Weltkriege sind auch heute möglich-zu 3 gegenlautenden Prämissen (Kurzform)

Herfried Münkler wurde einmal gefragt, was uns der Erste Weltkrieg lehre. Er meinte, dass zum einen die Ideologie, dass gegenseitige wirtschaftliche Verflechtung vor Kriegen oder gar Weltkriegen bewahre, ein Irrglauben war, der auch damals vertreten wurde.

Zum zweiten, dass Wertegemeinschaften immer Opfer geopolitischer Achsen würden, Geopolitik Werte trumpfe, so auch das demokratische Frankreich und Großbritannien mit dem autoritären Russland eine Allianz eingegangen seien und nicht Frankreich und GB gegen das autoritäre Deutschland und Rußland, die laut Wertefanatikern ja eine Achse hätten bilden müssen. Letzteres sehen wir auch heute bezüglich Erdogantürkei und Saudiarabien. Beide werden trotz arachischer Herrschaftssysteme noch als Verbündete des Westens betrachtet und man veruscht sie solange wie möglich zu halten, damit sie nicht zur Gegenseite wechseln.

Die dritte Lehre wird von Ex-Bundeswehrgeneral Kujat formuliert: Gäbe es keine Atomwaffen, hätte der Syrien- und Ukrainekonflikt schon längst einen dritten Weltkrieg entfacht. Aber auch hier ist nicht sicher, ob die Massenvernichtungswaffen eine mittel- und langfristige Garantie gegen einen Weltrkeig sind, wenn man sich die neuen Studien des Center for Strategic Budgetary Assessment (CSBA) “Rethinking Armageddon” und “Why Airseabattle?”, wie auch die neue RANDstudie “War with China: Thinkling through the Unthinkable” liest, in dem diese Prämisse infrage gestellt wird.Das neue zweite Nuklearzeitalter ist viel instabiler als das erste des Kalten Krieges. Lesetip:

http://www.global-review.info/2016/08/05/war-with-china-tx-hammes-csba-rand-and-csis-thinking-the-unthinkable/

Zumal wenn alle Seiten glauben, die andere werde nicht eskalieren, ergibt sich eine gefährliche Eskalationslogik. Der Glaube, es könne gar nicht zum Weltkrieg kommen, macht diesen vielleicht erst möglich. Zumal wenn auch alle Seiten glauben, selbst ein Weltkrieg würde nicht den Weltuntergang oder Massenvernichtung bedeuten.

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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