Cindy aus Marzahn und die neoliberale Sauberkeit deutscher TV-Schirme

Neben der Eurokrise ist die wohl am heftigsten diskutierte Frage dieser Republik, ob Cindy aus Marzahn weiter bei „Wetten, daß…“als Comoderatorin und Assistentin von Markus Lanz auftreten sollte. Meine Frage: Ist Cindy aus Marzahn das antineoliberalistische Fanal auf deutschen Volksempfängern? Cindy aus Marzahn ist ja die selbsterdachte Kunstfigur und Karikatur einer bildungsfernen, übergewichtigen Sozialhilfeempfängerin aus Ostberlin.Sie bedient somit alle Klischees der Hartz4lerin.Das scheint einige Leute zu stören, die sie als häßlich und primitiv empfinden. Gerade so als sei das deutsche Fernshen ein Kulturbringer und nicht primitiv, ob nun pricat oder öffentlich-rechtlich. Cindy von Marzahn soll das deutsche Fernsehen primitiv gemacht haben, als wäre es dies nicht schon grossteils gewesen. So was hat auf den sauberen deutschen Fernsehschirmen nichts zu suchen. Geschönte Armutsberichte der deutschen Bundesregierung suchen da nach einem gleichermassen geschönten Fernsehprogramm, wo die Welt wieder alles heile ist. Man möchte sich diese Problemgruppe der Hartz4ler, die Cindy verkörpert medial nicht auf die Mattscheibe holen – nicht einmal symbolisch-  und sie vergessen machen, ihnen nur das Unterschichtenfernsehen der Privatsender als pädagogisches Bootcamp zugestehen, in deren Programmen verschuldete- übergewichtige, bildungsferne Problemfälle umerzogen werden oder aber den Aufstieg ala neureiche Prolofamilie „Die Geissens“ schaffen sollen.Ich bin mir nicht klar, ob dies nur ästhetische Gründe sind oder ob hier nicht eine Portion Sozialdarwinismus mitspielt.

Cindy aus Marzahn ist die Anti-Hunzinger- und Anti-Klump und das antisexy Top-Model of Germany. Das macht sie mir schon wieder sympathischer als diese bulimisierten Oberklassefrauen, die auf Switch Reloaded so köstlich verarscht werden. Ja, es bedürfte mehrerer Cindy von Marzahns in diesen konfliktfreien deutschen Serien–vom Forsthaus Falkenau über Dahoam is dahoam bis zum Wort zum Sonntag.Hartz4 ins deutsche TV und nicht nur auf der Betroffenenbank bei Anne Will oder mittels Experte, die ÜBER die Hartzler reden!!! Cindy symbolisiert sie–oder ist dies ein Trugschluss, wenn ich mir ihre Deutschlandtour „Prinzessin Cindy, Pink is beautiful“ ansehe–scheint so, als ob der soziale Kontent rausgekippt werden soll und man sie nur noch auf Pink, übergewichtig, Miss Piggy festlegen will. Da sehen wir dann Cindy demnächst im Fitnesscenter wieder und danach bei Klumps Next Topmodel. Und danach darf sie dann wieder bei „Wetten, daß..?“erscheinen und mit Klaus Lagerfeld tanzen.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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