FIFA–die US-Razzia und die chinesische Operation Fox Hunt-die Achse des Guten gegen die böse Korruption

Sportbegeisterte wundert es etwa, dass sich die USA plötzlich so für den internationalen Fußball interessieren, gilt Fußball in den USA doch nicht gerade als erste Volkssportart, sondern vor allem American Football, Baseball und Basketball, ja Fußball genießt in den USA eher eine marginale und prekäre Nischenexistenz und keinem käme in den Sinn, die USA als Fußballnation wie etwa das fußballbegeisterte Deutschland oder England zu sehen..Dass sich die USA nun als Weltpolizisten in Sachen internationalem Fußball und dessen Reinheitsgebot aufschwingen, stimmt da schon einmal einige Gemüter skeptisch.Die Verhaftung der FIFA-Funktionäre ist auf den ersten Blick auch nicht so klar durchblickbar.Zum einen soll die FIFA selbst 2008 der US-Staatsanwaltschaft Informationen über Geldwäsche und Korruption der FIFA gegeben haben, auch als „Garcia-Report“tituliert, zum anderen bleibt unklar, ob die FIFA ernsthaft mit einer Verfolgung dieses Anliegens durch US-Behörden rechnete oder eher darauf spekulierte, dass diese ohnehin auch versanden würden, da sie die USA für ebenso korrupt ansahen und ihr Anliegen da in den besten Händen zu wissen meinten..Zumal Geldwäsche und Korruption in den USA, bis in höchste Ämter und beide Parteien ja auch kein unbekanntes Phänomen sind, man sich also fragt, ob die US-Verfolgungsbehörden sich nicht einmal ihrem eigenen Land zuwenden sollten.Dann bleibt auch der Verdacht, dass es vor allem um eine politische Aktion geht. Nachdem die FIFA Russland die Weltfußballmeisterschaft zugestanden hat, werden die USA natürlich wie bei den Russlandsanktionen alle Hebel in Aktion setzen, um dies rückgängig zu machen, was nicht einfach sein dürfte, denn auch jede neue nichtkorrupte FIFAführung sehe sich milliardenschweren Wiedergutmachungsforderungen gegenüber. Zumal der Blatterkonkurrent, der jordanische Kronprinz Ali eben auch nicht in dem Ruf steht, nicht korrupt zu sein. Aber er scheint US-Interessen näher zu stehen. Die FIFA- Affäre nimmt nun auch eine politisiche Dimension an, seit Putin offen erklärt hat, dies sei eine Aktion der USA, um die Fußballweltmeisterschaft in Rußland zu verhindern und nun auch Großbritanniens Premierminister Cameron höchstoffziell den Rücktritt Blatters fordert.Man fragt sich auch, wo die US-Razzia gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) bleibt, das mindestens ebenso korrupt ist, aber Olympia nicht an Russland vergeben hat.Auch scheinen sehr eigennützige Motive das US-Handeln zu bestimmen:  „Dass Justizministerin Loretta Lynch bei ihrer Pressekonferenz visionierte, nicht Katar, sondern die USA solle die Fußball-WM 2022 ausrichten und wie großartig das wäre, hat man in der Schweiz nicht ohne Staunen vernommen.“ (Münchner Merkur vom 29.Mai 2015, S.2). Aber die Entsendung von FBI-Agenten in andere Länder ist schon lange Praxis der USA, aber dass sie nun auch gegen führende Repräsentanten von internationalen Vereinen und Orgasisationen erfolgt, ist doch ein Novum und Präzendenzfall. Dies meint wohl Putin, wenn er darauf hinweist, dass die USA ihr „Recht auf andere Staaten ausdehnen“ wollen. Vor allem auch mit der Begründung, dass die Transfers der Geldwäsche und Korruption über US-amerikanische Banken und US-amerikanische Internetserver gelaufen seien, woraus die USA einen jederzeitigen internationalen Eingriffstitel ableiten. Damit könnte jeder, der über US-Server und das Internet Transaktionen oder Informationen dazu versendet, Objekt US-amerikanischer Verfolgung werden mit der Begründung, dass der Informationstransfer eben über US-ameriknaische Internetserver gelaufen ist–zumal auch eben angesichts der alles an Informationen aufsaugenden Infokrake NSA.Und die USA sind mit ihrer vorgeblichen Korruptionsjagd und ihrem War against Corruption ja nicht allein. Korruption zu bekämpfen ist inzwischen auch das oberste Leitthema der KP China, die nun international die Operation Fox Hunt/Fuchsjagd ausschrieb.Nun bezweifelt kein Mensch, dass die KP China nicht vollends korrupt wäre, aber gerade sie verfolgt nun „korrupte Kader“, die sich ins Ausland abgesetzt haben mit allem Wissen über das Innenleben der  KP China, wie auch mit angeblich ca. 1,25 Billionen Volksvermögen.Wie die USA bei der FIFA hat nun China seine Korruptionsjäger weltweit ausgesandt, um die abtrünnigen Kader von der Polizei und Staatsanwaltschaft anderer Länder zurückholen zu lassen.China hat auch seinen obersten Korruptionsbekämpfer vor dem Treffen zwischen Obama und Xi Jinping in die USA gesandt, um von den USA die Auslieferung eben jener korrupten Kader zu fordern.Bisher bleibt noch unklar, wie die USA auf diese Anfrage reagieren werden, während schon andere Staaten der chineischen Auffordeurng nachgekommen sind.Aber wenn China und die USA Korruptionsjagden veranstalten, kann man ja mal davon ausgehen, dass sie als Weltmächte einen anderen Status , wie auch Durchsetzungsmacht haben als irgendwelchen Mittelmächte oder Griechenland oder aber irgendwelche Bananenrepubliken. Inwieweit es da wirklich um die Bekämpfung der Korruption geht, wage ich mal zu bezweifeln. Es geht eher um die Korruption mißliebiger Personen, die sich für die Zwecke der jeweiligen Weltmacht politisch falsch positioniert haben.Wenn also Transparency International derartige taktischen Hexenjadgen als grosse Schritte in der Korruptionsbekämpfung ansieht, dürfte dies eher eine Verfolgung korrupter Elemente, die sich den jeweiligen politischen Zielsetzungen der jeweiligen Verfolgungsbehörden der jeweiligen Weltmacht entgegengestellt haben, sein, aber nicht der Korruption per se gelten. Man sollte begreifen, dass Korruption wie Prostitution und Spionage zu unausrottbaren Bestandteilen der Gesellschaft und der Realpolitik gehören und Korruptionsvorwürfe nicht der Eliminierung der Korruption an sich gelten, sondern taktische Mittel der Realpolitik von Staaten und Interessensgruppen sind, um einen Konkurrenten anzuschwärzen, moralische Entrüstung im Volke oder bei anderen Staaten oder Institutionen zu entfachen und so seine eigenen Interessen durchzusetzen, um dann wieder in den normalen modus operandi der allseitigen Korruption zurückzukommen.Dazu sind Bewegungen und Parteien, die versprechen, die Korruption generell auszurotten zumeist totalitär. Die Nazis und die Kommunisten versprachen korruptionsfreie Gesellschaften, sei es nun auf der Basis von Rasse oder Klasse. Es sind immer die Versprechungen auf den neuen Menschen, den perfekten Menschen, denen man mißtrauen sollte, wie auch jenen Kampagnen, die versprechen, die Korruption gänzlich auszumerzen– sei es nun die US-Razzien bei der FIFA oder die Fuchsjagd der KP China..Zuletzt noch als Lesetip einen älteren Artikel des Global Review zur Korruption:

Korruption — ein weitgehend untaugliches Argument

Korruption — ein weitgehend untaugliches Argument

Man ist für den Weltfrieden und gegen Korruption — damit meinen viele Menschen schon alles Wesentliche zur Weltpolitik gesagt zu haben. Wann immer eine Oppositionsbewegung auftritt, wird diese zumeist von dem running gag begleitet, dass sie erzählt, die jeweilige Regierung wäre korrupt, würde also mehr in die eigene Tasche als für den Volkskörper wirtschaften und die neue Bewegung, bzw. Partei unkorrupt sei und ewig sein werde, also eine einzige Ansammlung und Organsiation von neuen und perfekten Menschen darstelle. So versprach es auch z.B Jörg Haider von der FPO und heute sieht sich die Österreicher und Bayerische Republik immer noch den Nachfolgen der Hypo Alpe Adria-Bankaffäre ausgesetzt. Doch solange unsere plakativ unkorrupt auftretenden Saubermänner der Oppsoition nicht selbst an der Macht sind, heißt es: Dass der jeweilige Herrscher ein Neofeudalist sei, moralisch versaut und charakterlich vollkommen verkommen. Horrorgeschichten von Prostituierten, Bunga-Bunga-Partys, Villen, Yachten, etc. kursieren. Nun stimmt dies sicherlich für einen Teil der Herrschenden, aber selbst der bescheiden auftretende Teil der Herrschenden steht immer noch im Visier des Berufungstitels „zahlender Steuerzahler“ und seines Erbsenzählerverbandes, dem Bund der Steuerzahler oder solch illustrer NGOs wie Transparency International. Selbst der bescheidene Teil der Herrschenden muss jeden Flug, jedes Hummeressen, jede kostspieligere Flasche getrunkenen Weins sich vorrechnen lassen — zumal „prinzipiell“. Man stößt hier schon auf einen moralischen Rigorismus und Puritanismus, der vielleicht noch mit Mao Zedong vergleichbar ist, der Gleichmacherei und den Lebensstandard des armen Bauerns forderte. Man fragt sich manchmal polemisch: Wollen diese Leute wirklich unkorrupte Politiker wie es etwa Adolf Hitler war? Hitler war nicht korrupt, es wird auch heute niemals behauptet, dass er sich selbst bereichert habe, dafür war er aber ein fanatischer Nationalist, der alles seinem Ideal von einem reinrassigen Großdeutschen Reich unterordnete und dieses Ideal auch von jedem seiner Untertanen samt einhergehender Opfer einforderte, sowie für seine unkorrupten Ideale einen Weltkrieg mit 60 Millionen Toten und 6 Millionen ermordeten Juden vollzog. Die erste Tatsache, die es einmal festzuhalten gilt: Es waren weniger die korrupten Politikertypen, die soviel Unheil über die Welt brachten, sondern solch unkorrupte Saubermänner und asketische Idealisten wie Hitler, Stalin, Mao oder Pol Pot, die die Welt in unkorrumpierten Idealgesellschaften — mal auf Rasse, mal auf Klasse gründend — errichten wollten. Henrik M. Broder hat exakt diesen Sachverhalt mal gut anhand der Hamas illustriert: Wäre die Hamas korrupt, wäre sie vielleicht nicht so fanatisch und könnte man vielleicht sogar mit ihr verhandlen. Eine Bunga- Bunga-Party mit Hamasfunktionären und Prostituierten auf Video festgehalten und der Nahostfriedensprozess wäre eine Stufe weiter. Aber – so betont Broder: es handelt sich bei den religiösen Fundamentalisten und der Hamas um Idealisten und Asketen und diese kennen bei der Verwirklichung ihrer Ideale keine Verhältnismäßigkeit der Mittel und sind unkorrumpierbar. Der dickliche, angeblich korrupte Arafat ist einer fanatisch-idealistischen Hamas vorzuziehen, die selbst Kinder mit Sprengstoffgürteln ins Feld schickt. Erste These: Korrupte Politiker sind nicht so gefährlich wie idealistische Politiker, da sie zu sogenannten faulen Kompromissen, Interessenausgleich und Realpolitik neigen, man also mit ihnen ins Geschäft kommen kann, wie sie auch eher sich in die Interessen der anderen Seite hineinversetzen können. Der zweite Kritikpunkt an der Korruption: Sie verhindert das wirtschaftliche Wachstum. Das ist in einem Gutteil der erwiesenen Fälle falsch. Man würde breite Zustimmung erhalten, wenn man behauptete, dass FJ Strauß der korrupteste Politiker Deutschlands gewesen sein soll. Nehmen wir dies einmal an, so muss man doch zugestehen, dass trotz der angeblichen Korruptheit von Strauß sich Bayern dynamisch von einer Agrargesellschaft zu einem Industriestaat entwickelte mit dem höchsten Lebensstandard in ganz Deutschland. Das Buch eines Straußkritikers beziffert das durch Korruption erlangte Vermögen der Straußfamilie auf ca. 400 Millionen Euro. Nehmen wir einmal diese Zahl als gegeben an, so ist sie doch über Jahrzehnte betrachtet und gerechnet ein vernachlässigender Teil des bayerischen Bruttoinlandsproduktes und seiner Steigerung. Korruption hat sicherlich nicht Bayerns Modernisierung verhindert.

Nehmen wir Mubarak. Mubarak wird nachgesagt 40-80 Milliarden US-$ durch Korruption angehäuft zu haben. Dann muss man aber auch sagen: Über 30 Jahre. Wenn man Ägyptens Bruttoinlandsprodukt von 102, 8 Milliarden US-$ pro Jahr nimmt und dies mit Mubaraks Vermögen über die Jahrzehnte verrechnet, kommt man bestenfalls auf 5 % der ägytischen Wirtschaft. Die Abzweigung von 5 % kann jedoch sicherlich nicht die weitgehende Stagnation von 95 % der Wirtschaft erklären.

Nehmen wir die KP China. Sicherlich ist sie eine der korruptesten Parteien der Welt, aber sie erwirtschaftet ein jährliches 10 %-iges Wirtschaftswachstum, das breite Teile der Bauern aus Hungersnot und Unterernährung befreite und einem rasant steigendem Mittelstand Geld brachte. Zweite These: Korruption ist nicht der wesentliche Erklärungsfaktor für wirtschaftliche Unterentwicklung. Es kommt mehr auf die Wirtschaftspolitik eines Landes an und bei richtiger Wahl kann das Land auch TROTZ Korruption florieren.

Ein schlemmender, fettgefressener Ostjunker, der sich an der Eisenbahnspekulation hemmungslos bereicherte namens Bismarck war mehr auf Satuierung und Interessenausgleich zwischen den europäischen Nationalstaaten aus, als ein unkorrumpierter, finanziell unabhängiger Wilhelm 2, der meinte, am deutschen Wesen müsse die Welt genesen und für dieses Ideal den ersten Weltkrieg losbrach. Und was war eigentlich mit Konrad Adenauer und dem Kölner Klüngel? Er gilt heute als der wohl beliebteste Nachkriegspolitiker Deutschlands, der das Land ins Wirtschaftswunder führte. Und was ist mit Richard Weizsäcker? Als Berliner Bürgermeister war er vor allem bekannt für die verfoilzte und korrupte Berliner CDU–danach wurde er der beliebteste und wohl herausragendste Bundespräsident. Zudem übersehen Kritiker der Korruption, dass die wirklichen Milliardendefizite nicht durch illegale Vorteilnahme produziert werden, sondern durch das ganz legale, staatlich geschützte Geschäftemachen. Bevor man lauthals Korruption beklagt, sollte man erst mal den ganz normalen gesellschaftlichen Konsens des Washington Consensus kritisieren, der Finanzspekulationen durch Deregulierungen und Privatiisierungen erst möglich machte. These 3: Die Weltgeschichte zeichnet sich eigentlich dadurch aus, dass auf die sogenannt korrupten Politiker, die mehr an Interessensausgleich und Realpolitik interessiert sind, Säuberungsbewegungen gegen Korruption und für einen vermeintlich sauberen Staat aufkommen, die die Welt reinigen und erlösen wollen. Als Paradebeispiel des 20. Jahrhunderts hierfür: Faschismus und Kommunismus. Sie führten die Welt in mehr Unheil als dies die sogenannt korrupten Politiker jemals wollten oder konnten.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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