Gauland (AfD), die „Lügenpresse“,“die Wahrheit“ und „Deutschlandliebe“: „Wer Deutschland nicht liebt, der soll es verlassen“

von Ralf Ostner

Gestern war Gauland (AfD) bei Hart, aber fair. Es ging um die Medienberichterstattung, die Politik und die Political Correctness samt Lügepressevorwürfen. Göring-Eckhardt spielte die verfolgte Unschuld. Dabei haben ja gerade die Grünen und Gauck mit ihrem Giftgerede von Hell- und Dunkeldeutschland kräftig polarisiert. Ein Reporter namens Strunz meinte richtigerweise, dass die Mitte und Leute, die differenzierte Meinungen einnehmen automatisch einem der beiden Lager zugerechnet würden.Zwischenpositionen würden in diesem vor allem auch von den Grünen und der AfD angeheizten Klima gar nicht mehr geduldet. Hätte er das Zeug dazu, würde er eine neue Partei gründen „Die neue Mitte“, um sich gegen die etablierten Berliner Parteien und die rechtsradikale AfD abzugrenzen und den meisten Deutschen wieder eine politische Heimat zu geben. Nun ja, das versuchen ja gerade auch Lucke mit seiner Alfa und die FDP mit ihrer neuen nationaliberalen Ausrichtung, jedoch ohne sichtbaren Erfolg.

Wie dem auch sei: Gauland tat so, als würde er und die AfD „die Wahrheit“ vertreten und spielte gleichermassen die verfolgte Unschuld. Plasberg fragte dann, wie es Gauland mit der Wahrheit halte und spielte dann eine Demorede Gaulands ein, in dem Gauland Trittin zitierte, der gesagt haben soll, es sei zu begrüssen, wenn Deutschland verschwinde. Dieses vermeintliche Zitat kursiert schon seit Urzeiten auf allen möglichen Verschwörungstheorieseiten des Internets–natürlich auch ohne Quellenangaben, was die Leser solcher vermeintlicher alternativer Wahrheitspresse natürlich noch nie gestört oder zum Nachfragen angeregt hat. Trittin ging dann gerichtlich gegen dies Zitat Gaulands vor und bekam recht, da er es nie gesagt hatte. Die AfD musste eine Gegendarstellung bringen und sich entschuldigen. Es handelte sich schlicht um eine Fälschung. Plasberg fragte dann, woher Gauland das Zitat habe. Dieser antwortete aus der Zeitschrift Sezession von Götz Kubitschek.Diese Zeitschrift sei „konservativ“ und habe viele kulturelle Beiträge zu Philosophie und politischen Denkern, sei also geradezu intellektuell hochstehend und seriös.

Interessant, dass sich da noch kein Widerspruch bei den Mitdiskutanten auftat–scheinbar kannte die ansonsten so politische Runde die rechtsradikale Sezession und das Institut für Staatspolitik Kubitscheks nicht. Interessant im übrigen, dass Gauland bisher auch immer taktisch Kubitschek eine Mitgliedschaft in der AfD verweigerte,weil der –wie Gauland bisher immer betonte–zu weit rechts stehe und zu extrem sei, aber sich die ganze Zeit wiederum darauf beruft und ihm schützend das verharmlosende Ettikett „konservativ“anheftet. Kubitschek hat im übrigen gerade wieder eine Veranstaltung mit dem Herausgeber des „Maschinengewehrs der Volksmeinung“ Jürgen Elsässer (Selbstwahrnehmung Elsässers seiner selbst und seines COMPACT-Magazins), wie es mit Pegida und der „Asylkritiker“-Bewegung weitergehen soll.

In der Einspielung waren auch Sprechchöre auf Gaulands Rede zu hören „Volksverräter“ und „Wer Deutschland nicht liebt, der soll es verlassen“.Auf die Frage, wie er zu diesen Sprechchören stehe, meinte Gauland, die Aussage „Wer Deutschland nicht liebt, der soll es verlassen“würde er voll und ganz teilen. Interessant wiederum, dass in der Runde keiner diese Aussage für hetzerisch ansah, zumal es ja bedeutet, dass wer kein glühender Nationalist ist, gleich ins Exil gehen soll und in Deutschland nichts verloren habe. Zumal Gaulands Deutschlandliebe politisch inhaltlich in der Anlehnung an die FPÖ und Leute wie den rassetheoretischen Höcke besteht und nicht einmal eine Zusammenarbeit mit dem faschistischen Front National mittelfristig ausschliesst.Gauland als Nationalkonservativer dient mal wieder, wie in der Geschichte üblich als  Steigbügelhalter für Faschisten. Und die Fälschung des Trittinzitates ist da keineswegs ein Einzelfall, wie die rechte Wahrheitspresse in Massenfertigung lügnerisch und hetzerisch mit „der Wahrheit“umgeht und totalitär ein Wahrheitsmonopol für sich und ihr anzustrebendes homogenes, gleichgeschaltetes Einheitsvolk mit einheitlich verordneter „Deutschlandliebe“ reklamiert.Oder wie sagte einst der Führer Adolf Hitler: „Meine Geliebte ist Deutschland!“.

 



Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.