerstand, da sich letztere Staaten nicht für chinesische Interessen instrumentalisieren lassen wollten.Die neuen russisch-chinesischen Manöver sind ein Novum bei der SCO, denn bedeuten sie eine maritime Kompetenzerweiterung der Organisation, zumal die zentralasiatischen Staaten landlocked sind, keine Marine haben und wohl einfach übergangen wurden unter der chinesisch-russischen Hegemonie innerhalb dieser Organisation. Es stellt sich also die Frage, warum diese Manöver unter dem Label der SCO firmieren? Soll die SCO über ein regionales Bündnis zu einer überregionalen Organisation mit Kern einer russisch-chinesischen Waffenbrüderschaft oder einer Anti-NATO erweitert werden? Wo liegt das Interesse der zentralasiatischen Staaten sich im Gelben Meer zu engagieren? Zumal die SCO nicht eine solch wasserdichte Organisation gegen die USA ist. Einige zentralasiatische SCO-Mitglieder sind parallel auch Mitglieder des NATO-Programme for Partnership and Peace. Zumindestens scheint Russland signalisieren zu wollen, dass es seine Pazifikpräsenz nicht reduzieren will, wie auch China zeigen will, wenn die USA hier maritime Verbündete suchen, es nicht allein dasteht. Russlands weltweite Marinepräsenz ist herausgefordert. In Kalinigrad hat es noch einen Hafen für die Ostsee, in der Ukraine war aufgrund der orangenen Revolution der russische Marinestützpunkt fürs Schwarze Meer Sewastopol/Krim umstritten, ist zumindestens vorerst gesichert, da der prorussische  Yanukowitsch an der Macht ist und Timoschenko im Gefängnis sitzt. Russlands Mittelmeerzugang mittels seines Marinestützpunkt in Syrien ist in Gefahr, sollte das Regime Assads stürzen.So wollen wohl die Russen zeigen, dass sie ihre Präsenz in Wladiwostok und im Pazifik kraftvoll aufrechterhalten wollen, zumal mit chinesischer Kooperation.Ob sich Russland jedoch für chinesische Interessen im Pazifikraum, speziell den territorialen Streitigkeiten mit anderen asiatischen Staaten einspannen lassen will, ist fraglich.Es bleibt zu beobachten, ob russisch-chinesische Marinemanöver alljährlich abgehalten werden—zumal unter der Schirmherrschaft der SCO.Ob das Manöver also zum alljährlichen Regelfall wird, die SCO ihre Organisation verändert, bleibt also abzuwarten.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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