CSU: Söder ante portas

Schon länger kann man in Bayern das Schauspiel beobachten, dass Markus Söder so alles unternimmt sich in die Position des Nachfolgers von Horst Seehofers zu bringen, während man Seehofers Widerwillen und eine abgründige Antipathie gegen Söder bemerkt und auch seine verzweifelten Manöver, Söder als Ministerpräsidenten zu verhindern. Söder gilt als rücksichtsloser Egomane, nicht als Teamplayer, wobei dies bei der CSU schwer abzugrenzen ist, da man doch traditionell Alphatiere und starke Führer ala FJ Strauß ebenso präferiert.Denn andere Mitbewerber wie Ilse Aigner, Joachim Hermann (Balu, der Bär) oder EU-Weber gelten als zu nett, zu schwach, zu gemäßigt, zu sanft, zu handzahm, zu wenig machiavellistisch. Zumal Horst Seehofer ja auch nicht gerade durch Teamplayerqualitäten innerhalb der eigenen Partei sowie gegenüber der Merkel-CDU glänzt. Interessant ist, dass der Egomane Seehofer vor dem Egomanen Söder warnt. Wenn Seehofer Egomane ist, dann Söder Egomane im Quadrat. Scheinbar selbst für CSU-Geschmack etwas zuviel. Seehofer meinte, dass ein Egomane kein Stratege sein könne und befürchtet wohl, dass Söder sein Erbe verspielt. Da klingt raus, dass er Söder kein strategisches Denken, sondern mehr rücksichtslos-spontanes und bestenfalls kurzfristig-taktisches Handeln zutraut, das die Einheit und die Mehrheiten der CSU langfrsitig in Gefahr bringen könnte. Zumindestens nimmt ein Egomane den anderen Egomanen als wesentliche Bedrohung für die eigene Macht wahr– ein Kampf der Alphatiere, dem die sonstigen CSU-Granden ohnmächtig und kleinlaut zusehen.

Höchstens noch der gutaussehende, forsche und beliebte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hätte die Statur, einen Söder herauszufordern, aber bisher hat er dahingehend keine Ambitionen erkennen lassen und wird innerhalb der CSU auch gar nicht als Alternative gehandelt. Der neue Shooting Star Markus Blume, der das neue CSU-Grundsatzprogramm ausarbeitete, muss sich erst einmal das Amt eines Ministers verdienen, ist noch zu jung und wird als Alternative erst nach einer eventuellen Ministerpräsidentschaft Söders aufsteigen können. Also eher Zukunftsmusik, zumal Blume auch als zu intellektuell , zu urban gilt, als dass er das ländliche Bayern als Hauptsäule der CSU-Macht ohne weiteres integrieren könnte.

Nach seinem zweiten Schwächeanfall wird nun innerhalb von CSU-Kreisen diskutiert, ob Horst Seehofer gesundheitlich überhaupt noch mittelfristig in der Lage ist, politische Ämter weiter zu begleiten. Sein Manöver Söder nach Berlin zu bringen, um ihn als Ministerpräsidenten von Bayern zu verhindern, darf als gescheitert gelten und auch Söder widersetzt sich diesem Anliegen vehement. Er möchte Ministerpräsident werden. Einige Beobachter meinen, dass Söders Physiognomie auf seine Hinterfotzigkeit hindeute. Nun soll man Menschen nicht wegen ihrer körperlichen Äußerlichkeiten politisch oder charakterlich beurteilen , höchstens ästhetisch (und das ist sehr subjektiv), aber Körpersprache, Mimik, Gestik, Blick und Sprache weisen auf eine gewisse Schlagfertigkeit Söders in Sachen Verschlagenheit hin.

Wo steht Söder politisch? Zum einen für einen stramm neoliberalen Kurs. So privatisierte er Wohnungsbaugesellschaften und veräußerte sie an ein Luxenburger Konsortium, das die Wohnungen sanierte, die Mieten exorbitant erhöhte und die Mieter rausekelte.Als Heimatminister befürwortet er eine Änderung des Landesflächennutzungsplans dahingehend, dass Gewerbegebiete und Discounter auf grünen Flächen mit Autobahnanbindung ermöglicht werden, weswegen der Bund Naturschutz, die Grünen, SPD und Teile der CSU sowie die Kommunen vor einer Zersiedlung der Landschaft und einem Ausbluten der Kommunen warnen und der Ansicht sind, dass sich der wirtschaftsfreundliche Heimatminister damit eben gerade an der Heimat und der Umwelt vergeht. Söder sprach sich desweiteren für TTIP aus und stellte sich schützend vor Apple und andere US-Konzerne, als Schäuble und die EU-Kommission diese aufforderten ihre Steuern auch in Europa zu begleichen.

Söder gilt als Transatlantiker, kritisierte Seehofer für seine zu engen Putinkontakte und gründete einen eigenen bayerisch-amerikanischen Stammtisch von Honoratioren, Diplomaten, Politikern und Geschäftsleuten. Inzwischen versucht wiederum Seehofer hier Boden zu gewinnen, wofür seine Einladung an Trump steht, CSU-Bayern zu besuchen. Inzwischen drängt sich Söder bei allen Regionalfürsten der CSU als der eigentliche Macher auf und bereist das Land, um allerortens Wohltaten aus seinem Finanz- und Heimatministerium von Breitband bis zur neuen Strasse zu verteilen und in Phototerminen mit der Presse einzuweihen.Entgegen jeglicher Kosten-Nutzenabwägung hat er nun Verwaltungen von München nach Franken und Nürnberg verlegt, um seine Stellung in Franken auszubauen und sich als Förderer der Regionen zu geben.

Ebenso drängt er in die Medien–exemplarisch hierbei sein Auftritt in der Bayern-Sopa „Dahoam is dahoam“, wo er als Heimatsminister ellenlange Texte fabuliert, was er alles für Bayern getan hätte. Die Opposition beklagte sich über diese Propagandaaktion für Söder in Bayerns meistgesehener TV-Soap.Desweiteren hat Söder parallel zum Nockerberg seinen eigenen Nockerberg und Starkbieranstich aufgezogen, bei dem er selbst vermeintlich geistreiche und witzige Reden im Zusammenspiel mit dem Nockerberg-geschassten Asylkabarettisten Django Asül zum Besten gibt.Nach Seehofers Schwächeanfall, dürfte Söder nun Blut geleckt haben und wird wohl im Intrigantenstadl der CSU auf eine baldige Ablösung von Seehofer drängen.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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