Nordkorea-Syrien-Iran: Rote Linien für Trump?

von Ralf Ostner

Nordkorea könnte vielleicht schneller zum neuen Krisenherd werden, als man denkt. Neben den zunehmenden Raketen- und Atomtests scheint nun auch das nordkoreanische System innerlich zu erodieren.Insofern Nordkoreas Regierung nicht noch Wirtschaftsreformen ala China oder Vietnam beginnt, könnte es schon bald zu breiter Unzufriedenheit kommen. Ob Trump einen eventuellen Kollaps Nordkoreas managen kann, zumal ja da sein Hauptgegner China auch noch mitmischen wird? Eine Nordkoreakrise kann bei ungeschicktem Krisenmanagement und mangelndem diplomatischen Feingefühl schnell in einen sinoamerikanischen Konflikt eskalieren, da Peking sicherlich nicht ein wiedervereinigtes Korea unter US- Truppenpräsenz haben, sondern einen Puffer haben will. Über den inneren Zustand in Nordkorea berichtet ein geflüchteter hochrangiger Diplomat folgendes:

„Traditionelle Strukturen wanken“

Ex-Diplomat Nordkoreas sieht Kims Tage gezählt

26.01.2017, 06:44 Uhr | dpa, AFP

Für den früheren nordkoreanischen Diplomaten Thae Yong Ho sind die Tage von Machthaber Kim Jong Un gezählt. In seiner Heimat machen nach seinen Worten immer mehr Menschen ihrer Unzufriedenheit Luft.

Diese äußere sich „in abweichenden Meinungen oder in Kritik“, die immer häufiger zu hören sei, sagte der frühere stellvertretende Botschafter in London, Thae Yong Ho, in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Auch wenn dies noch auf niedrigem Niveau stattfinde, so sei das vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. „Widerstand macht sich langsam breit.“

„Das Regime von Kim Jong Un missbraucht die Liebe zwischen Eltern und Kindern, um die nordkoreanischen Diplomaten zu kontrollieren“, sagte Thae. „Die traditionellen Strukturen des nordkoreanischen Systems wanken.“

„Tage von Kim Jong Un sind gezählt“

Dabei äußert laut Thae nicht nur Pjöngjangs Elite offen Kritik. Der frühere Vertreter des kommunistischen Regimes deutete an, dass es auch auf den Märkten zivilen Ungehorsam gebe. Die älteren Verkäuferinnen etwa setzten sich immer mehr über die Anordnungen der Behörden hinweg. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben ist nicht möglich.

Angsichts der nach wie vor schwierigen Versorgungslage versuchten immer Menschen, sich zu widersetzen, sagte Thae. Doch räumte er auch ein, dass es schwierig zu sagen sei, wann es zu einem offenen Aufruhr kommen könnte. Er selbst halte die Tage von Machthaber Kim Jong Un für gezählt.

System von außen unterhöhlt

Das System könne vor allem durch immer mehr Informationen von außen unterhöhlt werden. Die Nordkoreaner hätten durch das Anschauen eingeschmuggelter Videos mit südkoreanischen TV-Serien und Filmen gelernt, dass Südkorea ein reiches Land sei. Selbst in der Schule werde den Kindern nicht mehr erzählt, dass Südkorea arm sei.

Thae beschrieb seine Unzufriedenheit und die ungewisse Zukunft seiner beiden Söhne als Motive für seine „lange vorbereite“ Flucht. Als Kim an die Macht gekommen sei, habe er noch gehofft, dass dieser „vernünftige Entscheidungen trifft, um die Nordkoreaner vor der Armut zu retten“. Doch sei er schon bald danach angesichts der politischen Säuberungen von Funktionären enttäuscht worden.

Ex-Diplomat will Krieg verhindern

Auch müsse die Weltgemeinschaft weiter Druck auf Pjöngjang ausüben, damit es sein Atomprogramm aufgebe, sagte Thae. Ein neuer Krieg zwischen beiden Koreas würde die gesamte koreanische Halbinsel in Asche legen.

Thae hatte sich im vergangenen August gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen – 19 und 26 Jahre – nach Südkorea abgesetzt. Seit seiner Ankunft sprach er in zahlreichen Interviews von seinem Leben als Diplomat und der Realität in Nordkorea. Sein Ziel sei es, die Menschen im Norden der Halbinsel „zu befreien“ und eine Katastrophe zu verhindern.

Berichte über die Flucht von hochrangigen nordkoreanischen Regierungsbeamten sind selten. Südkoreanische Medien hatten allerdings zuletzt unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass sich seit 2015 eine unbestimmte Zahl von Diplomaten nach Südkorea abgesetzt habe.“

Ein Beamter des deutschen Auswärtigen Amtes wies dies zurück, unter anderem mit dem Hinweis, dass es sich bei Nordkorea um eine  konfuzianische Gesellschaft handele, bei der der Respekt vor dem Alter eben auch zu der Situation führe, dass jüngere Staats- und Polizeibeamte schon mal von älteren Marktfrauen despektierlich behandelt werden könnten, es sich hierbei nicht um Dissidententum handele, sondern quasi eine innerkonfuzianische Auseinandersetzung innerhalb desselben Kulturkreises, wie es auch ein großer Unterschied zu sei, wenn mehrere Leute motzen bis hin zu einer organisierten Opposition, die dem Regime gefährlich werden könne.. Soweit hätte man dies ja auch glauben können, hätte es dann nicht Berichte in südkoreanischen Medien gegeben, die über Verhaftungswellen in Nordkorea berichteten. Und zumal: Die Ermordung des Halbbruders von Nordkoreas Führer Kim Yongun, Kom Yongnams in Malaysia. Kim Yongnam wurde nachgesagt, dass er ein lockeres Playboyleben führe, gegen die Etablierung einer Dynastie in Nordkorea sei, für Wirtschaftsreformen ala China und Vietnam. Ob dies stimmt oder er nicht nur ein Hallodri war, der sein Leben lebte und eher unpolitisch war, scheint seinen Bruder nicht weiter interessiert zu haben. Schließlich wurde bei der Nachfolge von Kim Yonguns genauso viel Hoffnung in einen moderaten Kurs reingesetzt, da er wie Bassar Al-Assad in einer westichen Eliteuniversität seine Ausbildung erhalten hatte und man gehofft hatte, dass da einige Funken der Aufklärung  in den Nahen und Fernen Osten  übergesprungen seien. So grösser scheinbar war noch die Hoffnung in seinen Halbbruder Kim Yongnam. Aber: Allein die Tatsache, dass er als potentieller Machtkonkurrent, vielleicht auch mit Pekings Unterstützung hätte dienen können, besiegelte sein Todesurteil. Zumindestens scheint Kim Yongun innenpolitisch gerade alles zu beseitigen, was seinem Regime bedrohlich werden könnte–seien es mehr aufmüpfige Untertanen oder eben seinen Halbbruder.

Nun führt Nordkorea einen Raketentest nach dem anderen durch, selbst als die USA nun verkünden, selbst die militärische Option liege nun auf dem Tisch und man hoffe infolge des Treffens vom chinesischen Präsidenten Xijinping und Trump da einschneidende Sanktionen Pekings gegen Nordkorea zu erhalten und auf China zu hoffen, dass Nordkorea disziplniere . Andernfalls käme es zu einer US-amerikanischen Reaktion, die weder Peking noch Washinton passen könnte, aber durchgeführt würde. Peking hat schon versucht deeskalierend einzugreifen, indem es vorschlug, dass die US-südkoreanischen Militärmanöver abgesagt würden, wenn Nordkorea seine Raketentest einstelle. Beiderseitig kam es trotz Pekings Zutun nicht dazu, die Manöver werden abgehalten und Nordkorea testet weiter Raketen.Aus Sicht der USA hat Nordkorea jetzt die Stufe erreicht, bei der es nicht nur Mittelstreckenrakten testet, die Japan oder Südkorea oder Asien erreichen können, sondern auch die USA mit Interkontinentalraketen mit Atomsprengköpfen. Seitens Chinas und Rußland existiert ja selbige Lage, die USA müssten also entscheiden, ob sie eine weitere Bedrohung, wenngleich viel kleineres Arsenal abschrecken wollen.Oder ob man zu einer Art Irandeal auf nordkoreanisch kommt. Jedenfalls wird Trump, der Allmächtige gleichzeitig zu einem angeblichen Chemiewaffeneinsatz des Assadregimes in Syrien auf seine eigenen roten Linien ausgetestet. Einen Krieg zwischen den USA und Nordkorea sucht die VR China immer noch zu verhindern, zudem sie auch kein Interesse, dass infolge eines absehbaren, blutigen US-Sieges das so wiedervereinigte Korea unter US-Führung nicht mehr Pufferstaat, das gegen solche Invasionen wie denen Japans über Korea nach Nordchina und Peking geführt hatte, nun den USA als Brückenkopf dient.Ebenso hat es aber auch kein Interesse, Nordkorea bis zu dem Punkt zu destabilisieren, dass es das Regime kollabieren lässt.

Ein Krieg in Korea wird inzwischen als „transregionaler Krieg“ gedacht, bei dem die USA, Russland und China hineingezogen werden können:

„Das Pentagon ist sich bewusst, dass ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel schnell andere Mächte, auch China und Russland, verwickeln würde. Ein Bericht der Brookings Institution vom Januar über die veränderte Rolle des amerikanisch-südkoreanischen Militärbündnisses warnte, dass ältere Strategien, die von einem auf die koreanische Halbinsel beschränkten Krieg ausgingen, „unzureichend und überholt“ seien. Der Bericht zitierte den Chef des Joint Chiefs of Staff, General Joseph Dunford, der im Dezember gesagt hatte, jeder Konflikt mit Nordkorea wäre unvermeidlich „transregional, allseitig und multifunktional.“

Übersetzt aus der Militärsprache bedeuten Dunfords Kommentare, dass das Pentagon einen „transregionalen“, also einen Weltkrieg vorbereitet, der allseitig geführt wird: am Boden, von der Marine, der Luftwaffe, im Weltraum und im Cyberspace. Dazu will es alle Mittel einsetzen, einschließlich Atomwaffen.“

http://www.wsws.org/de/articles/2016/03/09/kore-m09.html

DIe strategischen US-Planungen für ein zweites nukleares Zeitalter treten in eine neue Phase. Ein sehr grundlegendes Papier hierzu ist „Rethinking Armageddon“ vom Center for Strategic Budget Assesment, das auch schon das grundlegende Papier „Why Airseabattle?“herausgab.

Vom selben Strategie-Thinktank, der die US-Strategiedebatte in den USA wesentlich beeinflusst, stammen auch folgende Bombadierungspläne Chinas durch das US-Militär, auch im Falle eines „transregionalen“ Koreakriegs–wobei eben angenommen wird, dass die Chinesen das so über sich ergehen lassen.

From the CSBA report on ASBC: the section entitled „Executing a Missile Suppression Campaign.“

From the CSBA report on the ASBC: the section entitled „Blind PLA ISR Systems.“

Auf denn zum neuen Weltkrieg, aber wie gesagt: Die Chinesen und Russen werden sich zurückhalten und es alles gut ausgehen wie schon einst unter Reagan.Jedenfalls war auch unter Obama bei diesen Weltkriegsplanungen nichts von einer „lame duck“zu merken, nur von neuen Präsidentschaftskandidaten, die das brinkmanship an der Grenze des Abgrunds nochmals steigern wollen. Die Grundfrage aber bleibt: Akzeptiert Trump nordkoreanische Interkontinentalraketen mit Atomsprengköpfen, die dann auch die USA erreichen können und die eben abgeschreckt werden, versucht er einen Rüstungsstopp oder eine Art nordkoreanischen Irandeal, setzt er auf eine Disziplinierung oder gar den Kollaps Nordkoreas mittels chinesischer Hilfe oder setzt er auf die „militärische Option“? Zumal die Trump-USA momentan durch drei rote Linien herausgefordert werden: Die iranischen Mittelstreckenraketentests, die die USA als Verletzung des Irandeals interpretieren wollen, den Chemiewaffeneinsatz in Syrien, der seitens des Westens und seiner Rebellen Assad-Syrien zugeschrieben wird und dann eben gleichzeitig noch Nordkoreas Raketentests, die zu Interkontinentalrakten gegen die USA hochrüsten wollen. Wieviele rote Linien kann sich Trump leisten ohne als „lame duck“herauszugehen?



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