Szenario: Ägypten-Syrien-Iran-Russland-China versus the West

Ein Szenario, das wir in den Hauptstädten Europas einmal durchdenken sollten, da sie in Washington, Peking und Moskau schon durchdacht werden:

Muslimbrüder kommen in Ägypten, Syrien, Jordanien an die Macht–Achse mit einem möglicherweise atomgerüsteten Iran (die Differenzen zwischen Muslimbrüdern und Iran beziehen sich vor allem nur auf Syrien, nicht aber in der gemeinsamen antizionistischen Zielrichtung gegen Israel)–Panislamische Achse Ägypten, Syrien, Jordanien, Iran. Gefahr eines neuen Nahostkrieges.Israel droht mit der Bombadierung des Assuanstaudamms, um Restägypten zu fluten. Ägypten wiederum droht mit der Sperrung des Suezkanals (paralell dazu vielleicht Iran mit der Sperrung der Strasse von Hormuz).
Airseabattle muss ergänzt werden über die strategischen Punkte Pazifik , Persischer Golf–Suezkanal.Also schon sehr viel potentieller Sprengstoof im Führungsland der Sunniten–Ägypten.

Es gibt eine ägyptsiche-syrisch-russisch-chinesisch-iranissiche Achse im Nahen Osten, die die wesentlichen strategischen Nadelöhre für die Ölversorgung und den Welthandel  stören können- den Suezkanal und die Strasse von Hormus. China wird der Unterstützer dieser Achse und ab 2025 kommt der erste chineische Flugzeugträger in den Perischen Golf (Wikistratszenario. „When Chinese aircraft carriers enter the Persian Gulf

http://www.wikistrat.com/simulation-summaries/when-chinas-carrier-enters-the-persian-gulf-simulation-executive-summary/).

Frage: Wie reagiert der Westen darauf, die NATO, die EU, die USA, Israel—wird es dann noch diesen Zusammenhalt geben oder sich alle in alle möglichen Windrichtungen auflösen und vielleicht die EU eine Achse mit Russland und China eingehen?

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Responses to Szenario: Ägypten-Syrien-Iran-Russland-China versus the West

  1. Florian Beck sagt:

    Mir gefällt das »wir« im ersten Satz nicht besonders, weil der Ort des Denkens ja keine große Rolle spielt. Es sei denn, du verbindest das mit jeweiligen Interessen. Aber ich bin kein Regierungsberater und möchte mich keineswegs mit denen der »Hauptstädte Europas« (welche sind das?) geschweige denn denen der Deutschen gemein machen.

    Nehmen wir also an, wir sollten das auch hier diskutieren. Das geschieht ja ohnehin. Du meist offenbar, es wird zu wenig über den Extremfall diskutiert. Hypothetisch.

    1. Die »Achse«, wenn sie den Iran einschließt, ist nicht die der Muslimbrüder. Sie wird also in jedem Fall heterogen sein. Morsi hat sich ja keineswegs als panislamischer Führer inszeniert.
    2. Bemerkenswerter als deine internationale Konfrontationen finde ich zumindest die lokale Islamisierung. Bemerkenswert ist dann aber auch der lokale Widerstand dagegen.
    3. Die polit-ökonomischen Interessen Russlands und Chinas sehen (fast) gänzlich von Israel ab. Das ist eine Gefahr, heißt aber nicht, dass sie einen islamischen Angriff unterstützen würden. Selbst im Extremfall wäre allenfalls eine Einschränkung der israelischen Marine zu erwarten.
    4. Von der »Bombadierung des Assuanstaudamms« zu sprechen, scheint mir anti-israelische Propaganda. Das hat niemand vor (und in Israel nimmt man gegenwärtig kein Blatt vor den Mund). Eine islamistische Allianz wäre sicher schlecht, aber mit Ausnahme Ägyptens gibt es ohnehin keine Friedensverträge. Krieg gegen Israel war offizielle Politik.
    5. Der arabische Frühling hat es zu keinem Sommer gebracht; immerhin ist der Islamismus nicht unumstritten, sondern sieht sich einer Opposition gegenüber. Dass der Islamismus nicht mehr unterdrückt wird, ist natürlich schlecht; ebenso verletzlicher wird er gegenüber Opposition.

    Viel interessanter fände ich die Frage: Wenn Israel sich eine solchen Allianz gegenüber sähe, wie würde sich Deutschland verhalten? Wenn der Iran Atomwaffen hat, was kommt es dann noch auf Ägypten an? Und: Wie verhalten sich die Deutschen, wenn Israel einem iranischen Atomschlag zuvor kommt?

  2. Florian Beck sagt:

    Von Ralf Ostner:
    Zu Floh Beck:

    Richtig und beruhigend ist, dass Mursi sich bisher noch nicht als
    panislamischen Visionär betätigt hat. Aber sind wir uns sicher, dass
    er dies in Zukunft nicht doch versuchen wird? Meiner Ansicht nach ist
    das ägyptisch-iranische Verhältnis noch nicht ausgemacht.Im Westen
    wird die Rede Mursis leider auf seine Statements zu Syrien verkürzt,
    wobei er zu einem Sturz Assads aufrief, der ja von Iran unterstützt
    wird.Aber nach Assads Sturz, könnten die Karten neu gemischt
    werden.Denn Mursi stellte in seiner Rede viele Gemeinsamkeiten mit dem
    Iran heraus, was weniger beachtet wurde.Aber warten wir es ab. Die
    Drohung den Assuanstaudamm zu bombadieren stammt vom israelischen
    Aussenminister Avigdor Liebermann, schwebt also doch immer als
    potentielle Option im Hintergrund, sollte sich Ägypten unbotmässig
    verhalten.Wie sich Deutschland speziell zum arabischen Frühling und
    Israel/Iran verhält, wäre einmal einen eigenen Artikel wert.Es
    versucht zumindestens in den Arabellionstaten das Entstehen einer
    Demokratie zu fördern, während es in den Golfstaaten auf die
    etablierten Herrscher setzt und diese mit Waffen beliefert (z.B.
    Saudiarabien mit Leopardpanzern,etc.).

    Zu dem Artikel folgende Korrespondenz zwischen Dr.X und mir als
    Kommentare:

    Lieber Herr Ostner,

    1. Das Achsenszenario stimmt nicht! Es gibt keine Achsen des Bösen
    mehr, sondern interessen- und teilweise historisch-religiös
    begründete Verbindungslinien, die aber schwächer sind als Achsen der
    Vergangenheit.

    Welche Verbindungslinien sehe ich? Zunächst einmal eine Verbindung
    Moskau – Erewan – Damaskus, flankiert von der Verbindungslinie Teheran
    – Damaskus – Hezbollah – Hamas.

    2. Welche Verbindungslinien sehe ich nicht? Verbindungen der
    sunnitischen Muslimbrüder zu den Schiiten halte ich für nicht
    belastbar. Die Muslimbrüder stehen gegen die Alawiten in Syrien,
    versuchen die Hamas aus der Verbindung mit den libanesischen Schiiten
    und Teheran zu lösen. Hier gibt es auch überschneidende Interessen
    mit den USA.

    3. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung wage ich keine Prognosen.
    Die Muslimbrüder sollte man weder verharmlosen noch verteufeln. Sie
    sind ein Machtfaktor, mit dem zu rechnen ist, und der auch die
    wirtschaftlichen und sozialen Interesses seiner Mitglieder im Auge
    haben muss (Ägyptens Mittelschicht und Kleinbürgertum, nicht die
    Oberschicht, aber auch nicht unbedingt die Masse der ländlichen
    Bevölkerung).

    4. M. E. sind zur Zeit der politische Rahmen und die Perspektiven der
    polit. Entwicklung völlig unübersichtlich und unvorhersehbar.

    Dr.X

    Lieber Dr. X,

    1)dennoch könnte die Versuchung auch der ägyptischen und syrischen
    Muslimbruderschaft gross sein den äusseren Feind Israel wieder ins
    Spiel zu bringen. Speziell in diesem Punkt könnte es eben schon zu
    einer Art antizionistischen Verbindung
    Muslimbrüder-Ägypten-Syrien-Iran kommen.

    2) Ein zweiter Punkt meiner Überlegungen ist das ägyptische
    Militär.Unter Sadat war das noch eine 900 000-Manntruppe und wurde
    dann auf 500 000 abgerüstet.Dennoch sind 500 000 Soldaten eine ganze
    Menge. Da dürfte auch einmal die Frage kommen, vor welchem äusseren
    Feind man ein derartiges Massenheer braucht. Denkbar sind da
    eigentlich nur 3 Szenarios: 1) Lybien, 2) Sudan (speziell: potentielle
    Wasserkonflikte um den Nil), 3) Israel.Speziell der dritte Punkt
    könnte für die Relitmierung des Militärs in Identitätskrise
    wichtig werden und da auch mit den Muslimbrüdern accord gehen.

    3) Als mässigende Einflüsse auf die Muslimbrüder sehe ich deren
    ökonomische Abhängigkeiten von dem IWF, Katar (das laut RIA/Nowostoi
    Ägypten einen 18 Mrd.Dollarkredit bewilligen will) sowie auch den USA
    und der EU. Wahrscheinlich werden die Muslimbrüder versuchen hier mit
    China ein Gegengewicht zu setzen–deswegen ging der erste Staatsbesuch
    Mursis auch nach China.

    Beste Grüsse

    Ralf Ostner

    Lieber Herr Ostner,

    zu 1: In allen arabischen Staaten dominiert zur Zeit die
    Auseinandersetzung mit dem inneren Feind alles andere. Selbst die
    Palästinenser streiten sich untereinander mehr als mit Israel.

    zu 2: Das Massenheer wird in Ägypten primär zur Absicherung des
    militärischen Staates im Staate gebraucht – imperium in imperio. Die
    ägyptischen Generäle haben mit Sicherheit kein Interesse daran, ihre
    Pfründe und ihr Leben in einem Krieg gegen die hoffnungslos
    überlegenen Israelis aufs Spiel zu setzen. Auch hier; Der Feind der
    eigenen Interessen stehen im Innern des Landes

    zu 3: d’accordo.

    Aber: Zu beobachten bleibt das Treiben des Muslimbrüder allemal. An
    ihren Taten sollt Ihr sie erkennen!

    Beste Grüße

    Ihr

    Dr.X

    Lieber Dr. X,

    in diesen Punkten haben sie recht.Es ist immer gut mal den
    Contrastandpunkt zu hören.Noch zur panislamischen,antizionistischen
    Achse.Was dagegen sprechen könnte sind auch die geschichtlichen
    Erfahrugen mit dem Panarabismus.Syrien, Nasser-Ägypten und Irak waren
    ja auch mal Vorreiter des Panarabismus mit antizionistischer
    Stossrichtung.Dennoch kam es nie zu einer Einigung zwischen diesen
    Staaten, oder einer dauerfristigen antiisrealischen Achse (spätestens
    nach 1973 war es damit vorbei) waren die beiden Baathparteien Syriens
    und Iraks mehr zerstritten als mit Israel und wurde auch nichts aus
    den Fusionen von Nasserägypten.Warum sollte es einer panislamischen
    Achse anders ergehen?Möglicherweise hat der Verfassungsschutz recht,
    der meint unter den Muslimbrüdern erwarte uns „Realpolitik mit
    islamischen Werten“.Aber warten wir es ab—wie sie richtig sagten: An
    ihren Taten sollt ihr sie erkennen.

    Mit besten Grüssen

    Ralf Ostner

  3. Ralf Ostner sagt:

    Zu Dr.X
    „Lieber Herr Ostner,

    zu 1: In allen arabischen Staaten dominiert zur Zeit die
    Auseinandersetzung mit dem inneren Feind alles andere. Selbst die
    Palästinenser streiten sich untereinander mehr als mit Israel.“

    Das ist eben eine Momentanaufnahme: „zur Zeit“. Aber meine Artikel drehte sich ja darum, was passieren könnte, wenn sich die Muslimbrüder als vorherrschende Kraft nach innen etzabliert haben und dann einen ganz anderen–nicht mehr so moderaten Kurs einschlagen.Wenn die Hamas nicht nur Gaza, sondern auch das Westjordanland unter ihrer Kontrolle hat und von den Muslimbrüdern Ägyptens und Syriens unterstützt wird.Zudem, wenn Iran doch mal Atomwaffen haben sollte. Und China da auch mehr eine Rolle spielen wollte.Das Hauptargument von Floh Beck leuchtet mir ein: China ist vor allem daran interessiert, dass der Suezkanal und der Perische Golf befahrbar bleibt, da es sein Öl und seine Warenströme nach Europa bringt. Da ist es eher an einer Deeskalition in Sachen Konflikten mit Iran und Israel interessiert. Und Russland möchte vor allem einen Ausweichstützpunkt fürs Mittelmeer antsatt Syrien, aber sich auch nict in einen Krieg mit Isreale reinbegeben, zumal auch viele Israelis ehemalige Sowjetunionler sind. Das schliesst aber nicht aus, dass Muslimbrüder, Hamas und Iran trotzdem gegen Israel eine Stunkallianz gegen Israel eingehen. Das ist nicht ausgemacht und ich würde mich freuen, wenn Dr. X recht hätte, dass solch einen sunnitisch-schiitische Achse nicht belastbar wäre. Warten wir es also ab!

Kommentare sind geschlossen.