Zwergenaufstand um ein deutsches Kulturgut: Der Gartenzwerg

von Ralf Ostner

Der deutsche Gartenzwerg gilt als Inbegriff und Verkörperung von deutscher Spießigkeit, Kleingärtnerei , zumal auch Kleingeistigkeit und Provinzialität. Bei der Kulturpolitik des Goethe-Instituts war auch immer eine Frage, ob man den deutschen Gartenzwerg als identitätsstiftendes Symbol deutscher Kultur erwähnen sollte und ob er  zum Image von Goethe, Schiller, deutscher Weltoffenheit des Exportweltmeisters und der Nation der Dichter und Denker passe, worüber vortrefflich gestritten wurde.Mal gab es Plakatserien des Goethe-Instituts mit Gartenzwergen, die für Deutschland warben, mal wieder welche ohne Gartenzwerge. So eindeutig festlegen wollte man sich scheinbar nicht. Kann denn der deutsche Gartenzwerg Hegelschen Weltgeist und die Ideale der Aufklärung, vielleicht aber ja der Romantik verkörpern? Den skeptischen Vertretern eines hochgeistigen Kulturbegriffs wurden von Gartenzwergbefürwortern sehr pragmatisch, kaufmännisch und marketingbewusst die geradezu magische Sogwirkung auf klischee- und kitschversessene Ausländer entgegengehalten,die andere Kulturkreise und ihre Insassen für Deutschland begeistern könnten— und wenn man Neuschwanstein als Magnet und Kulturinstitution hat, warum dann nicht auch den deutschen Gartenzwerg?

Der deutsche Gartenzwerg hat inzwischen schon eine eigene Lobby: Der dritte Zwergenkongress im thüringischen Trusetal hat sich jetzt für die Rechte der Gartenzwerge stark gemacht. Nach Meinung des Kongresses werden die Gartenzwerge für sexistische und rassistische Zwecke instrumentalisiert und missbraucht und in der Werbung entwürdigt.In einer Resolution an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurde nun ein Ende dieser entwürdigenden Praxis gefordert.

Ob darunter nun auch die Schöpfungen moderner Gartenzwergdesigner fallen, die die biederen Gartenzwerge zu modernen und hippen Popfiguren umwandeln und vielleicht auch zum Teil einer neuen Jugendkultur machen wollen, bleibt dabei noch ungeklärt. Zudem setzten sich die Teilnehmerdes Zwergenkongresses  dafür ein, dass Handwerkskunst, Verfahren und Herstellung des deutschen Gartenzwerges auf die Unesco-Welterbeliste für immaterielles Kulturerbe der Menschheit gesetzt werden. Ein entsprechender Antrag für 2017 werde vorbereitet. Im thüringischen Gräfenroda ist der letzte große deutsche Hersteller der einst massenhaft produzierten Keramik-Figuren zu Hause.Wie also der deutsche Gartenzwerg beschaffen sein soll–zwischen Tradition und Moderne-und welchen Stellenwert er in der Identitätssymbolik haben soll, bleibt weiter heftig umstritten.

Als Gegenvorschlag zur ewigen identitären Diskussion um die Definition, was den Deutschen ausmacht, möchte ich alternativ vorschlagen, dass neben dem Bekenntnis zum Grundgesetz auch eine klare Positionierung zum deutschen Gartenzwerg als Heilsbringer deutscher Leitkultur gefordert werden sollte–ein Vorschlag, den ich im übrigen hoffe, den CSU und AfD noch erheben werden.Vielleicht können dann auch muslimische Flüchtlinge vom bilderlosen, monotheistischen Allah zugunsten des deutschen Götzenkults Gartenzwerg überzeugt werden und sie sich so eher weg von der Scharia zu deutschem GG und noch deutscherer Schrebergartenverordnung hin umorientieren.



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