Richard David Precht- die BILD der Philosophie?

Ein neuer Stern in der Medienlandschaft ist geboren: Richard David Precht. Er bringt uns Philosophie verständlicher rüber und hat damit schon Millionenerfolge bei Büchern erzielt, weswegen er jetzt auch vom ZDF einen eigenen Sendeplatz erhielt, der die bis dahin vom gefeierten Starphilosophen der Republik Sloterdijk ausgestrahlte Sendung „Das Philosophische Quartett“ ersetzte.Daraufhin hat sich Sloterdjik dazu hinreissen lassen aus lauter Neid und/oder Besorgnis um den geistigen Zustand der Republik seinen Nachfolger Precht als den „Andre Rieu der deutschen Philosophie“ zu betiteln und damit zu denunzieren, was bedeutet: Trivialisierung des vermeintlich höchsten deutschen Kulturgutes Deutschlands, der Philosophie, als deren ewiger Wächter sich  Sloterdjik noch eben sah , ja deren  Popularisierung, Perlen vor die Säue,e tc..Der miesgrämmige Sloterdijk mit der Brille auf der Nasenspitze (Intellektualitätsausweis ala Joschka Fischer) hat ja mit seinem “Philosophischen Quartett” meistens auch nur recht grobes Geschwafel zu viert vollzogen und selbst auch versucht Philosophie zu popularisieren–Sloterdijk kann nicht der Andreu Rieu der deutschen Philosophie sein, weil er halt nicht das Äussere und das Charisma dazu hat wie der Adonis und schönes Haar-Mähnenfrisurträger Precht. Zudem ist Sloterdijk ein Eugeniker und Sozialdarwinist, was Precht nicht ist. Precht ist z.B. für den Sozialstaat, wenngleich für ein soziales Pflichtjahr für alle seine Bürger.Auch ist mir der Precht nicht durch political incorrectes Gehetze aufgefallen–da verzichtet er drauf und teilt dies auch nicht–anders als die Sarrazins, Broders und Fleischhauers oder eben Sloterdijiks.
Dennoch habe ich den Eindruck, dass Precht ein linksliberaler Schwätzer mit zuviel Toleranz ist, der es allen (P)recht machen will und deswegen so gut ankommt.Ich habe aber noch eine Theorie: Der Andre Rieu-Precht auf der Philosophiebene ist so das Äquivalent auf der Kabarett-/Comedyebene wie der deutsche George Clooney des Satiregipfels Dieter Nuhr.Letzterer erzählt ja nur noch davon, wie gut es uns eigentlich geht und dass Deutschland ein Land des Jammerns sei–einem Zustand, dem er entgegenarbeiten will. Precht sieht das Land in einem philosophisch untragbaren Zustand und möchte es ebenso daraus befreien. Zumindestens ist eine Tendenz erkennbar: Gab es früher noch Publikumsfragen oder- beiträge, so hat man sich inzwischen in den öffentlich-rechtlichen Medien auf das Format der Expertenrunden geeinigt, und ist dann nochmals vom “Philosophischen Quartett” auf Prechts philosophisches Duett gekommen, das faktisch nur ein Monolog in Arbeitsteilung ist. Der Personenkult um Precht duldet letztendlich nur noch den 1 Philosophen, den 1 Weltenerklärer, wie dies viele Leute auch in Helmut Schmidt oder Peter Scholl-Latour sehen. So funktioniert eine pluralistische Gesellschaft: Man will nur noch den 1 Führer in weltideologischen Fragen. So läuft die real existierende Demokratie. Zuletzt noch: Hätte Sloterdijk etwas mehr Mut, würde er Precht den Hansi Hinterseer der deutschen Philosophie nennen. Auf Rieu und Hinterseer fallen nämlicherweise gleich viele Frauen  grausamerweise rein, wie auf den Precht. Aber Sloterdijk wollte es sich wohl nicht zu sehr mit den Bildungsbürgern verscherzen, hat er doch nicht wie Precht Millionenauflage bei seinen Büchern wie unser neuer shooting star. Vielleicht ist auch Precht die BILD der Philosophie! Zumal wenn Precht meint einen Stellverteter der Boulevardpresse wie Mathias Döpfner von BILD einladen zu müssen, um über den Begriff Freiheit und dessen gleichnamiges Buch philosophieren zu müssen.Letztendlich bewahren uns aber Leute wie Precht davor uns mal mit den Klassikern auseinanderzusetzen, sondern nur deren Interpretation durch den 1 einzig verbliebenenPhilosophen der deutschen Republik erkärt zu bekommen, der die Habermase und die Sloterdijke ersetzte. Es bleibt abzuwarten bis die deutsche Republik eine Philosophenrepublik unter einem Diktator Precht wird, wie Plato dies einstmals erhoffte. Naja, ich hoffe dieser Schwätzer desavourisiert sich auch mal eines Tages selbst, wenn es sonst schon keiner machen will.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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