Zwergenaufstand um ein deutsches Kulturgut: Der Gartenzwerg

Der deutsche Gartenzwerg gilt als Inbegriff und Verkörperung von deutscher Spießigkeit, Kleingärtnerei , zumal auch Kleingeistigkeit und Provinzialität. Bei der Kulturpolitik des Goethe-Instituts war auch immer eine Frage, ob man den deutschen Gartenzwerg als identitätsstiftendes Symbol deutscher Kultur erwähnen sollte und ob er  zum Image von Goethe, Schiller, deutscher Weltoffenheit des Exportweltmeisters und der Nation der Dichter und Denker passe, worüber vortrefflich gestritten wurde.Mal gab es Plakatserien des Goethe-Instituts mit Gartenzwergen, die für Deutschland warben, mal wieder welche ohne Gartenzwerge. So eindeutig festlegen wollte man sich scheinbar nicht. Kann denn der deutsche Gartenzwerg Hegelschen Weltgeist und die Ideale der Aufklärung, vielleicht aber ja der Romantik verkörpern? Den skeptischen Vertretern eines hochgeistigen Kulturbegriffs wurden von Gartenzwergbefürwortern sehr pragmatisch, kaufmännisch und marketingbewusst die geradezu magische Sogwirkung auf klischee- und kitschversessene Ausländer entgegengehalten,die andere Kulturkreise und ihre Insassen für Deutschland begeistern könnten— und wenn man Neuschwanstein als Magnet und Kulturinstitution hat, warum dann nicht auch den deutschen Gartenzwerg?

Der deutsche Gartenzwerg hat inzwischen schon eine eigene Lobby: Der dritte Zwergenkongress im thüringischen Trusetal hat sich jetzt für die Rechte der Gartenzwerge stark gemacht. Nach Meinung des Kongresses werden die Gartenzwerge für sexistische und rassistische Zwecke instrumentalisiert und missbraucht und in der Werbung entwürdigt.In einer Resolution an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurde nun ein Ende dieser entwürdigenden Praxis gefordert.

Ob darunter nun auch die Schöpfungen moderner Gartenzwergdesigner fallen, die die biederen Gartenzwerge zu modernen und hippen Popfiguren umwandeln und vielleicht auch zum Teil einer neuen Jugendkultur machen wollen, bleibt dabei noch ungeklärt. Zudem setzten sich die Teilnehmerdes Zwergenkongresses  dafür ein, dass Handwerkskunst, Verfahren und Herstellung des deutschen Gartenzwerges auf die Unesco-Welterbeliste für immaterielles Kulturerbe der Menschheit gesetzt werden. Ein entsprechender Antrag für 2017 werde vorbereitet. Im thüringischen Gräfenroda ist der letzte große deutsche Hersteller der einst massenhaft produzierten Keramik-Figuren zu Hause.Wie also der deutsche Gartenzwerg beschaffen sein soll–zwischen Tradition und Moderne-und welchen Stellenwert er in der Identitätssymbolik haben soll, bleibt weiter heftig umstritten.

Als Gegenvorschlag zur ewigen identitären Diskussion um die Definition, was den Deutschen ausmacht, möchte ich alternativ vorschlagen, dass neben dem Bekenntnis zum Grundgesetz auch eine klare Positionierung zum deutschen Gartenzwerg als Heilsbringer deutscher Leitkultur gefordert werden sollte–ein Vorschlag, den ich im übrigen hoffe, den CSU und AfD noch erheben werden.Vielleicht können dann auch muslimische Flüchtlinge vom bilderlosen, monotheistischen Allah zugunsten des deutschen Götzenkults Gartenzwerg überzeugt werden und sie sich so eher weg von der Scharia zu deutschem GG und noch deutscherer Schrebergartenverordnung hin umorientieren.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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