Syrien-Ukraine-Taiwan?

Ich habe gestern ein Interview mit Taiwans Präsidenten Ma Yingjiu auf BBC gesehen. Darin brachte er seine Sorge zum Ausdruck, dass sich die psychologische Distanz zwischen Festland und Taiwan ständig vergrössere.Xi Jinping habe sein beabsichtigtes Treffen mit ihm abgesagt, bei der APEC gäbe es keine Fortschritte, die Menschenrechtssituation in China erodiere.Ebenso wies er auf die zweistelligen Wachstumszahlen von Chinas Verteidigungshaushalt hin, die das Kräfteverhältnis in Richtung China verschoben hätten und Chinas neues Insitieren, dass eine Wiedervereinigung nicht auf unbestimmte Zeit herausgezögert werden könne. Die Reporterin erwähnte desweiteren Militärmanöver der VR China in der die Einnahme des taiwanesischen Präsidentenpalastes simuliert wurde, worauf Ma nur meinte, dass er dies natürlich nicht begrüsse. Ziel sei es einen möglichen Angriff Chinas so unattraktiv wie möglich zu machen, wie möglich und die Risiken zu minimieren.Die Taiwanfrage hatte nach den erhitzten Auseinandersetzungen der 90er Jahre, als die USA unter Bill Clinton schon mal einen Flugzeugträgergruppe in die Straße von Taiwan gegen China entsandten in den 2000ern an Brisanz verloren. Nun scheint das inzwischen erstarkte Peking die Taiwanfrage neben Süd- und Ostchinesischem Meer wieder auf die Tagesordnung zu setzen.Verschärt werden könnte die Situation, sollte die DDP anstelle der KMT bei den nächsten Wahlen an die Regierung kommen, die ja seitens Pekings als Seperatistenpartei angesehen wird.Hinzu kommt auch noch, dass mit der studentischen Sonnenblumenbewegung ein neuer –aus Pekings Sicht- „antichinesischer Akteur“ die politische Bühne Taiwans betreten hat.Also mal sehen, wenn die USA und die Türkei mehr in Syrien aktiv werden, Russland seine Sommeroffensive in der Ukraine beginnt, ob dann China die Gelegenheit nutzt, Machtdemonstrationen im Pazifik zu veranstalten. Zumal das Ansehen der KP China infolge des Börsensturzes ja gelitten hat, was sie mittels Schürung von etwas Nationalismus ja zu kompensieren suchen könnte.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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