Nachfolgeregelung in Saudiarabien zu Beginn der Eskalation des Nahostkonflikts

Der saudische König Salman hat sich für seine Nachfolge entschieden und den bisherig oft genannten Nachfolger, Neffen und Innenminister Prinz Najef abgesetzt und einen seiner zahlreichen Söhne,  Mohammed bin Salman, der im wesentlichen für das Managment der saudischen Wirtschaft und die wahhabistische Expansion gegen Iran in Syrien, Jemen und anderen Staaten verantwortlich zeichnet als neuen Kronprinzen und Nachfolger eingesetzt. Mohammed soll da für die ultrareaktionären Verhältnisse in Saudiarabien als Modernisierer gelten und stellt mit seinen jugendlichen 31 Lebensjahren einen Generationswechsel der bisher mehr gerontokratischen saudischen Herrschaft dar.

Der neue Kronprinz findet sicherlich Trumps und Rex Tillersons Exxon Gefallen–so ist zu lesen:

„Schon länger verfolgt Mohammed bin Salman das Ziel, Saudi-Arabien unabhängiger vom Öl zu machen – unter anderem auch durch den Verkauf von Anteilen am saudischen Ölgiganten Saudi Aramco. Als Kronprinz mit ungleich größerer Machtfülle dürfte Mohammed bin Salman diese Strategie nun umso nachhaltiger verfolgen.“

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/saudi-arabien-der-neue-starke-mann-am-golf-15070332.html

Warum man sich durch den Verkauf von Anteilen an einen Energiekonzern unabhängiger vom Öl macht, das erschließt sich nicht unmittelbar. Man hat dann weniger zu sagen, Andere beuten dann die Ölvorräte des Landes und deren Gewinne aus, aber man ist nicht weniger abhängig von diesen Einnahmen, zumindest solange man keine anderen Einnahmen zu bieten hat, realisieren kann?

Fast richtig argumentiert. Die Privatisierungserlöse sollen ja in einen Zukunftsfonds zur Diversifizierung der saudischen Wirtschaft genutzt werden, die über die Ölabhängigkeit hinausreicht, wobei dies dann aber ein einmaliger Erlös ist, während man sich seine laufenden Öleinnahmen mit anderen teilen muss und es weniger eine Frage des Geldes ist, sondern der Modernisierung der gesellschaftlichen Strukturen, die auch eine Modernisierung der wirtschaftlichen Strukturen ermöglicht. Und inwieweit dies mit einer Frauenuni getan ist–fraglich.Aber:Man macht sich nicht weniger abhängig von Öleinnahmen, wenn man einen Teil fürs Auslandskapital privatisiert. Der eigentliche Zweck dürfte doch sein, dass die USA noch enger an Saudiarabien gebunden werden, um es im Ernstfall mit eigenen Truppen zu schützen, insofern man sich nicht selbst Atomwaffen zulegt und auch der Iran wegen des Platzen des Iranatomdeals. Vielleicht ist dies auch der Preis dafür, dass die USA einen Krieg gegen Iran führen würden?Aber was wenn China, Indien oder Russland sich bei der Privatisierung auch einkaufen wollen. Bleibt letztendlich eine politische Entscheidung Saudiarabiens und weniger eine rein ökonomische Frage!

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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