Nach der Energiewende die Verkehrswende? Daimler-Zetsche und die Grünen-eine CASE-Studie

Die Grünen haben einen neuen starken Verbündeten. Nachdem Kretschmann die Stuttgarter Autoproduzenten zuerst mit der Äußerung verunsicherte, dass das Auto ein Auslaufmodell sei und dann schnell zurückruderte, war wohl die Spitze von Daimler angetan, vor allem Daimlerchef Zetsche, der in Sacko, Jeans und Turnschuhen allerortens auftritt und da der erste Turnschuhminister der Automobilindustrie ist, der sich zumal immer in Szene zu setzen weiss. Nachdem die Grünen nun erklärt haben, dass sie es seien, die die deutsche Automobilindustrie vor ihrem Untergang bewahren müssten und daher nach der Energiewende nun eine Verkehrswende hin zur Elektromobilität einleiten würden, unter anderem mit der Forderung, dass ab 2030 keine Benziner und Diesler mehr zugelassen werden, hat sich nun auch Daimlerchef Zetsche auf dem kommenden Grünenparteitag als Redner angekündigt.Ob er Schlimmeres verhindern will oder sich visionär an die Spitze der grünen Bewegung zur Elektromobilität stellen wird, die nach der Energiewende nun eine Verkehrswende einleiten will, bleibt abzuwarten.

Zetsche fiel in der Vergangenheit vor allem dadurch auf, dass er visionär ein „zweites deutsches Wirtschaftswunder“durch die Flüchtlingszuströme proklamierte, während es darum inzwischen auffällig still geworden ist und auch die Daxkonzerne bisher nur 154 Flüchtlinge in Lohn, Arbeit und Ausbildung gebracht haben.Ein SPIEGEL-TV-Bericht über Porsche liess da den üblichen glatzköpfigen Betriebsrat der IG Metall als Integrationsvorturner auftreten, wobei Porsche 14 Bewerber aus den Hunderttausenden Flüchtlingskontingenten antreten liess und ganze 8 Leute eine Arbeitsstelle fanden. „So schafft man das!“war der Schlusskommentar von SPIEGEL-TV.

Nachdem es nun nichts mit dem neuen Wirtschaftswunder wird, setzt man nun auf eine Verkehrswende- mit Herrn Zetsche als Vordenker und Visionär:

“Bisher sind die Entwicklungsabteilungen der Autohersteller entlang von neuen Produkten aufgestellt. Genauso wichtig werden allerdings innovative Geschäftsmodelle sein. Daimler will den Technologiewandel vom Kundenerlebnis her neu denken: „Wir erwarten, dass sich das Auto von einem Produkt in eine ultimative Plattform verwandelt. Das ist ein fundamentaler Perspektivenwechsel“, sagt Dieter Zetsche. Diese Plattform ruhe auf vier Säulen: Vernetzung (Connected), Autonomes Fahren, Sharing und Elektromobilität. Zusammen ergeben die Anfangsbuchstaben das Wort Case. „Wir haben gerade einen neuen Unternehmensbereich mit diesem Namen gegründet, um diese Themenfelder zusammenbringen“, so Zetsche.“

Jedenfalls hat sich mit dem Schlagwortacronym CASE so etwas wie ein Konzept und eine Strategie in den von Google, Apple und Tesla umwälzenden Märkten eingestellt, das wohl die wegweisenden Trends inkorperieren will. Doch während es noch Sinn macht, sich ein Auto als Plattform für andere Technologien und Produkte vorzustellen, so fragt sich ob die Elektromobilität und das autonome Fahren in absehbarer Zeit kommen können. Zum einen bleibt bei der Elektromobilität die Frage, woher die Ladeenergie für das 60-Millionen-Autoheer in Deutschland kommen soll, wenn nicht aus neuen Kraftwerken, die mit Kohle, Öl, Gas oder Atomkraft betrieben werden müssten, da man ansonsten Deutschland so mit Solarkraftwerken und Windparks zupflastern müsste, dass es wohl eine Flächenfrage würde.Dazu noch die Batterietechnologie gedacht, die ebenfalls alles andere umweltschonend ist, bleibt die Frage, ob dies solch ein „klimafreundlicher Fahrspaß“wäre.Autonomes Fahren dürfte erst in 2- 3 Jahrzehnten funktionstüchtig sein, also noch einige Zeit brauchen,während Car Sharing und Connectivity mit neuen Big-data-Technologien durchaus Sinn machen.Über den Sinn des E in CASE räsoniert auch die SZ:

„Dass die meisten Kunden 500 Kilometer Batteriereichweite gar nicht brauchen, ist die Ironie dieses Technologiewandels. Bisher hat kaum jemand die Stromer als Erstauto für die ganze Familie verwendet, geschweige denn Urlaubsfahrten damit geplant. Das Wettrennen um den größten Batterieradius wendet sich also nicht an die umweltbewussten Pioniere, sondern an den komfortorientierten Otto-Normalverbraucher: Einmal pro Woche Tanken ist gelernt. Bloß nicht umgewöhnen!

Auch Matthias Müller beschwört in Paris ein „neues Zeitalter“: „Die Elektromobilität und digitale Vernetzung werden zu Game Changern“. Welche Spielregeln für eine neue Generation von Kunden gelten werden, weiß aber auch das Oberhaupt des Volkswagen-Konzerns nicht sicher zu sagen. Vielleicht sind es digital animierte Innenwelten, die ein neues Markenerlebnis schaffen. Auf dem Mercedes-Stand ließ sich Müller lange die Bedienphilosophie der EQ-Studie erklären. Die hochauflösenden 3-D-Landschaften auf dem Riesenbildschirm sollten ihn wohl von der Tristesse im VW I. D. ablenken.“

http://www.sueddeutsche.de/auto/die-zukunft-von-daimler-dieter-zetsche-beschwoert-den-wandel-der-autobranche-1.319325

Aber selbst, wenn solch eine Kurzstrecken-E-Mobilität zustande kommen sollte, bliebe eben immer noch die Frage wie die Ladeenergiemengen zustande kommen und womit eben die längeren Strecken energetisch betrieben werden sollen, wenn nicht über Verbrennungsmotoren. All dies hält Zetsche nicht ab von seiner Vision:

„Der Chef des Autokonzerns Daimler, Dieter Zetsche hält trotz Kritik von Parteilinken an seinem geplanten Auftritt auf dem kommenden Grünen-Parteitag fest. „Ich werde aber nicht zu dem Parteitag fahren im dem Irrglauben, ich könne dort bekehren oder gar extreme Positionen ins Gegenteil verkehren“, sagte der Manager am Dienstagabend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten.

Parteichef Cem Özdemir hatte Zetsche zu dem Parteitreffen in Stuttgart eingeladen. Die Einladung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Der Bundesrat hat gerade die EU aufgefordert zu prüfen, ob ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos zugelassen werden können. „Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Da ist es gut, wenn Vorschläge auch extreme Positionen einnehmen können“, sagte Zetsche.

Er wolle jedoch Elektroautos nicht durch Verbote von Verbrennungsmotoren, sondern durch wirtschaftliche Vorteile am Markt durchsetzen. Dazu wolle Daimler die elektrischen Antriebe so günstig machen, dass sie wirtschaftlicher als klassische Motoren seien. „Es hat mit unserer Marktwirtschaft relativ wenig zu tun, Kundenverhalten und Herstellung vorzugeben“, kritisierte er den Vorstoß, der auch bei Teilen der Grünen auf Kritik stoße.

Zugleich lobte er die Partei. Der Einfluss der Grünen auf die Bundespolitik in den vergangenen Jahrzehnten habe „mit Sicherheit der Bundesrepublik gut getan“, sagte der Manager.

Er betonte, Daimler wolle bei Elektro-Mobilität einer der führenden Anbieter werden. Zetsche hat seinem Konzern dazu ein eigenes E-Auto-Programm verordnet: Bis 2025 sollen zehn elektrische Modelle im Angebot sein. Bis zu einem Viertel des Daimler-Absatzes könne dann elektrisch sein, meinte Zetsche.“

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/einladung-zum-parteitag-zetsche-will-die-gruenen-nicht-bekehren/14675056.html

Wohlgemerkt bleibt CASE ein eigenständiger Unternehmensbereich, da Daimler wie auch die meisten Automobilhersteller auf ihren jetzigen Autoshows immer noch vor allem auf Benziner und Diesler setzen, die E-und Hybridautos mehr die Exoten bleiben, während die SUVs immer noch Zulauf haben.Aber möglicherweise sieht Zetsche die Grünen als neuen Lobbyistenarm für seine CASE-Unternehmensabteilung. Immerhin macht ja schon Joschka Fischer Fernsehwerbung für Elektroautos von BMW und arbeitet für internationale Konzerne als Consultant für Madeleine Albrights Consultingfirma, die zu allen raubtierkapitalistischen Firmen der Wallstreet  Verbindungen hat wie auch zu Hillary und Bill Clinton. Da wäre ein Kretschmann in einem E-Daimler oder eine Claudia Roth in einem CASE- VW die nächste Stufe der E-Mobilitätsrevolution und vergleichsmässig harmlos.Zumindestens in der Werbung.Ob also Zetsche ernsthaft an die grünen Träume glaubt oder diese nur als theoretische Bekundung eines alternativen und idealen Konzepts, dem in der Praxis nichts folgt und als Ökosiegel wie einen Rezzo Schlauch bei EnBW nutzen will, bleibt abzuwarten.

Gekürzte Fassung des Artikels auf der Achse des Guten: Daimler-Zetsche im grünen Waschgang

http://www.achgut.com/artikel/daimler-zetsche_im_gruenen_waschgang

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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