Bilderbergerforschung als nichtthematisierter Teil der Gesellschaftswissenschaften—auch längst überfällig

Die Bilderberger sind den meisten Menschen kein Begriff, wenn man auf die Existenz dieser Gruppierung als Lobbygruppe hinweist, wird man sofort als Verschwörungstheoretiker eingestuft.Umgekehrt ist aufgrund dieser Nichtthematisierung in den Gesellschaftswissenschaften von Soziologie, Politologie, etc. ein ewiger spekulativer Humus von Verschwörungstheoretikern gewachsen, der in den Bilderbergern eine geheime Weltregierung vermutet, die mittels ihrer Treffen ZK-mäßig Regierungen installiert und stürzt und einen langen Plan einer New World Order verfolgt. Dazu bleibt festzustellen: Die Bilderberger sind eine recht einflußreiche Lobbygruppe, die mit dem offenen Ziel antraten die US-europäischen Beziehungen zu stärken und dahingehend Einfluß zu organisieren. Die Bilderberger setzen sich zumeist aus einem kleinen Zirkel aus 35 Leuten zusammen, die mittels Steering Comitee und Advisory Group auf einen mehr oder weniger festen Kern eines inneren Kreises von 200 einflußreichen Politikern, Medienvertretern, Großkapitalisten, Bankern,etc. kommen. Über die letzten 60 Jahre waren bis zu 2500 einflußreiche Elitevertreter eingeladen, die aber das Treffen zumeist nur ein- bis zweimal besuchten. Verschwörungstheoretiker vermuten hierbei, dass die Bilderberger Regierungen und Firmenvorstände samt Medien einsetzen und Beschlüsse fassen, die dann durchgestellt werden.Nun veröffentlichen die Bilderberger ihre Liste der  Organisation und der Konferenzteilnehmer, wenngleich nicht ihre Gesprächsprotokolle, die zumal an die Teilnehmer anonymisiert verschickt werden und daraus ziehen Verschwörungstheoretiker den Schluss, dass die bei den Bilderberger versammelten Politiker und Eliten von diesen in leitende Positionen geschickt werden. Eine besonders heimtückische Täuschung demzufolge: Dass der G-7- Gipfel in Elmau vor dem Bilderbergtreffen in Tirol stattfand, also die vermeintliche Hierarchie etwas umgedreht wurde.Auch ist bezeichnend:  Erstens, dass die meisten US-Präsidenten nie auf einer Bilderbergerkonferenz waren, aber trotzdem rankamen.Auch sind Verschwörungstheoretiker recht ratlos, wenn man ihnen mal eine Liste der führenden Politiker der USA und Europa vom Ministerpräsidenten zum Kanzler  abwärts präsentiert, die nicht auf Bilderbergertreffen waren und trotzdem erfolgreich waren.Kritisiert wird auch, dass die Gespräche der Bilderberger geheim bleiben. Nun gut, die Vorstandssitzungen der Linkspartei, des Vorstands der Deutschen Bank, ja auch im zwischenmenschlichen, erfolgt ja zumeist auch unter Ausklammerung der Öffentlichkeit, ohne dass da jemand Einspruch erhoben hätte außer den Piraten, die mittels liquid democracy und Transparenz so alle Internas ausplaudern wollen, dass sie sich so zerstreiten, dass die eigene Partei zerfällt und wirkungslos wird.Zudem ist es ja nicht so schwierig rauszufinden, was die Bilderberger beabsichtigen. Zum wesentlichen Kern gehört David Rockefeller und Henry Kissinger, die eben für die Etablierung der UNO, der Bretton Woodsinstitutionen, IWF, Weltbank, die NATO und die EG, später dann die EU eintraten ( im Falle der NATO wurde diese 1949 schon vor dem ersten Bilderbergertreffen 1953 gegründet). Daran ist nichts geheim, auch nichts an den allen zugänglichen Äußerungen der Konferenzteilnehmer in anderweitigen Äußerungen, Büchern und anderen Publikationen sowie deren praktischen Taten. Es wäre also ein Leichtes mal zu untersuchen, wie sich das Bilderbergertreffen faktisch auf die Politik auswirkt und welche Ziele verfolgt werden und inweiweit sie umgesetzt werden und inwieweit die offen genannten Konferenzteilnehmer da Einfluss ausüben oder  inwieweit eben gerade nicht.Aber Verschwörungstheoretiker vermeiden da jegliche weitere differenzierte und wissenschaftliche Untersuchung, sondern wollen nur rülpsen: New World Order und Verschwörung, wie umgekehrt die Medien wie auch die Geisteswissenschaften dieses Thema geradezu ausgeklammert und nichtthematisert haben trotz sonstiger Forschung in Sachen Eliteforschung, was wiederum den ganzen Verschwörungstheoretikern Nahrung gibt, die dann das Internet fluten und damit jeden Menschen, der sich mal das Ganze wissenschaftlich untersuchen will von Seite der Mainstreammedien als „Verschwörungstheoretiker“labbelt.

Manchmal kommt das Argument ein Bilderberger zu sein aber auch von unerwarteter Seite. So kritisierte FDP-Brüderlein im Bundestag Trittin dafür auf einem Bilderbergertreffen eingeladen worden zu sein und daher ein „Vollstrecker der anglosächsischen Hochfinanz“ zu sein. Dass sich hier eine Elite trifft, zumal auch zu organisieren versucht bestreitet keiner. Aber die ganze Diskussion bleibt nur auf der Ebene, dass sich da Obere und böse Mächtige zusammenrotten, um gegen die Menschheit düstere Pläne zu schmieden. Die Sache ist aber eher zum einen, dass sich generell gesellschaftliche Gruppen um gesellschaftliche Interessen durchzusetzen organisieren, die Bilderberger da nichts außergewöhnliches sind, dass alle diese gesellschaftlichen Gruppen ja auch alle gesellschaftliche Macht anstreben—aber so bleibt die Kritik eben auf der Ebene, dass Macht böse ist, nicht aber die Frage gestellt wird, für welche Ziele diese angestrebte Macht eingesetzt wird.Die Bilderbergerkritik ist eigentlich so die moderne Kritik, wie sie an dem Freimaurer Stresemann von Seiten der extremen Linken und Rechten aufkam. Stresemann war zum Beginn seiner politischen Karriere ein heftiger Kriegsbefürworter und Militarist im 1. Weltkrieg, zumal Mitglied einer deutschen Burschenschaft, wurde dann aber zum Freimaurer und gelangte mittels dieser Kontakte zu anderen Freimaurern und einflußreichen Personen in den USA und Frankreich.

„Im Krisenjahr 1923 schloss sich Stresemann den Freimaurern an. Dabei spielte der Berliner Pfarrer Karl Habicht eine wichtige Rolle. Habicht war National-Großmeister der Nationalen Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ und Meister vom Stuhl der Loge „Friedrich der Große“. Dieser trat auch Stresemann bei. Als Motiv gab er an: „Schon lange ist es mein Wunsch, in eine engere Beziehung zu einem Kreis gleichgesinnter Menschen zu gelangen, die in unserer an Materialismus, Hast und Unruhe sich zermürbenden Zeit sich das Reich allgemeinen Menschentums, innerer Besinnung und Geistigkeit zu erhalten suchen. Im deutschen Freimaurertum hoffe ich eine solche Gemeinschaft zu finden.““

http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Stresemann

Stresemann verfolgte dann eine zukunftsweisende Politik der Versöhnung mit Frankreich und den USA, was Deutschland den Young- und Dawesplan ermöglichte, sowie er Deutschland wieder in den Völkerbund und fast die Aufhebung der Reperationszahlungen brachte. Er nutzte also seine Freimaurerkontakte zum Besten Deutschlands, Europas und der Welt und wurde deswegen wie schon Walther Rathenau, ein deutscher Jude und Chef der AEG, von Seiten der Links- und Rechtsextremen (vor allem Hugenberg, Ludendorf und Hitler) kritisiert, im Falle Rathenaus auch mittels politischem Mord beseitigt . Mal umgekehrt gefragt: Hätte denn Stresemanns Freimaurerei nicht bessere politische Ergebnisse gezeitigt, ja waren sie nicht begrüssenswert, wenn man sich dann ansieht, welche Katastrophe Hitler und die NSDAP über Europa, die Welt und Deutschland brachten? Kurz: Einfach zu sagen, dass sich ein paar Mächtige versammeln, zumal unter Ausschluss der Öffentlichkeit, mag manch einer suspekt halten, aber es sagt eben nichts über die politischen Inhalte aus, die spätestens dann zu Tage treten, wenn diese Leute Bücher schreiben oder man sie an ihren faktischen Taten kontrollieren kann. Neueste Bilderbergerin ist Ursula von der Leyen. Diese ist vor allem durch ihr Statement bekannt geworden, dass sie die „Vereinigten Staaten von Europa“herbekommen möchte und als Merkelnachfolgerin gehandelt wird.Also so geheim ist die Agenda nicht, es ist eben die Frage vor allem, wie man dazu inhaltlich dazu steht.Umgekehrt ist auffallend, dass eben die Gesellschaftswissenschaften den Komplex Bilderberger bisher völlig nichtthematisert haben, wie auch die Mainstreammedien. Erfreulich ist daher, dass nun der Soziologe Björn Wendt ein Buch geschrieben hat, in dem er einmal die Perzeptionen der Bilderberger in allen Medien, Unis, Politik,etc. im Überblick bringt, konstantiert, dass die Bilderberger bisher Objekt zwischen Nichtthematiserung (Verschweigens?) und wüsten Verschwörungstheorien, zumeist der Rechten waren, die aber auch die linke Szene infiltrierte. Sein neues Buch „Die Bilderberger- Wissen über die Macht gesellschaftlicher Eliten“ist ein Plädoyer eine Bilderbergerforschung zu etablieren.Genauso wie es eine Holocaustforschung geben sollte, so auch eine Bilderbergerforschung, um Verschwörungstheorien, wie aber auch einer Nichtthematiserung der Bilderberger einen Kontrapunkt zu setzen. Hierzu als Lesetip das Interview mit Björn Wendt, in dem er sein Projekt einer Bilderbergerforschung bei den Gesellschaftswissenschaften begründet. Wenngleich es etwa nervig ist, dass er da gleich seinen Schwerpunkt auf das fast völlige Fehlen von Frauen auf Bilderbergertreffen setzt, er also daraus eine feministische Frauenfrage in den Vordergrund stellt (will er eine Frauenquote für Bilderbergertreffen? Alice Schwarzer und EMMA übernehmen sie!) anstatt sich eben auf die Perzeption, die Organisation und die inhaltliche Ausrichtung der Bilderberger und ihrer relativen Macht und Einfluss zu den durchaus anderen Elitezirkeln weltweit konzentriert.Jedenfalls ist es überfällig, dass sich die Gesellschaftswissenschaften der Bilderberger sytsematisch als Forschungprojekt annehmen .Das Interview mit Björn Wendt zur Begründung eines Forschunggegenstands für die Sozialwissenschaften bei Heise online unter:

http://www.heise.de/tp/artikel/45/45122/1.html

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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8 Responses to Bilderbergerforschung als nichtthematisierter Teil der Gesellschaftswissenschaften—auch längst überfällig

  1. Florian Beck sagt:

    Es handelt sich also um einen Verein, der allerlei „wichtige“ Leute einladen kann. Wie er das geschafft hat ist eine Frage. Interessanter aber, warum diese Leute kommen. Ein Politiker kalkuliert doch bei solchen Veranstaltungen mit deren Wirkung. Und jenseits von Verschwörungstheorien wäre das schon erklärungsbedürftig: weder wenden sie sich direkt an die Medien (die ja die öffentliche Meinung nach wie vor bestimmen), noch ist eine solche (halb)öffemtliche Veranstaltung geeignet wirklich „geheime“ Dinge zu besprechen.

    Die Hypothese, dass die Elite gelegentlich unter seinesgleichen sein möchte, lässt drei Interpretationen zu: (1) dass dort ausgemacht wird, worum es geht, was aber (s.o.) ein eher untaugliches Mittel ist; (2) die Teilnehmer sich angesichts des renomierten (?) Publikums besser fühlen oder (3) sie annehmen, dass es für ihren Lebenslauf vorteilhaft ist, mal auf so einer Konferenz gesprochen zu haben. Ich tippe auf letzteres.

  2. Ralf Ostner sagt:

    Björn Wendt argumentiert ebenso in deine Richtung und nennt dies „social networking“.

  3. Ralf Ostner sagt:

    „Es handelt sich also um einen Verein, der allerlei “wichtige” Leute einladen kann. Wie er das geschafft hat ist eine Frage.“

    Meiner Ansicht nach ist die Person Rockefellers da eine mögliche Erklärung. Sein Wirtschaftsimperium, wie auch die Tatsache, dass er ein weltpolitischer Philantrop war, der der UNO das Gebäude in New York stiftete, wie auch den einflussriechen Council for Foreign Relations begründete und auch eine führende Rolle seit Anbeginn der Bilderberger spielte, zumal mit seinem Adlatus Henry Kissinger, den er für sein Buch über die Rolle der Atomwaffen im Zeitalter des Kalten Krieges in Harvard entdeckte und seitdem politisch förderte, ja selbst auch als US-Präsdientschaftkanidat der Republiknaer antreten wollte, dann aber zugunsten Nixons sich zurückhielt und Kissninger als NSC-Berater und dann Außenminister unter Nixon als Gegentausch etablierte, zeigt wie geschickt und einflußreich Rockefeller ist. Solch eine Person ist ein Zugpferd und da werden sich auch weitere Personen dann zwangsläufig einfinden , die schion was sind oder nioch was werden wollen. Zumindestens dürfte dies für die Gründungs- und Anfangsphase wichtiog gewesen sein. Ist die Gruppierung einmal institutionalisiert, existiert sie weiter, auch nach einem Tod Rockefellers, Kissingers oder anderer älterer Initiatoren.Der Hauptzweck den Zusammenhalt des transatlantischen Westen zu fördern, ist institutionalisiert und nicht mehr wegzubekommen.Es ist also keine biologische Frage mehr, genausowenig wie bei der Transatlantikbrücke, der Europaunion oder der Paneuropaunion.

  4. Ralf Ostner sagt:

    Dazu sollte man eben auch mal sehen, dass die Bilderberger eben nicht so die einzige Lobbygruppe sind. Paneuropaunion. Europaunion oder z. B. die Spinelligroup, der über 100 EP-Parlamentarier angehören und die sich sich für eine schnellere Integration Europas zur Formierung eines Europas auf Augenhöhe mit den USA und eigener EU-Armee einsetzen, werden gar nicht als ebenso eine Lobbygruppe thematisiert.

    http://www.spinelligroup.eu/about-us

  5. Ralf Ostner sagt:

    Während Cameron, Orban, Le Pen und die ganzen Rechtspopulisten für eine Auflösung oder Schwächung der EU plädieren, versucht die Spinelligruppe deren schnellere Integration vorabzubringen.Und in diesem Kontext ist auch interessant, dass ein European Council for Foreign Relations unter der Ägide von Rockefeller-Albright-AdlatusJoschka Fischer mit der Spinelli Group gegründet wurde, der nun Europa als Macht auf Augenhöhe im Verbund mit den USA ausbauen möchte:

    „An der französischen Intervention in Mali wird sichtbar, was sich schon seit längerem abzeichnet: Die relative Schwächung der USA hat auf europäischer Ebene zu einer Renaissance der Geopolitik geführt. Wie Jürgen Wagner von der „Informationsstelle Militarisierung“ unlängst in einer lesenswerten Analyse dargelegt hat, konzentrieren sich inzwischen eine ganze Reihe von Think Tanks auf die Entwicklung eigenständiger geopolitische Entwürfe. Die Liste umfasst unter anderem das Egmont Institute, den European Council on Foreign Relations, das Centre for European Reform, das European Union Institute for Security Studies, das Centre for European Policy Studies sowie die Bertelsmann Stiftung.
    Besonders bemerkenswert ist dabei das laute Auftreten einer neu formierten Gruppe namens Group on Grand Strategy (GoGS) – schon der Name verrät eine gewisse Selbstüberhöhung –, die mehrere Wissenschaftler aus den genannten Instituten vereint.Das Publikationsorgan dieser Gruppe „European Geostrategy“ existiert bereits seit 2009, wohingegen der Think Tank selbst offiziell erst im Sommer 2011 gegründet wurde. In ihren bisherigen Veröffentlichungen ist die GoGS durch eine Rhetorik aufgefallen, die unmittelbaren Handlungsdruck suggeriert. Der geopolitische Bedeutungsverlust Europas wird in mehreren Veröffentlichungen beschworen, um sogleich die Lösung anzubieten – nämlich eine massive geopolitische Expansion der EU.[2]
    Besonders die beiden Direktoren James Rogers und Luis Simón haben in letzter Zeit Geokonzeptionen entwickelt, die den zukünftigen Einflussbereich der EU als Imperium abstecken. Ihr Plan ist äußerst ambitioniert: Die EU wird aufgefordert, sich einheitliche geheimdienstliche und militärische Strukturen zu schaffen, um ihren zukünftigen Einflussbereich zu verteidigen. Im Indischen Ozean soll diese von der EU kontrollierte „Grand Area“ bis zu den Meeresengen Indonesiens reichen. Im Nordosten soll sich der Einfluss bis zu den Jamal Gasfeldern in Nordrussland erstrecken. Weiter im Südosten soll dann unter Einschluss Kasachstans und Pakistans die Ostgrenze der europäischen Einflusssphäre markiert werden. Auch Nordafrika soll fast bis zum Äquator ein Satellit der EU werden. Lediglich im Westen sind Roger und Simón bescheiden und begnügen sich mit Grönland als Teil des zukünftigen Einflussbereichs“

    https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2013/maerz/die-rueckkehr-der-geopolitik

    Während also die Rechtspopulisten eine Stärkung der Nationalstaaten wollen, will die Spinelligruppe eine Schaffung eines integrierten EU-Staates. Während die einen gröhlen: Deutschland, Deutschland über vieles, so die anderen Europa,Europa über vieles, wobei die Mpünklers und Fischers dieser Welt darin gerne eine deutsche Führungsrolle sehen würden, wie einst Preußen im Deutschen Reich.

  6. Ralf Ostner sagt:

    Da weiss man, was man an Merkel und Steinmeier hat. Der Gipfel in Riga verzichtete auf weitere EU-Expansionen, wie sich Merkel auch schon 2008 gegen eine Global NATO (d.h. die Erweiterung um eine asiatische und afrkanische Säule, wie von dem US-Botschafter Ivo Daalder in der Foreign Affairs gefordert) und eine weitere NATO-Osterweiterung aussprach.Hingegen hat ihre Stellvertreterin Ursula von der Leyen schon frühzeitig verkündet, dass sie die „Vereinigten Staaten von Europa“wolle. Wohl eine Idee, die mit der Spinelligroup und den europäischen Imperialisten mit Avantgardepartei der Grünen vielleicht in einer schwarz-grünen Koalition zukünftig machbar sein könnte, sollte ihr Resteuropa inzwischen nicht zuvor wegbrechen.Jdenfalls würde ich als Bilderberger auch die Leyen als potentielle Merkelnachfolgerin und Begründerin der „Vereingten Staaten von Europa“einladen.

  7. Ralf Ostner sagt:

    Zu Floh Beck:

    „Und jenseits von Verschwörungstheorien wäre das schon erklärungsbedürftig: weder wenden sie sich direkt an die Medien (die ja die öffentliche Meinung nach wie vor bestimmen), noch ist eine solche (halb)öffemtliche Veranstaltung geeignet wirklich “geheime” Dinge zu besprechen“

    Das ist schon interessant, diese Geheimhaltung bei den Bilderbergern, wie auch im britischen Chathamhouse. Das Wirtschaftsforum von Davos, die Boaokonferenz in Asien oder der russische Gegenpart, das St. Petersburg Internrnational Economic Forum (SPIEF) sind ja dazu geradezu medien geil und öffentlich. Insofern sind Bilderberger und Chathamhouse ja schon anders, wobei ja immer wieder gesagt wird, dass diese Geheimhaltung deswegen bestehe, damit die Eliten mal ungestört von der politcal-korrekten Medienlandschaft und den sozialkundesozialiserten idealistischen Wutbürgern mal offen unter sich realpolitischen Tacheles reden können. Wahrscheinlich werden da schon weltpolitische Projekte angeregt und zur Diskussion gestellt, vielleicht versucht diese voranzubringen, vielleicht so eine Art Minikonsens herzustellen, aber in der Kürze von 2 Tagen einen Politbüroverdächtigen Masterplan zu beschliessen, erscheint ikr dazu angesichts der kurzen Diskussionszeit etwas unwahrscheinlich. Da müsste schon Vorarbeit wie vor jedem Parteitag geleistet worden sein in dem Steering Comitee und der Advisory Group.Aber ob die vor dem Jahrestreffen regelmäßig tagen und ob die überhaupt so etwas wie einen kohärenten Kern bilden, wäre da mal zu fragen. Auch muss man mal sehen, dass auf der Mitgliederliste sowohl Neocons wie aber auch Gegener des Irakkriegs waren, also durchaus konträre Positionen vorhanden sind, die sich nicht unter einen Hut bringen lassen.Und dann wäre auch die Frage: Wenn Schröder bei dem Bilderberger treffen teilnahm und die Bilderberger den Irakkrieg beschlossen hätten, warum er dann deren angebliche Beschlüsses nicht umsetzte, sondern zusammen mit Frankreich, Russland und China gegen den Irakkrieg opponierte. Oder waren die Bilderberger gegen den Irakkrieg und stellten sich gegen die Bushjr-Neoconregierung? So oder so: Die Portraitierung der Bilderberger als Politbüro des Westens macht so oder so keinen Sinn. Kenneth Galbraith, Kennedyberater, US-Botschafter in Indien und Bilderbergerbesucher nannte die Trfeffen auch mal ein unverbindlcihes Schwatzforum.

  8. Ralf Ostner sagt:

    Auch interessant in diesem Zusammenhang: Man hat auch die ehemalige chinesische Botschafterin in Großbritannien bei einem Bilderbergertreffen teilnehmen lassen. Kann man jetzt zweierlei lesen: Die Bilderberger wollen den Westen auch um eine chinesische Säule erweitern–dazu hat Fu Ying aber nicht die politische Bedeutung in China. Höchstens wenn man annehme die chinesische Regierung würde ihre Befehle mittels ihr durch die Bilderberger erhalten. Und umgekehrt:Wenn es um ein hegemoniales Projekt des alten Westens ginge, warum lassen die Bilderberger dann in ihre angebliche Geheimkonferenz eine chinesische „Spionin“, die alles mitbekommt? Dazu noch aus einer e-mail an einen Bekannten aus dem AA:

    Lieber Dr.X,

    jenseits von tagesaktuellen Fragen, hatte ich heute eine recht interessante Diskussion mit einem ehemaligen Piraten und einem FDP-Mitglied.Thema war: Ist eine neue Weltorfnung denkbar. Gemeinsamer Punkt war, dass die Welt heute sehr chaotisch geworden ist, Verschwörungstheoretiker dies auf die Existenz oder dem Streben einer New World Order, irgendwelchen Illuminaten, Bilderbergern oder Freimaurern in allen Internetforen zurückführen. Erst einmal ging es um eine Bestandsaufnahme. Zum einen fällt auf, dass die ganzen neuen Bewegungen ein 1% gegen die 99% aufmachen wollen, eine Art neuen Feudalismus, eine hierarische Elite innerhalb einer NWO und eine Postdemokratie sehen, wobei sie schon eine differnziertere Gesellschaft oder das Aufkommen eines Mittelstands ignorieren.. Wir diskutierten erst mal, wie denn die heutige Welt aussehe und konnten uns darauf einigen: Kein Neofeudalismus, sondern es gibt zwar politische Machtgruppen und wirtschaftliche Eliten, die allesamt auf eine Vorherrschaft drängen, aber während sich die Wirtschaft immer mehr globalisiert, befinden wir uns aufgrund der Nationalstaaten auf politischer und geselschaftlicher Ebene eher noch auf einer feudalistischen Gesellschaft, bei der jeder Nationalstaat versucht seinen Witrschaftsstandort möglichst durchzusetzen, wenngleich es schon die Bewegung gibt grössere Einheiten mittels Freuihandelszonen oder aber eben supranationalen Organisationen wie der EU, den BRICS, der Eurasischen Union/Novorussland,etc. zu begründen, die aber gesellschaftlich Gegenbewegungen und Fragmentierungen nach sich ziehen.Die Wirtschaft globalisiert sich, die Nationaltsaaten versuchen dies auch, stossen aber an ihre Grenzen und lösen damit gesellschaftliche Gegenbewegungen aus.Es gibt vielerlei Theorien, die sich auf eine neofeudaltsische Klasse einlassen in Anlehnung an Ernest Mandels Schrift „Der Monopolkapitalusmus der USA“, der in den 70er Jahren geschrieben wurde oder Lenins „Imperialsimus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, wo 8 Dynastein in den USA wie die Rockelfellers, Fords, Morgans, etc. ausgemacht wurden und ein paar Monolpole und darauf basierend eine Art Neofeudlaismus behaupetet wurde, wie jetzt eben bei Occupy oder veilen Internetforen die berühmt-berüchtigten 99%gegen die 1%.. Wir kamen zu dem Diskussionsergabnis, dass diese marxitsichen Leitblider zwar als partielle Bestandsaufnahme stimmte, aber eben übersah, dass der Kapitalismus eben keine statitsiche feudalistische Gesellschaft ist, in denen ein paar Firmen und Kapiatlistenfamilien herrschen, sondern dies ein sehr dynamisches System ist bezüglich innerer sozialer Mobilität, wie auch für neue Unternehmen und neue Industrien, wie ben auch in der Konkurrenz der Nationalstaaten unterienader weltweit. Zwar stimmt es, dass jede Elite und jede Firma auf eine Art Monopol und eine Art Neofeudalismus zustrebt, aber die gesamte Dynamik lässt es nicht dazu kommen.Zumal auch nicht, wenn auch noch verschiedene Nationalstaaten darum konkurrieren, die aber auch nicht mehr daruim kommen grössere Freihandelszonen oder Organisationsversuche zu starten, sei es jetzt TTIP, Ostasiatische Freihandelszone, TPP, NATO-/EUerweierung, Novorussland/Eurasische Union, Harmonsiches Asien als Haupttendenzen.und Hauptwidersprüche. Zumal enstehe durch die Digiatalsierung und Industrie 4.0 eine neue Dynamik, die zu weiteren Polarisierungen führen werde.Wir kamen dann auf die Frage, was denn die Lösung sei: Wir meinten übereinstimkmend, dass eine Neue Weltrodnung doch eine Notwendigkeit sei.Unklar bieb: Eine Weltregierung, ein multipolares System oder ein polyzentrisches System, das sich vielleicht über G-29 oder eine G-9 (mit Indien und China) samt Uno abstimme.Zumal: Auf welcher wirtschaftlichen Basis: Washington Consensus oder Beijing Consensus.–aber beide sind ja seit der Finanzkrise 2009 und dem Börsensturz in China 2015 teilweise delegitimiert.Natürlich war uns klar, dass wir dies in unserer Lebzeit nicht mehr erleben werden, aber trotzdem als Ziel fördern sollten.

    Mit besten Grüssen

    Ralf Ostner.
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