Bruttonationalglück—wollt ihr das totale Glück und die totale Leitkultur?

Wie jeden Sonntag tagte im Bayerischen Fernsehen der Lansinger Stammtisch unter der Moderation von Ex-Focuschef Markus Markwort. Geladen war eine illustre Runde, unter anderem auch die Schauspielerin Cordula Trantow, eine bekennende Grüne und Fan von Barbara Ruttig, einer ehemaligen Grünen, der die Grünen nicht grün genug waren, vor allem in Sachen Tierschutzfragen. Die Runde kam auf Fluchtursachen und Wirtschaft zu sprechen, worauf Frau Trantow plötzlich bemerkte, man solle sich das neue Wirtschaftssystem Bhutans als Beispiel nehmen, das als Verfassungsziel das Bruttonationalglück der Bevölkerung habe.Betretene Gesichter, keiner wußte so recht, wovon die Dame sprach.

Bhutan hat sich vom bisherigen Bruttosozialproduktbegriff der Volkswirtschaft verabschiedet und eben duch den wesentlichen breiteren Begriff des Bruttonationalglücks ersetzt. Die Kritik am Bruttosozialprodukt als wesentlichem Wirtschaftsindikator ist schon so alt wie es Wirtschaftswissenschaften gibt, vor allem, dass das BSP nicht qualitative Aspekte berücksichtigt, mehr eine Tonnenideologie ist, die sowohl Zerstörung wie auch Aufbau gleichermassen als Wirtschaftswachstum subsumiert. Verteidiger des Bruttosozialproduktes weisen darauf hin, dass dies zwar stimme, aber das BSP dennoch ein wichtiger Indikator für Wirtschaftstätigkeit sei und zumal auch holistisch in Gesamtbetrachtung mit anderen Wirtschaftsindikatoren analysiert und betrachtet werde.

Fans des Bruttonationalglücks reicht diese Einschränkung nicht. Das Bruttonationalglück beinhaltet ein ausgeglichenes Wachstum unter Berücksichtigung der Ökologie, der psychischen und physischen Gesundheit der Bevölkerung sowie dem Erhalt von Tradition, Religion und Brauchtum, der Volkskultur. Dazu gehört unter anderem auch das in Bhutan verhängte Rauchverbot, das für alle Untertanen gilt, im Gegensatz zum König, der Kettenraucher bleiben darf.Vor allem interessant ist, dass die letzten zwei Elemente des Bruttonationalglücks da nicht auf Nachfragen stossen.

Wie misst man denn die psychische Gesundheit der Bevölkerung und deren Glück? Handelt es sich hierbei nur um psychatrisch klar definierte Krankheiten oder wird hier Glücklichsein und Happiness einem sich als glücklich empfindend sollendem Volk zwangsverordnet? Soll man das Bruttonationalglück durch dem Volk verordnetem positiv Denken, Don´t Worry, be happy , ewigem asiatischem Lächeln, Vermeidung von konfliktträchtigen Diskursen, staatlich zertifizierten Zwangsoptimismus, amerikanischer Oberflächlichkeit , Anti-„German Angst“-amphetimanine Antidepressivapsychopharmaka, umfassend belustigende Animateure, allgemeine Heiterkeit, vermeintliche Harmonie steigern? Wer ist die staatliche Behörde, die die psychische Gesundheit des Volkes mittels welcher Kriterien misst? Ein Glücksministerium? Was ist mit jenen Leuten, die sich nicht glücklich fühlen–sind sie dann Störfaktoren und Saboteure des verordneten Bruttonationalglücks, die mittels staatlicher Maßnahmen beglückt werden müssen? Solch ein Volksbeglückungstotalitarismus besteht ja auch schon in Nordkorea, wo jeder so tut als wäre er oder sie der glücklichste Einwohner im glücklichsten Staat der Welt.

Ich könnte mir vorstellen, wenn in Deutschland solch ein Vorschlag erhoben würde, es gehörige Proteste gebe, vor allem und gerade seitens der Grünen, denn hier liegt die Gefahr einer staatlichen Zwangsbeglückung und Zwangspsychatrierung schon ansatzweise nahe.Oder im anderen Falle würde man die von der Volkskrankheit Depression Betroffenen vielleicht auch aus der Statistik tilgen, damit das Bruttonationalglück wieder stimmt und gewachsen ist. In Indien werden ja inzwischen schon Weltyogatage und Weltlachyogatage staatlicherseits von der hindunationalstischen Modi-Regierung gefördert, um das Menschheitsglück zu befördern.

Bemerkenswert, dass das Bruttonationalglück auch den Erhalt der Volkskultur vorschreibt und eine Grüne dies entweder überlesen hat oder in ihrem eklezistischen Multikultipluralismus ignoriert, denn was für den kleinen buddhistischen Himalayastaat positiv gesehen wird, ist nichts anderes als die verfassungsmäßige Verpflichtung auf eine verbindliche Leitkultur, die die Grünen ja im Falle der CSU und Deutschlands gerade ablehnen. Interessant auch, dass neben dem, bhutanischen Buddismus auch der Vertreter des tibetischen Buddhismus, der Dalai Lama sich gegen eine Vermischung westlicher Kulturen mit anderen Kulturen aussprach, was aber die grünen Multikultileute nicht als völkisch ansehen, da es ja aus dem berufenen Munde des allseits vergötterten Buddismus kommt.Das Ganze soll dann kein Widerspruch sein und dass der Dalai Lama und das Bruttonationalglück Bhutans in Sachen Leitkultur der CSU näher steht als den Grünen, ficht grüne Ideologen nicht an.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion um das Bruttonationalglück weiterentwickelt.Schon 2011 wurde eine Entquettekommission des Deutschen Bundestages zu diesem Thema eingesetzt und unter anderem auch der Fall Bhutan diskutiert:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/enquete-kommission-wohlstand-legt-abschlussbericht-vor-a-894481.html

.Viellicht kommt Merkel ja auch noch auf die Idee, ein Bruttonationalglück staatlicherseits mittels eines Glücksministeriums einzuführen, wobei als höchstes Glück des Volkes dann definiert wird, eine solche glückliche Fügung des Schicksals als Kanzlerin und höchstes Bruttonationalglück zu haben. Wobei man dann auch mal nach der psychischen Gesundheit solcher Beglückungsideologen fragen könnte.

 

Der Artikel erschien in einer anderen Version auf der Achse des Guten–lesbar unter:

http://www.achgut.com/artikel/wollt_ihr_das_totale_glueck

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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