Ägypten-Muslimbruderschaft, Militär und die kommende Theokratie

Ein Freund, der 10 Jahre in Ägypten gelebt hatte, meinte am Anfang der Rebellion, dass die Muslimbrüder sich zurückhalten würden und nicht bedeutend seien.Es sei die Zeit der Demokraten. Ich war der gegenteiligen Auffassung, vor allem weil ich ähnliche Kommentare von Seiten iranischer Demokraten und Mitgliedern der Tudeh.Partei Irans schon in den 70ern gehört hatte..Wie es aussieht, wollen die Muslimbrüder und Mursi jetzt eine Theokratie errichten.Deswegen auch mein damaliger Artikel „Wider die Verharmlosung der Muslimbruderschaft“

http://www.global-review.info/2011/03/01/wider-die-verharmlosung-der-muslimbruderschaft/.

Aber ich bin wieder überrascht, wie jetzt alle Fans der Arabellion sich auf die beschwichtigende Formel „Ägypten wird nicht Iran“ zurückziehen oder Typen wie Daniel Pipes meinen, Mursi sei langfristig nicht stark genug. Das halte ich für dieselbe Unterschätzung der Islamisten wie im Iran.

Noch zu der Rolle des ägyptischen Militärs.Es ist schon bezeichnend, wie reibungslos und schnell die jüngeren Offiziere ihren bisherigen Oberbefehlshaber Tantawi abgesetzt und Mursi freie Bahn gegeben haben.Ist das Militär so unabänderlich prowestlich und säkular? Z.B. Sudan: Jahrzehntelang hielt das sudanesische Militär am Sozialismus fest. Über Nacht wechselte es dann seine Ideologie mit dem Islam und liess sogar einen Islamisten wie Turabi mitregieren.
Militärs können manchmal eben sehr pragmatisch sein.Mursi hat dem Militär zudem das Kontrollrecht über den Verteidigungshaushalt, einen starken Sitz im Nationalen Sicherheitsrat, die Stellung des Verteidigungsministers überlassen, sowie auch das Wirtschaftsimperium des Militärs bisher nicht angetastet. Damit kann es wohl gut leben.Zur Frage, ob das ägyptische Militär so unabänderlich prowestlich ist: Die US-Militärhilfe an Ägyptens Militär beträgt gerade einmal 2 Mrd.Dollar.Ein Betrag, den z.B. China oder Indien aus der Portokasse zahlen könnten, wenn sie es denn wollten. Das heisst: SO abhängig von den USA ist das ägyptische Militär nicht, als dass es sich nicht auch einen anderen Mäzen suchen könnte.

Zu empfehlen als Lesetip noch folgender Artikel von Daniel Pipes, der zeigt wie die Muslimbruderschaft über Jahre hinweg ein Netzwerk innerhalb des ägyptischen Militärs aufgebaut hat.Genau das was ich gesagt habe: Baut Zellen im Militär auf haben die Muslimbrüder über Jahrzehnte gemacht und fahren jetzt die Ernte ein. Ds war mir klar, dennoch wundere ich mich, dass die sogenannten Experten jetzt darüber so überrascht sind.

 

Wie Morsi in Ägypten die Macht übernahm

 

von Daniel Pipes und Cynthia Farahat
The Washington Times
14.
November 2012

Englischer Originaltext: How Morsi Took Power in Egypt
Übersetzung: H. Eiteneier

Wie brachte Morsi ihn zustande? Wie konnte das Lamm den Fleischer schlachten? Warum sahen so viele Analysten das nicht kommen?

Sie übersahen einen versteckten Faktor: Es stellt sich heraus, dass der Bruderschaft zuneigende Offiziere im Militär weit zahlreicher und mächtiger gewesen sind, als bisher angenommen: Diese wussten um den für den 24. August geplanten Putsch und halfen Morsi ihn zu verhindern. Es war zwar lange offenkundig, dass einige Offiziere Anschauungen hegten, die der Bruderschaft zuneigen, das Ausmaß ihres Netzwerks ist aber erst in den drei Monaten seit dem Coup bekannt geworden.

(…)“

DEr vollständige Artikel ist lesbar unter:

http://de.danielpipes.org/12205/morsi-aegypten-macht-uebernahm

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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