Nordkorea– Art of the Deal oder Weltkrieg?

In Korea ist nun von allen Seiten alles mobilisiert für einen Krieg. US-Flugzeugträger, US-Atom-U-Boot, Raketenabwehrsystem THAAD gegen das auch China und Russland protestieren, da es angeblich die nuklearstrategische Balance auch für ihre eigenen Atomarsenale aus dem Gleichgewicht bringe, US-südkoreanische Armee, chinesische und russische Truppen an der nordkoreanischen Grenze, Nordkorea vollgeneralmobilisiert. Fehlt eigentlich nur noch der Funke, um das Unheil zu besiegeln. Zwar betonen China und Russland, dass die USA und Nordkorea sich zurückhalten sollen, doch davon ist nichts zu sehen.100 Kongreßabgeordnete werden ins Weiße Haus geschippert, um dann zu kommentieren, dass sie Trump zwar unterstützen, aber nach dem Gespräch eine Strategie vermissen. Betont wird, dass China Nordkorea durch Sanktionen moderieren solle, doch China hat gerade erklärt, dass es den enormen Einfluss auf Nordkorea nicht habe, auf den die USA spekulieren. Kim Yongun würde selbst bei Sanktionen, die Hälfte seines Volkes für seine Atomstatusvorstellungen opfern. Wenn im letzten Moment noch ein Deal herauskommen sollte, auf was würde Nordkorea eingehen: Nachdem Nordkoreas zentrale Ideologie Juche (Autarkie) zu Songsun (Militär zuerst) nun erweitert wurde auf der in der Verfassung nun festgeschriebenen Anspruch als Atommacht,was eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verunmöglicht: Wie könnte also ein „Deal“aussehen?Garantie der Kimdiktatur durch einen Friedensvertrag, der festschreibt, dass Nordkorea zwar Atommacht sein kann, die aber keine Interkontinentalraketen entwickelt oder aufstellt, die die USA erreichen können? Mit einem historischen Trump-Kim-Treffen, bei dem beide Autokratenfans sich als starke Männer, die Weltgeschichte machen in der Tradition des Nixon-Mao-Treffens feiern lassen, vielleicht dann auch mit Wirtschaftsreformen in Nordkorea, die die Annäherung an die USA ermöglichen wie schon damals bei China und dann Vietnam. Aber passt es zu einem „America First“, wenn sich dessen Präsident auf die Ebene eines Pleite-Staat-Underdogdiktators hinabbegibt, der sich nur mittels Atomwaffenerpressung durchsetzt. Und wie würden andere Staaten, z.B. der Iran reagieren, wenn sich derartiges durchsetzen würde. Wäre der Nichtproliferation damit gedient oder würde Trump Nordkorea dies als letzten Ausnahmestaat gewähren lassen und anderen Aspiranten mit dem dickesten Knüppel drohen? Immerhin hatte Mao beim Nixonbesuch zwar auch einige Atomwaffen, die aber nicht einmal die USA treffen konnten, aber eben 1,2 Milliardensupermärkte, die fürs Kapital lockten und zudem eine gemeinsame Feindschaft zur Sowjetunion. Falls dies trotz allem zustande käme: Da wären die US-Verbündeten Südkorea und Japan wahrscheinlich nicht begeistert, China und Russland wahrscheinlich schon, aber ausschlaggebend bleiben die Trump- USA, die zudem beiden Staaten ja eine ausreichende nukleare Abschreckung dagegen liefern.Bleibt eben zu fragen, ob Trump diesen Deal eingehen wollte und falls er das wollte, ob das der US-amerikanischen Elite samt Öffentlichkeit vermittelbar wäre. Immerhin hat sich Nordkorea momentan noch von einem weiteren Atomtest und weiteren Raketentests enthalten. Ob also die Katastrophe, vielleicht auch ein „transregionaler Krieg“ (Chef des Joint Chief of Staffs Dunford) rauskommt, weiss ich auch nicht zu sagen.Zumindestens sind Großmachtkonflikte keine Anachronismen und Weltkriege durchaus wieder möglich. Vielleicht nicht dieses Mal, aber die Tendenz ist, dass die Großmächte, allen voran die Trump-USA an neue Grenzen des brinkmanships, der Politik der Erpressung am Abgrund  geht. Das kann auch mal gutgehen, aber wenn es schiefgeht, dann kommt es eben zu dem, was man modern als „Großmachtskonflikt“oder euphemistisch „transregionale Kriege“betitelt und früher Weltkriege nannte.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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