Gibt es eine deutsche Mafia?

Betrachtet man sich all die Warnungen des BKAs vor Organisierter Kriminalität, so wird doch vor allem vor der italienischen, russischen, albanischen, osteuropäischen, türkischen, afrikanischen, lateinamerikanischen, libanesischen, chinesischen,etc Mafias . gewarnt, aber eben nie vor einer deutschen Mafia. Gibt es diese nicht, gibt es keiné deutsche organisierte Kriminalität? Ich glaube nein und begründe dies auch: Anders als andere Staaten hat schon Bismarck in der deutschen Staatenwerdung den deutschen Sozialstaat begründet. Das bedeutete, dass man auch bei extremer Armut noch ein gewisses Maß an Existenzminimum hatte. Es gab zwar vor und während den Anfängen der Industrialisierung bandenmäßige Zusammenrottungen  und einzelne kriminelle Volkshelden wie etwa die Räuber beim „Wirtshaus im Spessart“, den Bremer Stadtmusikanten, einen Freibeuter wie Störtebeker , Wilderer wie den Jennerwein oder den Räuber Kneißel, aber organisierte Formen der Kriminalität mit zumal internationaler Reichweite im Zeitalter des Imperialisimus und dann der Globalisierung bildeten sich nie heraus. Desweiteren hat keine der politischen Parteien Deutschlands Kriminalität irgendwie romantisiert, ja sahen auch die Extreme Faschismus und Kommunismus in der Krimnalität ein assoziales Verhalten, das schon an der Wurzel ausgerottet gehört.Wenn es um Bekämpfung der Armut ging, sah keine der deutschen Parteien da irgendwie eine Toleranz zu ABM-Maßnahmen einer Mafia. Hinzu kam, dass Deutschland niemals einen Bürgerkrieg hatte, noch Drogenanbaugebiete, die einer politischen Partei da Resourcen hätte bringen können zur Finanzierng des eigenen politischen Kampfes oder dass seine imperialistische Politik sich von irgendwelchen Mafias abhängig gemacht hätte. Daher gibt es keine deutsche Mafia, vor allem wegen des Sozialstaats.Anders in anderen Ländern:

In 3.Weltländern und südeuropäischen Staaten gibt es keinen Sozialstaat, gibt es eine hohe Arbeitslosigkeit, die über kleinkriminelle Strukturen eben auch die organisierte Kriminalität bewirkt.Dort lebt ein umfangreicher Teil der Bevölkerung von der Zuieferung und den Dienstleistungen der organisierten Kriminalität, da es kein Hartz oder irgendeine sozialversicherung gibt.Dies unterhöhlt auch mittels Korruption die politischen Systeme und ihre Entscheidungsträger, wie auch den Sicherheitsapperat. In einigen Staaten wie etwa Mexiko führt dies auch zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Kampf zwischen Regierung und kriminellen Kartellen.Im Zuge der Globalisierung und der neuen Offenheit von Grenzen und der erhöhten Mobliltät von Kapital, Dienstleistungen, Menschen und Daten sowie des Internets und der Digitalisierung gab es einen weiteren Schub bei der Internationalisierung der organisierten Kriminalität, das Entsehen neuer krimineller Akteure und Geschäftsfelder wie der Cyberkriminalität und Schleueserkriminalität samt Menschenhandel sowie zu gewissen Konzentrationsprozessen einer Kartellisierung. Im Rückblick noch einmal die bisherigen bekanntesten Formen der Organisierten Kriminalität und ihre Entstehung:

Die italienische Mafia begann im agraischen Süden Italiens als Rebellenorganistation gegen Großgrundbesitzer, hatte also einen sozialen Kern, mutierte dann aber schnell zu einer Organisation, die immer mehr Arbeitslose und Arme unter eine ausbeuterische, unterdrückerische und keineswegs emanzipatorische Hierachie stellte. Zumal genoss die italienische Mafia und ihre später entstehenden nördlicheren Festlandäquivalente auch noch einen gewissen patriotischen Bonus. Auch bestand eine enge Kooperation zwischen den USA und den Allierten mit der italienischen Mafia im Kampf gegen die faschistischen Achsenmächte, diente die italienische Mafia den USA als Vorabtrupp ihrer Invasion in Iatlien und im Kalten Krieg zusammen mit den antikommunistischen Parteien Italiens als Hilfstruppe gegen die Linke. Letztendlich ging es dann aber nur um die großorganisatorische Kriminalität, die von Drogen, Prostitution, Schutzgeld, Erpressung, Überfällen lebte, sich zumal mit anderen Mafias verband und zugleich mittels Geldwäsche und der Korrumpierung gesellschaftlicher VIPs Kapital und Investitionen in Firmenbeteiligungen bis Immobilengeschäften oder gar Startups brachte und „zivil“wurde. Hinter manch einem „ehrenwerten Geschäftsmann“ verbirgt sich ein ausgewachsener Mafiosi. Das interessante an der italienischen Mafia ist, dass sie in den 80er Jahren terroristisch wurde und alle Polizisten, Politiker oder Staatsanwälte direkt angriff und umbrachte, am berühmtesten war das Bombenattentat auf den Staatsanwalt Falcone, bei dem die Mafia eine ganze Autobahnsektion in die Luft bombte. Seit den 80er Jahren herrscht hingegen weitgehendes Stillschweigen über ihre Aktivitäten abgesehen von vereinzelten Verhaftungen, als hätte es sie nie gegeben, obgleich es sie immer noch gibt. Zumal die Mafia jetzt auch ins Schleussergeschäft eingestiegen ist und in dem neuen Subproletariat von Flüchtlingen da zielstrebig neue Vertreter ihrer Profession sehen, die zumal Verbindungen zu afrikanischen und arabischen Mafias herstellen können.

Die französische Mafia mit Hauptsitz in der Hafenstadt Marseilles, die im Kern eigentlich eine korsische Mafia war und auch in Filmen wie „French Connection „dargestellt wurde, war zum einen Hilfskraft des französischen Kolonialismus, ähnlich wie die Yakuza in Tojo-Japan, zumal wurde sie wie die italienische Mafia seitens der USA und der französischen Exilregierung unter de Gaulle als Teil der Resistance ebenso ein Brückenkopf für die Invasion der Allierten in Frankreich. Wie die Yakuza und die italienische Mafia wurde die französische Mafia auch seitens der Konservativen in ihrem Kampf gegen Frankreichs Linke und die antikolonialen Befreiungsbewegungen genutzt, wie sie auch Teil der Parteienfinanzierung mittels Geldwäsche war. Seit den 80er Jahren ist es aber sehr still geworden um sie, was aber nicht damit zusammenhängt, dass es sie nicht mehr gebe.

Die chinesische Mafia ging aus Rebellenorganisationen hervor, die sich zumal mit den Geheimgesellschaften chinesischer Patrioten unter dem chinesischen Staatsgründer Sun Yatsen formierten, die eine chinesische Republik wollten. Die Nationalpartei Sun Yatsens war mit der chinesischen Geheimgesellschaften und der Mafia, den Triaden zutiefst verbunden,um ihre subversiven Untergrundsaktivitäten überhaupt realisieren zu können. Schwerpunkt war damals die Hafenstadt Shanghai, wo es die grüne, die rote und die blaue Gang gab. Sun Yatsens Nachfolger Tschiang Kaitschek war der Grünen Gang verbunden und nutzte auch die chinesische Mafia dazu im Shanghaimassaker alle Kommunisten abzuschlachten. Tschiang monopolsierte dann auch den von den Briten geerbten Opiumhandel in China, finanzierte damit seine Nationalisten und nutzte die chinesische Mafia zu deren Verbreitung.Mao wiederum nutzte auch Opiumhandel, um seine Bewegung zu finanzieren, setzte aber nie auf die chinesische Mafia, sondern sah sie als Partner seines Feindes, der Nationalisten an. Dementsprechend vernichtete Mao auch radikal alle Geheimgesellschaften, chinesische Mafia wie auch ihnen verbundenen Nationalisten, während letztere nach Taiwan übersiedelten und ihre Mafiaverbündeten mit nach Taiwan nahmen und sich zusammen mit Hongkongs Triaden verbündeten und ihr Netz über Asien ausbreiteten. Die KP China verfolgte die Triaden immer sehr zielgerichtet, bis Deng Xiaoping China wirtschaftlich öffnete, sich dadurch auch Triaden in Festlanchina bildeten, zumal Deng eine programmatische Rede hielt, in der er auf den patriotischen Charakter von chinesischen Triade hinwies und diese dadurch rehablilitierte.

Wie die italienische und chinesische Mafia ging auch die japanische Mafia als Reaktion auf soziale Unterdrückung zurück, ging dann aber sehr schnell den Weg zur organisierten Kriminalät. Die Yakuza gab sich aber wie die chinesische Mafia als patriotische Organisation aus und wurde von der Tojo-Militärregierung bei der Besetzung Mandschukos und der Umwandlung dieses Marionettenstaates zum Opiumstaat, wie auch der Organisierung der Eroberung Chinas und Asiens eine willkommene Hilfskraft.Nach dem zweiten Weltkrieg nutzte die neodemokraktisch konservative LDP immer noch rechtsradikale Gruppen und Teile der Yakuza zum Terror gegen Japans Linke. Inwieweit also diese Verbindungen der LDP zu den Rechtsradikalen und der Yakuza heute nicht mehr existieren, bleibt offen, zumal auch das Ammenmärchen erzählt wird, japanische Yakuzas könnten nur an ihrer Tätowierung erkannt werden, während die Yakuza nichttätowierte Stellvetreter und Strohmänner in Japans Firmenbeteiligungen, Immobiliensektor und Auslandsbeteiligungen haben und ihr Geld und ihre Organisation da als Bestandteil des normalen zivilen Geschäfts und Lebens machen möchte.

Die albanische Mafia speist sich aus zwei Quellen. Zum einem dem neu entstandenen Staat Albanien der unter seinem neuen Präsidenten Berisha von einem stalinistisch-planwirtschaftlichem Staat ala Enver Hodscha radikal neoliberalisiert wurde mit einem staatlich organisiertem Privatisierungsschema der zuvorigen Staatsökonomie, die ein spekulatives Schneeballsytem war und ebenso schnell kollabierte samt Staatskrise. Die Schäden sind bisher noch nicht behoben und breite Teile Albaniens haben sich inzwischen auf Migration nach Europa begeben, um der desaströsen Lage in ihrem Staat zu begegnen. Gleichzeitig vermeldet das BKA intensivere Aktivitäten der albanischen Mafia, die den ökonomischen Restkörper Albaniens immer mehr okkupiert und zugleich sich mit politischen Stellen verbindet, eben eine mafiöse Balkanökonomie begründet, die fern aller EU-Standards von good governance sein könnte.

Zum anderen Kosovoalbanien. Nachdem Rugova damals nur mehr Autonomie von Serbien wollte, hat die kosovarische „Befreiungsarmee“ Thacis, die UCK mit NATO-Hilfe dann die desperate Existenz von Kosovoalbanien herbeigebombt. Die Wirtschaft Kosovoalbaniens als Zwergstaat sieht noch desperater aus als Albanien, die UCK und die Mafia sind ein nicht mehr trennbares Konglomerat, dass von Drogen- bis Organhandel so alles betreibt. Inzwischen überlegen beide albanischen Mafiaökonomien ihre wirtschaftlich desperate Gebilde zusammenzubringen zu einem „Großalbanien“, das dazu auch noch Gebietsansprüche bei anderen Balkanstaaten hätte und eine neue Balkankrise hervorbringen könnte. Die politischen Vertreter scheinen da die Flucht nach vorne anzutreten, damit ihnen ihre unterirdische Wirtschaftssituation samt Mafia nicht über den Kopf wächst.Und wesentlich besser sieht es bei anderen Balkanstaaten auch nicht aus, weswegen man von einer Balkanmafia reden kann–trotz allem Geschwafel von Merkels Balkangipfel, dass diese mafiösen Staaten eine EU-Beitrittsperspektive haben sollten. Zumal die Flüchtlingsströme auf der Balkanroute der albanischen Mafia neue Geschäftsfelder offerieren.

Gibt es eine Afghanistanmafia? Fakt ist, dass Afghanistan das weltweit grösste Opium- und Heroinanbaugebiet damit ist.Fakt ist aber auch; Das Land ist völlig fragmentiert zwischen zahlreichen Warlords, Provinzfürsten und der Taliban, die die Erlöse aus der Opiumproduktion für die Finanzierung ihrer eigenen Machtbasis sehen. Nennenswerte landwirtschaftliche, industrielle, Minenproduktion (außer 2 inzwischen eingestellten Minenfelder seitens Chinas und Indiens) gibt es in dem Land einfach nicht. Weswegen auch der NATO-Einsatz so schwierig ist: Die USA fordern das Abbrennen der Opiumfelder, weil dies die Tailban finanzieren würde. Aber die eigenen Verbündeten bauen ja ebenso Opium an, beschäftigen da Millionen von Bauern, weswegen man bei der Umsetzung solcher Forderungen eben versucht dies sehr selektiv vorzunehmen. Jedenfalls bleibt dadurch Afghanistan der Hauptlieferant westlichen Opiums und Heroins, das durch viele Kanäle nach Westen vertrieben wird, nicht unbedingt durch eine afghanische Mafia, sondern durch von der NATO unterstützte afghanische Warlords und Provinzfürsten, die sich anderer europäischer Mafiagruppen wie auch afghanischer Flüchtlinge, die eine Art afghanischer Minimafia bilden bei der Distribution bedienen.Dennoch bleibt abzuwarten, ob Teile der neugekommenen Hunderttausenden afghanischen Flüchtlinge in Europa da nicht den Brückenkopf einer afghanischen Mafia bilden werden.

Rest folgt

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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