Dresdener Feier zum Tag der deutschen Einheit „gestört“

Dass es bei den Einheitsfeiern in Dresden ungemütlich zugehen könnte, wurde schon klar, als auf eine Moschee und einen Tagungsort für die Einheitsfeiern Brandsätze im Vorfeld geworfen wurden, wobei die Täter noch nicht ermittelt sind. Auch die Wahl Dresdens als Ort der Feierlichkeiten, sollte wohl als Signal gegen Pegida und die AfDerfolge dienen, weswegen man wohl mit Aktionen seitens dieser Gruppen rechnen hätte können, zumal sich diese ja auch andernorts mit Störaktionen und Beschimpfungen gegen Repräsentanten der Berliner Republik in Szene setzten.

Als Skandal gilt nun, dass die Einheitsfeiern in Dresden „gestört“wurden und dies international ein schlechtes Bild auf Deutschland in der Welt werfe, für das man sich mal wieder schämen soll.Jedenfalls störte es den Eindruck, dass hier ein einig Volk und ein einig deutsches Vaterland fröhlich gröllend wie bei der Fußball-WM 2006 feiere. Es wurde zwar wieder ausgiebig gegröllt, jedoch nach Ansicht der staatstragenden Stellen an falscher Stelle. Das Bild vom Jubeldeutschen und glücklich-harmonisch-einigem Staatsvolk wurde da nicht kommuniziert.Propagandabilder ala Nordkorea blieben aus.

Gauland von der AfD wiederum meinte, einige Pöbler seien wohl zu weit gegangen, begrüsste aber die Störungen als legitimen und demokratischen Protest des eigentlich und wahren deutschen Volkes, in dem sich eben eine andere politische Meinung des Völkskörpers friedlich artikuliere. Vertreter der Politik und der Medien wiederum fragen, ob sich die Berliner Republik dies gefallen lassen müsse, ob die Demokratie wehrhaft genug sei , ob hier eine Schwelle bei der Verrohung der Sitten und der politischen Kultur sowie des guten Geschmackes überschritten sei , die der hasserfüllten Sprache vielleicht auch gewaltätige Aktionen folgen lassen werde oder aber ob man als Politiker solche Unmutsbekundungen und Beschimpfungen eben berufsbedingt „aushalten“müsse.

Bleibt zu fragen, was man von den Ausschreitungen bei den Dresdner Feiern zum Tag der deutschen Einheit hält. Nun kann man sagen, dass dies eine kleine Minderheit sei, die sich halt nur schrill und lautstark medial in Szene setze und die schweigende Mehrheit sich dem nicht anschließe. Das unterschätzt aber meiner Ansicht nach, dass die schweigende Mehrheit so nicht gegeben ist, wenn man sich die Wahlerfolge der AfD von 15-25% betrachtet, wie auch die Tatsache, dass 80% der deutschen Bevölkerung nicht mit der Flüchtlingspolitik der GroKo einverstanden sind, dies trotz der Tatsache, dass 80% der Deutschen die Parteien wählen, die mit Ausnahme der CSU und AfD diese Flüchtlingspolitik vertreten, was aber umgekehrt auf ein noch existierndes Restvertrauen in die etablierten Parteien hindeutet.Trotz allem Grollen wählen die meisten eben immer noch nicht AfD und gröllen noch nicht. Irgendwie scheinbar  etwas paradox auf den ersten Blick.Zwar betonte die Regierung, dass die meisten Deutschen den Tag der Einheit friedlich und zustimmend gefeiert hätten, umgekehrt wurde aber auch gefragt, warum sich die schweigende Mehrheit nicht klar gegen solche rechten Pöbler in Szene setze und Flagge zeige, wobei das friedliche Feiern von rechter Seite auch als hedonistischer „Partypatriotismus“ ausgelegt wurde nach dem Motto: Keine Feier ohne Meier und die wahren Patrioten sich im Widerstand gegen die „Merkeldiktatur“freiheitsliebend bewiesen hätten. Also, so einig scheint das vermeintlich deutsche Volk nicht zu sein.

Was mir desweiteren auffällt, ist, wie defensiv die Polizei vorgeht. Wenn ich an die Münchner Sicherheitskonferenz (oder den G-7-Gipfel in Heiligendamm oder Garmisch-Partenkirchen) denke, werden da die Demonstranten gar nicht in die Nähe der Repräsentanten gelassen, sondern auf Distanz gehalten und bei Trillerpfeifen und Beschimpfungen gab es gleich den berühmt-berüchtigten Münchner Kessel, Schlagstock und Pfefferspray, was ich auch ablehne, aber dieser Unterschied in der Vorgehensweise fällt schon eklatant auf.Hängt vielleicht auch damit zusammen, dass Polizisten strukturell konservativer sind und gegenüber Linken energischer vorgehen als gegen Rechtsradikale oder Leute, die für sich beanspruchen, das Volk zu sein, zumal wenn man an die Verwicklungen der deuschen Sicherheitsorgane bei dem NSU und dem sächsischen Heimatschutz zurückdenkt.Hinzu kommt, dass die ostdeutsche CDU rechtsradikalen Umtrieben bisher recht passiv zugesehen hat und lange Zeit tat, als gebe es diese Kräfte nicht. Einige Kommentatoren der etablierten Medien sind nun auch für ein robusteres Auftreten der Polizei nach bayerischem Vorbild und für sie würde wohl auch das Niederknüppeln zur “Offensive”gehören. Somit plädieren bisher mehr liberale Verteter für mehr Repression statt Argumenten. Umgekehrt ist aber auch klar, dass die AfD, wäre sie Regierungspartei für die denkbar stärkste Repression bei Störungen durch Andersdenkende eintreten würde, die sie in der „Merkeldiktaur“gegen sich beklagt.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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