Identität, Heimat und das Ich

Gute Frage: Was bin ich und wer bin ich? Das kann ich mir nicht über vermeintliche Heimatsbezüge, Geschichte meiner Vorfahren erschliessen, weder völkisch, noch lokalpatriotisch, noch Böhmenherkunft meiner Mutter oder Frankfurter Herkunft meines Vaters und dann der ganzen anderen Herkünfte der Vorfahren.So Ahnenforschung mag zwar einigen Leuten einleuchten, die nach ihrer Idenität und ihren Wurzeln suchen, wie andere DNA-Tests machen, um zu wissen, ob sie deutsche, britische oder jüdische Gene hätten. Schon eher gehört man einer ökonomischen Klasse an, wobei auch diese nicht mehr so klar definierbar ist, weswegen sich viele Leute eher von Klassenzugehörigkeiten, die angesichts der Reichtumspolarisierung immer offenkundiger wird,angesichts mangelnden Klassenkampfs von unten und aus der immer mehr benachteiligten Arbeiter- und Angestelltenschicht, sowie der absinkenden Mittelschicht davon nichts mehr wissen will und sich andere Identitäten suchen.Für mich ist das alles davon ablenkend von der Grundfrage jeden Individuums: Was WILL ich, welche Lebens- und Gesellschaftsvorstellungen eines gemeinsamen Lebens habe ich. Die Frage nach Wurzeln und Identitäten ist für mich reaktionär,damit wollen Menschen sich selbst eine vermeintliche Fremdbestimmung aufgrund ihrer Herkunft auferlegen anstatt zu sagen; Ist mir egal: Ich bin ich und überlege meine Lebensziele und wie ich mir ein Leben als Individuum in einer Gesellscghaft vorstelle selber und unterstütze dabei Gleichgesinnte, die das auch so sehen.Nun ist man natürlich nicht ein geschichtsloses oder klassenloses Individuum, sondern eben davon auch sozialisiert. Es gilt aber die gesellsxchaftlichen Zwänge zu erkennen, die man sich nicht noch selbst durch identitäre Fremdbestimmungen von Ethnie, Heimat oder von irgendwelchen vermeintlichen Wurzeln und vermeintlichen Identitäten selbst fremdbestimmt auferlegt, sondern sich als Individuum mit gewissen gesellschaftlichen Vorstellungen zu begreifen und danach zu handeln nnd sich zu organisieren.Es ist zwar nicht falsch über seine gesellschaftklichen und historischen Bezüge zu wissen, es ist aber falsch, wenn man daraus ewiggültige Determinanten davon für sich und seine Leute davon ableitet.

Und den Identitätswahn gibt es ja nicht nur respektrotiv, zurückschauend, sondern auch als futuristisches, utopisches Selbstfindungsprojekt in der Fiktion, genauer gesagt; Science Fiction, nämlich bei der Star Wars Identities- Veranstaltung. Man betreibt keine Ahnenforschung, sondern synthesiert sich eine eigene Identität in der Zukunft zusammen:

„Die Komponenten von Identität

Der Ausstellungs-Produzent X3 Productions hat für die wissenschaftliche Aufbereitung der Ausstellung ein Team aus Spezialisten vom Wissenschaftsmuseum „Montreal Science Centres“ zusammengeführt. Psychologen, Neuropsychologen, Biochemiker und Genetiker haben die Ausstellung in die drei Themengebiete Ursprung, Einflüsse und Entscheidungen aufgeteilt. Diese prägen die Identität aller denkenden Wesen. Innerhalb dieser drei Themengebiete untersucht die Ausstellung zehn Komponenten von Identität: „Spezies“, „Gene“, „Eltern“ und „Kultur“ gliedern den Bereich Ursprung; die Komponenten „Mentoren“, „Freunde“ und „einschneidende Erlebnisse“ den Bereich Einflüsse. Die Komponenten „Tätigkeit“, „Persönlichkeit“ und „Werte“ bilden schließlich das Themengebiet Entscheidungen.

Diese zehn Komponenten und drei Themengebiete bilden das Rückgrat der Ausstellung. So untersucht STAR WARS™ Identities, was das komplexe Konzept menschlicher Identität ausmacht – in der Realität wie in der Fiktion. Originale Ausstellungsstücke beleuchten jede dieser Komponenten. Kurze „Making-of“-Filme liefern gleichzeitig Hintergrundinformationen zu den legendären Star Wars-Figuren und ihrer Entwicklung. Sie zeigen, wie sie zu jenen Ikonen wurden, die sie heute sind. Die Geschichte zieht uns auch noch nach vielen Jahrzehnten in ihren Bann, weil sie so universell ist: wir identifizieren uns mit den Charakteren in Star Wars und finden uns selbst in ihren Abenteuern wieder.“

http://www.merkur.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/star-wars-identities-ausstellung-kleinen-olympiahalle-6324446.html

Das ist dann nicht die Ebene, wo nationalkonservative und rechtsradikale Heimat-, Blut- und Bodenbewegungen wie die AfD, Götz Kubitschek und die Identitären am Start sind, sondern eher futuristisch-internetaffine Nerds und Alternative, von denen ein Teil  die „Big Bang Theory“ als Lieblingsserie samt Star Wars und Science Fiction inklusive außerirdischen Zivilisationen ansieht und vielleicht auch noch die Piraten und den Chaos Computer Club sympathisch findet. Aber ohne Identität geht´s für alle nicht, da bleibt man gleichermassen fremdbestimmt und liebt das.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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2 Responses to Identität, Heimat und das Ich

  1. Ralf Ostner sagt:

    Ein Bekannter schrieb:
    —————————————————————————————————————–
    Hallo Ralf,

    Dein (kurzer) Beitrag zur Identität hat mir recht gut gefallen.

    Wie Du ja schon andeutest SUCHEN die Leute nach solchen Identitäten. Das
    geht von der übrigens recht beliebten Ahnenforschung (die mein Vater
    auch mal mit ziemlichen Aufwand betrieben hat, nur um dann
    festzustellen, dass er im 18.Jahrhundert einen Mörder in seiner
    Ahnenreihe hat) bis zu jedem zweiten Romanschriftsteller, der irgendwann sich mit
    seinen Wurzel auseinandersetzen will. Der Punkt ist, dass die Identität,
    die ja so grundlegend sein, mit einiger Mühe produziert werden muss.
    Gewiss ist man durch das, was man in seinen ersten Lebensjahren als
    selbstverständlich erfahren hat, in gewisser Weise geprägt. Aber das
    sind alles Dinge – zumindest in meiner Erfahrung –, die man irgendwann
    als falsch erkennen und dann auch ziemlich schnell und ziemlich
    rückstandslos aufgeben kann.

    Meine Vermutung ist, dass der Identitätswahn sich genau an dieser Stelle
    entzündet: dass man Vorurteile und Verhaltensweisen NICHT aufgeben will,
    obwohl man eigentlich ganz genau weiß, dass sie falsch sind. Dann
    rechtfertigt man sie durch „Tradition“ oder „Identität“.

    Man ist ein Arschloch, kann aber nichts dafür.

  2. Ralf Ostner sagt:

    Der Bekannte meinte desweiteren:
    ——————————————————————————————————————–

    Hi Ralf,

    Das ist nicht falsch, ich würde eine solche synthetisierte Identität
    aber doch von der autochtonen Zwangsgemeinschaft unterscheiden.
    Einerseits gedeihen solche neuen Identitätsformen vor allem unter der
    Bedingung, dass sie die Leute eine Leben ohne „Stammeszugehörigkeit“
    immer weniger vorstellen können (in diesem Zusammenhang wären auch die
    von der Kulturindustrie angebotenen „Identitäten“ zu untersuchen).
    Andrerseits scheinen mir bei einer synthetischen Identität die Fragen
    nach Wandelbarkeit, Rechtfertigung und Wechsel bzw Aufgabe der
    Zugehörigkeit eher an der Oberfläche – während sie von der
    traditionellen Identität gerade verdrängt werden.

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