Gauland, die deutsche Nationalmannschaft und Deutschtum im klassischen Sinne

Gauland als führendem Repräsentant des AfD-Bundesvorstands ging es mit seiner Äußerung, dass die Menschen Boateng als Fußballspieler schätzten, aber ihn nicht als Nachbarn haben wollten, nicht darum,durchaus vorhandene rassistische Einstellungen in der deutschen Bevölkerung zu kritisieren oder darauf hinzuweisen, sondern diese anzufachen-nach dem Motto: “Deutsche: Wollt ihr einen Neger oder Ausländer als Nachbarn, wohl nicht!!! “So zu tun, als ginge es ihm um eine differenzierte Kritik am weitverbreiteten Rassismus, ist wohl eine sehr wohlwollende und nicht durchhaltbare Interpretation, in den meisten Fällen eher eine sich bewußt dumm stellende Zustimmung zu diesem Rassismus, die sich pseudopluralistisch hinter der rhetorischen Figur des „Man wird ja noch einmal sagen/fragen dürfen“ feige und weniger angreifbar versteckt.. Zudem behauptete Gauland dann Boateng überhaupt nicht gekannt und von der FAZ diesen Namen aufgedrückt bekommen zu haben.Das ist so überzeugend und so glaubwürdig, wie Donald Trumps Äußerung überhaupt nicht zu wissen, was der Klu Klux Klan sei.

Hier die offizielle Erklärung Gaulands auf der offiziellen AfD-Webseitezum Boatengskandal:

“Zur Meldung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 29. Mai 2016 erklärt der stellvertretende Vorsitzende der AfD Alexander Gauland:

„Ich habe nie, wie die FAS insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten. Ich habe in dem vertraulichen Hintergrundgespräch die Einstellung mancher Menschen beschrieben, aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert, dessen gelungene Integration und christliches Glaubensbekenntnis mir aus Berichten über ihn bekannt sind. Selbstverständlich können wir stolz auf unsere Nationalmannschaft sein. Ich wünsche allen Spielern viel Glück für die Europameisterschaft.“”

https://www.alternativefuer.de/2016/05/29/gauland-ich-habe-herrn-boateng-nicht-beleidigt/

Nachdem Gauland zuerst gegen Boateng austeilt, wünscht er wieder taktisch der gesamten deutschen Fußballmannschaft Glück, bezieht ihn dann wieder ein, nachdem Frauke Petry schnell ihre Distanzierung von Gauland veröffentlicht hat und der gesamten deutschen Fußballtruppe ihre Hoffnungen übermittelt. Inzwischen wird Frauke Petry von der Rest-AfD angegriffen, dass sie dem Gauland so in den Rücken gefallen seî und sich distanziert habe, nachdem Poggenhauser und Höcke wie auch die breitere Basis der AfD sich mit Gauland solidarisiert, weswegen Petry dann plötzlich versucht die Schuld bei der „Lügenpresse“abzuladen und sich von ihrer eigenen Distanzierung zu distanzieren. Was wiederum Gauland dazu bringt nach der Boateng/Negerschelte dann in einem Spiegelinterview den nächsten deutschen Nationalspieler infrage zu stellen: Mesut Özil, weil er Muslim ist und seine Pilgerfahrt nach Mekka wie Christen nach Rom macht–damit wird dann nicht nur der Islamismus und der islamistische Terrorismus im allgemeinen kritisiert, sondern ob dieser deutsch- best integrierte muslimische Nationalspieler denn wirklich so gut integriert sei oder nicht eher Mekka, der Sharia und Islamisten gehorche.Die Botschaft: Kein Ausländer oder Mensch mit Migrationshintergrund kann jemals so integriert sein, dass man da keine Zweifel hätte und diesen aus der biodeutschen Volksgemeinschftausschließen  muss. Keiner kann jemals als Ausländer so integriert sein, wie auch viele Deutsche niemals so deutsch sein können wie es der AfD gefallen würde, da sie eben „grün-rot-68er-Multikulti“verseucht wären.Eigentlich kennt man ja diese Kritik der deutschen Nationalmannschaft seitens der NPD, aber hier kommen AfD und NPD aufgrund ihres völkischen Weltbilds wieder zusammmen. Nationalkonservative haben nach ihrer Kooperation mit den Nazis immere wieder betont, dass sie keine Nazis seien, aber man sieht anhand der AfD, dass die Nicht-Nazinationalkonservativen keine Liebe für die demokratische BRD gefunden haben, sondern sich mit rexhtsradikalen wie Höcke, Elsässer, Kubitschek gemeinsam machen, also lieber wieder zur rechtsextremen Seite kooperieren als ihren Frieden oder Kompromiss mit der demokratischen Mitte und deren BRD-Demokratie zu machen.

Interessant dabei auch folgender Widerspruch: Gauland behauptet, Boateng überhaupt nicht zu kennen (gemeint ist hier nicht persönlich) , aber dessen Persönlichkeit, Integration, christlichen Glaubenshintergrund seien ihm bekannt.Vielleicht sollte Gauland auch einfach mal besser schweigen, denn diese eigene Presserklärung zeigt, wie dieser Mann ganz offensichtlich lügt und das auch noch schlecht.Aber genauso wie er um die beste Integrastion von Boateng weiß, so auch um die von Mesut Özil, um dies dann gleich immer wieder infrage zu stellen und ihn auf die Stufe eines Islamisten zu stellen.Es hat also Methode: Eine rassistische Infragestellung, um sie auf dere Basis von Sarrazinargumenten zu halten, ob dieses fragwürdig und damit diskutabel sei, bei Protest zurückzurudern, das glatte Gegenteil wieder zu behaupten, um dann schnell wieder den nächtsten rassistischen Hammer zu bringen–also nicht Zurücknahme des Gesagten, sondern die Erweiterug biologistischem Rassismus gegen Boateng, dann die kulturrassistische Erweiterung gegen den Muslim Mesut Özil.

Ganz treffend zur Methode Gaulands und der AFD im Umgang mit der „Lügenpresse“: “In 5 Schritten zum AfD-Skandal”:

http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_77981354/so-redet-sich-afd-vize-gauland-nach-seiner-boateng-aussage-heraus.html

Gauland wusste genau, wie gut integriert Boateng ist, aber gerade deswegen passt er ihm so gut in sein Konzept und dient er als Aggressionsfläche: Möge der Muslim oder Neger noch so gut integriert sein, er wird nie integriert genug sein können, weil er eben kein Deutscher im klassischen Sinne ala AfD und Gauland sein kann und ist und da eben ausselektiert werden muss aus dem völkischen Kollektiv, der Volksgemeinschaft. Gauland argumentiert mal biologistisch über Hautfarbe/Rasse,mal kulturrassistisch über Religion /Islam, um so alle rechten Schweinströge zu füllen.Für alle, die behaupten, Gauland wäre falsch zitiert worden: Heute legt er nochmals nach: Die deutsche Fußballmannschaft sei”schon lange nicht mehr deutsch”im “klassischen Sinn”. Fehlt wohl der Ariernachweis. Profifußball sei ”keine Frage der nationalen Identität mehr”, sondern“eine Geldfrage“.Das stimmt, aber es ist nicht nur eine Geldfrage, sondern auch, ob man Deutsche mit Migrationshintergrund eben auch als Deutsche ansieht oder eben nicht. Für Gauland ist dies nicht der Fall. Er will nur biodeutsche Blutdeutsche in der jahrhundertenlangen Erb- und Ahnenfolge. Als nationalistische Kapitalismuskritik oder als eine Kritik der Kommerzialisierung des Leistungssports, dass das Kapital ein denkbar undeutscher und globalistischer Multikulti-Oneworldakteur sei sollte man das nicht lesen -soweit ging Gauland in seiner nationalistischen Kritik nicht, redet eher harmloser von der „Geldfrage“, die er nicht weiter vertieft, zumal er ja auch nichts gegen Kapitalismus hat,ja eher dessen autoritär-sozialdarwinistisch-autoritären Variante das Wort reden würde,  sondern nur dessen vermeintlich undeutschen und unvölkischen Entartungen und Exzesse störend empfindet und sich stattdessen auf die volksfremden Elemente und die Public Enemy No. 1 namentlich und expemplarisch konzentriert und einschießt.

“Im Spiegel legte Gauland nun nach. Zur Pilgerreise des türkischstämmigen Spielers Özil nach Mekka sagte Gauland, man müsse “die Frage stellen: Ist jemand, der nach Mekkla geht, in einer deutschen Demokratie richtig aufgehoben?”.

(Münchner Merkur v.4/5.Juni 2016, S.1).

Gauland greift da also die Anti-Özilhetze von Jürgen Elsässer auf: “Özil gehört nicht in die Nationalmannschaft. Er liebt den Islam, nicht Deutschland”:

https://juergenelsaesser.wordpress.com/2016/05/31/oezil-gehoert-nicht-in-die-nationalelf-er-liebt-den-islam-nicht-deutschland/

Inzwischen hat sich auch Frauke Petry als AfD-Parteivorsitzende nach ihrer Distanzierung von der Distanzierung von Gauland auf diese Linie eingeschossen und kritisiert Mesut Özil wegen seines muslimischen Glaubens. Petrys und Gaulands Methode gegenüber dem Islam kennt man auch noch aus der Zeit Bismarcks, des Kulturkampfs und dem Katholikenverbot, bei dem den Katholiken vorgeworfen wurde dem Papst und internationalen Mächten zu gehorchen und nicht Deutschland. Analog so auch die Nationalkonservativen und die Nationalsozialisten, die in Katholiken, Freimaurern und Kommunisten undeutsche, internationale Mächte wirken sahen. Auch betont Gauland, dass die AFD keine christliche Partei sei, sondern eine deutsche Partei und bezeichnet sich selbst als „Kulturchrist“. Christentum als völkische Tradition, nicht als christlicher Glauben, etwa gar der Barmherzigkeit oder Menschlichkeit. Dies auch interessant für einen Mann, der eben noch mit den „Patrioten Europas gegen die Islamisierung des Abendlands“ das christliche Abendland verteidigen wollte. Das zeigt, dass Gauland in der Instrumentalisierung von Begriffen rein taktisch agiert und mit christlich eher völkisch meint oder aber eben im Widerspruchsfall den soeben noch operationalen Begriff immer zugunsten eines völkischen Deutschseins verwirft.

Mit ähnlichen Vorwürfen mobilisierten Teile der US Republikaner der 60er Jahre im übrigen auch gegen den irischstämmigen, saufenden, hurenden, sich wie die Karnickel vermehrenden Katholiken John F. Kennedy, dem auch vorgeworfen wurde nicht im nationalen Interesse, sondern der katholischen Internationale mit Zentrale in Vatikanstadt und dem Papst zu dienen–im übrigen auch ein Feindbild aller White Anglosaxon Protestants/WASPler und des Klu Klux Klans. Dieser Antikatholizismus wird auch in Monte Pipens Film hervorragend dargestellt.

Jedenfalls zeigen Gaulands Äußerungen zu Boateng und Özil, dass der AfD-Slogan „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“wesentlich breiter gemeint ist, sich nicht nur auf Religion, sondern auch auf Hautfarbe und Migrationshintergrund per se bezieht. Nicht mal ein muslimischgläubiger Deutscher könnte dann in der Nationalmannschaft sein, ja Gauland geht sogar noch weiter, ob Özil als Muslim überhaupt etwas in Deutschland verloren habe. Alle Fremdstämmigen gehören nicht zu Deutschland, werden zu Bürgern zweiter Klasse oder zu Undeutschen degradiert und deklariert. Da könnten sich ja alle Deutschen sicher fühlen, wenn sie keine Neger, Muslime oder mit Migrationshintergrund sind. Aber auch das ist ein Irrglaube wie auch Gauland erklärte „Wer Deutschland nicht liebt, der soll es verlassen“. Gemeint damit sind vaterlandslose deutschstämmige Gesellen oder auch moderate deutschstämmige Patrioten wie Merkel-CDUler, Liberale, die Grünen, die SPD oder die Linkspartei, die mehr eine europäische oder zum Teil auch weltbürgerliche, kosmopolitische Teilidentität beanspruchen– aslo das ganze „rot-grün Multikulti-68er verseuchte und versiffte Deutschland“ wie es Meuthen formuliert, wobei er da auch die Merkel-CDUler, die humanitären Christen die Liberalen dazu zählt, die ja einen Linksruck der CDU eingeleitet hätten, dessen rechte Flanke nun bundesweit die AfD wie auch regional-bayerisch begrenzt die CSU bedient, um „ein anderes Deutschland“, ein autoritäres Orban-/Putin-/Le Pen-Deutschland herzubekommen.Diesen Volksverrätern und vaterlandshassenden Leuten wird die Staatenlosigkeit und der Gang ins Exil, bzw. die Emigration oder auch Zwangsvertreibung unter einer AfD-Diktatur in Aussicht gestellt, unausgesprochen auch die Inhaftierung oder Internierung in einem Arbeits- oder Konzentrationslager. Dabei hofft die AfD wie die NSDAP, die Nationalkonservativen und die KPD schon in der Weimarer Republik unter der Berufung auf direkte Demokratie und Volksdemokratie die Einführung von Volksplebisziten, die zur Mobilisierung des gesunden nationalen Volksverstandes und des Volkszorns erhofft werden und dann auch das jüngste Volksgericht über die etablierten Alt- und Systemparteien abhalten werden.Deutschsein im klassischen Sinne kann den AfDlern und anderen Nationalisten nie genug deutsch sein und in diesem nationalistischen Selbstüberbietungswahn ist eine chauvinistische Eskalationsspirale angelegt, die perspekitvisch in Barbarei, Massenmord, Genozid und Krieg enden kann.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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