Nichtwählen 2013 als Option zur Finanzkrise?

Im wesentlichen gibt es bezüglich der Euro-Krise zwei Krisenoptionen: Die Vergemeinschaftung der Schulden und weitere Schritte zur ökonomischen und politischen Union der EU—diesen Weg befürworten CDU, CSU, FDP,SPD, Grüne, Linkspartei oder halt das Zurück zur geliebten DM, wofür die Freien Wähler als neue Option stehen. Man muss sich klar machen, dass die Finanzkrise in beiden Fällen Opfer bedeutet: Im Falle der Vergemeinschaftlichung der Schulden kann hier durchaus der Fall des deutschen Staatsbankrotts eintreten, wie dies der ehemalige Bundespräsident und Bundesverfassungsrichter Herzog klarstellte. Das Grundgesetz verbietet den Staatsbankrott nicht

Auch wenn es nicht zu diesem Extremfall kommen sollte, so ist doch klar, dass ein Grossteil der Rettungsschirme nie wieder zurückbezahlt werden und sich der Staat und die EU sich das Geld vor allem von der deutschen Arbeiterklasse und dem deutschen Mittelstand holen wird.Angesichts dieser düsteren Option scheinen die Freien Wähler die andere zukunftsträchtige Variante: Sie schliessen eine Rückkehr zur EU 1990-2002 ohne Euro und zurück zur DM nicht aus. Die EU ohne Euro funktionierte ja auch und zumal recht gut. Dennoch sollte jedem klar sein, dass eine Rückkehr zur DM ebenfalls immense Opfer fordern könnte, vor allem was die Exportwirtschaft betrifft.Eine Studie der Allianz Versicherung sieht für diesen Fall einen Rückgang des deutschen BSP um ein Viertel seiner Wirtschaftskraft vorraus.Zudem besteht die Gefahr, dass ein Zusammenbruch der Eurozone einen globalen Finanzcrash ala 1929 hervorrufen könnte. Dennoch bleibt die Frage, ob dies nicht Panikmache ist-genauso wie die Formel, dass der Euro eine Frage von Krieg oder Frieden sei. Die EU hat 1990 bis 2002 sehr gut ohne den Euro funktioniert. Auch bei dem ersten Schuldenschnitt bei Griechenland wurde erzählt, dass dies eine Kettenreaktion auslösen würde, die ein neues 1929 hervorrufen würde. Bekanntlicherweise ist nichts geschehen und haben die nicht eingelösten Credit Default Swaps auch nicht ihre behauptete zerstörerische Wirkung entfaltet. Da ist sehr viel Panikmache dabei, der man sich nicht ausliefern sollte.  Optimisten hingegen glauben, dass die deutsche Arbeitslosigkeit sich dann auf einen Stand von 5 Millionen offiziell gemeldeten Arbeitslosen einpendeln und dann wider abnehmen würde.Das wäre ja wohl verkraftbar Gleichzeitig muss man sich aber klar sein, dass für diesen „best case“ die geringere Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft wegen höheren DM-Kurses eine Agenda 2020 nach sich ziehen dürfte, die versucht mittels Lohnsenkungen, weiteren Ausweitungen des Billiglohnsektors, Aufweichung der Tarifverträge und der sogenannten Flexibliserung des Arbeitsmarktes (Hire- and Fire nach US-Vorbild)die relative Wettbewerbsfähgkeit wiederherzustellen.

Doch auch schon Steinbrück und Merkel reden von solch einer Agenda 2020, Ex-Bundeskanzler Schröder sogar von einer Agenda 2030—wohlgemerkt mit Euro.Die hauptsächlichen Parteien sind daher für eine Vergemeinschaftlichung der Schulden sowie eine Agenda 2020. Die einzige Partei, die sich gegen eine solche Agenda 2020 ausspricht ist wiederum die Linkspartei.Idealtypisch ergeben sich also für das Wahlverhalten folgende Optionen: Freie Wähler bedeuten keine Vergemeinschaftlichung der EU-Schulden, noch Eurobonds und Bankenunion, dafür aber Agenda 2020. Linkspartei bedeutet Vergemeinschaftlichung der EU-Schulden, Eurobonds und Bankenunion, aber keine Agenda 2020.

Bei den anderen Parteien wird man beides bekommen.Somit bleibt abzuwägen, ob man die Agenda 2020 oder die Vergemeinschaftung der EU-Schulden als die schlimmere Variante sieht.Dementsprechend kann man Linkspartei oder die Freien Wähler wählen. Doch wenn man der Ansicht ist, dass beides Pest und Cholera ist, sollte man sich fürs Nichtwählen entscheiden.Alle Parteien akzeptieren ja stillschweigend, dass die Finanzkrise nur zuungunsten der Arbeiterklasse und/oder des Mittelstandes gelöst werden kann.

Es ist immer wieder bezeichnend, auf welche Reaktionen man trifft, wenn man Nichtwählen als Option artikuliert.Der politisch mündige Bürger zeichne sich eben dadurch aus, dass er wählen gehe. Unsere Verfassungsväter und/oder die gesamte Arbeiter-/Frauenbewegung hätten für das Wahlrecht gekämpft, dieses nicht zu nutzen sei quasi historischer Verrat und Geschichtsvergessenheit.Für mich ist das alles Schwachsinn. Erstens haben die viel zitierten Verfassungsväter eben keine Wahlpflicht eingeführt–vielleicht haben sie sich auch etwas dabei gedacht.Zweitens: Es kommt doch immer darauf an, was ich wähle und was zur Auswahl steht. Wenn alle wählbaren Parteien nur Verschlechterungen für die eigene Lebenssituation und den Lebenstandard breiter Teile der Bevölkerung auf dem Programm haben, warum sollte ich sie dazu auch noch ermächtigen? Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber! Und all jene besorgten Staatsbürger, die einem zum Wählen bringen wollen, wollen doch sicherlich auch nicht, dass man dann das „Falsche“ wählt wie etwa die NPD oder die MLPD. So prinzipiell ist das dann sicherlich auch nicht gemeint.Nun ja, vielleicht haben die Piraten ja bei ihrem Programmparteitag im Herbst 2012 noch Innovatives zu bieten. Allein mir fehlt der Glaube.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

16 Responses to Nichtwählen 2013 als Option zur Finanzkrise?

  1. Ralf Ostner sagt:

    Thomas Wagner schireb als Kommentar:

    Lieber Ralf,

    der Weg, den die Freien Wähler aufzeigen, ist Agrarromanitk. Die meisten Anhänger sind Grundbesitzer und Besitzer landwirtschafticher Anwesen. Die stecken
    immense Verluste – wie sie mit der Einführung der DM für uns verbunden wären – ziemlich locker weg. Staatsbankrott hin – Staatsbankrott her – die meisten Menschen hier
    wären ruiniert.

    Es wird eine Reihe von Staatsbankrotten und grausamen Sozialreformen geben, also Pest und Cholera. Nicht mehr an Wahlen teilzunehnmen wird zunehmend eine Option!

    Liebe Grüße

    Tom

  2. Ralf Ostner sagt:

    Zugegebenermassen ist Aiwanger ein Bauer, haben Bauern recht agrarromantische Vorstellungen von der Gesellschaft, zumal, wenn sie Klein- und Mittelbauern sind und nicht solche agroindustrielle Grossbauern wie der Freiherr von Herremann( er war aber mal Bauernpräsident, ein Münsteraner Grossagrarier, der in zig Aufsichtsräten der Agroindustrie sass und auch bestens innerhab der EU vertreten war). Dennoch ist dem Aiwanger klar, dass seine Bauernpsoition allein nicht reicht. Deswegen hat er sich auch den BDI-Henkel an Bord gezogen, wenngleich bede da ja wegen der Agrarsubventionen noch einen marginalen Streit haben.Dennoch erinnern mich die Freien Wähler etwas an die Grossindustrie-Junkerverbindungen der Weimarer Republik wie die DNVP, wenngleich nicht so nationalkonservativ und etwa rassitsich.Wieviele Gewwerkschafter hat denn Aiwangers Partei? Ich glaube, die werden da die absolute Minderheit darstellen. Gegen die Arbeiterklasse sind sich Aiwanger und Henkel einig–deswegen Agenda 2020 oder gar mehr.Inwieweit sich Henkel und Aiwanger auch für den deutschen Mittelstand erwärmen können ist unklar.Zumindestens sehen sie ihn als potentielle Wähler an und werden ihn auch so ansprechen.Ob sie ihre Bauern-/BDI-Interessen jedoch davon tangiert sehen und auch ene dementsprechende Politik machen, bleibt dahingestellt. Dazu muss man sich klarmachen, dass die Freien Wähler froh sein können, wenn sie mit 5% in den Bundestag kommen. Sie werden also eher eine Kleinpartei gegenüber der CDU/CSU bleiben und da auch nicht soviel durchsetzen können–eher wird dabei noch die CSU gestärkt gegenüber der CDU.Wahrscheinlich ist aber ohnehin, dass es zu einer Grossen Koalition 2013 kommt mit neuer deutscher Verfassung, Eurobonds, Bankenunion und Agenda 2020.Merkel sagt zwar: „Eurobonds–nicht solange ich lebe“, aber Schäuble stellt diesselbe Aussage schon einen Tag danach infrage.
    Es bleibt auch fraglich, ob Aiwangers Freie Wähler sich so gegen Merkel in einer Koalition stellen könnten oder aber da eben die sogenannten „roten Linien“ nicht auch Wanderdünen wie bei der CSU sind, wie dies Peter Gauweiler immer wieder süssifant anmerkt.

  3. Ralf Ostner sagt:

    Thomas Wagner schrieb:

    Hallo Ralf,
    wir können also feststellen: die FW sind eine Kleinpartei. Die Gewerkschaftlker spielen bei denen gar keine Rolle. Das sind Leute, die mit Agenda und Eurocrash
    im Gegensatz zu anderern Bürgern ganz gut leben. Demenstrechend ist ihre Politik für die Masse uninteressant. Alarmieremd ist, dass die anderen Parteien keinen
    echten Weg anbieten – das ist nicht nur der finanzielle, sondern auch der politische Bankrott.

    Liebe Grüße

    Tom
    ———————————————————————————————————————–
    Ich antwortete:

    Hallo Tom,

    wir können erst einmal nur feststellen, dass die Freien Wähler als Hauptziel haben werden, 2013 in den Bundestag reinzukommen. Ob sie danach eine neue FDP-Klientelpartei sein wollen oder sich aber zur Volkspartei hin entwicklen wollen, die der CDU, vor allem deren Mttelstand eine wählbare Option 2017 sein wird, bleibt völlig offen. Dass Aiwanger neben Henkel auch einen Adenauerenkel, Werhahn gewinnen konnte, spricht für letzteres. Focus-BR-Stammtisch-Markwort veruscht dementsprechend auch von 1 der 26 Adenauerenkel zu sprechen, während Aiwanger DEN Adenauerenkel raushängen lässt. Aber solche Leute wie Werhahn können die Öffnung zu CDU-Wählern durchaus möglich machen.Ebenso ist nicht klar, wie die freien Wähler zu den chrisltlichen Gewerkschaftern der CDA stehen. Es wäre durchaus debnkbar, dass sich die FW auch diesen Kräften öffnen und einen FW-Blüm präsenteren. Ich selbst glaube nicht, dass Aiwanger nur eine Kleinpartei wie die FDP bleiben will.Wietere Pronosen aber ert nach 2013 und 2017.

    Grüsse

    Ralf

  4. Ralf Ostner sagt:

    Thomas Wagner schrieb:

    Lieber Ralf,

    welches Gewicht besitzen christliche Gewekschaftler? Kein sehr großes – die spielen hier wohl kaum eine nennenswerte Rolle. Der „Adenauer-Enkel“ hat mehr Gewicht.
    Aber wie gesagt. Erstes Zeil ist die Wahl in den Bundestag! Dann müssen wir weiter sehen

    ———————————————————————————————————————

    Mein Kommentar:

    Nun: Welches Gewicht spielen christliche Gewerkschafter? Im wesentlichen in Machtfragen gar keins, aber eben für das Image ein Ungeheures: Eine Volkspartei, die nicht mit Gewerkschaften–und seien es eben völlig unbedeutende gelbe Gewerkschaften-aufwarten können, können nicht so als Volksparteien gelten. Wenn sich aber opportunistische rechte Gewerkschafter und ihre Blüms für solch eine Bewegung moblisieren lassen, welch ein Zugewinn, dass man ALLE Teile der Volksgemeinschaft repräsentieren würde.Die Rolle des Feigenblatts sollte PR- und Imagemäßig, sowie bei Legitimationsfragen nicht unterschätzt werden!!!Denn wenn eine vorgebliche Gewerkschaft auch die Agenda 2020 fordert, kann man das als Arbeiterinteresse propagieren und als von den Proleten gewünscht. Zwar en Witz, aber so laufen eben solche Kampagnen!!!

    Wo du recht hast: Der Adenauerenkel wird wesentlich wichtger sein, um eine potentielle Massenwählerschaft zu gewinnen, die eben nicht bei Gewerschaften und Arbeiterklasse liegt, sondern im zunezhmend deklassierten Mittelstand.

  5. Ralf Ostner sagt:

    Thomas Wahner schrieb:

    „Alarmierend ist, dass die anderen Parteien keinen
    echten Weg anbieten – das ist nicht nur der finanzielle, sondern auch der politische Bankrott.“

    Kommentar:

    „Völlig accord–es scheint keine wählbare Alternative zu geben.Zwar betont die Linkspartei immer wieder, dass sie den Bankern an die Gurgel gehen will, aber auch das ist eine sehr vereinfachende Sicht der Dinge. Es wäre Zeit für eine neue Sozialdemokratie, die die Finanzmärkte einhegt–aber die Initiatven dazu müssen in den Stammländern der Wallstreet und der City of London ausgehen–und da sind sowohl Demokraten wie auch Labour die denkbar ungeeignesteten Ansprechpartner, da sie ihre Finanzindustrien als das goldenen Kalb sehen“.Bleibt nur die EU-Ebene und da blockieren wiederum die Briten.Grundsätzlich: Es müsste eine internationale Bewegung gegen Finanzspekulation geben, aber die ist weit und breit nicht in Sicht. Occupy war ein Witz–eine wenige Hippies, die schnell kassiert wurden.
    In dieser Hinsicht progressive Nationalstaaten, die Kapitalregulierungen aufstellen wie Argentinien oder Brasilien bleiben bisher die absolute Ausnahme.Und China und Indien wollen ja erst richtig in die Finanzindustrie einsteigen, um der Wall Street und der City of London da Marktanteile abzujagen. Auch daher kommt keine Hoffnung, es sei denn es gbt einmal einen fetten chinesischen Bankcrash.

  6. „Wir werden also, bei sonst gleichen Verhältnissen, jenes Land als auf der höheren Stufe volkswirtschaftlicher Entwicklung stehend zu bezeichnen haben, in welchem der Mittelstand am meisten vertreten ist. Wo aber der Mittelstand sich in fortschreitender Auflösung befindet, dort haben wir eine direkt dem Verderben entgegenreifende Entwicklung vor uns, und zwar umso sicherer, je größer der Reichtum ist, welcher diesen Auflösungsprozess des Mittelstandes begleitet.“

    Prof. d. Nationalökonomie Dr. Gustav Ruhland, Berlin 1895

    Das die Marktwirtschaft immer wieder zerstörende Gegenprinzip des Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz), an dem bisher alle Hochkulturen und Weltreiche in der Geschichte der halbwegs zivilisierten Menschheit untergehen sind, spaltet die Gesellschaft – von einem Krieg bis zum nächsten und dazwischen mit exponentiell steigender Tendenz – in eine immer ärmere Mehrheit von Zinsverlierern (Proletariat) und eine immer reichere Minderheit von Zinsgewinnern (Dekadenz).

    In beiden Fällen gibt es noch kein bewusstes Leben, wenn wir ein solches als eine sinnvolle Abfolge von bewusstem Wollen und zumindest möglicher Willensbefriedigung auffassen. Denn ein Zinsverlierer muss ständig etwas wollen, um nur zu existieren, ohne aber die Chance zu haben, das Gewollte zu erreichen, während ein Zinsgewinner bereits existiert ohne etwas zu wollen und daher nicht wissen kann, was er wirklich will.

    Ein bewusstes, sinnvolles und glückliches Leben ist erst in der idealen Makroökonomie (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) möglich, in der eine stetige Proportionalität von marktwirtschaftlich erbrachter Leistung und Gegenleistung für alle Wirtschaftsteilnehmer dauerhaft garantiert ist.

    Um die ideale Makroökonomie zu verwirklichen, in der allgemeiner Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, eine saubere Umwelt und der Weltfrieden selbstverständlich sind, bedarf es des elementaren Erkenntnisprozesses der „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

  7. Ralf Ostner sagt:

    Klingt gut als plakativer Slogan, aber wie soll das gehen: Marktwirtschaft ohne Privatkapitalismus? Marktwirtschaft als Staatskapitalismus oder als Volkskapitalismus (dann wird´s völkisch!)? Marktwrtschaft ohne Kapitalismus, Klingt paradox.Zudem spezifischer:Ist Marktwirtschaft ohne Zins, bzw. ohne Banken überhaupt denkbar? Was schwebt dir da konkret vor: Islamic Banking? Zinsverbot? Bezeichnend ist auch, dass selbst der grösste Kritiker des Kapitalismus, namentlich Karl Marx seine Kritik nicht am Zins aufmachte, sondern am Mehrwert.Sollte er da etwas übersehen haben? Auch weiss ich nicht, ob das historisch so stimmt: Ist das ägyptische, chinesische, kambodschanische oder etwa römische Reich infolge des Zinses zerfallen–da gibt es doch sicherlich andere Gründe.Auch fraglich, ob man Feudalgesellschaften mit dem heutgen Kapitalismus vergleichen kann. Und einen Nationalökonomen des vorletzten Jahrhunderts (Ruland 1895) zu zitieren, ist vielleicht auch nicht weiterführend–die Welt hat sich seitdem von der Nationalökonomie zur globalen Marktwirtschft verändert.

  8. Ralf Ostner sagt:

    Ich habe mir mal die Seite Stefan Wehmeiers angesehen.Etwas psychodelisch auch. Kapitalismuskritik mittels der Bibel, verbunden mit Silvio Gesell und der Heilsversprechung der Erlösung durch eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus–wie dies Jesus angeblich schon gefordert hätte.Zitat:

    „Die rückständige und noch immer gegenwärtige Kulturstufe der Menschheit basiert auf dem künstlichen Archetyp Jahwe = Investor (jahwistische Schicht des alten Testamentes), der nachträglich vom künstlichen Archetyp Elohim = Kapitalismus (priesterliche Schicht) mit der verzweifelten Absicht im kollektiv Unbewussten verfestigt wurde, die Menschheit durch die bittere Erfahrung immer neuer zwangsläufiger Kriege (Wahnsinn mit Methode) zu der Erkenntnis zu bringen, wie die Makroökonomie zu gestalten ist, damit die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen über leistungslose Kapitaleinkommen beendet wird (Erlösung).“

    Klingt ein wenig danach: Jahwe und die Juden haben den Zins erfunden und seitdem hat er nur Unheil über die Menschheit gebracht.Das schrammt ja schon etwas in der Nähe des klerikalen Antijudaismus vorbei.

  9. Ralf Ostner sagt:

    In unserer Welt laufen schon einige bunte Paradiesvögel herum.Stefan Weihmeier ist ein christlicher Kapitalismuskritiker. Seiner Ansicht nach ist die Bibel eine zutiefst ökonomische Schrift, die Schöpfungsmythen und der christliche Text vor diesem Hintergrund zu lesen.Man müsse die Bibel nur richtig lesen: Nämlich Sohn als Kreditnachfrage, Vater als Kreditangebot, heiliger Geist als umlaufgesichertes Geld,Hure als Finanzkapital, etc. und dann passe die Sache und sei eine revolutionäre ökonomische Schrift vom Formate des Kapitals von Kar Marx. Grundtenor: Der Kapitalismus hat die Menschheit aus dem Paradies der Marktwirtschaft vertrieben—Zeit also dorthin wieder zurückzukehren (Erlösung), wie es angeblich Jesus und später Silvio Gesell gefordert hätten.Zur Dokumentation dieser originellen, wenngleich etwas willkürlichen Bibelinterpretation einige Zitate aus dem Text eines christlichen Kapitalismuskritkers- O-Ton:

    „Der ganze Sinn und Zweck des heute „zweiten“ Schöpfungsmythos der Genesis, der nachträglich im sechsten vorchristlichen Jahrhundert von der israelitischen Priesterschaft durch den heute „ersten“ Schöpfungsmythos (Genesis 1,1 – 2,4a) ergänzt und dann zur Basis dreier Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam) wurde, war eine künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten, um die wirkliche Bedeutung der Erbsünde aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes auszublenden, solange das Wissen noch nicht zur Verfügung stand, um diese „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ zu überwinden. Anderenfalls hätte das, was wir heute „moderne Zivilisation“ nennen, gar nicht erst entstehen können.
    Schöpfungsmythen – es geht um die Schöpfung von Kultur und nicht um die „Schöpfung von Natur“ – sind geniale metaphorische Beschreibungen der Makroökonomie einer Kultur.
    Um die Marktwirtschaft (Paradies) vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus (Erbsünde) zu befreien, müssen wir die vergessene Erkenntnis des Jesus von Nazareth verstehen. Er war der erste Denker der Geschichte, der erkannt hatte, dass sich niemals der Mensch – ob bewusst oder unbewusst – an das Geld anpassen lässt, sondern nur das Geld an den Menschen (GoTh = Gospel of Thomas):

    (GoTh 001) Und er sagte: Wer die Erklärung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.

    (GoTh 044) Wer den Vater lästern wird, dem wird man vergeben; wer den Sohn lästern wird, dem wird man vergeben; wer aber den heiligen Geist lästern wird, dem wird man nicht vergeben, weder auf der Erde noch im Himmel.

    (GoTh 055) Wer nicht seinen Vater hasst und seine Mutter, wird mir nicht Jünger sein können. Und wer seine Brüder nicht hasst und seine Schwestern und nicht sein Kreuz trägt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.

    (GoTh 105) Wer den Vater und die Mutter kennen wird, er wird Sohn der Hure genannt werden.

    (GoTh 106) Wenn ihr die zwei zu einem macht, werdet ihr Söhne des Menschen werden. Und wenn ihr sagt: „Berg, hebe dich hinweg!“, wird er verschwinden.

    (GoTh 113) Seine Jünger sagten zu ihm: „Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?“ Jesus sagte: „Es wird nicht kommen, wenn man Ausschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: „Siehe hier oder siehe dort“, sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht.“ ***

    Die originale Heilige Schrift (die Bibel bis Genesis 11,9 sowie ein wesentlicher Teil der Nag Hammadi Schriften), die dadurch gekennzeichnet ist, dass ihre Verfasser die wirkliche Bedeutung der Erbsünde noch kannten, bezieht sich immer zuerst auf die ganze Kultur und erst danach auf den einzelnen Kulturmenschen:

    Mutter = Summe aller Ersparnisse
    Hure = Finanzkapital
    Brüder und Schwestern = Sachkapitalien
    Berg = Rentabilitätshürde
    Tod = Liquiditätsfalle
    Vater (der Kultur) = Kreditangebot
    Sohn = Kreditnachfrage
    heiliger Geist = umlaufgesichertes Geld (heilig = gesichert; Geist = Geldumlauf)
    Königreich des Vaters = Natürliche Wirtschaftsordnung

    *** (Silvio Gesell, Vorwort zur 3. Auflage der NWO, 1918) „Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, kann nur insofern eine natürliche genannt werden, da sie der Natur des Menschen angepasst ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewusste und gewollte Tat.“

    Jesus von Nazareth entdeckte fast zwei Jahrtausende vor dem Genie Silvio Gesell die einzige Möglichkeit, wie Menschen wirklich zivilisiert zusammenleben können: das Grundprinzip der absoluten Gerechtigkeit als Basis für die ideale Gesellschaft. Wenn es überhaupt nur möglich ist, einen unverdienten Gewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer zu erzielen, wäre selbst dann, wenn alle Menschen „gut“ wären, der nächste Krieg unvermeidlich. Sind aber arbeitsfreie Kapitaleinkommen durch vollkommene marktwirtschaftliche Konkurrenz (monopolfreie Marktwirtschaft) auf Null geregelt, bedeutet es prinzipiell das Beste für alle, wenn der Einzelne nur das Beste für sich anstrebt. Das ist die wahre Nächstenliebe. Bis auf die „sichere Unendlichkeit“ (die menschliche Dummheit = Politik und Religion) gibt es für den „Himmel auf Erden“ (Nachfrage Angebot) keine weitere Ausrede.

    Stefan Wehmeier, 15. Juli 2011
    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

    Eingestellt von Freiwirtschaftler um 14:40 ““

    Wäre einmal interessant, was Theologen zu dieser doch recht eigenwilligen christlichen Kapitalismuskritik sagen.Haben die Befreiungstheologen wie Leonardo Boff, Ernesto Cardenal oder andere auch solche Thesen vertreten?

  10. „Haben die Befreiungstheologen … auch solche Thesen vertreten?“

    Die Aufgabe eines Theologen (unabhängig davon, ob er sich „Befreiungstheologe“ nennt) ist es, das arbeitende Volk durch gegenständlich-naive Umdeutungen der Heiligen Schrift (so genannte Exegese) in der religiösen Verblendung zu halten und damit an die fehlerhafte (kapitalistische) Makroökonomie anzupassen. Da es egal ist, welchen Unsinn die Theologen schwafeln, solange sie damit den eigentlichen, makroökonomischen Sinngehalt der originalen Heiligen Schrift (die Bibel nur bis Genesis 11,9) überdecken, erfüllen die Priester noch heute ihre Aufgabe, auch wenn sie schon lange nicht mehr wissen, was sie tun.

    Bei Ihnen ist das offensichtlich sehr gut gelungen.

  11. Ralf Ostner sagt:

    Wobei mich einmal interessieren würde, wie Sie ihre ökonomisch-materialistisch-phatansievolle Umdeutung der Heiligen Schrift selbst beweismässig belegen. Da fehlen ja jegliche Belege und reiht sich eine Behauptung an die andere. Diese Dechiffrierung eines angeblichen Codes in der Bibel ist ja so einfallsreich wie Dan Browns Da Vici Code oder das you-tube-Video Zeitgeist.

  12. Ralf Ostner sagt:

    Thomas Wagner schrieb:

    „Grundsätzlich ist es auch richtig, sich einzubringen. Nur gleichen sich mittlerweile die Wahlprogramme immer mehr – sind fast identisch, oder verkünden offensichtlichen Blödsinn.
    Nicht zu wählen, ändert natürlich gar nichts. Kurt Beck hat vor Jahren 37% Wahlbeteiligung als „völlig ausreichendes Wahlergbnis“ bezeichnet. Es wird nicht so sein,
    dass Wahl ist und „keiner geht hin“. Die nennen zwei Prozent ein eindeutiges Wählervotum…Ich bin auch noch nicht bereit, nicht zu wählen. Aber wenn ich nicht zur Wahl gehe, ändert das gar nichts!
    Vielleicht freuen sie sich sogar darüber – Wahlen sollen einschlafen?“

    Meine Antwort:

    Dennoch würde offensichtlich, dass eine breitere Nichtwählerschaft auch die Legitimation dieser Herrschaften grundsätzlich infrage stellt. In anderen Ländern gibt es ja auch Wahlboykottbewegungen.Aber wahrscheinlich hast du recht: Auch bei 30 oder 20% Wahlbeteiligung würden die sich immer noch als gewählte Volksvertreter hinstellen und dreist ihre Gesetze durchpeitschen. Als nächstes werden wir die Änderung der deutschen Verfassung durch 2/3-Mehrheit des Bundestags und des Bundesrats sehen–ohne Volksentscheid. Denn wie z.B. Trittin sagt: Das GG sieht diesen gar nicht vor.Und weder Grüne noch Linkspartei bestehen darauf.Freilich kommt die „Diskussion“ dazu NACH den Wahlen 2013.

  13. „Da fehlen ja jegliche Belege…“

    Allen anderen fehlen jegliche Belege, und Sie weigern sich einfach nur, eindeutige Beweise zu akzeptieren, die Ihnen Ihre über alles geliebten Vorurteile zerstören. Es wäre absolut unmöglich, den makroökonomischen Sinngehalt „hineinzuinterpretieren“ – und das auch noch mit 100-prozentiger Signifikanz -, wenn die originale Heilige Schrift irgendeine andere Bedeutung hätte, als die in „Der Weisheit letzter Schluss“ beschriebene.

    Es ist wie bei einem mathematischen Gleichungssystem mit mehreren Unbekannten: Wenn eine Vielzahl von Gleichnissen, insbesondere in den unverfälscht überlieferten Nag Hammadi Schriften, die bei oberflächlicher (gegenständlich-naiver) Betrachtung absolut sinnfrei sind, bei stringenter Substitution der verwendeten Metaphern durch moderne makroökonomische Begriffe einen vollkommenen Sinn ergeben, der die gesamte bisherige Kulturentwicklung erklärt und zudem für unsere gegenwärtige „moderne Zivilisation“ von existenzieller Bedeutung ist, ist jede andere Deutung (es gibt ohnehin keine andere sinnvolle Deutung) ausgeschlossen – unabhängig davon, ob Milliarden religiös verblendeter Narren (noch) „anderer Meinung“ sind.

    Und selbst wenn die Nag Hammadi Schriften nie gefunden worden wären, wäre es noch immer die mit Abstand wahrscheinlichste Hypothese, dass der Prophet Jesus von Nazareth der erste Denker in der bekannten Geschichte war, der die Grundprinzipien der Natürlichen Wirtschaftsordnung erkannte. Denn keine andere Erkenntnis, die bereits zu seiner Zeit möglich war, hätte ihn zur berühmtesten Persönlichkeit aller Zeiten machen können.

  14. Ralf Ostner sagt:

    Frage zum Thema Dauerhafter Euro-Rettungsschirm ESM29.06.2012Von:
    Ralf Ostner

    Sehr geehrte Frau Kippling,

    Ist es nicht schizophren, dass die Linkspartei gegen den ESM-Vertrag klagt, aber die Eurobonds befürwortet?? Die Eurobonds und die Bankenunion würden die völlige Enteignung der deutschen Sparer (inklusve Kleinverdiener) bedeuten.Die Eurobonds würden vielleicht 3-4 Jahre Linderung bei der Spekulation bringen, auf dass diese dann auf erhöhter Stufe wieder einsetzt.Ich selber war bisher ein linker Wähler, aber seltsamerweise sind alle Linken (SPD, Grüne, Linkspartei) für die Eurobonds und bei den Piraten wird es sich erst am Programmparteitag im Herbst 2012 entscheiden. Daher überlege ich ernsthaft, ob ich nicht Merkel/CDU oder die Freien Wähler wählen soll, da Frau Merkel die beste Garantie gegen Eurobonds und Bankenunion zu sein scheint („Solange ich lebe“).Wobei auch das relativ ist: Die EU steht gerade vor der Wahl wieder die EU ohne Euro zu werden, die sie von 1990 bis 2002 war und die ja ganz gut funktionierte–oder aber in der politischen und ökonomischen Integration voranzuschreiten (siehe Schäubles Vorstellungen zu einer politischen Union im SPIEGEL-Interview: EU-Kommission wird in eine EU-Regierung umgebaut mit einem EU-Präsidenten an der Spitze, der vom europäischen Volk oder dem europäischen Parlament gewählt wird. Die Natiopnalstaaten in einer zweiten Kammer–aber nicht föderalistisch wie der Bundesrat, sondern zentralistisch: Die Nationalstaaten können nichts mehr blockieren. Eine neue deutsche und europäische Verfassung mittels eines Europareferendums). Wie stehen Sie zu Schäubles Vorstellungen UND:.Welche Gegenargumente würden Sie mir offerieren, damit ich nicht Merkel wähle?

    Antwort von Katja Kipping 29.07.2012

    Sehr geehrter Herr Ostner ,

    vielen Dank für Ihre Frage.

    Die beiden genannten Haltungen sind nicht schizophren, sie bedingen sich vielmehr. Eurobonds haben den Vorteil, dass die Kapitalmärkte nicht mehr einzelne Länder der Eurozone unter Druck setzen können, indem sie die Renditen und damit die Zinsen für neue Kredite in die Höhe treiben. Außerdem entsteht ein großer Markt, der bis auf 5.000 Milliarden Euro anschwellen könnte. Kapitalanleger schätzen große und liquide Märkte. Zum Vergleich: Bundesanleihen werden in einem Volumen von rund 1.100 Milliarden Euro und US-Anleihen im Volumen von rund 9.200 Milliarden Euro gehandelt.

    Allerdings müsste Deutschland durch die Einführung der Eurobonds zukünftig für seine Neuverschuldung mehr Zinsen zahlen als bei den alten Bundesanleihen. Den Unterschied kann man heute grob an der Differenz zwischen der Rendite für die Anleihen des European Financial Stability Facility (EFSF) und einer Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit abschätzen. Die Anleihen des Euro-Rettungsfonds EFSF sind quasi Eurobonds, da die Mitgliedsländer für sie in Höhe eines festgelegten Anteils gemeinsam haften. Die Zinsdifferenz zwischen einer Bundesanleihe und einer EFSF-Anleihe liegt momentan bei 1,4 Prozent. Da auch Deutschland heute schon haftet und enorm von der EU und dem Euro profitiert, ist es aber fraglich, ob die Mehrbelastungen durch die um 1,4 % ansteigenden Zinsen nicht eine preiswertere und klügere Lösung sind, als einzelne Staaten in den Staatsbankrott zu treiben. Viel wichtiger als Eurobonds einzuführen ist aber aus meiner Sicht, diejenigen mit zum Abbau der Staatsschulden heranzuziehen, die sie mit verursacht haben. Die Verschuldungen haben sehr konkret den Übernahmen der Verluste aus den Spekulationsgeschäften der Banken in der Krise 2008 zu tun. Nur ein Beispiel: Damals ist die Staatsverschuldungsquote von Griechenland von ca. 107 % auf 163 % angestiegen.

    Was wir jetzt brauchen, das ist ein europäischer Solidarpakt, der einen Dumpingwettlauf der sozialen Leistungen der Staaten in Europa sowie der Löhne und Gehälter verhindert. Zur Lösung der Finanzkrise benötigen wir eine stärkere Besteuerung der Vermögen und hohen Einkommen sowie eine stärkere Regulierung der Banken – vielleicht sogar eine Aufteilung einzelner Großbanken. Banken müssen auch Pleite gehen können. Es kann nicht sein, dass jeder kleine Unternehmer sein wirtschaftliches Risiko trägt, Banken aber ihre Verluste dem Steuerzahler überhelfen können. In diesem Zusammenhang sollten wir tatsächlich auf mehr europäische Regulierung und auf einen europäischen Sozialstaat setzen – diese muss allerdings demokratisch erfolgen. Hierzu brauchen wir Volksabstimmungen und einen Ausbau der Rechte des europäischen Parlaments.

    Zum Schluss ein Bitte: Lassen Sie sich nicht einreden, dass die Eurobonds ein Angriff auf die Sparguthaben und Lebensversicherungen der kleinen Sparer sind. Eurobonds sind vielmehr ein Mittel der europäischen Staaten, sich solidarisch gegen die dreisten Spekulationsangriffe der Finanzwirtschaft zu verhalten. Sie dienen damit sogar der Stabilität Ihrer Spareinlagen. Denn nichts macht sie unsicherer, als ein auseinanderbrechendes Europa.

    Mit freundlichen Grüßen
    Katja Kipping

  15. eduard schrag sagt:

    ja da lecktsmiamarsch ( bairisch. ausdruck des erstaunens)

  16. Ralf Ostner sagt:

    Normalerweise veröffentlichen wir Kommentare, die nur einen Satz oder zwei Sätze ausmachen–egal ob Lob oder Schmähung-, sowie Trackbacks und Pingbacks überhaupt nicht.Dieser wurde wegen seiner bayerischen Herkunft gewählt–dennoch wüssten wir gerne vom Autor, was er jetzt damit eigentlich sagen wollte.Hat hier der typsiche CSU-Wähler gesprochen?

Kommentare sind geschlossen.