Trump und die dritte Partei?

Trump scheint Geschichte nach diesen sexistischen Umkleideraumgesprächen und der Pussy Riot in the USA. Dennoch bleibt abzuwarten, ob er sich nach verlorenen US-Wahlen ins Private zurückzieht. Denkbar ist auch eine andere Option: Dass Trump das bisherige 2-Parteiensystem der USA aufbricht und seine eigene Partei gründet.

Trump hat die Republikanner bisher nur als Plattform und Propagandaforum für sich gesehen, mit der Partei verbindet ihn nichts, mit deren bisherigen Establishment ohnehin nichts,sie ist für ihn nur Mittel zum Zweck: Eine revolutionäre und faschstische Massenbewegung zu formieren, die ihn als neuen Diktator an die Macht bringen soll. Trotzkisten und Marxisten nennen diese Strategie Entrismus: Man geht in eine Partei, unterwandert sie, nutzt sie als Sprungbrett für sich oder sollte sie dazu nicht taugen, zieht man die so durch die Massenpropaganda gewonnenen Massen zurück, tritt aus, spaltet sich und führt diese neu entstandene Massenbewegung in eine eigene Partei oder Bewegung über.

Warten wir mal ab: 2/3 der Republikanerwähler hätte er für solch eine Partei und dann auch noch Millionen von bisherigen Nichtwählern.Dieser breite Bodensatz und demagogisierte Pöbel, die radikaliserte Mitte samt viel prekären Unterschichtlern samt Teaparty wird sich auch in Zukunft einen politischen Stellvertreter auf Erden und in God´s own country suchen.

Die Republikaner werden nach dieser Niederlage versuchen ihre Partei wieder aufzurichten und auch teilweise zu säubern. Aber sie können dies nicht, da ein erheblicher Teil ihrer Wählerschaft und Mitglieder eben radikalisiert wurde und wesentlich weiter rechts steht als die bisherigen moderaten Ostküstenestablishmentvertreter oder selbst die etwas rechtere Westcoast der Reaganoiten.Es könnte passieren, dass Trump bei der Gründung einer neuen Partei mehr Mitglieder und potentielle Wähler hätte als eine sich nach der Trumpkatstrophe wieder aufrichtende Republikanische Partei.Um diese Leute irgendwie zu integrieren müsste ein moderaterer Kandidat als Trump, aber ein rechterer Kandidat als George W. Bush oder Mitt Romney gefunden werden. Es wäre nicht einmal die Hochzeit der Mike Hukabees oder Ted Cruz, die zwar rechter aber eben auch religiöser und mehr Establishmentorientiert sind..Selbst ein Guilliani wäre nicht mehr vermittelbar.

Es wird eine harte Zeit für die Republikaner die Partei vor einer Spaltung zu bewahren und einen neuen Chefintegrator zu finden. Teile der Demokraten fänden eine solche Spaltung der Republikaner, wie auch eine dritte Partei ganz sympathisch, da sie das rechte Lager langfristig strukturell spalten würde, sind sich aber auch nicht der Möglichkeit bewusst, dass eine auf Massendemagogie basierende dritte Partei das Parteiensystem so ändern könnte wie dies bei der Parteienneuzersplitterung der großen Volksparteien Europas gerade geschieht und eine solche neue Partei selbst einmal die Republikaner ersetzen könnte.

Die Grundbewegung des Kapitalismus, dass er nach einem Nachkriegsboom nun in eine Phase der säkularen Stagnation tritt, mit allen Polarisierungstendenzen zwischen arm und reich, Globalisierungsgewinnern und Verlierern,zunehmendem Wirtschaftsnationalismus und Protektionismus, zunehmenden Kriegen und Flüchtlingsströmen, anstehender 4. industrieller und gesellschaftlicher Revolution durch Digitalisierung und Industrie 4.0, sehr wahrscheinlicher nächster Weltwirtschafts- und Finanzkrise wird das allgemeine Unsicherheitsgefühl steigern, dass verharmlosend Populisten genannten faschistischen und autoritären Demagogen in die Hände spielt. Von daher ist die kommende Niederlage Trumps in den US-Präsidentschaftswahlen nur eine Atempause. Die radikalisierte Wählerbasis bleibt, wie auch die sich weiter verschärfenden Rahmenbedingungen.Wer glaubt, das Phänomen Trump wäre jetzt Geschichte, dürfte sich gründlich irren.

Trump hat jetzt erklärt, dass er eine Wahlniederlage nicht akzeptieren werde, da sie auf Wahlfälschung und Manipulation beruhen würde. Man kann dies als Ausdruck eines schlechten Verlierers sehen, der seine Felle wegschwimmen sieht und dann in der Versenkung verschwinden wird, sobald er nicht mehr im Rampenlicht steht.

Er hat nun angekündigt, einen eigenen Fernsehsender zu gründen, was darauf hindeutet, dass er eine Wahlniederlage nicht als Ende seines politischen Handelns betrachtet. Durchaus möglich, dass er die Wahl gerichtlich anficht oder aber eben eine neue Partei samt faschistischer Massenbewegung gründet, die Hillary Clinton während der nächsten US-Präsidentschaft im Nacken sitzt und vier Jahre Fundamentalopposition und Hetzpropaganda in sozialen Medien und in seiner neuen Mediengruppe im Zusammenspiel mit Fox News samt Demonstrationen, Mahnwachen, Strassenaufmärschen im Stile der Tea Party-Bewegung betreibt, um neue Wähler für ein politisches Comeback zu gewinnen und die Republikanische Partei zu marginalisieren.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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