Scharia und Kölle Allaf

Ziemliche Aufgeregtheit um die Bahnhofs“vorfälle“ in Köln, Stuttgart und Hamburg. Man sollte erst mal abwarten, was da genau passiert ist und wer es war. Nach tagelangem, beharrlichem Schweigen der Medien herrscht nun eine allgemeine Gerüchteküche und viellerlei Interpretationen, die einander selbst zu überbieten suchen. Dennoch dürfte dies ein Novum in einem westlichen Land sein, das in dieser Dimension noch nicht vorgekommen ist–bestenfalls hat man da noch am Tahirplatz von Massenübergriffen auf Frauen gehört oder eben im Islamischen Staat mit seiner Versklavung und Massenvergewaltigung von Frauen. Auch etwas seltsam, dass trotz erhöhter Terrorstufe nach Paris und München Massenansammlungen von „arabischen“und/oder „nordafrikanischen“ Männern da die Polizei nicht stutzig gemacht haben. Entweder waren es nicht soviele und verteilten sie sich in der vielleicht viel grösseren Menschenmenge oder man wollte sich nicht dem Vorwurf des Rassismus und des racial profiling aussetzen. Und warum wurde von Polizeiseite zuerst erklärt, die Silvesternacht sei friedlich verlaufen? Wollte man die Bevökerung lieber nicht von solchen Vorfällen informieren, weil man die Schürung des Rassismus und ein Erstarken der AfD unterbinden will?  Selbige Frage auch bezüglich der Medien, die erst Tage danach über die Vorfälle berichteten. Inzwischen tobt allerortens der Streit, ob man dies als Flüchtlingsfrage, als Frage muslimischer/fremder Kultur/Islamisierung/fremdländischer Invasion, eines ethnokulturellen Kampf der Kulturen, als Frage mangelnder, fehlender oder gescheiterter Integration und falscher Toleranz (EMMA) und Kulturrelativismus, als geschlechterspezifische Machosexismusfrage oder allgemeiner als „Männergewalt“, bzw. „patriachalischer Strukturen und Verhaltensweisen“ statt „Migrantengewalt“ (klassisch feministisch: „Jeder Mann ist ein potentieller Vergewaltiger“, nicht nur die muslimischen Männer), als alkoholisiertes Unterschichtenverhalten infolge des Neoliberalismus und damit eigentlich als soziale Frage, als organisierte Kriminalität (Heiko Maas), als Massenphänomewn (BILD: „Sex-Mob“) ,als Erosion des staatlichen Gewaltmonopols und Staatsversagens infolge zu weicher Gesetze und Personalabbaus infolge des neoliberalen „slim state“ oder irgendwie als sich einander bedingende Mischung aus alledem begreifen soll. In der Sezession spricht wiederum Thor Kunkel von der „Verhausschweinung des deutschen Mannes“, der zu feige sei, um die Ehre deutscher Frauen vor fremdländischen Invasoren zu schützen. Bernd Höcke zitierend wird daraus eine Frage der Männlichkeit gemacht, die deutsche Männer wieder zurückerlangen müssten.

http://www.sezession.de/52734/koeln-und-die-deutschen-maenner.html

Deutsche Kommentatoren des Artikels wiederum meinen etwas gehässig, dass sich die „Emanzen“doch selbst wehren könnten und ja nicht von deutschen Männern Hilfe bekommen bräuchten, da sie sich ja selbstverwirklichen zu meinen könnten. Diese Diskussionen sollen hier nicht vertieft werden. Wie gesagt: Warten wir es erst einmal ab, was die Ermittlungen ergeben. Interessant aber, wie die Ereignisse teils von muslimischer Seite aufgenommen werden. Das schreibt die muslimische Webseite “Muslim Stern” zu Köln:

„+++Stellungnahme+++ Handlungsempfehlungen+++
Da es sich so viele Nichtmuslime gewünscht haben, folgt nun unsere Stellungnahme zu den Ereignissen in Köln während der Silvesternacht.
Wie einige vielleicht wissen, sollen -Medienberichten zufolge- in der Silvesternacht Gruppen von “Nordafrikanern” und “Arabern” Frauen “unsittlich” angefasst haben. Einige reden von “Massenvergewaltigung”. Uns ist natürlich klar, dass die Ereignisse medial zugespitzt und instrumentalisiert werden, um Hetze gegen Minderheiten zu betreiben. Dennoch hier eine kurze Stellungnahme bzw. einige Handlungsempfehlungen, um sowas künftig zu vermeiden:
1. Sollten die Täter Muslime sein, müssen sie Tauba machen, also Reue zeigen und anfangen nach den islamischen Regeln zu leben. Alkohol zu trinken, nicht-islamische Feste zu feiern und irgendwelche Frauen “unsittlich” zu berühren, sind ganz klare anti-islamische Haram-Taten.
Aber aus westlicher Sicht betrachtet, sind diese Menschen perfekte Beispiele für eine gelungene Integration. Sie haben Demokratie und Freiheit verinnerlicht; gemeinsam und mehrheitlich haben sie sich in der Nacht entschieden in Freiheit zu leben und am gesellschaftlichen Leben in Deutschland teilzunehmen. Ihr einziger Fehler war es, Frauen ungefragt “unsittlich” berührt zu haben. Ansonsten sind diese Menschen mehr westlich als muslimisch.
2. Die Bundesregierung sollte Alkoholkonsum verbieten, da er zur Verkehrsunfällen, Gewalttaten und Vergewaltigungen führt und extrem gesundheitsschädlich ist. Aber es ist uns klar, dass das von profitorientierten kapitalistischen Gesellschaften zu viel verlangt ist. Solange aber Alkohol nicht verboten wird, wird keine exorbitante Änderung bezüglich oben genannter Fälle erkennbar sein.
3. Einige Frauen sollten darüber nachdenken, ob es klug ist, leicht bekleidet und angetrunken, sich zwischen Horden von alkoholisierten Männern zu begeben. Generell trägt die Frau aufgrund ihrer Beschaffenheit eine Verantwortung, wenn sie sich aus dem Haus begibt. Man kann nicht vor einem Löwen eine nackte Antilope werfen und erwarten, dass bei dem Löwen sich nichts regt. Es ist erstaunlich, dass im Biologieunterricht so viel über das Paarungs- und Sexualverhalten der Lebewesen unterrichtet wird, aber diese Regeln im Alltag komplett missachtet werden.“

Bezeichnend: Demokratie und Freiheit wird auf den westlichen Lebensstil von Alkoholtrinken, außerehelichem Sex und Partys reduziert und in totalitärer Gänze abgelehnt.Tenor dabei: Mit Scharia wäre das alles nicht passiert und die Frauen sind selbst schuld. Scharia für Deutschland. Also, dann den Kölner Fasching in Burka und auf Armlänge? Darauf ein dreifach donnernd: Kölle Allaf!!!

(Anmerkung: Inzwischen hat Muslim Stern die Erklärung anscheinend nach Protesten wieder von seiner Seite entfernt).

Hier noch die Erklärung des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der sich von den Taten ditanziert, sie als Todsünde im Islam darstellt, eine Bestrafung von frauenfeindlichen Sexualdelikten unabhängig von Ethnie, Herkunft und Religion fordert,  sich gegen den Vorwurf verwahrt, jeder Muslim sei ein verkappter Sexist, bzw. potentieller Vergewaltiger, zugleich aber so tut, als wäre das Frauenbild im Islam und „patriachialische Strukturen“ im islamischen Kulturkreis grundsätzlich keiner Kritik wert und sie auch erst gar nicht selbstkritisch erwähnt, sondern völlig ausblendet:

„Nach den Schandtaten am Kölner Hauptbahnhof: Todsünde im Islam

„Für nicht wenige in unserem Land, und das müssen wir ebenso nüchtern feststellen, ist und bleibt der Muslim dennoch auch ein verkappter Sexist“

Ich bin ganz dafür, dass wir eine Debatte über Personen und Gruppen führen, welche wie ein Rudel – meist alkoholisiert – Frauen anmachen, sexuell belästigen und sie gar als Freiwild betrachten. Dass hier die volle Härte des Gesetzes zum Einsatz kommen muss, und dass dieses widerwärtige und verachtenswerte Verbrechen auch gesellschaftlich noch viel mehr geächtet werden muss, steht außer Frage.

Z.B. indem wir auch von den Belästigungen ähnlicher Art am Oktoberfest oder Karneval berichten oder über die Übergriffe, die Frauen in Ehen oder Beziehungen tagtäglich erleben, oder indem wir einmal den Blick auf die Opfer werfen, die in tausenden Frauenhäusern tagtäglich in Deutschand Zuflucht finden.

Dass im Kölner Hbf etwas Schlimmes passiert ist und auch aufgedeckt werden muss, steht ebenso außer Frage. Doch die Diskussion kann entgleiten, wenn man sich nicht an die Fakten hält. Vom Kölner Fall ist Folgendes bekannt (Stand 06.01.2015): Rund 90 Anzeigen sind inzwischen bei der Polizei eingegangen, die meisten wegen Taschendiebstahls. Etwa 15 Frauen wurden sexuell belästigt. Auch eine Zivilbeamtin ist unter den Opfern. Und nein, es waren nicht alle Männer an allen Straftaten beteiligt, wie manche Nachricht suggerierte (1.000 Männer haben Frauen belästigt). Es sind diese Falschmeldungen, die sich ins öffentliche Gedächtnis einnisten und die am Ende auch rechtsextremistischen Demagogen weiteren Auftrieb geben.

Teile der Politik scheinen hilflos zu sein und durch ihre schnellen Wortmeldungen skandalisieren sie nur, statt aufzuklären, emotionalisieren und hysterisieren sie, statt die Härte des Gesetzes wirken zu lassen. Politik getrieben von den Medien und diese wiederum von den sogenannten sozialen Medien, wo vielerorts die anonymen Hetzer sitzen. Einige wollen auch nur Pegida und Co zuvorzukommen.

Da fällt eine angetrunkene Horde von Männern, offenbar mit Migrationshintergrund, über Frauen her, berauben sie und tun Schändliches, und die Frage steht im Raum, ob das was mit dem muslimischen Frauenbild zu tun hat. Ich frage mich: Geht’s noch?

Fast jeden Tag überfallen, greifen sogenannte Verteidiger des christlichen Abendlandes mit Brandbomben und sonstigen Geschossen Asylheime oder auch Moscheen in Deutschland an, vergreifen sich an Flüchtlingen und begehen so Totschlagversuche und somit schwere Straftaten. Keiner würde auf die Idee kommen – als Erklärungsversuch gewissermaßen – das christliche Weltbild zu bemühen. Zurecht. Denn alles andere wäre Zynismus, perfide und ein Schlag ins Gesicht auch gegen die Opfer.

Wie weit die Diskussion z.T. in die falsche Richtung verläuft, zeigt, dass die Forderung nach mehr Sachlichkeit und Faktenklarheit schon von vorne herein  von einigen als Beschwichtigung abgetan wird. Für nicht wenige in unserem Land, und das müssen wir ebenso nüchtern feststellen, ist und bleibt der Muslim auch ein verkappter Sexist. Auch wenn die Täter mit dem Islam nichts gemein haben und sogar in diesem Sinne eine Todsünde begangen haben, wenn sie denn gläubig gewesen sind, das Vorurteil ist nicht aus der Welt zu bekommen.

Ich frage nach diesen Ereignissen, insbesondere denjenigen Teil der Medien und Politik, die bisher mit Skandalisierung und entsprechender Rhetorik eintimmen: „dass auch gar nichts bitte unter dem Tisch gekehrt werden darf“, obwohl die Nation seit Tagen über fast nichts anders mehr berichtet als den Fall am Kölner Hauptbahnhof: Was wollen wir eigentlich damit bezwecken? Etwa den Beweis antreten, dass wir unser Grundgesetz nicht verstanden haben?
Unser Strafgesetz fragt nicht nach Herkunft und Religion bei einer Straftat, sondern nach dem Grad der Straftat, die am Ende vor einem ordentlichen Gericht beweiskräftig steht. Jeder andere Weg endet in Selbstjustiz nach Wildwest-Manier. Und das sind nicht die Werte, nach denen ich leben will. (Aiman Mazyek)“

http://islam.de/27092

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.