Will Europe turn to China in era of Trump?

By Toni Michel & Jiang Yuan Source:Global Times Published: 2017/6/22 21:53:40

For historians, it is always attractive to search for turning points in history – a moment that symbolizes and encapsulates a new trend or direction. Many thought they witnessed exactly such a moment when Chinese President Xi Jinping carried the banner of free trade and fighting climate change at the World Economic Forum (WEF) in Davos in January.

Appalled by Donald Trump’s rejection of the global consensus on climate change and his isolationist rhetoric, Europeans suddenly found themselves outside their traditional value system when thinking about global problems.

With the US pursuing a destructive and inward-looking policy, is China picking up the banner of solving the world’s most pressing issues as Europe’s new partner? Or, in the words of a WEF delegate, German economist Klaus Schwab, „Particularly today, in a world marked by great uncertainty and volatility, the international community is looking to China.“

Moreover, the recent visit of Chinese Premier Li Keqiang to Europe has clearly been an unusually high-profile event. Are we witnessing a realignment of Europe’s strategic direction in favor of China?

Clearly, China’s continued commitment to the Paris Climate Accord is greatly appreciated in Europe. When talking about the vital issues of trade, though, a much closer examination of the facts is necessary.

The Trump presidency certainly has reinvigorated the EU’s trading agenda – but so far mainly with China’s regional rivals. Brussels and Tokyo are envisioning a trade deal by the end of 2017, while the European Parliament recently called for a further deepening of trade relations in the context of the existing Free Trade Agreement (FTA) with South Korea.

Moreover, while the finished text of the FTA with Vietnam is currently legally reviewed as part of the ratification process, negotiations with Australia are about to begin.

China-EU trade relations, in the meantime, remain stuck in disagreements over steel subsidies and market entry requirements.

Consider security. In order to effectively tackle Islamic State (IS) terrorism and the refugee problem stemming from war-torn Iraq, Syria and Afghanistan, the powers Europe primarily engages with are Russia, Iran, Saudi Arabia and the US. An EU-China alliance would also not effectively address Europe’s second hotspot, the Ukraine crisis.

Here, nobody realistically expects that Beijing would bring sufficient pressure to bear on Moscow to return Crimea to Ukraine and pull its troops out of the Donbas. Despite the visible tensions during the NATO summit in May, the alliance and its transatlantic component remain the cornerstone for tackling security for Europe – be it through troop deployments in the Baltic States or through the US-led anti-IS coalition.

Third, the strong institutional and personal links that bind Europe and the US together cannot be ignored. It would be next to impossible even for the US president to destroy the bonds that support the transatlantic political relationship, namely decades-long student exchanges, NGO cooperation or family ties.

In this context, it is more likely that we are witnessing a bad weather period in the relationship that will give way as soon as Trump leaves office.

In the meantime, the European Union might very well do some serious soul searching in the security sphere and consider substantially integrating its defense capabilities and cooperating much more closely in terms of intelligence sharing as well as inter-military defense planning.

There is of course potential for increased EU-China cooperation – for example by building local infrastructure and helping African states provide services to their citizens. These longer-term approaches could prevent migration movements toward Europe in the future. As mentioned, Europe will be interested in cooperating in renewable energy and climate-friendly technologies while its companies will certainly have an eye on profiting from Chinese investments in the context of Beijing’s widely publicized Belt and Road initiative.

The main benefit for China in the context of the current transatlantic woes between Europe and the US is therefore rather in the mental sphere.

Even if Beijing might not gain a new ally in the EU, China will gain confidence in its chosen path internally and internationally. It will take time for Europe and the US to again begin doing the same.

Toni Michel is an international affairs analyst and specialist on the European Union. Jiang Yuan is an international affairs analyst and specialist on China.

http://www.globaltimes.cn/content/1053041.shtml

Anmerkung: Richtig ist, dass die EU auch weiterhin abhängig von den USA sein wird und auch bei aller Mobilisierung eigener Kräfte und mehr Zuwendung zu China sich weiterhin auf die transatlantischen Beziehungen fokusieren wird. Zumal China auch nicht Freihandel, sondern Globalisierung präferiert, selbst hochgradig protektionistisch agiert, an Freiheit gar nicht interessiert ist, ja selbst eine Kooperation der EU mit China bei der Stabilsierung und Entwicklung Afrikas da in Betracht setzen muss, dass good governance, Menschenrechte, Arbeits- und Umweltstandards für China da keine Rolle spielen, sowie China zwar am Pariser Klimaschutzabkommen festhält, aber vor allem weil es bis 2030 munter weitere Kohlekraftwerke in In- und Ausland bauen kann, an Emissionsschutz nicht sonderlich interessiert ist, sondern mehr an dem Export und Geschäftemachen mit den neuen Umwelttechnologien.

Aber die Hoffnung, dass nach der Ära Trump bei den transatlantischen Beziehungen wieder alles beim Alten sein werde ist eben kurz-, bestenfalls mittelfristig gedacht und all diese Überlegungen basieren auf der Annahme, dass Trump eine vorübergehende Erscheinung ist, eine „Ära Trump“ eben,die maximal 8 Jahre herrschen könne und dann würde wieder alles gut in den transatlantischen Beziehungen und die Welt könne zur alten imperialistischen Normalität einer Neopax americana zurückkehren. Die Möglichkeit, dass es sich um ein strukturelles Problem einer nachhaltigen Rechtsradikalisierung der US-Gesellschaft und ihrer Wählerschaft samt einhergehender Führer  handeln könnte, die auch in der polarisierenden Wirkung eines globalisierten Weltkapitalismus, seiner Herausbildung neuer Pole und Zentren und seiner systemimanenten Gesetze und Krisen liegen könnten und die vieles in den Beziehungen zu ihrer sonstigen Welt unberechenbar machen, während dagegen autoritäre, wie auch wirtschaftlich mehr regulierte Staaten wie China und Russland , bei denen nur gelenkte Wahlen abgehalten werden und solchen Schwachköpfen keine Chance gelassen wird als Gralshüter von Kontinuität und Berechenbarkeit erscheinen, scheint da nicht mitgedacht. Von daher steht die liberale Demokratie, die solche faschistischen Bewegungen ermöglicht in Kritik–ausgerechnet von autoritären Staaten, die jegliche demokratische Opposition schon im Keim ersticken.

Auch die Möglichkeit, dass Trump die 4-8 Jahre nutzt, um eine faschistische Dikatur ala Steve Bannon in den USA zu errichten, die ihn dann nicht mehr von Wahlen abhängig macht, zumal die Opposition, die Medien und noch rebellierende Republikaner ausgeschaltet werden, wird gar nicht in Betracht gezogen. Zudem es in den USA eine derart radikalisierte Rechte und Mitte ala Lipset gibt, die auch einen ebenso radikalen Nachfolger wählen könnten. Man meinte schon bei George W. Bush, dass es keine Steigerung mehr geben könnte, beruhigte man sich mit Obama, bis dann eben Trump kam. Und vielleicht ist Trump auch noch nicht das Ende einer möglichen Steigerung. Zudem ist bei all diesen Betrachtungen auch noch die Tatsache ausgenommen, dass Trump größere Kriege oder gar Großmachtkriege anfangen kann, die eine Welle des Patriotismus auslösen können,zumal er ja ein Militarist ist, der nicht auf soft power, sondern auf hard power setzt, Aufrüstung der USA und derNATO, Herausbildung einer islamischen NATO unter Saudiarabien und der Steigerung der Waffenexporte, während er das Außenministerium, Entwicklungshilfe- und Demokratieförderungsfonds wie auch Stellen im Außenministerium und damit die Rolle der Diplomatie radikal zusammenkürzt. Diplomatie wird auf persönliche Gespräche zwischen ihm und anderen Weltführern beschränkt, es braucht kein Außenministerium, Diplomaten oder andere Ministerien- ein Führer Trump, die Wirtschaftsmacht der USA und sein US-Militär werden die bestimmenden Momente.  Der alte Shootingstar der CSU Karl-Theodor von Guttenberg wundert sich noch, dass unter Trump 400 hochrangige Diplomatenstellen im Außenministerium nicht besetzt sind, kapiert aber nicht, dass Trump nicht mehr Diplomatie im alten Stil will, sondern er der Chefdiplomat ist, weshalb es keine fremden Götter neben ihm braucht und er Steve Bannons Theorie von der Dekonstruktion des alten Establishmentstaates umsetzt.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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