Good news: Global Review wird ab August 2013 abgeschaltet

Vor etwa 2 Jahren hatte ich die Idee mal wieder publizistisch tätig zu werden. Ein Bekannter riet mir an, dies über einen Internetblog zu realisieren, wir einigten uns auf den Namen Global Review und gingen online. Die Erfahrungen waren niederschmetternd: Kommentare kamen sehr spärlich, zumeist offtopic, die Autoren waren religiöse oder ideologische Spinner, Verschwörungstheoretiker und 9-11-Truther, die zumeist am Thema vorbei ihre eigenen Botschaften in ellenlangen Traktaten posten wollten oder Trackbacks und Pingbacks setzen wollten, um irgendeine weitere Verlinkung herzustellen oder aber zumeist Typen, die nicht mehr als bis auf 1-2 Sätze oder gar Worte kamen—Minishitstorms zumeistens. Desweiteren ewige Versuche von irgendwelchen Firmen ihre Werbung reinzubekommen—von Potenzmitteln bis Wasserfilteranlagen.Da wir keine Besserung sahen, schalteten wir die Kommentarfunktion aus und beschränkten den Blog als e-mail-Tagebuch.Die meisten meiner Artikel waren relativ lang mit viel Zitaten zum Beleg, aber der durchschnittliche Blogleser liebt scheinbar lieber die BILD-formatige Kurzform, dazu mit Schlagwörtern und keinen Differenzierungen. Ebenso scheint das Interesse an globalen Themen begrenzt.Ich versuchte selbst eine Zeitlang auf anderen Blogs Links zu Global Review zu setzen und meine Artikel, falls sie zum Thema passten zu verlinken, doch die Resonanz war sehr gering.Ich war dann auch auf sehr viel anderen Blogs als Gast, wurde ein paar mal rausgeschmissen und wieder zugelassen, aber mir fiel auf: Es gibt nur eine Handvoll von Blogs, die wirklich massenwirksam sind. Die meisten Blogs sind ein kleiner Stammtisch, bei denen sich ein überschaubarer Kreis von 10-15 Leuten untereinander austauscht. Man kennt einander, stimmt dem anderen zu oder aber begibt sich da in persönliche Auseinandersetzungen hinein. Zumeist dürften die meisten Menschen, die auf Blogs kommentieren über zuviel Zeit im Realleben verfügen, sind wahrscheinlich Rentner oder Arbeitslose oder aber eben Leute, die politisch daherquatschen und sich auslassen wollen, aber eben reale Organisationsarbeit sei es nun in einer Partei oder einer politischen Gruppierung oder NGO scheuen.Und die Gefahr besteht: Anstatt etwas im realen Leben politisch verändern zu wollen, hängt man in den Blogs ab, schwafelt man sich in Blogrunden theoretisch den Kopf heiß, zumal unter dem Mantel der Anonymität, was auch die Umgangsformen verrohen lässt. Viele Blogkommentatoren würden sich unter ihrem Klarnamen niemals solche dreisten Entgleisungen leisten, wenn sie einen Leserbrief in der Zeitung veröffentlichen wollten oder an einem Stammtisch einem realen Gesprächspartner gegenübersitzen würden.Ausschlaggebend für mich war daß ein befreundeter Blogger, Thomas Barnett von Globlogization seinen eigenen Blog abschaltete. Er sah die Notwendigkeit und Nützlichkeit seines Blogs auch nichtmehr. Dabei war Barnett ein gefragter Pentagonanalyst, erhielt aber auf seinem Blog auch nur auf jeden Artikel 2-4 Kommentare. Und auch hier blieb der Eindruck: An internationaler Politik und globalen Themen besteht scheinbar keine allzu reissende Nachfrage, an 9-11-Seiten wie Infokrieg oder Alles Schall und Rauch oder irgendwelchen Islamhasserseiten jedoch schon. Anstatt nun weiter über die Ungerechtigkeit des Lebens zu jammern und meine eigene Erfolglosigkeit als Blogger schönzureden, tauche ich ab jetzt wieder in die reale Welt ein. Bad news are good news: Global Review wird ab August 2013 abgeschaltet.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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