Queenbesuch in Deutschland im Zenith der Europakrise- die Queen trifft die Queen des European Empire

Großbritannien war ein Empire mit den Queens und Kings als Staatschef, bis es sich in eine konstitutionelle Monarchie wandelte, bei der die Queen eine mehr representative Rolle einnahm, wie auch der deutsche Bundespräsident. Dennoch verkörpert die Queen mehr als ein deutscher Bundesgauck, sie ist auch noch mittels des Commonwealth als anglosächsischer Kern in den ehemaligen britischen Kolonien wie auch Kanada und Australien unterwegs, wie sie auch britische Geschichte und Tradtion über Jahrhunderte verkörpert, auch Teil der Geschichte der USA war, wie auch Großbritannien special relations mit den USA unterhält und zu dem erlauchten Kreis der anglosächsischen 5 Eyes-Staaten der NSA gehört, Wall Street und City of London, MI6 und CIA wie auch die Ölschwestern auf enge Kontakte zurückblicken können, zumal die Queen auch etwas Sakrales ausstrahlt,was man von den deutschen Repräsentanten, die mehr ein Produkt des historisch kurzlebigen, nüchternen Nachkriegsdeutschland sind, nicht sagen kann. Sie verkörpert also noch immer ein informelles und symbolisches Empire, das ein deutscher Bundespräsident niemals verkörpern könnte. Die Queen war zudem das zweite Staatsoberhaupt, das Nachkriegsdeutschland demonstrativ besuchte. Deutschland, das nach seinen zwei Agressionskriegen und dem Holocaust zuerst ein Pariah in der Völkergemeinschaft war, suchte händeringend um ausländische Staaten, deren Repräsentanten sich in das nazibelastete isolierte Land begaben und es mit staatstragenden Gesten wieder dem Kreis der zivilisierten Nationen annäherten. Die Queen stand wie ihr Premier Churchill und seine Nachfolger für die Schaffung eines geeinten Europas, wenngleich sich Großbritannien hier immer eine Sonderrolle vorbehielt und am Anfang wie die USA 1919 nicht dem Völkerbund so nicht der EG beitreten wollten, obwohl sie deren eifrigster Unterstützer waren. Bilderbergerkritiker stellen zudem einen überdurchschnittlichen Anteil europäischer Adelshäuser an den Konferenzen fest, was auch damit zusammenhängt, dass sich die Bilderberger mittels David Rockefeller und die mit ihm verbundene Standard Oil, seinen Verbindungen an den damals sehr mächtigen 7 Ölschwestern und den Beteiligungen der europäischen Adleshäusern an diesen als einflussreiches Netzwerk etablierte. Zumal erfreuen sich die Königshäuser einer ergebenen Zahl von massenhaften Yellow Press-Publikationen, Klatschblättern um die sich eine eigens parasitäre Schicht von Societyexperten und Royalexperten gruppiert hat als Meinungsbilder. Traumhochzeiten und Familienbilder der Royals weisen einen immer noch erheblichen Verbreitungsgrad auf und so manche Hausfrau weiss da dank Goldenem Blatt besser, was in der königlichen Familie abgeht als diese selbst. Rockmusiker und Popsternchen der 68er Generation liessen sich in fortgeschrittenerem Alter auch gerne von der Queen mit aristokratischen Titeln auszeichnen.Die Queen war jahrzehntelang unwidersprochene symbolische Lichtfigur, bis die Sex Pistols und die Punkbewegung „God Save the Queen, the facist regime“ intonierten und Lady Di ihr als Prinzessin der Herzen den Rang ablief. Mit deren Scheidung Dis von Prinz Charles und dem Unfall in Paris geriet die Queen als kaltherzige, vom Volk und deren Volksprinzessin abgehobene Autokratin samt ihrem Sohn als Fremdgänger in die Kritik, ja auch Verschwörungstheorien kursierten, ob die Queen mittels ihres MI-6 und einer James-Bond- Truppe nicht Diana ermordet hätte. Motive wurden viele vermutet: Von der Rache einer alten Frau und unbarmherzigen Königin an einer beliebten Konkurrenz (hier wurde auch die idealsierte Maria Stuart bemüht und Elton John sang seine Megaschnulze „Candle in the wind“), ja auch Verschwörungstheorien, dass Diana von einem Muslim geschwängert wurde und die Queen quasi einen islamischen Prinzen verhindern wollte, kursierten—mit Vorliebe auch in muslimischen Staaten -als Lesetip dazu: Daniel Pipes Artikel „Diana and Arab conspiracy“

http://www.danielpipes.org/290/diana-and-arab-conspiracy

Jedenfalls hatte das britische Königshaus eine sinkende Popularitätskurve in den 90er Jahren. Inzwischen ist davon nichts mehr zu merken. Diana ist vergessen, die Queen wieder rehabilitiert, Skandalenkel Harry, der mal auf Jugendpartys mit Hakenkreuzbinde oder nackt im Kreise spärlich bekleideter Bikinischönheiten als einziger noch für Aufsehen erregte, wurde dies als Jugendsünde vergeben, wie er auch inzwischen beim britischen Militär gedient hat, in Afghanisatn war und sich nun auch für einige Charityorgansiationen engagiert, also resozialisiert und rearistokratisiert ist. Kurz: Die Reputation des britischen Königshauses ist seit Mitte der 2000er wieder hergestellt. Inzwischen hat sich aber viel in Großbritannien getan. War Magareth Thatcher schon eine sehr europakritische und egozentrische Gestalt, so hat sich mit dem Aufkommen von Nigel Farages UKIP (United Kingdom Independent Party) und des Erstarken des rechten Toryflügels eine Koalition ergeben, die nun den in den 70er Jahre erfolgten Beitritt Großbritanniens zur EG, dem Vorläufer der EU nun rückgängig machen will. Das drohende Referendum über einen EU-Austritt Grossbritanniens, die Ukrainekrise, die Euro- und Griechenlandkrise, die Krise mit Ungarn, kurz: die allgemeine Europakrise ist der Hintergund vor dem die Queen nun einen Deutschlandbesuch startet. Kommentatoren vermerken, dass sie damit ein Signal senden will, dass Großbritannien zur Europäischen Union gehört und Cameron hier in dieser Hinsicht beeinflussen will, der sich während des Queenbesuchs hinter den Kulissen und unterhalb der öffentlichen Wahrnehmung auch mit Merkel traf..Societyexperten deuten das Europabekenntnis der Queen unter anderem aus der Wahl ihrer Bekleidung. Hofastrologen wollen da mehr wissen: Wollte sie zuvor ein durch und durch türkises Kleid wählen, habe sie sich nun für einen türkisen Hut, aber ein EU-blaues Kleid entschieden. Soviel Kleidungscodesymbolik ist ja sehr spekulativ, aber sicher ist, dass in den Besuch der Queen trotz der Tatsache ihrer rein representativen Funktion mehr reingedeutelt wird. Die Queen wird somit als symbolische Hoffnungsträgerin für einen Zusammenhalt Europas und guter Beziehungen zu Deutschland gesehen, den säkulare, demokratische Politiker nicht mehr so zu verkörpern scheinen angesichts des Parteienzwistes und der allgemeinen Politkverdrossenheit. Da sie wie der Papst keine wirkliche politische Rolle ausfüllt, wird sie aber zur Projektionsfläche von Wunschträumen nach einer vermeintlichen europäischen Einheit, der tradtionellen Familienharmonie und stabiler, jahrhunderte währender Staatlichkeit, also ein Symbol vermeintlicher Stabilität und Kontinuität in unruhigen Zeiten. Das bedeutet nicht, dass die Deutschen eine Monarchie oder konstitutionelle Monarchie herbeiwünschen. 90% der Deutschen lehnen eine solche Gesellschaftsform ab, zumal der deutsche Adel nach Flucht des letzten deutschen Kaisers Wilhelm 2 nichts mehr hervorbrachte, als falsche Prinzen, die sich als Bürgerliche adoptieren lassen, den Welfschen Pinkelprinz, der zwar in Monaco eingeheiratet hat, aber bei der Expo öffentlich urinierte und dann zumal den aristokratischen Shootingstar Karl-Theodor von Guttenberg, der nach seinem jähen Absturz nun im Exil in den USA weilt.Die meisten Deutschen stehen mehr für eine demokratische moderne Gesellschaftsform und würden im Krisenfall eher auf eine AfD zurückgreifen. Die Queen als Projektionsfläche meint eher, als die deutsch-britischen Beziehungen gut waren, Europa und der rheinische Kapitalismus blühte –es hat also auch etwas Nostalgisches angesichts der EU- krise. Bezeichnend ist auch, dass sich Cameron gleichzeitig zum Queenbesuch durch die Hintertür in Berlin ein findet und während die Queen vor einer Spaltung Europas in ihrer Rede warnt, Cameron Merkel unter Druck setzt, seinen Reformvroschlägen zur EU nachzukommen oder aber einen EU- Austritt Großbritanniens zu riskieren, einen Brexit–dies zur Zeit, in der Griechenland mit einem Grexit droht. Während die Queen als symbolisches Oberhaupt die Einheit Europas beschwört, bringt der faktischen Machthaber Cameron diese durch sein nationalistisches Gebaren in Gefahr. Merkel traf sowohl die Queen wie auch Cameron. Die Queen wird aber projektionsmäßig als die europäische Harmonie gesehen, die gerade am Cameron-Großbritannien wie auch ansonsten in Europa vermisst wird, zumal selbst eine Iron Lady Magareth Thatcher zwar unverschämte Sonderregelungen forderte ( I want my money back und Widerstand gegen die deutsche Wiedervereinigung) , aber nie mit einem Austritt aus der EG drohte.Beide, die Queen wie Cameron zeigen aber mit ihrem Besuch, dass sie Merkel-Deutschland als den wesentlichen Krisenlöser und als Zentralmacht in Europa sehen, die all diese Widersprüche lösen soll. Ähnlich hatte sich ja auch schon Obama geäussert: Die Griechenland- und Eurokrise müsse gelöst werden und es sei die Aufgabe Merkel-Deutschlands dies zu bewerkstelligen, egal wie. Die Metabotschaft ist: Die Queen trifft Merkel, die Queen of Germany and the Queen of the European Empire, wie schon zuvor die G7-Staatsoberhäupter und Obama in Elmau.Somit werden die Queen und Merkel als Queen des European Empires Projektionsflächen beider Seiten.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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