Prognose: Der zweite Flüchtlingsdeal mit der Erdogantürkei

Gastautor: Leo Brux

Der erste Deal läuft – erfolgreich. Zwingt die EU und Merkel dazu, den Aufbau einer islamistischen Diktatur in der Türkei zu dulden, sogar zu fördern, ihn mit EU-Mitteln wirtschaftlich und politisch zu unterstützen.

Mit diesem ersten Deal hält uns der Große Führer die syrischen Kriegsflüchtlinge vom Hals. (Auch ohne Visabefreiung.)

Der zweite Deal — kommt noch. Vielleicht noch nicht 2017, aber ich wage die Prognose, dass er in absehbarer Zeit kommen wird.

Wirtschaftlicher Niedergang, politischer Terror, Bürgerkrieg, Pogrome werden in den nächsten Jahren Millionen Türken zu potenziellen Flüchtlingen machen.

Bald werden Millionen Türken das Land verlassen wollen, verlassen müssen.

Europa wird sie nicht aufnehmen wollen.

Was kann Europa tun?

Einen neuen Deal mit Erdogan machen:

ER schließt die Grenzen für ausreisewillige Türken, lässt niemand mehr ausreisen – und WIR gewähren ihm dafür großzügige Unterstützung, wirtschaftlich und politisch.

Die Türkei wird zum großen Gefängnis.

Erdogan kann dann in der Türkei seine osmanistische Diktatur durchziehen – und wird, so wie seit langem Saudi-Arabien, vom Westen hofiert und gefördert. Die Saudis haben das Öl, das Geld, um uns kirre zu machen – Erdogan hat die Flüchtlingswaffe.

Wird der Büyük Lider verbal ausfällig oder provoziert er die EU bzw. Deutschland durch Nadelstich-Aktionen, werden wir es schamhaft runterspielen.

Triumphierend kann er uns auf der Nase tanzen.

Die Strategie des Diktators lautet also: Innen Flüchtlingsdruck erzeugen – dies zum Mittel machen, um Europa zu drohen: Wenn ihr mich nicht machen lasst, wie ich will, dann schick ich euch die Flüchtlingslawine ins Haus!

Je schlimmer die Verhältnisse in der Türkei werden, desto größer und wirksamer wird das Druckmittel.

Das ist eine Prognose, keine Prophezeiung. Ich verfüge nicht über die magische Kristallkugel. Ich spreche von Möglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten.

Frage: Ist meine Prognose plausibel?

Frage: Spielt die Erwartung, dass es so kommt, schon eine Rolle beim Festhalten am ersten Deal mit Erdogan, der dann eine Art Vorlauf und Übung ist?

Frage: Was würde Erdogan sich diese Grenzschließung kosten lassen?

Frage: Wie höllisch darf es dann in der Türkei zugehen, damit die EU und Deutschland diesen zweiten Deal aufrechterhalten können?

Frage: Würden CSU und AfD diesen zweiten Deal richtig finden, wenn es so weit ist?

Frage: Werden sich pragmatisches Kalkül (man duldet es) und Wut auf die Türken die Waage halten – oder wird die anti-türkische Stimmung sich aufschaukeln und außer Kontrolle geraten?

Frage: Ja, was passiert denn dann mit den Erdotürken in Deutschland? Mit Erdogans “Soldaten” in Deutschland? Wie stark wird sich die Stimmung gegen sie aufheizen? Wie wird sie sich entladen?

Frage: Welche Rolle werden die USA (Trump) bei alledem spielen?

Der Leser darf die Liste der einschlägigen Fragen selbst fortsetzen.

Anmerkung:

Erdogan übt schon. Die zigtausend entlassenen Richter, Professoren, Lehrer etc. dürfen das Land nicht verlassen.

Hat vielleicht der Deal zu den syrischen Flüchtlingen bereits eine Geheimklausel diesbezüglich?

Oder erwartet Erdogan vor allem diese psychologische Wirkung: Es gibt keinen Ausweg. Unterwerft euch DER MACHT!

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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3 Responses to Prognose: Der zweite Flüchtlingsdeal mit der Erdogantürkei

  1. Ralf Ostner sagt:

    Dann werden sich die Erdogantürken in Deutschland noch viel mehr herausnehmen. Ditib-Spione auszuweisen ist ja inzwischen eine gemeinsame Forderung von Grünen, Linkspartei und AfD. während die anderen Parteien dazu schweigen mit Rücksichtnahme auf den islamofaschistischen Sultan.Der islamophobe Blog Madrrasa of Time wird sich freuen: Soviel geduldete Islamisierung bestätigt seine Sichtweise! Der dritte Flüchtlingsdeal wird mit allen nordafrikanisch-autoritären Diktaturen sein, die sich auf die Bedingungen des Türkeideals berufen können. Vielleicht wird Erdogan dann auch noch der Verhandlungsführer bei all diesen Flüchtlingsdealern, die dann die EU kollektiv erpressen, wie die OPEC 1973.

  2. Ralf Ostner sagt:

    Die einfache Lösung diese Dillemas ist: Macht die EU-Grenzen dicht , dann braucht man keine Türkei und gebt keine Hilfe mehr bei Mittelmeerüberfahrten. Anders ist das nicht zu lösen, da die EU keine Flüchtlinge mehr aufnehmen will!”Schutz der EU-Außengrenzen”heißt dann eben: Jeder wird abgewiesen! Keiner wird mehr reingelassen. Mögen 5000 absaufen, um die Hunderttausenden abzuhalten, die übersiedeln wollen und man drängt alle anderen Boote zurück an die nordafrikanischen Küsten. Sehr unmenschlich, aber da zeigt sich, was Nationalstaaten und Nationalismus eben bedeutet.Die EU hätte locker 2% ihrer Bevölkerung, d.h. 10 Millionen Flüchtlinge ohne grössere Probleme aufnehmen können, aber da es nur die Nationalstaatenkonkurrenz innerhalb der EU und der Welt gibt, werden Flüchtlingsfragen eben so gelöst, mal abgesehen von den Flüchtlingsursachen, die eben auch zum Großteil zwischen Nationalstaatenkonkrurrenz und deren imperialistischen Interessen in den Flüchtlingsländern zurückgehen.

  3. Ralf Ostner sagt:

    Zeit eigentlich für Internationalismus, mehr internationale Kooperation oder gar einen Weltstaat-allein die Entwicklung geht in die diametral andere Richtung.Hoffnung bleibt nur, dass sich ein Großteil der Menschheit wieder dem Internationalismus zuwendet, nachdem sie die Verwüstungen des Nationalismus überlebt haben sollte.Oder aber sie zersplittert sich dann nochmals in kleinere Einheiten nach Ethnie, Region,Religion, Stamm, Clan,etc. Man kann nur heute Leute versuchen zusammenzubringen, die diesen desaströsen Nationalismen eine internationalistische Perspektive entgegestellen und dessen Auswüchse bekämpfen und für die Zeit danach eine Organisation schaffen, die dann nach den Verherrungen eine neue Weltordnung aufbauen wird, um der völligen Regression entgegenzuwirken.

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