Chinas erste antifaschistische Weltkriegsparade–abrüsten, um aufzurüsten

Erste Militärparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Peking auf der Paradestraße des Ewigen Friedens–mit „antifaschistischer“ Hauptstoßrichtung gegen Japan. Ein mediales und nationales Spektakel und Zurschaustellung von Omnipotenz, die durch den Börsencrash und die Chemieunfälle in Tianjin und nahe Pekings zuletzt etwas eingetrübt war. Trotz aller Martialität wird das Ganze mit einem auf den ersten Blick scheinbaren Friedenssignal verbunden: Die Ankündigung die Landarmee um 300 000 Mann zu reduzieren, sollte man vor dem Hintergrund sehen, dass China nun zunehmend Seemacht werden und die eingesparten Gelder in die Marine und Luftwaffe sowie Cyberwarfare, dem beschleunigten Aufbau einer chinesischen NSA wie auch seiner weiteren Auslandsgeheimdienste und Weltraumwaffen stecken will, damit es Japan und die USA im Süd- und Ostchinesischen Meer besser herausfordern kann und um sich vielleicht einer weniger friedlichen Wiedervereinigung mit Taiwan zu widmen.Wenn die USA schon einen Einsatz von Bodentruppen ausschließen und „No boots on the ground“ausrufen, bedarf es ja auch nicht einer Landarmee im alten Sinne, zumal das Airseabattle-Konzept der USA sich ja vor allem zu See und in der Luft und Weltraum und Cyberspace abspielt und ein sino-amerikanisch(-japanischer) Krieg sich nicht zu Lande abspielen wird. Zumal die Gelder für den inneren Sicherheitsapperat von Staatssicherheit, Internetpolizei und bewaffneter Polizei  den Verteidigungsetats für äußere Sicherheit übertreffen und weiter ausgebaut werden sollen.Faktisch rüstet man nach innen wie nach außen auf. Also ist das Ganze nicht so pazifistisch wie es im ersten Moment erscheint:

„In den vergangenen Jahren hat China hohe Summen in die Modernisierung seiner Truppen gesteckt. Zwischen 2004 und 2013 stiegen die Aufwendungen nach Schätzungen um 170 Prozent. Im Haushalt für dieses Jahr wuchsen Chinas Militärausgaben erneut kräftig um 10,1 Prozent auf 886 Milliarden Yuan, umgerechnet 124 Milliarden Euro.Damit hat das Land das zweithöchste Militärbudget weltweit, liegt aber weit abgeschlagen hinter den Vereinigten Staaten, deren Streitkräfte zuletzt einen Etat von 610 Milliarden Dollar zur Verfügung hatten. Viele Ausgaben in China sind allerdings auch in anderen Etats versteckt. Besonders in die Aufrüstung der Marine flossen zuletzt größere Mittel. China verfügt über mehr als 60 U-Boote. 2012 stellte die Volksbefreiungsarmee zudem ihren ersten Flugzeugträger in Dienst.Chinas Aufrüstung versetzt seine Nachbarn in Alarmbereitschaft. Mit Japan gibt es Spannungen um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Im Südchinesischen Meer kritisieren Anrainerstaaten, dass China Inseln künstlich aufschüttet, auf denen Stützpunkte entstehen sollen. Auch die Demokratie auf Taiwan wird durch China bedroht.Laut amerikanischen Quellen verfügt China über mehr als 1000 Kurzstreckenraketen, eine wachsende Zahl von Mittelstreckenraketen und interkontinentale Raketen. Diese sind in der Lage, mit Atomwaffen bestückt auch Amerika zu erreichen. Die Volksbefreiungsarmee verfügt auch über die größte Luftwaffe Asiens. Eigene Tarnkappenbomber werden entwickelt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/parade-in-peking-china-kuendigt-truppenabbau-an-13782820.html

Denn vor allem ist diese Militärparade weniger der Vergangenheit gewidmet, sondern eine Demonstration jetziger militärischer Stärke und Ambitionen Chinas, wie auch zukünftiger.Der USmilitäretat von 610 Milliarden Dollar relativert sich, da diese Zahl für weltweite Operationen gedacht ist, also neben Asien auch für Europa, den Greater Middle East und Afrika, während Chinas Verteidigungshaushalt sich in Gänze vor allem auf sein Expansionsgebiet Asien konzentriert.Hauptverbündeter Chinas dabei ist Russlands Putin, zu dessen Moskauer Militärparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs wiederum Chinas Xi Jinping zuvor schon extra  angereist war, wobei zeitgleich chinesische-russische Manöver im Pazifik und auch erstmals im Mittelmeer abgehalten wurden. China hält sich also implizit die Option offen, mit Russland zusammen Operationen und Kriege in Europa und gleichzeitig Asien anzudrohen, die die US-Macht herausfordern könnten, also mindestens einen geographischen Zweifrontenkrieg plus dem Cyberspace und Weltraum, um seinen Vorstellungen von einer multipolaren Welt näher zu kommen.Bezeichnend auch, dass mit Ausnahme des südkoreanischen UNO-Generalsekretär und der südkoreanischen Präsidentin Park sonst kein Staatsführer aus dem Westen erschienen, bestenfalls Außenminister und Botschafter, um China nicht ganz zu verärgern. Ein interessantes Detail bei Chinas Militärparade ist, dass Nordkorea nicht vertreten ist, aber Südkoreas Präsidentin Park samt der südkoreanische UNO-Generalsekretär Ban Ky Moon. Scheinbar gibt es ernsthafte Verstimmungen zwischen China und Nordkorea, die nun Südkorea weidlich nutzen will. Interessant wer alles teilnahm und wer nicht:

“One interesting sight will be the VIP box: Which heads of state will actually attend? Confirmed leaders include Russian President Vladimir Putin (who himself hosted Xi Jinping last May for a huge victory parade in Moscow); South African President Jacob Zuma; Venezuelan President Nicolas Maduro; Sudanese President Omar Hassan al-Bashir (who has an international arrest warrant against him); and—somewhat unexpectedly considering World War II sensitivities in the region—South Korean President Park Geun-hye. Park will attend ceremonies, but not the parade. North Korean leader Kim Jong Un will not be present, nor will Japanese Prime Minister Shinzo Abe.

Fellow leading industrial nations countries don’t want to put Japan in a bind, but no one is willing to offend China. Hence, state leaders have responded to the standing Chinese invitation with an array of contortions. In the end, no Western leader will attend: President Barack Obama—who will be hosting Xi Jinping in the United States in a few weeks—will be represented by U.S. Ambassador to China Max Baucus. Unlike for the launch of the Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) earlier this year, Washington didn’t pressure other Western leaders to avoid Beijing. This wasn’t necessary, as those governments all had their own reasons for staying away. Even the German president—a largely ceremonial figure—has declined. So has his French counterpart François Hollande, who will travel to China in October to discuss climate issues; French Foreign Minister Laurent Fabius will attend instead. Italy will also be represented by its foreign minister. As for the United Kingdom, Prime Minister David Cameron chose to wait for the Chinese state visit to London in October to meet Xi in person. Britain is represented by a former Conservative cabinet minister, Kenneth Clarke. Even more surprising is the list of retired statesmen: former German Chancellor Gerhard Schroeder, who is known to have engaged with Russia’s Putin after leaving office in 2005, will be in there, like his friend and former U.K. counterpart Tony Blair.”

http://www.brookings.edu/blogs/order-from-chaos/posts/2015/09/02-chinese-military-parade-lecorre

Zumal es sich im US-Wahlkampf auch nicht gut macht, den neuen Hauptkonkurrenten der USA symbolisch aufzuwerten, obwohl dies Obama auch schon egal sein könnte, da er nicht mehr antritt. Das zeigt, dass ein US-amerikanischer Konsens besteht China nicht künstlich aufzuwerten. Philippe Le Corre  verwahrt sich jedoch in einem Artikel gegen Vorwürfe an die US-Kandidaten, China-Bashing zu betreiben—dieses trage vielmehr der Realität eines zunehmend aggressiveren Chinas Rechnung:

„When China-bashing isn´t:

China’s leaders must love the narrative Western media has adopted regarding presidential candidates’ views on China. Consider a selection of headlines from the past few days:

• “China bashing: American campaign ritual or harbinger of tougher policy?” The Interpreter, August 25
• “Republicans line up to take potshots at China,” Financial Times, August 26
• “The 2016 China-bashing race,” The New York Times, August 26
• “The Republican’s Red Scare: GOP hopefuls are bashing China ahead of next month’s state visit,” Politico, August 28
• “A mainstay of presidential campaigning: China-bashing,” CBS News, August 28
• “China-Bashing 2016: We’ve seen this movie before,Bloomberg, August 28

Over the past week, candidates from both right and left have been talking tough about China. Bernie Sanders and Donald Trump have focused on economic issues. Hillary Clinton has commented on Chinese cyberattacks. Scott Walker and Marco Rubio have each brought up Beijing’s behavior in the South China Sea as well as its intensifying crack down on human rights activists. To be sure, some have expressed a better understanding of China and of US-China relations than others, and scrutiny of their comments is necessary and appropriate.But to describe all of this discussion as “China-bashing” is irresponsible and dismissive of very real concerns regarding the People’s Republic. It suggests that candidates are not describing China as it actually is. The facts are that China is engaged in a prolonged cyber campaign against US businesses and the US government; that China is bullying its neighbors and driving up tensions in Asia; that China is increasing oppression of human rights activists, Christians, and Muslims; and that China has yet to adopt wide-reaching market-oriented economic reforms.Many analysts seem to believe that pointing out those truths—and suggesting that those truths require an American response—is little more than “bashing” China. The Chinese Communist Party couldn’t agree more.”

https://www.aei.org/publication/when-china-bashing-isnt/

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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