Trump-Schock? Kursfeuerwerk an der Wall Street!

Viele Trump- wie auch Brexitkritiker machen den Fehler, dass sie unmittelbare negative Folgen dieser politischen Entscheidungen an die Wand malen, die sich dann nicht so bewahrheiten, weswegen Trump- und Brexitbefürworter sich dann bestätigt sehen, dass dies alles nur Angstmacherei der Eliten sei, die dann nicht mehr verfinge.Statt Trumpcrash nun Kursfeuerwerk an der Wallstreet: Der Dow-Jones knackte erstmals die historische Marke von 19000. Unternehmens- und Einkommenssteuern sollen gesenkt werden, was Investitionen in den USA ankurbeln soll, den Staatshaushalt wohl in Schwierigkeiten bringen und möglicherweise einen Steuerunterbietungswettbewerb weltweit auslösen kann. Banken, Versicherungen gehen in die Höhe, da Trump den Dodd-Frank-Act, also die Bankenregulierung abschafft, also exakt jene Regularien, die eine neue Finanzkrise ala 2008 eindämmen und verhindern sollen. Damit legt er den Grundstein für eine neue Finanzkrise.

Rüstungsaktien sind heiß begehrt, da das größte Aufrüstungsprogramm seit langem ansteht, Pharmabranche und Versicherungen boomen, weil Obamacare abgeschafft wird,Stahl, Kohle, Öl, Gas, Atomkraft boomen, weil Schutzzölle und weitgehende Deregulierung, vor allem des Umwelt- und Klimaschutzes angekündigt sind.

Nur die Hitech-Aktien fielen, da sich Trump bisher vor allem um alte Industrien, nicht aber das Silicon Valley kümmert und dieses viel enger abhängig von internationaler Arbeitsteilung ist.Es fiel ohnehin auf, dass weder Trump noch Clinton in ihrem Wahlkampf über die kommende Digitalisieruzng und Industrie 4.0, die 4. industrielle Revolution und damit verbundenen Auswirkungen auf Staat, Gesellschaft, Arbeitsmarkt und Bildungssystem sprachen. Trump versprach eine Renaissance der alten Industrien, Clinton wollte die USA zur Supermacht bei erneuerbaren Energien machen, aber das Silicon Valley und seine neuen Industrien thematiserte keiner. Auch nicht, dass viele Arbeitsplätze nicht so sehr durch Werksverlagerungen und outsourcing wegfallen, sondern durch Rationalisierung und Automatisierung und künftig halt durch Digitalisierung.

Zudem noch ein riesiges Infrastrukturprogramm, das auch von Bernie Sanders unterstützt wird–auf Pump, das mit auf Schulden finanziertem Aufrüstungsprogramm und Steuersenkungen die Staatsverschuldung in die Höhe treiben wird, sowie wohl auch nur durch Kürzungen in dem ohnehin nicht üppig ausgestatteten Sozialbereich erfolgen kann.

Dem anfänglichen Boom wird absehbar der Crash folgen und da die Marktkräfte radikal entfesselt werden, wird dieser und die Katerstimmung, ja die Wut danach exzessiv ausfallen. Zudem bleibt abzuwarten, inwieweit die Erhebung von Schutzzöllen und die Aufkündigung von Freihandelsabkommen nicht auch zu Wirtschaftskriegen und einer vermehrten Konfrontation führen wird, wenn nicht gar zu einer Weltwirtschafts- und ohne Bankenregulierunfg wieder zu einer formidablen Finanzkrise. Nachdem Merkel-Deutschland sich zur symbolischen Führungsmacht des liberalen Westens aufgeschwungen hat, gibt sich China nun als die kommende Führungsmacht in Sachen Frei- und Welthandel. Da Trump Obamas Transpacific Partnership Programme (TPP), einen Freihandelsblock, der China ausschließt, kippen will, springt nun China mit seinem Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)- Freihandelsblock, der wiederum die USA isolieren will in die Lücke.

Zu erwarten ist es, dass Trump mit seinem Wirtschaftsnationalismus am Anfang einige Erfolge erzielt, ja vielleicht auch bei der schon laufenden Beseitigung des Islamischen Staas und der Ukrainekrise, aber ähnlich wie bei Hitler werden nach diesen Anfangserfolgen, die ihn durchaus populär machen können, die alten Widersprüche mit China, Iran und anderen Staaten wieder aufbrechen. Gut möglich, dass Trump hofft, dass er Russland in ein Bündnis gegen China gewinnen könnte, da er Rußland vor allem nur als militärische Macht sieht, während China aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke und zunehmender Aufrüstung der eigentliche Konkurrent für ihn als Weltmacht ist.Der anfänglichen Boomperiode wird auch wieder der wirtschaftliche Einbruch mit Rekordverschuldung folgen. Mal sehen, ob China dann auch noch bereit sein wird, die Staatsverschuldungspapiere der USA in entsprechendem Umfang aufzukaufen oder ob man dann auf militärischem Gebiet Erfolge feiern muss, sollten die wirtschaftlichen ausbleiben.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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