Assad und Hitler

Die Empörung über den Hitlervergleich von US-Präsidentensprecher Sean Spicer ist nur partiell nachvollziehbar. Zum einen stellt dies eine in sich selbst widersprüchliche Dämonisierung dar. Spence wollte wohl sagen, dass Assad schlimmer als Hitler ist–dabei vergisst er zum einen den Holocaust sowie die 60 Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs inklusive der amerikanischen Toten, wenn man schon in Kategorien von America first denken will. Das muss man schon ausblenden, wenn man den Vergleich zieht. Aber mit derselben Berechtigung hätte man dann auch Joschka Fischer, Rudolf Scharping und Gerhard Schröder des Holocaustrevisionismus und der Verharmlosung Hitlers bezichtigen können, als sie Milosevic während des Kosovokrieges mit Hitler verglichen und „Nie wieder Auschwitz“ riefen.  Man kann dies wie etwa der Leitkommentar des Münchner Merkurs als Symptom US-amerikanischer Bildungslosigkeit infolge eines desolaten Bildungssystem und dem Hang des Amis zur vielzitierten Oberflächlichkeit sehen oder eben als bewusste Dramatisierung, die eben reine Kriegspropaganda ist, wie sie so jeder kriegswillige Staat weltweit absondert, wenn er Emotionen schüren will. Hitlervergleiche wurden auch schon inflationär gezogen–sei es jetzt bezüglich Saddam Husseins, Milosevics, Erdogans oder umgekehrt seitens Erdogans, der Europa als nationalsozialistisch und hitleresk betitelt, seien es die Hitler- und SS-Merkel- Plakate in Griechenland oder Polen. Zumindestens ist dann aber auch der Maßstab, wenn Assad schlimmer als Hitler ist, dass er beseitigt werden muss–mit allen Mitteln.Alles wäre dann nach dieser Logik legitim. So ernst gemeint, scheint dies dann aber zu Teilen auch wieder nicht: Ob sich aber Trump wirklich auf einen regime-change militärischer Art einlassen will, bleibt trotz des US-Militärschlags fraglich. Momentan sagt die US-Seite ja nur, dass sie bei erneutem Einsatz von C-Waffen und möglicherweise Faßbomben, wieder einen begrenzten Militärschlag führen will, Bodentruppen hat Trump aber ausgeschlossen, wie er nun eher Druck auf Rußland macht, sich Assads diplomatisch zu entledigen und eine geordnete Nachfolge, wenngleich nicht der Assadfamilie zu ermöglichen.Bis es soweit ist, geht das „normale“ Schlachten weiter.

Aber hätte Spence gesagt, dass Assad schlimmer als Hitler ist, da er auf dem Schlachtfeld C-Waffen einsetzt(insofern es wirklich Assad war) , was Hitler auf dem Schlachtfeld nicht tat, hätte die Aussage ja gestimmt. Bemerkenswert finde ich allerdings, dass im Zweiten Weltkrieg– mit Ausnahme Japans in China und der USA in Hiroshima und Nagasaki– keine der beteiligten Seiten durchaus vorhandene C- und B-Waffen einsetzten, wie sie dies ja im Ersten Weltkrieg zu Genüge taten. Nicht einmal in der verzweifelten Endphase des Zweiten Weltkriegs setzte Hitler C-Waffen ein. Humanitäre Motive werden es wohl nicht gewesen sein, wie ich auch nicht glaube, dass ihn seine eigene Gasvergiftungserfahrung im Ersten Weltkrieg zum Nichteinsatz von Massenvernichtungswaffen bewegt hätte. Da müssen andere Kalküle dahinter gestanden haben, die wohl eher technischer oder militärstrategischer Art waren.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.