Pussy Riot ala USA: Trump, die Moral Majority und der Sexismus-It´s the morale, stupid?

Trump hat monatelang sexistische, rassistische,militaristische, sozialdarwinistische und nationalistische Töne geklopft, alle Diktatoren der Welt gepriesen ohne, dass dies seine Anhängerschaft beeindruckt hätte, ganz im Gegenteil, es hat ihr gefallen, da er gegen Political Correctness auftrete und nur eine klare Sprache finde. Selbst die Republikaner haben sich dann hinter ihn im US-Präsidentschaftswahlkampf gestellt. Alles mehr oder minder egal. Nun aber soll er eine Grenze überschritten haben, die nicht mehr akzeptabel sei. Ein Video von 2005, in dem er im Interview mit dem zum Bush-Clan gehörenden Billy Bush mit seinen Sexeskapaden prahlt, mit dem Sex mit einer verheirateten Frau prahlte, die er „fuckte“, wie er auch darin erklärte, als Reicher und Mächtiger könne man sich alles erlauben und würden die Weiber auf einen fliegen, ja man könne ihnen auch ungestraft an die „pussy“ langen.

Was folgte, war dann Pussy Riot in the USA. Mal abgesehen von den zu erwartenden Hillary-, Bernie-, Frauen- und Feministinnenprotesten, war es doch vor allem seine eigene republikanische Unterstützerschaft, die sadomasochistisch viel mitgetragen hatte, die nun aufbegehrte.Aber warum eigentlich? Dieses Video soll also jetzt trotz aller zuvorigen sexistischen Äußerungen  der Grund sein, Trump nicht mehr zu wählen. Mal abgesehen, dass dies klar sexistisch und frauenverachtend ist, man solches nach „normalen“ Dafürhalten nicht denken oder so handeln sollte, liegt doch der Hauptteil der Kritik seiner konservativen Wähler eher darauf, dass er den Fehler machte, solches Denken und Handeln öffentlich gemacht zu haben, anstatt- Old School- sich als Gentleman und liebender Vater in der Öffentlichkeit aufzuspielen und diskret seine diametral entgegengesetzte Einstellung nur im privaten Freundeskreis auszuleben– sei es im Bordell mit Geschäftspartnern oder im Whirlpool mit den zahlreichen Prostituierten und Geliebten im Umfelde von Prominenten . Trump kennt sich halt mit den Gepflogenheiten jener Establishmentkreise, in denen er sich bewegte und bewegt, ganz gut aus, auch wenn er immer betont Anti-Establishment sein zu wollen, hat da aber eben offene Geheimnisse publik gemacht wie er auch meint für Millionen „normaler“amerikanischer Männer mal so von Mann zu Mann sprechen zu können. Auch interessant, dass dieses Video jetzt von Billy Bush, dem damaligen Reporter und zugehörig zum Bush-Clan jetzt skandalträchtig lanciert wird, während es über ein Jahrzehnt unter Verschluss blieb und auch als normal und nicht weiter erwähnenswert angesehen wurde.

Trump meinte, es habe sich nur um ein Gespräch gehandelt, wie es millionenfach in Umkleideräumen nach dem Saunagang im Club oder in den Spinten von Sportlern und „normalen“ amerikanischen Männern staffinde, womit er ja auch recht hat, aber es darf eben nicht an die Öffentlichkeit dringen und man nicht so blöd sein, es auf einem Video festzuhalten, insofern man nicht Opfer einer undercover-Aktion eines befeindeten Geheimdiensts wird, der solches zwecks Diskreditierung heimlich aufnimmt, wie dies ja auch mittesls zahlreicher Beispiele stattfindet, wenn Prominente oder Politiker in Sexfallen laufen, wie es auch als Verrat angesehen wird, wenn Trump erzählt, dass die meisten Männer ja so wie er selbst gestrickt sind, zumal eben auch Millionen von Männern nicht so sexistisch gestrickt sind. Aber für diese Sorte „Normalität“gilt: Die Doppelmoral darf nicht öffentlich und lautstark auf den Marktplätzen verkündet werden, da sie doch offenes , aber eben diskret zu behandelndes Geheimnis bleiben soll.

Es gibt mehr als genug Republikaner und Kritiker Trumps wie auch amerikanische Männer, die genauso denken und auch handeln, aber eben nicht so blöd sind, sich derart offen erwischen zu lassen. Oder eben doch, wie etwa der US-Präsidentschaftskandidat Pat Robertson mit seiner Moral Majority, der als evangelikaler Fernsehmissionar und Prediger familiärer und konservativer Werte dann auch durch einen Sexskandal das Rennen verliess, was er einer angeblich von Bush senior inszenierten Sexverschwörung  anlastete.Interessant, dass Trump noch nicht sein Videointerview durch einen Billy Bush als Verschwörung des Establishment-Bush-Clans zu seinem Sturz wie bei Pat Robertson aufbläst. Die Behauptung, dass der republikanische Bush-Clan in Kooperation mit anderen Establishmentrepublikanern Trump im letzten Moment stürzen und durch seinen Vize Mike Spence ersetzen wollen könnten, sagt Trump nicht. Stattdessen fokusiert er sich auf die Flucht nach vorne, um seine eigene Basis nicht weiter zu schwächen und auf die Amoralität von Hillary Clinton, der Clintons und vielleicht auch der Demokraten als Ganzes den Gegenangriff zu führen.

Aber der Schaden ist schon angerichtet: Nun müssen sich diese Hohepriester konservativer Doppelmoral für die Unterstützung ihres Kandidaten entschuldigen , sich von ihm distanzieren. Die einen meinen, sie könnten ihrer 15-jährigen Tochter nun nicht mehr erklären, warum sie einen solch bösen Onkel unterstützten, der so moralisch vulgär über Frauen rede, wie bisher nur die vielkritisierten afroamerikanischen Gangsterrapper, vor deren Musik die konservative Mehrheit ja die „bitches“bewahren will.Andere wiederum erregen sich daran, dass Trump offen Ehebruch betrieben habe.

Nun verlegt Trump sich auf Schadensbegrenzung und zugleich die Flucht nach vorne. Zum einen entschuldigt er sich für das Gesagte, um dann die Keule gegen Hillary Clinton auszupacken: Bill Clinton habe ihm gegenüber im Golfclub frauenverächtlichere Aussprüche gemacht, stehe im Verdacht zahlreicher Vergewaltigungen und sexueller ehebrecherischer Eskapaden, von denen der Zigarren-Blow job Lewinskis noch der harmloseste sei, zumal habe Hillary Clinton all dies gedeckt und toleriert, ja sich auch nicht scheiden lassen, was auf die skrupellose Machtgier Hillary Clintons, wie auch die völlige Amoralität der Clintons hinweise.

Andere republikanische Spindoktoren gehen sogar soweit, dies in eine Kampagne gegen die Moral der Demokraten drehen zu wollen, da diese Amoralität sich von den Kennedys und ihren Frauengeschichten (wurde „Dear Mr. President“-Marylin Monroe vielleicht doch ermordet? Was war mit Ted Kennedy und seinem Autounfall und seiner Mafiageliebten?) bis zu den Clintons angeblich wie ein roter Faden durchziehe. Inwieweit die US-Politiker bereit sind, ihr Ansehen gemeinsam weiter gemeinsam zu zerstören, bleibt abzuwarten. Der US-Präsidentschaftswahlkampf scheint nun mehr eine Schlammschlacht um moralische und charakterliche Fragen zu werden, bei der sich beide als Repräsentanten der westlichen Wertegemeinschaft völlig dekonstruieren, als dass es noch um innen- wirtschafts- oder außenpolitische Themen ginge. It´s the morale, stupid?

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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