Auserwählt und ausgegrenzt–von Antisemiten und anderen Verschwörungstheoretikern

Gastautor: Genova

Eine ganz interessante Doku mit dem Auserwählt und ausgegrenzt über den aktuellen Antisemitismus von allen Seiten. Der Film ist vom ganz gleichen Joachim Schroeder, der auch ‚Entweder Broder- Die Deutschlandsafari‘ produziert hat.

Sie sollte eigentlich auf arte laufen, wurde aber kurzfristig aus dem Programm genommen. Heute abend läuft sie nun nach etlichen Protesten im ARD, nachdem sie für jedermann auf Youtube sehbar war, nun aber auf Betreiben des ARD nicht mehr ist. Nett ist heutzutage, dass man solch Zensur nicht mehr befolgen muss. Man schaut den Film einfach auf youtube an. Bemerkenswert auch die Hinterwäldler-Redaktion der Zeit, die schreibt, der Film sei „kurzzeitig auf bild.de“ zu sehen gewesen, aber nicht auf die Idee kommt, dass er dann dauerhaft im Internet zu finden sein wird. Die Öffentlich-Rechtlichen diskutieren darüber, ob man die Doku irgendwann einmal in einem dritten Programm kurz vor Mitternacht zeigen wird. Youtube kommt in deren Welt nach wie vor nicht vor. Kaum zu glauben.

Die Doku ist sehenswert. Nahezu alles, was dort gezeigt wird, ist wohl richtig. Der Antisemitismus unter Rechten, Linken und Moslems ist uferlos, es gibt nach wie vor extrem viele Komplexler weltweit, die sich an Juden abreagieren, weil sie irgendein anderes Problem haben. Die Minderwertigkeitskomplexe von Moslems sind da die bekanntesten. Vorfälle wie die im Großraum Paris, wo Moslems in großer Zahl Jagd auf Juden machen, wo man sich als Jude kaum noch in die Öffentlichkeit traut, sprechen Bände. Und auch in Neukölln wird kein Jude, der noch alle Tassen im Schrank hat, erkennbar als solcher herumlaufen. Massiver Antisemitismus ist Alltag in Deutschland und anderswo. Und mit dem Zuzug von einer Million Flüchtlingen, die vermutlich zum größten Teil antisemitisch sozialisiert sind, wird sich die Lage für Juden in Deutschland weiter verschlechtern.

Es ist trotzdem ok, dass arte den Film nicht ausgestrahlt hat. Oder besser: Dass dadurch eine Diskussion angezettelt wurde. Denn Ausgewählt und ausgegrenzt nimmt unverhohlen Partei für die Juden. Palästinenser und ihre Unterstützer kommen nur als Hardliner, Nazis, dogmatische Linksextremisten und Verrückte vor. Eine Nakba gab es eigentlich nicht. Gaza ist einfach nur ein angenehmer Wohnort, den die Hamas korrupt regiert. Die Bevölkerungsdichte in Paris ist höher und ist Paris nicht eine schöne Stadt?

Der Film entlarvt sich in seinem Verlauf immer weiter selbst. Er beschreibt die Argumentation der Antisemiten durchaus richtig – Die Juden sind allmächtig und die Täter, die Opfer sind alle anderen: Moslems, die Deutschen, die Amerikaner, alle werden gesteuert und ausgebeutet von den Männer mit den Hakennasen, die unsere Brunnen vergiften.

Allerdings dreht der Film den Spieß einfach um. Nun sind die Juden die Opfer aller anderen: der Moslems, die einen judenreinen Nahen Osten wollen, der EU, die jedes Jahr riesige Geldbeiträge nach Gaza und Ramallah pumpt und damit Antisemitismus fördert, der Deutschen, die diese EU-Zahlen hauptsächlich leisten, der Amerikaner, weil von dort auch riesige Geldbeiträge kommen, der Christen, weil die via „Brot für die Welt“ und vielen anderen Organisationen Palästinenser in ihrem Judenhass unterstützen und überhaupt hunderter von NGOs weltweit.

Die Juden sind die armen Opfer, die sich gegen das weltweit versammelte antisemitische Establishment kaum noch wehren können. Israel macht nur hin und wieder, ganz selten einmal, einen Fehler, der kann ja mal passieren. Und überhaupt existiert Palästina ganz zurecht nicht, das ist alles Großisrael und die Araber sollen halt nach Jordanien ziehen. Der Film hat etwas Verschwörungstheoretisches. Übrigens sind auch der Spiegel und die Süddeutsche Teil der antisemitischen Front.

Wer im Nahostkonflikt derart parteiisch agiert, hat kein Interesse an Frieden oder irgendeiner Form von Verständigung. Wie gesagt, so ziemlich alles in dem Film Gezeigte ist richtig. Es fehlt nur die andere Seite. Lässt man die weg, handelt man fahrlässig.

Dämliche Araberverteidiger und dämliche Judenverteidiger sind sich ähnlicher, als sie vermuten.

So zeigt sich ein weiteres Mal, dass der Konflikt zwischen Juden und Arabern außerhalb der Region in erster Linie auf das Interesse unangenehmer Zeitgenossen stößt: Leute, denen es um irgendetwas geht, nur nicht um Frieden zwischen den Menschen dort.

Könnten die paar vernünftigen Leute da unten bitte mal eine Doku drehen? Danke im Voraus.

Von Antisemiten und anderen Verschwörungstheoretikern

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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