Trump und die Comedians-wollt ihr den totalen Ernst?

Lächerlich ist es mittels Comedy und Parodie Trump anhand seiner Äußerlichkeiten statt anhand von seinen Inhalten bekämpfen zu wollen. Dies fasst ein SZ-Artikel ganz gut zusammen: Anfangs dachte man Trump nutzt der Comedy, nun sieht man: Die Comedy nutzt Trump!

„In „Donald Trump’s The Art of the Deal: The Movie“ wird Trump als narzisstischer, skrupelloser Geschäftsmann mit fragwürdiger Frisur und Gesichtsfarbe dargestellt. Das ist schwerlich eine Verzerrung der Wirklichkeit, sondern eine ziemlich präzise Charakterisierung. Selbst Trumps Anhänger dürften sich an einer solchen Darstellung kaum stören, sind es doch genau diese Charakterzüge – das Protzige, politisch Unkorrekte und Skurrile -, die Trump für sie so attraktiv macht.

Die Parodie ist die kontraproduktivste Form Trump zu bekämpfen


Johnny Depps Imitation gliedert sich ein in eine lange Reihe mehr oder weniger gelungener Trump-Parodien: Meryl Streep tut es, Dirk Nowitzki tut es und natürlich die US-Comedy-Größen, allen voran Jimmy Fallon und die Besetzung der Saturday Night Live-Show.

Trump zu parodieren, so scheint es, ist die bevorzugte Methode, sich über ihn lustig zu machen. Das Problem dabei ist: Die Parodie ist auch die reizloseste und kontraproduktivste Form, Trump zu verspotten.

Sie ist reizlos, weil es kaum Spannung zwischen Original und Nachahmung geben kann. Trump vermag es so perfekt, sich als überzeichnete Kunstfigur zu inszenieren, dass jede komische Überzeichnung Trumps an ihre Grenzen stoßen muss. Das heißt natürlich nicht, dass eine Trump-Parodie nicht witzig sein kann. Aber es macht eben kaum einen Unterschied, ob man über die Parodie oder das Original lacht.

Peter Segal, Comedy-Autor und Radiomoderator, formuliert diese Trump-spezifische Eigenart folgendermaßen „Man kann sich nichts ausdenken, das er nicht selbst schon getan oder gesagt hätte. Er ist einfach so bizarr, extrem und übertrieben. Es ist, als ob er sich selbst karikieren würde.“

In der Tat fragt man sich, wo bei Trump noch Raum zur Überzeichnung sein könnte. Unflätige Beschimpfungen? Peinliche Bildungslücken? Penis-Vergleiche? Alles schon von Trump höchstpersönlich erledigt.

Dies sind keine normalen Umstände und Trump ist kein normaler Kandidat

Unter normalen Umständen könnte man es also dabei belassen, der parodiefixierten US-amerikanischen Comedy Ineffektivität vorzuwerfen. Aber dies sind keine normalen Umstände und Trump ist kein normaler Präsidentschaftskandidat. Donald Trump gibt rassistische, sexistische und nationalistische Aussagen von sich und wird dafür gefeiert. Ihn als dümmlichen Angeber mit Styling-Problemen darzustellen, verharmlost ihn ungemein. Abgesehen davon füttert jede kleine, billige Trump-Parodie das System Trump mit seinem wichtigsten Treibstoff: Aufmerksamkeit, mag sie nun positiv oder negativ sein.

Ein Jahr ist es her, da brachte die Komikerin Tina Fey auf den Punkt, was damals alle dachten: Trumps Präsidentschaftskandidatur sei „großartig für die Comedy“. Mittlerweile darf man wohl eher sagen: Die US-amerikanische Comedy ist großartig für den Präsidentschaftskandidaten Trump.

Trump umarmt die Parodien

Man muss sich nur anschauen, wie der ansonsten nicht gerade selbstironieverdächtige Trump mit seinen Doppelgängern umgeht: Er umarmt sie. Trump lässt sich von einem als Trump verkleideten Jimmy Fallon interviewen. Er steht als Gastgeber con Saturday Night Live mit zwei Trump-Doubles auf der Bühne und erklärt: „Einer der Gründe, warum ich hier bin, ist, dass ich weiß, wie man einen Witz einsteckt. Man hat in den letzten Jahren so viel getan, um mich lächerlich zu machen – diese Show ist ein Desaster für mich gewesen.“ Es ist natürlich ganz genau anders herum. Die Witze der vergangenen Jahre sind einer der Gründe, warum Trump als Präsidentschaftskandidat auf der Saturday Night Live-Showbühne steht. Jede Parodie befeuert den Hype um Trumps Person und bewirkt damit genau das Gegenteil dessen, was sie vorgibt zu tun: Anstatt ihm zu schaden, nützt sie Trump.

Nicht imitieren, sondern demaskieren

Dabei gibt es durchaus ein paar geglückte Versuche, politische Comedy über Trump zu machen. Comedy, die sich nicht oberflächlich mit der skurrilen Figur auseinandersetzt, sondern sich für Inhalte interessiert – so widersprüchlich und hohl die auch sein mögen. Da wäre etwa Samantha Bee ,die sich mit einer Gruppe junger, studierter Trump-Anhänger trifft, um zu verstehen, was die dazu bringt, diesen Mann zu unterstützen. Die politische Diskussion, die sich dann entspinnt, ist lustig, weil Samantha Bee lustig ist. Vor allem aber zeigt sie die eklatanten Widersprüche auf, in die sich die Trump-Anhänger verstricken müssen, wenn sie versuchen, den wirren Positionen Trumps Sinn abzuringen.

Und da wäre natürlich John Oliver, der im Frühjahr einen zwanzigminütigen Monolog unter dem Motto „Make Donald Drumpf Again“ hielt. In diesen 20 Minuten entzaubert Oliver das Phänomen Trump gründlich: seine Lügen, seine wirtschaftlichen Misserfolge, die Inkonsistenz seiner politischen Aussagen. Der Monolog ist beißend komisch, aber er ist auch sehr gut recherchiert und bezieht klar Stellung.

Bee und Oliver führen vor, wie Trump-Comedy funktioniert, die einem kritisch-aufklärerischen Impetus folgt: Nicht imitieren, sondern demaskieren. Vier Monate sind es noch bis zu den Präsidentschaftswahlen und man wünschte sich, mehr US-amerikanische Comedians würden ihrem Beispiel folgen. Denn natürlich muss man weiter Witze über Trump machen. Es wäre aber an der Zeit, das Witzemachen ein bisschen ernster zu nehmen.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/us-comedy-trump-profitiert-von-trump-parodien-1.3079370

Vielleicht sollte aber auch mal ein Comedian auftreten, der erklärt, dass er Trump nicht lustig und unterhaltsam findet, noch irgendwie zum Lachen, sondern das Ganze sehr ernst nimmt und Trump für einen US-Faschisten, der in den USA eine Diktatur errichten will und einen Weltenbrand auslösen wird mit desaströseren Konsequenzen als der Irakkrieg 2003 und die Finanzkrise 2008.Das wäre eben die Wahrheit und die ist eben nicht zum Schenkelklatschen und Verzeihen durch Witzigmachen und Lustigfinden. Vielleicht wäre ein Comedian ganz gut, der das Ende der Witze und den Beginn des Enstes verkündet und die Leute von der Glotze auf die Strasse und in politische Arbeit offen mobilisiert.Auch Charlie Chaplin verulkte Hitler mit seinem „Der Große Diktator“, aber nachdem Hitler sein Völkermord- und Weltkriegsprogramm abwickelte, meinte Charlie Chaplin, er hätte diesen Film nicht mehr gedreht, da er durch die Verlächerlichung alles verharmlost hätte. Aber die Spaßgesellschaft will nichts vom Ernst der anstehenden Situation wissen, sondern diese unterhaltsam durch ein Lachventil, das sich zumeist an Äußerlichkeiten von Politikern abarbeitet, entlastet und unterhalten werden. Comedians und Parodisten sind daher die besten Problemverdränger und haben daher auch solche immensen Quoten, insofern sie überhaupt noch politisch sind.Ein Comedian, der öffentlich zum totalen Ernst und zur politischen Organisation aufruft, wäre ja mal ein revolutionärer Bruch mit dieser „Kunstform“. Ein Comedian, der den mangelnden Ernst und mangelnden Realitätssinn seiner Kollegen immer wieder durch den Kakao zieht, sich über ihre Witze lustig macht angesichts des Ernstes, den er dann immer wieder mit Forderung nach politischer Organisation konterkariert, wäre doch auch mal witzig, Sich über Witzemacher und Comedians lustig machen mittels der ewigen Betonung des Ernstes der Situation und diese dadurch lächerlich machen und die Leute davon zu entfremden und aktiv werden zu lassen und damit den Ernst der Situation zu begreifen und politisch aktiv werden zu lassen. Comedians und ihre Ventilfunktion lächerlich machen durch die Konfrontierung ihrer allesverharmlosenden Witze mit einer tödlich-gefährlichen Weltlage, über die sie sich witzig machen und diese zu kompensieren suchen und eben zu zeigen, dass die politische Lage sehr ernst ist und diese Comedians da eher ein weiterer ernster Witz sind, der nur verdrängt und den keiner braucht.Die Witzleute selbst zur Witzfigur zu machen, die uns sehr professionell vom Ernst und der Realitätswahrnehmung abhalten und auch professionell dafür angeheuert sind und bezahlt werden.Die Dekonstruktion der Comedians und die Erklärung des totalen Ernstes durch die Konfrontation mit der realen Weltlage und der Aufforderung sich nicht vor der Glotze abzulachen, sondern politisch aktiv zu werden! Freilch kommt es dann auch auf die politischen Inhalte an, denn mit dem Comedian und Politclown Beppo Grillo und seiner Fünfsternebewegung in Italien gibt es ja schon solch einen Präzedenzfall, wo ein Comedian politisch wurde, man sein Programm aber nicht als fortschrittlich bezeichnen kann.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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