Dreamworks-die Digitalisierung der Träume

Ich hatte diese Nacht nach langen Nächten von Albträumen mal wieder einen schönen, erotischen Traum. Der spielte in Thailand, an dessen palmenumwobenen Stränden und ich hatte eine Affäre mit der Prinzessin von Thailand (im Traum).Könnte fast Rosamunde Pilcher-Stoff sein.Manchmal denke ich mir, ob die Wissenschaft nicht Traumvideos produzieren könnten, die einem nach Einschlafen über bioelektrische Chips in die Traumwelt des Gehirns eingespeist werden –dann könnte sich jeder seine Träume aussuchen. Viele tun dies ja schon heute mit Tagträumen—sei es das Heimkino samt seiner Fernsehprogramme, sei es die Gartenzwergidylle in einem Schrebergarten, sei es die fernöstliche Wellnesspagode im Garten, sei es eine Kitschsammlung, sei es die 3D-Animation in einem Computerspiel oder demnächst dank Digitalisierung auch im Wohnzimmer mit Hologrammen und neuester 3d-HD-Technologie auf Wandscreens– in ihrer noch futuristischen Vision des Holodecks von Startreck. Die Prä-Fernsehengeneration suchte ihre „süßen Träumen“noch in Opiumhöhlen oder die postpsychodelische Generation mittels Zudröhnung durch noch sogenannt bewußseinserweiternde Stimulanzien ihre säuglingsvollgenuckelten Tagträume, jedoch stets verfolgt durch Paranoia infolge des Betäubungsmittelgesetzes. Aber die systematische Digitaliserung der analogen Traumwelten eines menschlichen Gehirns steht noch bevor. Vielleicht auch keine gute Idee, da dann nur Kitschproduzenten die Filme monopolisieren würden–Hollywood für die Traumwelt, Bollywood der Traumfabriken,usw. .Wahrscheinlich gebe es dann aber auch maßgeschneiderte Träume Premium-Deluxe und für die unteren Klassen die Aldivariante. Nicht zu vergessen: Wäre die Traumwelt eine kapitalistische Reproduktionssphäre, dann würden wahrscheinlich auch Werbeblocks und Product Placement geschaltet—also vor Red Bull- und Deutschländer Würstel-Werbung wäre man dann auch nicht im Traum gefeit. Oder aber: Dieser Traum wurde ihnen gesponsert von…. Vielleicht würde es auch gegen Aufpreis werbefreie Traumvideos geben.Oder Traumdesigner, die animationstechnisch und filmisch die Träume für Premiumkunden individuell anfertigen. Wirtschaftsleute würden vielleicht Endlosträume von Börsenfernsehnotierten Dax-Screens mit ewig steigenden Kursen präferieren. Nürnberger Cluberer könnten sich in Sequenzen von ewig vorwärts rollenden Fußbällen und Endsiegen ihre Realweltlooserstellung wegträumen. Sexsüchtige hätten den Endlosopornotraum, romatisch veranlagte Menschen die Liebesschnulze und Endlosromanze mit schwülstigem Kerzenlicht und dick aufgetragenen Papagallogedichten auch im Schlaf oder halt als Albtraumversion „The Bachelor“. Shopoholics und Shopping Queens würden durch endlose Einkaufswelten in den Labyrinthen mehrerer Shoppingmalls traumtanzen. Je nach Zielgruppe und Geschmack wäre das Programm wie im RealTV zu bestimmen und würde sich vielleicht gar nicht so davon unterscheiden. Die Kommerzialiserung der Traumwelten wäre die zu erwartende Folge—Dreamworks. Da die Träume gelenkt würden, würde die Berufsgattung des psychoanalytischen, Freudschen Traumdeuters wohl bald arbeitslos. Vielleicht gibt es dann aber auch Mischformen von Träumen, teils gelenkt, teils sich selbst überlassen–in Abfolge und interaktiv. Vielleicht auch Überraschungsträume, von denen man noch nicht weiss, was kommen wird, ausser, dass es positiv ist.Oder eine Art russisches Traumroulette, bei denen man sich aus der Menge der Traumvideos eines rausfischt, ohne zu wissen, ob dies ein süsser oder ein Albtraum ist.Vielleicht gibt es auch Sadomachochisten, die extremsportartig austesten wollen, wieviele Albträume sie hintereinder vertragen können–bis hin zum Nahtoderlebnis. Viele Varianten sind denkbar.Biologisch-neurologsich ist natürlich die Frage, ob dies nicht eine Überladung des Gehirns bedeuten würde mit allen gesundheitlichen Risiken—bisher geht man ja vom Traum als Entladungsgewitter und surrealistischer Verarbeitung der analogen Realitätserfahrungen aus, die sich recht willkürlich in einem Zusammenspiel von Unterbewusstem und eingeschlafenen, aber durchaus noch teilsaktiven Bewußtsein abspielen. Zwar können wir die Träume nicht lenken, aber sie dennoch wahrnehmen, wenngleich die Erinnerung nach dem Aufwachen oft sehr schnell verblasst.Ein Schlussgedanke: Wenn staatliche Sicherheitsorgane die Menschen nicht mehr durch Schlafentzug, Isolationsfolter und sensorischer Deprivation foltern, sondern durch eigenzusammengestellte Horroralbträume, die nachhaltiger sind als jeder Schlafentzug. Negatives Gefühlskino ala Huxley dann auch in der REM-Phase.Freddy-Krügermomente für die Gefolterten.Oder aber eben die Einpflanzung eines unbewussten Programms quasihypnosemäßig mittels der Traumzentren im Gehirn. Das wäre mal eine interessante Diskussion mit einem Neurologen oder Hirnforscher, wenn nicht gar der Stoff für einen neuen Science Fiction, wenngleich es dies ja schon ansatzweise mit Matrix und Total Recall mit Arnold Schwarzenegger schon ideengeschichtlich im Film gibt.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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