CSU-Quo Vadis?Zwischen Absolutismus und Koalitionsregierung-zwischen Lansing und Hildafing

Die Grundfrage, die man stellen muss ist; Soll die CSU ihren absolutistischen Grundanspruch in Bayern immer die 60% oder nahe 50% als Sonnenkönigspartei haben? Meiner Ansicht nach legt sie da einen Spagat hin, den sie weder zu Freien Wählern oder der AfD mittel- und langfristig halten können wird. Zumal es nicht nur um Wahlarithmetik geht, sondern auch wofür man steht und die CSU auch immer mehr durch die Entwicklungen der Globalisierung, dem Auseinenaderdriften zwischen Land und Stadt zerrissen wird.

In München mit einem Migrationsanteil von 40% Ausländern, mit einer moderneren Uirbanbevölkerung betont die CSU: Wir sind bunt und multikulturell, jaselbst der CSU-Kandidat wird da bei den homosexuellen Christopher Street Days mit eigenem Wagen gesehen,um dies dann wieder gleich in Abrede bei ihren Programmen zu stellen und auf dem Land zu verleugnen, ja das prakizierte Multikulti der Stadt-CSUen wird in den CSU-Programmen wieder mit der realitätsfernen Phrase bedacht, dass „Multikulti tot“sei. . Stadt ist dekadent, schwul, ausländerkriminell, es gibt nur das saubere, homogen-völkische Dorf im Ideal—ganz AfD-Nostalgie.

Dementsprechend auch solche Serien im CSU-dominierten Staatsfernsehen BR wie Dahoam is dahoam, die so weltfremd sind, dass es in dem CSU-Potemkinschen Dorf Lansing nicht mal eine Bank oder eine Finanzkrise gibt, Ausländer nur Ausnahmekurzauftritte als Schwarze/Neger haben, denen das Weißwurstessen beigebracht wird, ansonsten das Dorf völkisch homogen ist mit Ausnahme einer türkischen Kopftuchschneiderin,die inzwischen auch nicht mehr auftaucht,  ja auch ein Heimats- und Finanzminister Söder in der Serie gleich selbst auftaucht, um dem Volke zu erklären, was Sache sei und welche Segnungen man der CSU fürs Baysernlande zu verdanken habe.. Nun soll als CSU-Lindenstrasse die Serie im BR „Willkommen in Hildafing“gedreht werden, die dieser Realitätsverweigerung vielleicht etwas entgegensetzen könnte, aber zumindestens ein Indikator ist, dass sich viele Leute bei dem CSU-Heile-Welt-Dorfidyll nicht mehr wohl fühlen und sich lieber an Serien von Franz Xaver Bogner „Irgendwie und sowieso“ oder an Helmut Dietls „Kir Royal“und Filmemacher erinnern, die auch Bevölkerungsteile grenzwertig zur clean-völkisch- spießigen CSU-Dorf-Leitkultur darstellen und wahrnehmen. .Aber die CSU muss immer einen Spagat machen. Dies war auch schon so, als Hundthammer gegen Strauss antrat. Hundthammer hätte gerne das Agrarbayern gehabt, während Strauss der Modernisierer war, der Bayern in eine Industriegesellschaft umwandelte, der das Dreigespann“Bayern die Heimat, Deutschland das Vaterland, Europa die Zukunft“vereinigte. Stoiber wollte Bayern in die Hi-Tech-Gesellschaft transformieren, was nun auch Seehofer, Aigner und Söder machen wollen—mit sehr begrenztem Erfolg.

Aber das Grundproblem der CSU wird sein: Wie kann man eine absolute Mehrheit haben, wenn sich Land und Stadt immer mehr entfernen, wie kann man die Digitalisierung und Industrie 4.0 managen, von denen der CSU-Grundsatzdenker Markus Blume sagt, dass sie 40% der Arbeitsplätze wegrationaliseren wird. Und wie will man zudem die Flüchtlingswelle absorbieren und zielgerichtet integrieren? Meiner Ansicht nach nicht indem die CSU versucht noch immer ihre absolutistischen Mehrheiten irgendwie zu bewahren—das wird ihnen wie der Merkel um die Ohren fliegen. Sondern, dass sie auch Koalitionsregierungen in Bayern mal für legitim und denkenswert ansieht.

 

Bei allen Wehrkraftszersetzungsbeiträgen von Rechten gegenüber dem demokratischen Deutschland, bleibt Fakt, dass 75% bis 85% der Republik nicht AfD wählen werden und als Mindestkonsens haben, dass man die 1 Millionen Flüchtlinge aufnehmen und integrieren will , wenngleich man eben eine Begrenzung vor weiterem Zustrom haben möchte und auch eine Antwort haben will, wie die Integration geschehen soll.Letzteres hat Merkel noch nicht in Worten, wenngleich teilweise in Taten symbolisiert, aber nachdem CSU, SPD-Gabriel, Sarah Wagenknecht und andere auf Obergrenzen bestehen, kann sich das auch noch ändern. Aber vor allem braucht es eine Art Integrationsplan, um diesen Konsens auch tragfähig zu machen. Daran sollte sich auch die CSU orientieren und nicht nur solche themenfremden Zuwanderungspapiere veröffentlichen, reaktionäre Dorf- und Heimatidyllen der Vergangenheit zu beschwören und an einem Absolutismus festzuhalten, der langfristig nicht zu halten ist, wenn man noch in der Moderne existieren will.

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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