Professur für Holocaustforschung—längst überfällig

Franz Josef Strauß meinte ja einmal, dass ein Volk, das solche wirtschaftlichen Aufbauleistungen vollbracht hat, das Recht habe nichts mehr von der Vergangenheit zu hören. 80% der Deutschen  befürworten inzwischen einen Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheit, wenngleich viele schon der Ansicht sind, dass man aufgrund der Geschichte schon eine gewisse Verantwortung für die Zukunft trage, dass sich Ähnliches nicht wiederhole. Dazu wird die deutsche Seele , die sich durch die sehr geringenWiedergutmachungszahlungen an Israel schon als Melkkuh der internationalen Staatengemeinschaft sah durch neuere  allerdings exorbitante Wiedergutmachungsforderungen seitens der Syriza/Unabhängigen Griechen-Koalition herausgefordert, die sich durchsichtig-taktisch genau in der Größenordnung der griechischen Staatsverschuldung halten, also ein Schuldenschnitt durch die historische Hintertür darstellen. Das offizielle Berlin verweigert sich solchen Forderungen, da hier die Büchse der Pandora geöffnet werden könnte und auch Russland, deutsche Kriegsopferländer und Exkolonien Forderungen erheben könnten.Umgekehrt sehen sich aber jene Deutschen, die mit ihrer Geschichte abschliessen wollen auffälligerweise gerade sehr extensiv die ganzen inflatorischen Nazidokumentationen auf ntv und n-24 samt Guido Knopp an. In diese Gemengenlage kommt nun der Vorschlag an der Frankfurter Universität eine Professur für Holocaustforschung zu etablieren—in Kooperation mit dem Fritz-Bauer-Institut. Man muss einmal klarstellen, dass der Holocaust ein ziemlich unbearbeitetes Gebiet ist.In den 50er/60er Jahren galt generell Stillschweigen über  das 3. Reich und heile Welt, wie dies in den ganzen Heimatfilmen und Heinz Erhardt  zum Ausdruck kam.Die 68er brachen zwar das Schweigen, aber sie thematisierten den Holocaust nicht zentral, da die kommunistische Sichtweise eher eine klassenmässige Analyse des Faschismus als bürgerlicher Herrschaft im Klassenantagonismus Arbeiterklasse und Großkapital blieb.Weswegen die Judenvernichtung und der Holocaust zum integralen und hauptsächlichen Bestandteil des Nationalsozialsimus wurde, konnten diese marxistischen Klassenanalysen, bei dem es ja um einen Endkampf zwischen Arbeiterklasse und Kapital ging,  nicht erklären. Weswegen brachten die Nazis soviel Energie bei der Judenvernichtung auf, wenn es doch nur um die Zerstörung der Arbeiterklasse ging, der Kommunistischen Partei und der Sozialdemokratie und ein paar Anarchisten?Folgerichtig versuchte sich hierbei die Frankfurter Schule alternativ daran, die sich dann eher auf Ideologiekritik verstand,aber auch nicht wesentlich über solch analytisch fragwürdige Konstruktionen von einem besonders autoritären Charakter der Deutschen hinauskam. Tendenziell wurde aber der Holocaust nicht weiter analysiert—er passte nicht so ins klassenkämpferische Schema und bei den Nationalkonservativen der CDU/CSU blieb er sowieso ein Tabu.Und wie sah es literarisch aus? Auffällig ist, dass die vielgepriesene Gruppe 47 gerade den Holocaust ausblendete. Der Vorschlag diese Thema literarisch zu verarbeiten, wurde schon per se abgelehnt.Und wenn man sich die Literatur, die uns als Schülern als antifaschistische Literatur von unseren zumeist sozialdemokratsichen Deutschlehrern empfohlen wurde, war dies immer wieder  Borcherts „Draussen vor der Tür“, das das Schicksals eines zurückkehrenden Landsers beschreibt, also mehr deutsche Opferrolle ist, „Die Deutschstunde“von Siegfried Lenz, in der sich der Nationalsozialismus in einen Streit zwischen einem übereifrigen Dorfpolizisten und einem Künstlerfreigeist entfaltet oder aber eben „Die Blechtrommel“von Günther Grass, die den Nationalsozialismus auch mehr als abstruse, aber irgendwie witzige Zirkusverantstaltung portraitierte. Auffällig war, dass die ganzen Ausmasse des Naziterrors von Massenerschiessungen , Folterungen,  Krieg und des Holocaust gar nicht mal peripher erwähnt wurden. Die Gruppe 47 kam mir daher immer wie die Verharmloser des Nationalsozialismus  sozialdemokratischer Willy- Brandt-Apologeten vor. Der wesentliche Beitrag zur deutschen Aufarbeitung des Holocaust waren Fritz Bauer im Auschwitzprozess, der aber nicht sonderlich folgenreich blieb und von dem man nicht sehr viel als Schüler und als Bevölkerung mitbekam. Die US-Serie „Holocaust“ im ZDF Ende der 70er Jahre brachte die massenwirksame Aufklärung in massenmedialer Form, die eine Gruppe 47 ausgeklammert hatte und auch nie beabsichtigt hatte.Das zeigt, dass der Holocaust nie von Deutschen eigenverantwortlich bearbeitet wurde, sondern eben der importierten  US-Reeduaction brauchte, da die wesentlichen Eliten und  Literaturschaffenden dazu nicht in der Lage waren. Nach der ZDF-Serie Holocaust gab es aber kaum noch eine derartige mediale oder gar wissenschaftliche Aufarbeitung des Holocaust. Im Gegenteil wurden solche Bücher wie „Die Holocaustindustrie“meistgelesen in Deutschland verkauft, die immer behaupteten, der Holcaust würd inflatorisch zur Wiedergutmachung eingesetzt.Ob „Stalingrad „ von Villsmeyer, „Nacht über Berlin“„die ganzen Streifen über die Rote Kapelle, Weiße Rose und Graf Stauffenberg oder nun Georg Elser, die ganzen Guido Knopp, ntv und n-24- Dokus blenden den ganzen Holocaust aus und können auch von Naziliebhabern konsumiert werden, so wie sie den ganzen Nazis so breiten Raum ohne jegliche wirklichen Analyse liefern. Das Fritz-Bauer-Institut wurde 1995 , also 50 Jahre nach Kriegsende gegründet, um Holocaustforschung zu ermöglichen. Nun, wiederum 20 Jahre danach soll die erste Holocaustforschungsprofessur an der Frankfurter Goethe-Institut eingerichtet werden, während es dies in den USA, Grossbritanien und anderen Ländern schon längst gibt. Die Bedenkenträger aus der nationalkonservativen Ecke formieren sich auch schon wieder, wenn man die Kommentare in der FAZ liest. Zum einen wird argumentiert, dass Deutschland sich schon genug mit der Nazigeschichte beschäftigt habe, dass andere Völker auch solche Verbrechen begangen haben, dass man erst einmal einen Forschungsstuhl über die Verbrechen des Kommunismus etablieren sollte, dass es nie solche speziellen Forschungsgebite auf anderen Fakultäten gebe, dass hier wieder Gutmenschen auf Staatsknete eine Political-Corretcness- Institution gründen und den deutschen Schulkomplex aufrecht erhalten wollten. Meiner Ansicht nach ist eine solche Forschungstelle an der Uni längst überfällig. Zumal hoffe ich, dass sie in eifriger Koopperation mit dem Fritz-Bauer- Institut, das sich gerade auch ein kineotographisches, multimediales Archiv zulegt, eine Zentralstelle wird, auch multimediale Aufklärung und Forschung über den Holocaust zu popularisieren, ja diesen ganzen inflationären Dokumist von ntv, n-24 und Guido Knopp einen multimedialen Kontrapunkt zu setzen und auch neue Filme anstatt nur Bücher und begrenzt gelesene wissenschaftliche Publikationen zu produzieren. Zumindenstens das Fritz-Bauer- Institut hat verstanden, dass man Holocaustaufarbeitung und die des 3. Reichs multimedial in der heutigen you-tube, App- und Internetwelt bringen muss, damit die Aufklärung so effektiv ist, wie damals die US-Serie „Holocaust“.

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Als Kritik des Artikels schrieb mir ein Bekannter:

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Lieber Ralf,

ehrlich gesagt ist das ein Thema, mit dem ich mich nicht beschäftigt habe, eine Antwort kann also nur ohne weitere Vorkenntnisse aus dem Bauch heraus kommen: Das erste, das mir durch den Kopf ging, war, warum jetzt, das hätte viel, viel früher erfolgen müssen, aber jetzt noch? Unsere Generation ist dank Eltern und Großeltern, die diese Zeit selbst erlebt haben, noch nahe dran, vielleicht kann man jetzt tatsächlich noch Neues entdecken und erforschen, wobei schon viel entdeckt und erforscht worden ist, gerade auf den Ebenen mit lokalem Bezug, es geht also vielleicht mehr darum, wie man diese Erfahrungen als breites Wissen erhalten und den Menschen nahe bringen kann! Für die nächste Generation ist diese Zeit dann schon so, wie uns der Krieg von 1870/71 erschienen sein mag: Wir haben keinen inneren Bezug mehr zu diesem und nehmen ihn, wenn, dann nur faktisch als Geschichte wahr. Das berührt aber niemanden mehr! Wichtig ist es also, auch den nächsten Generationen erfahrbar zu machen, was es bedeutet, Menschen zuerst auszugrenzen und dann sogar zu vernichten, wie die Mechanismen sind und was man dagegen tun kann und auch tun muss! Wichtig ist es, ein humanes oder gar christliches Menschenbild zu haben, mit dem man diese Eregnisse einordnen und sein Gewissen bilden kann. Die zahlreichen Befürworter für Pegida haben in diesem Jahr gezeigt, dass das Wissen allein um die Vorgänge im Dritten Reich, das wir heute haben, nicht ausreicht, um ähnliches zu verhindern. Viele Menschen scheuen sich auch nicht mehr, das damals Vorgefallene gut zu heißen, sie bewerten also die Ereignisse anders, als dies jemand tun würde, der den Menschen an sich und dem Leben gegenüber positiv annehmend zugewandt ist. Das heißt, hier fehlt Gewissensbildung allgemein, ein Mangel tritt zutage, der auch psychologischer Natur ist und dem mit entsprechenden Mitteln begegnet werden muss! Politik hat ja meistens mit Psychologie zu tun, mit Machtgelüsten, mit der Ausgrenzung anderer, um sich selbst besser zu fühlen, etc.. Politische Modelle sind nichts anderes, als die Befriedigung dieser Bedürfnisse als vermeintlich objektives Konstrukt verkaufen zu wollen!

Aber zurück zur Frage einer Holocaustprofessur. Wie gesagt, warum gerade jetzt? Das erschließt sich mir nicht! Könnte diese nützlich sein? Vielleicht! Vielleicht würde sie aber auch einen gegenteiligen Effekt bewirken, einen, den ich bei vielen Gelegenheiten in unserem Land wahrnehme. Verantwortlichkeiten werden arbeitsteilig abgegeben, man entledigt sich ihrer. Gibt es also eine entsprechende Professur, wird das Thema nicht mehr an vielen Lehrstühlen behandelt und weiter gegeben, sondern nur noch an dem einen, dafür zuständigen.

Ob die Einrichtung einer solchen Professur wirklich notwendig ist oder ob es sich dabei um eine willkürlich gestellte Frage aus der Welt der Elfenbeintürme handelt, vermag ich nicht einzuordnen. Für mich stellt der Alltag heute ganz andere Fragen, die wir aufgreifen müssen. Dabei kann das Wissen um das damals Vorgefallene hilfreich sein, wir müssen aber im Hier und Jetzt handeln und uns auch den Schatten stellen, die in immer wieder neuer und trügerischer Form auftauchen! Viele sehen die Zeit damals als Geschichte und sagen, ja, ja, wir hätten anders gehandelt oder wir verurteilen das Vorgefallene aus heutiger Perspektive, sie sind jedoch blind für die Fehlungen heutiger Zeit.

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Darauf meine Kritik :

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Ich glaube, du hast da zwei wesentliche Kritikpunkte formuliert: Zum einen, dass die Gefahr besteht, dass solch ein Holocaustforschungslehrstuhl arbeitsteilig die Forschung auf eine Institution konzentriert, diese damit quasi abgeschoben wird und die Forschungen anderer Institute dann infrage gestellt sind.Es dürfte dann auch die Frage des Meinungspluralismus tangiert werden, wenn man quasi ein Monopol auf Holocaustforschung und eine quasipäpstliche Autorität in diesem Forschungsgebiet etabliert.Zum anderen, daß es eher darum gehen sollte die Mechanismsen der Ausgrenzung, des Rassismus, des Nationalismus und des Genozids allgemeiner darzustellen und mit den aktuellen, gegenwärtigen Fragen zu verknüpfen, damit der Holocaust eben nicht nur als vergangene Geschichte gesehen und nur zur moralisch-patriotischen Schuldfrage wird.Also ist der Forschungsgegenstand ohne Verallgemeinerung und Aktualitätsbezug zu eng und zu historisch gefasst.Zentral scheint mir aber, dass du glaubst, die Vermittlung eines humanistischen/christlichen Weltbildes und Charaktererziehung/Gewissensbildung sei wichtiger als historische Aufklärung im engeren Sinne.Habe ich dich da recht verstanden? wo ich etwas Probleme habe, ist der Ansatz zu glauben ein christliches, humanistisches oder atheistisches Weltbild sei so einfach bestimmbar. Was unter christlichem Weltbild, humanistischen Weltbild, atheistischem Weltbild verstanden wird, ist ja weitgehendst Interpretationssache und ina allen Orientierungen existiert ein weites Spektrum, das vom Extremisten bis zum Menschenfreund alles abdeckt..Religionen zeichnen sich eigentlich dadurch aus, schon einmal die Ausgrenzung der Nichtgläubigen zu betreiben. Humanistische Weltbilder sind eher antropozentrische Weltbilder, die den Menschen ähnlich wie das Christentum als Krone der Schöpfung und allmächtig darstellen. Atheistische Weltbilder wiederum grenzen Gläubige und religiöse Menschen aus.Christliches Weltbild–da gibt es ja ein weites Spekturm: Rechtsreligiöse Evangelikale wollen einen US-amerikansichen Gottesstaat ala Iran, verteufeln alle andere Religionen als Satans Werk und begreifen alle Humanisten und Agnostiker und Atheisten als gottlose Menschen. Ich war auf einer Verantsaltung der Katholischen Akademie München „Religious America“. Dort trat ein US-Katholik, zugleich Mitgleid des rechten Neocon Think Tanks American Enterprise Institute , Michael Novak auf, der das europäische Christentum als weichgespültes, pazifistisches semisozialistisches Gutmenschentum anprangerte, vor allem die Idee eines Gottes der Nächstenliebe, während er betonte wahres Christentum orientiere sich an einem „God of Fear“, einem angsteinflössenden, rächenden alttestamentraischen Gott.Da bekam man mal einen Vorgeschmack dessen, was Volker Schlöndorff in seinem Film „Die Dienerin“über US-amerikanisches Christentum als schwarze Utopie verfilmt hatte.
Humanistisches Weltbild–da fällt mir im wesentlichn ein, dass Himmlers Vater bekennender Humanist war, dies aber scheinbar wenig Wirkung auf seinn Sohn gehabt hat. Atheistisches Weltbild–der Glaube, dass eine Welt ohne Religion und Glauben an Gott eben all die Religionskriege beseitige und zum ewigen Frieden unter den Menschen führe.Faktisch aber waren der Kommunismus die stärkste Fraktion in der atheistischen Weltströmung und ich glaube, es bedarf keiner weiteren Diskussion, dass der kommunistsische Atheismus auch keine bessere Welt hervorbrachte.Kurz: Es kommt weniger darauf an, ob ein Mensch sich als atheistisch, religiös, humanistisch betitelt, sondern ob er von der festen Grundüberzeugung getragen ist, dass der Zweck eben nicht alle Mittel rechtfertigt, also ein Gespür für die Verhältnismäßigkeit der Mittel hat und auch andere Meinungen tolerieren kann, ja vielleicht auch mit diesen kooperieren kann.Leben und leben lassen. Und, dass ein Mensch Menschlichkeit und Friedfertigkeit betont, ist auch noch keine
Garantie, dass er dies dann auch so umsetzen wird, denn wie sagte Oscar Wilde einmal treffend: Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.Und zur „Gewissensbildung“—all jene Ideologen und Extremisten handelten ja in dem Gewissen, das beste für ihre Rasse, Klasse, den wirtschfatlichen Wohlstand der Menschheit oder Religion zu tun, die sie als ultimative Lösung aller Probleme sahen.Soweit wiederum meine Kritik an der Idee eines christlichen/humanistischen/atheistischen Weltbildes. Und zur Ausgrenzung: Extremisten, seien es nun religiöse Fundamentalisten, kommunitsische Extremisten , neoliberale Extremisten (die nur noch die ökonomische Verwertbarkeit des Menschen betriebs- und volkswirtschaftlich optimieren und perfektionieren wollen)und faschistische Extremisten sollte man ausgrenzen und isolieren.

Mit besten Grüssen

Ralf

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Erwiderung seitens meines Bekannten

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Das Wissen um die geschichtlichen Zusammenhänge ist wichtig, damit das eigene Denken und Handeln auf objektiven Kriterien beruht und damit Geschichte im Sinne von Geschehenem nicht emotional missbraucht und missgedeutet werden kann!

Da der Mensch aber widerum dazu neigt, aus subjektiven Kriterien heraus zu handeln, ist das Wissen hierum ebenso notwendig und ein Achten darauf, dass Menschen zwar individuell entscheiden mögen und dies auch sollen, dass sie dabei aber nicht nur sich selbst oder die Gruppe, der sie zugehören meinen, im Auge haben, sondern das Wohl aller! Zugegeben ein hoher Anspruch, aber Ansprüche sind Wegweiser im Entscheidungsdschungel, ohne die man leicht den Weg aus dem Auge verliert. Beim Wohl aller sollte man ruhig auch die anderen fragen, was sie denn als gut empfinden, denn anderen das, was man selbst für gut hält, auf’s Auge zu drücken, ist auch der verkehrte Weg! Alles nicht so einfach…! Aber ja, jedes dieser Weltbilder kann missbraucht werden. Religionen haben lange Zeit ausgegrenzt, derzeit bemühen sie sich eher um ein Miteinander um Toleranz und das Zusammenleben aller! Die Frage ist nur, wie willst Du ohne solch eine  Richtschnur leben? Gerade Kinder verlangen geradezu nach solchen Bildern, die ihnen Zusammenhänge erklären, die sie auch seelisch verstehen, weil sie einer universellen Wahrheit nahezukommen scheinen. Die Hirnforschung geht heute zunehmend davon aus, dass der Mensch aus der Dualität von Wille und Bezogenheit heraus gelenkt wird. Dominiert eines zu Lasten des anderen, liegt eine Neurose oder ähnliches vor, das Individuum ist aus dem seelischen Gleichgewicht und lässt die Dominanz einer Seite sein Handeln bestimmen. Religion und auch Humanismus können solch einen seelischen Anteil repräsentieren, der z.B. ein rein technokratisches Denken auszugleichen vermag. alles richtig, bleibt also die Frage, wie man Gewissensbildung betreiben will! Zusätzlich braucht man auch noch einen Konsens in der Gesellschaft, sonst konkurrieren nicht nur Individuen untereinander mit ihren Vorstellungen sondern bekriegen sich auch! Gut ist sicher, dass Schüler in den Schulen lernen sollen, sich zu Erscheinugen wie Pegida ein eigenes Bild zu machen, dass sie lernen zu diskutieren und zu ihrer Meinung zu stehen! Das ist eine Lehre, die man aus der Nazizeit gezogen hat! Zudem muss man sie dazu befähigen, Webinhalte bewerten zu können, damit sie nicht auf jedwede Propaganda hereinfallen. Man muss ihnen aber auch Unterstützung anbieten, gerade in Lebenskrisen, die sie anfällig machen für Verführer. Letzte Frage, wenn dann ein solchermaßen zur Eigenständigkeit befähigter Mensch Entscheidungen trifft, sind die immer gut? Damit wären wir philosophisch in der Zeit angelangt, die davon ausging, dass der Mensch von Natur aus gut sei! Biologistisch gesehen ist er das meist aber nur solange, wie die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse nicht infrage stehen. Droht hier Gefahr, wird er aggressiv. Gleiches gilt für manch krankhaft veranlagtes Gemüt! Also bedarf es doch einer Lenkung und Kontrolle, möglichst demokratisch, d.h. durch viele legitimiert. Gehen die Vielen fehl, wird man es nicht verhindern können! Auch das ist Teil eines immer wiederkehrenden Kreislaufes!

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Meine Erwiderung:

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„Biologistisch gesehen ist er das meist aber nur solange, wie die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse nicht infrage stehen. Droht hier Gefahr, wird er aggressiv.“ Das erinnert mich an den Satz von Horkheimer: „Wer vom Faschismus spricht und nicht vom Kapitalismus, möge lieber schweigen“.Eine Tatsache ist, dass der Kapitalismus eben nur mit immer wiederkehrenden Wirtschafts- und Finanzkrisen funktioniert, wovon sich dann viele Menschen in ihrer Existenz bedroht sehen und eben emotional und aggressiv reagieren. Nun bestand früher die Hoffnung der Kommunisten darin, eine Planwirtschaft zu schaffen, in der Krisen ausgeschaltet werden, was jedoch als gescheitetrt angesehen werden muss. Denn die soziale Marktwirtschaft der BRD etablierte sich als dritter und humanster Weg zwischen dem US-Kapitalismus und dem Kommunismus im Ostblock.Aber seit dem Sieg des Kapitalismus 1989 kannte dieser plötzlich keine Hemmungen mehr und mittels Washington Consensus wurde eifrig dereguliert, privatisiert, verschlankt, Sozialabbau betrieebn, gingen viele der alten Sicherheiten verloren und die Deregulierung des Finanzsektors ala Reagan und Thatcher führte dann schließlich zur Finanzkrise 2008. Von daher ist es auch wichtig, einen Sozialstaat und einen regulierten Kapitalismus zu fordern.Und zur Ausgrenzung: Extremisten, seien es nun religiöse Fundamentalisten, kommunitsische Extremisten , neoliberale Extremisten (die nur noch die ökonomische Verwertbarkeit des Menschen optimieren und perfektionieren wollen)und faschistische Extremisten sollte man ausgrenzen und isolieren.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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