Über den korrekten Umgang mit der „Lügenpresse“ und den „Qualitätsmedien“

Man kennt es aus der Tradition: Der bildungsbürgerliche Vater hielt den Sohn dazu an, die abonnierte Tageszeitung zu lesen und über die Artikel vielleicht noch im geselligen Kreis ala Werner Höfers Internationeln Frühschoppen zu diskutieren. Das war der vorgegebene Rahmen innerhalb dem sich Bildungsbürgerlichkeit  und Gedankenfreiheit im Extremfalle vollzog. SPIEGEL-Affäre diente als Beweis freiheitlicher Meinung, die Hitlertagebücher des STERN stellten diese wieder zentral infrage.

Wenn man von Qualitätsmedien spricht, sind vor allem SZ, FAZ,ZEIT,  WELT, taz, NZZ, Rheinscher Merkur (den es inzwischen nicht mehr gibt), Frankfurter Rundschau und die ganzen regionalen Ableger gemeint. BILD wird nicht mehr darunter gesehen, erlebt aber allgemeine Tolerierung, wenn es darum geht Charlie Hebdo, Israel zu verteidigen oder aber eben gegen Putin zu sein. Dann wird auch das Existenzrecht der BILD seitens des „Qualitätsjournalismus“ verteidigt. Pack schlägt isch, Pack verträgt sich und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.Bei den Magazinen wird vor allem SPIEGEL, STERN und Focus als Qualitätsjournalismus betitelt, Cicero wird vielleicht noch als kleiner Bruder der Burda- und Gruner- und Jahnpublikationen gesehen..Jeder sah da die grossen Unterschiede.Zumindestens, was die sogenannten Qualitätszeitungen angeht:  Gemeinsam ist und war ihnen, dass sie eigentlich nur die Nachrichten von dpa, ddp,afp Reuters und sonstigen Nachrichtenagenturen abdruckten und vielleicht mittels Leitkommentaren und auf der Seite drei da eigene Wertungen oder längere Berichte abgaben.Dazu wusste man: Die FAZ bedient mehr die CDU-FDP- Leserschaft, die SZ mehr die rotgrüne und bürgerrechtliche FDP.Es gab diesen ewigen Streit zwischen FAZ- und SZlesern. Ab den 80er Jahren kam dann noch die taz dazu als grünmenschliches Gutmenschenangebot.Und jeder kam sich da irgendwie toll bei dieser Unterscheidung vor. Die Zeiten haben sich aber eben geändert. Vor allem gibt es das Internet. Dies ermöglicht, dass man zu den Akteuren, Thinktanks und internationalen Meinungsmedien der Welt direkten Zugang hat. Ja, sie alle lesen, vergleichen und zu eigenen Schlussfolgerungen kommen kann. Die Qualitätsmedien erzählen ihren Mythos vom Informationsselektierer, der die wesentliche Informationsflut zusammenfasst, einordnet und als Hüter der Tores kommentiert oder aber eben Gesamtüberblicke gibt.All diese Funktionen sind nun infrage gestellt. Erstens, wie schon gesagt, ist der überwiegende Teil der Qualitätsmedien eigentlich nur eine schriftliche Dokumentierung, die das Internet oder eben das Fernshen als Nachricht schon einen Tag zuvor gebracht hat. Die online-Angebote versuchen es noch um Stunden verspätet als aktuellste Nachricht zu verkaufen. Dann fragt man sich, wie wird es selektiert. Die meisten Qualitätsmedien geben vor, dies neutral zu tun, obgleich doch jedem klar ist, dass es so etwas wie eine Redaktionslinie gibt, die jedem Journalisten vorgeschrieben wird, wenn er es sich nicht mit seinem Chefredakteur verderben und auf Hartz 4 gehen will. Gesamtüberblicke werden schon lange nicht mehr gebracht, sie sind eher die Ausnahme. Leute wie Scholl-Latour, die umfangreiche geopolitische Einordnungen vornahmen, sind die absolute Ausnahme in den soigenannten Qualitätsmedien. Ebenso ist auch richtig, dass der Neoliberalismus und die unkritische prowestlcihe Berichterstattung vorherrscht in allen Qualitätsmedien. Deswegen kommen auch die ganzen „Alternativmedien“ oder sollte man eher sagen „Pseudomedien“auf—von „Alles Schall und Rauch“, „Infokrieg“, PI, Ken FM, und wie die Verschwöungsmedien alle heißen- im Internet oder über COMPACT von Elsässer, nun auch als eigener TV-Internetkanal zumal im Zusammenspiel mit Putins Russia Today. Da ist ein Pseudomediensumpf entstanden, der solche Bewegungen wie Pegida und Holligans gegen Salafismus und andere rechtspopulistische Bewegungen lostritt oder bedient, die die Welt genauso wie die sogenannten Qualitätsmeiden nicht mehr braucht.Man soll sich dann entscheiden zwischen den westlichen „Qualitätsmedien“ oder dem mehr autoritären, proöstlichen Schrott. Beides lehne ich ab. Wie besorge ich mir meine Nachrichten? Ich lese zwar auch die Mainstreammedien und sehe Fernsehen, aber ich verfolge,wenn ich etwas über die USA wissen will die reichhaltigen Direktangebote der US-Thinktanks. Seien es nun die US-Republikaner ala Heritage Foundation, die US-Neocons ala American Enterprise Institute, die Obamanahe- Demokraten-Stiftung Brookings Institution, die libertären Websites des CATO- Instituts oder eben Ron Pauls oder aber eben andere Meinungsmacher wie die Hoover Institution, die Jamestown Foundation, das Foreign Policy Research Institute,etc.Lese ich über China sehen ich mir eben die Global Times, die Southern China Morning Post und die Volkszeitung an. Dazu Asia Times, Radio Free Asia, The Diplomat, japanische und taiwaneische englischsprachige Publikationen, sowie den „Pekinger Frühling“ der chinesischen Exilopposition in den USA oder Apple und andere Publikationen aus Hongkong an. Will ich etwas über Indien wissen empfiehlt sich die Hindu Times , New Delhi Times und andere oder aber eben auch mal die pakistanischen Publikationen.Kurz: Man braucht die ganzen eurouzentrischen Qualitätsmedien gar nicht, insofern man in der Lage ist, selbst zu vergleichen, selbst zu recherchieren (zumal mit einem Google-Mausklick) und mehr wissen zu wollen, als nur die stupide Weitergabe der Fernsehnachrichten mittels Tageszeitung, zumal auch zumeist kaum mit längeren und geopolitischen Gesamtüberblicken und Einordnungen. Kurz: Die sogenannten Qualitätsmedien braucht es wirklich kaum mehr. Auch ihre online-Angebote, die sie nun zahlungskräftig machen wollen, braucht man nicht, um einen Gesamtüberblick über die weltpolitische Lage zu erhalten, den diese niemals abgeben. Ausnahmsweise findet man sie noch in der ZEIT, aber eben ausnahmsweise weil sie eben die einzige Wochenzeitung ist und selbst die ZEIT ist durch den SZ-Transatlantiker Josse Joffe und seinem Satrapen Giovanni di Lorenzo so in die einseitige proamerikanische Berichterstattung abgedrängt worden, die einer Gräfin von Dönhoff oder einem Helumt Schmidt niemals vorschwebte. Also die sogenannten Qualitätsmedien sind so durchgehend transatlantisch, prowestlich und neoliberal, dass es gar keine Frage mehr war,dass sich ein Pseudomediensumpf etablierte, der diese als „Lügenpresse“ darstellte ohne aber besser zu sein. Daher: Das globaliserte Individuum hat mittels Internet erstmals die Chance sich durch internationale Medien selbst zu informieren und bedarf der Einordnungen transatlantischer Torhüter oder eben Putinversteher nicht.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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