Wie denkt der Chinese? Warum die Teilung in westliches und östliches Denken falsch ist-der allesverbindene Kapitalismus

Wie denkt der Chinese? Warum die Teilung in westliches und östliches Denken falsch ist-der allesverbindene Kapitalismus

Es gibt so dämliche, aber viellseits kursierende Fragen, wie sich fernöstliches Denken von westlichem Denken unterscheide und worin? Dafür gibt es eine ganze Sparte an Asienexperten, interkulturellen Managern und den Koriphäen des jeweiligen asiatischen Landes. Die  interkulturellen Experten erklären uns das so:

Der Asiate ist:

harmoniebetont statt konfliktbetont

hat Respekt vor Hierarchien und dem Alter

ist arbeitsstrebsam, sparsam und hartnehmend

ist metaphysisch und nicht derart jenseitsbetont

kennt keine monotheistischen Religionen mit Weltmissionierungsanspruch, sondern eher Philosophien und regionale Vielgötterei mit starkem Hang zum Synkretsismus

Schon diese angebliche Harmoniebetontheit sollte angesichts chinesischem Bürgerkrieg, dem Großen Sprung nach vorn, der Kulturrevolution, dem Koreakrieg und Vietnamkrieg, sowohl dem eigenem Völkermord dem von Mao und Deng unterstütztem Genozid der Roten Khmer an ihrer eigenen Bevölkerung mal infrage gestellt werden. Die meisten Grausamkeiten der Nachkriegswelt spielten sich mit Ausnahme Suharto-Indonesiens in dem so harmonischen Asien ab. Da hat keine Weltregion vergleichbare Werte!

Es gibt unleugbar unterschiedliche Traditionen, gleichgültig ob in Asien oder Europa, die unsere Wahrnehmung, unser Denken und Handeln prägen. Es geht also nicht um Fragen der DNA, sondern der kulturellen Prägung über einige Generationen hinweg.

Natürlich denken junge Koreaner, Deutsche, Russen und Chinesen anders als ihre Urgroßväter und Urgroßmütter. Dennoch wirken Traditionen länger nach als wir denken, auch in Zeiten der Globalisierung.

Dennoch ist es falsch,in  jedem Chinesen einen kleinen Konfuzius oder Laoze oder ausgemachten Konfuzianer sehen zu wollen. Es wäre so, als wenn man in jedem Deutschen einen kleinen Goethe vermuten würde, ganz so als ob die RTL2, BILD-Zeitung und das Goldene Blatt nie existiert hätten. Zumal sind unter den Sinologen die Esoteriker meine speziellen Freunde, die ein Chinabild der Harmonie, Naturverbundenheit, des Yin und Yang und der daoistischen Wasser- und Bambusphilosophie vertreten und jeden Chinesen als fernstlichen Schöngeist und Altersweisen und potentiell tiefschürfig philosophierenden Meister betrachten. Ich selbst habe selten ein derart materialistisches, hektisches Völkchen kennengelernt und wer einmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch das smogverseuchte Peking gefahren ist, dessen romantisches Chinabild wird davon nachhaltig desillusioniert.

Eine wesentliche Schrift, die dies so darstellt, ist das Buch von Oskar Weggel „Die Asiaten“, in der versucht wird ein gemeinsames Grunddenken samt Verhaltensmuster aller Asiaten auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen–ein asiatisches Denken eben. Weggel ist da noch der typische Vertreter der Sinologie, wie ich sie kennenlernte. Als ich Sinologie anfing zu studieren, wurde von den Professoren so getan, als sei China eine Republik der Philosophen ala Platon, als sei zu seinem Verständnis vor allem  die Lektüre von Konfuzius, Laotze, Mengzi, Sun Tse und anderen allesentscheidend,kein Marx, Lilisan, Mao, Sun Yatsen oder Tschiangkaitschek,  da nur erstere die jeweiligen Herrscher und das chinesische Volk entscheidend geprägt hätten, zumal eben auch Konfuzius zum Kanon der staatlichen Prüfungen gehört hatte und Weggel bei der Betrachtung des neueren Chinas zwar eingesteht, dass dem nicht mehr so ist, aber einen Konfuzianismus in der Bevölkerung weiterexistieren sieht, weswegen er in den großen Konfuzianismus und den kleinen Konfuzianismus unterscheidet, wobei es den großen seitens der kommunitschen Partei nicht mehr gebe, er sich aber als kleiner Konfuzianismus in der Bevölkerung erhalten habe–in Form von preußischer Disziplin und protestantischer Arbeitsethik.

Interessant dabei, dass frühere Begutachter wie Max Weber in seiner Religionssoziologie oder Weltbankberater wie Wolfowitz in den damaligen konfuzianischen Gesellschaften Südkoreas und Taiwans da den Konfuzianismus damals als wesentlichen Grund für das Scheitern dieser Staaten sahen. Nun sind diese Staaten aber nun wirtschaftliche Erfolgsmodelle aufgrund einer Wirtschaftspolitik ala Friedrich List geworden und werden nun neuerdings deren Erfolg nicht mehr aufgrund deren Wirtschaftspolitik gesehen, sondern aufgrund des Konfuzianismus als Erfolgsrezept. War der Konfuzianismus eben noch der Entwicklungshemmer, so wird er nun als das Patentrezept aller wirtschaftlichen Entwicklung verklärt. Bliebe mal abzuwarten, ob der Islam nach der Periode panarabisvhen Sozialismus ala AKP-Türkei als das Erfolgsrezept einer Modernisierung dargestellt wird.Dennoch erklärt sich die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes weniger durch kulturelle Philosophien, sondern durch die konkrete Wirtschaftspolitik einer Regierung, die auch trotz Korruption und irgendwelchen vermeintlichen kulturellen Prägungen für einen breiten Teil der Bevölkerung Reichtumsgewinne erzielen kann.

Sinologie wie auch die meisten Asienexperten wurden darin erzogen, die Klassiker zu studieren, sich mit traditionellen Schriftzeichen und deren Bedeutung rumzustreiten, sahen da nur ein grosses philosophisches Denken, das die Gesellschaft und die Herrschenden irgendwie durchdiringe, aber eben nicht das moderne China, das materialistische und säkulare Gedankenströmungen wie den Liberalismus, den Kommunismus und den Kapitalsimus kennenlernten und von  diesem durchdrungen wurde.Umgekehrt gab es seitens der Linken auch nur Gedankenwelten, nämlich die Maotsetung- Ideen vom der kleinen roten Maobibel oder in Schriften zur Behandlung der Widersprüche im Volk. Aber man hate es beim Sinologiestudium immer nur mit den Elfenbeinklassikerphilosophen einer alten grauen Vorzeit zu tun, mit maoistischen K-Gruppen oder den jeweiligen Esoterikern und Anhängern der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Moderenes war da nie zugelassen und bevor diese Sinologenklasse die Unis und Lehrinstitute nicht verlässt, erhält man eben ein ziemilch schräges China– oder Asienbild.

Aber die damalige Sinologie war nur eine Darstellung verschiedener Gedankenwelten, zumeist klassich, als ob Philosophen und nicht machiavellistische Kaiser und Warlords das feudalistische China regiert hätten, sondern eben Konfuzius, Mengzi und Laotse. Auch wurde nicht weiter darauf eingegangen, dass mit Vordringen des Imperialismus und des Kapitalismus China unter Mao eine von dem klassischen Marxismus abweichende Form des Kommunismus etablierte, die dann seitens Deng Xiaopings zugunsten einer Marktwirtschaft mit besonderen sozialistischen Besonderheiten abgelöst wurde, die auch die Wertestruktur und das Denken einer Gesellschaft veränderte. Wenn man China verstehen will, dann bringt ein Blick in die People´s Daily, die Global Times oder die Beschlüsse des Parteitags mehr als das intensive Studium der chinesischen Klassiker inklusive Konfuzius. Interessant war einmal, wie Siemens-Chef Pierer, der auch Vorstand des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft war auf einer Veranstaltung der Gesellschaft für Auslandskunde einem jener zahlreichen interkulturellen Experten auf die Kritik antwortete, dass deutsche Manager zu wenig interkulturelle Kompetenz hätten und damit sich viele Geschäftsanbahnungen verunmöglichten: Pierer meinte, dass interkulturelle Kompetenzen sicherlich nicht schaden könnten, dass aber Chinesen sehr materilaistisch und kapitalistisch seien und vor allem Geschäfte wie ihre westlichen Counterparts vor allem unter dem Blickwinkel des Gewinns sehen würden. Stimme der erwartete Gewinn nicht, nützten auch keinerlei interkulturelle Kompetenzen und Zitieren von Konfuziuszitaten etwas. Daran scheiterten die meisten Geschäfte oder wegen politischer Differnzen, nicht aber so sehr wegen mangelnder interkultureller Kompetenz.

Die damalige Sinologie und Asienforschung berauschte sich nur an Ideen von traditionellen Philosophen, blieb aber nicht aktuell und  materialistisch. Die damaligen Sinologen wie auch die meisten heutige interkulturelen Experten gehen da von einem ewig existierenden chineischem feudalitischem Denken aus, das alles durchdringe ohne sehen zu wollen, dass die Globaliserung, der Kapitalismus wie schon der Kommunismus da die alten Wertesysteme infrage stellte und tiefgreifend veränderte. Die Chinesen des Kaiserreidches, der Repuplik hatten da wohl einen anderen chinesischen Kulturbegriff wie etwa die Mao-oder Deng-Chinesen. In China wird Kultur immer stark von der KP China geprägt. Richtig ist, dass man deren Begriffe und Definitione verstehen sollte, auch wenn Xi Jinping jetzt einen Neotraditionalismus ala Tschiang Kaitschek und eine neue „Lebensbewegung“ nach einer Welle des Konfuzianismus und des Neomarxismus lostritt.Was da also als chinesische Kultur verstanden werden soll, wie auch ihre Begrifflichkeiten, hängt sehr stark von den Definitionen über chinesische Kultur der KP China ab, die diese definiert und auch was sie über ihre Konfuziusinstitute vertreibt, ist also mehr politisch, denn kulturell. Aber man sollte schon das Konzept und die Begrifflichkeiten kennenlernen, weswegen sich eher die Lektüre der Jamestown Foundation und ihres China Brief, denn allzu intensive Studien der Konfuziusklassiker eignen. Alles, was man über chinesische Kultur und seinen Konfuzianismus lernen wird, ist in der VR China seitens der KP China, dass es die Diktatur unterstützt, während man in Taiwan auf liberale Konfuzianismusinterpretationen stösst, die die Demokratie legitimieren.Wie man es braucht–von daher ist dies weniger eine kulturelle Allgemeingültigkeit, sondern der politische Kampf um die Interpretation, die der jeweiligen Seite nützt. Es sei denn man sagt; Scheiß auf den Konfuziusmus–ich bin für Autoritarismus und Diktatur oder eben Demokratie!

Der Chinapapst Weggel versucht in seinem Buch einen kleinsten gemeinsamen Nenner asiatischen Denkens noch herzustellen, während der modernere Sinologe Van Der Ess fragt: Wenn China so konfuzianisch sein soll, was ist daran noch konfuzianisch, Er stellt eher die These auf, dass der Konfuzianismus gemessen an seinem Begründer und dessen Ideen in China fast keinerlei Bedeutung mehr hat. Ob Moralfragen, ob die Kritik des Weisen am Herrscher,etc. Zumal auch der den Chinesen nachgesagte „kleine Konfuzianismus“ im Sinne einer protestantischen Arbeitsethik und einer Hierarchiegläubigkeit, sowie Respekt vor den Alten durch die neue Generation der Chinesen infrage gestellt wird und es auch in China einen Wertewandel gibt. Umgekehrt liegen aber auch Demokratisierungsfanatiker und Liberale falsch, die in China eine kommende Demokratie sehen, da es eine breite Mittelschicht und Oberschicht gebe, die kosmoploitisch, liberal und demokratiedürstend sei. Genauso wie klassische Sinologen eine chinesische Modernisierung in Abrede stellen, so moderne Liberale einen Autoritarismus, da sie das Einkommen einer Mittelschicht schon gleichsetzen mit einer demokratischen Gesinnung.

Da braucht man umgekehrt keine Konfuzianismusstudien, um zu wissen, dass sich infolge der Globalisierung neuentstandene Mittelschichten und Neureichen ala Deutschland wie Heinrichs Manns „Der Untertan“ ganz chauviistisch und illberal aufgeführt haben, was dann in zwei Weltkriegen endete.Der Autoritismus ist also weniger durch tiefschürfende Konfuziuslektüre zu erklären, sondern mit einer neuen Mittel- und Oberschicht, die ihren Erfolg dem Autoritarismus einer KP China verdankt und diese auch bei ihren Außenexpansionen gegen die Weltmacht USA ganz nationalistisch nnterstützen wird, wobei einige Teile ja da auch an der OBOR-Initiative mitberdienen können.Mit Konfuzius und seinen Lehren haben sie nur den Autoritariusmus gemeinsam, aber das interessoert sie nicht sonderlich: Denn für sie ist die KP China Konfuzius , mehr interssiert sie an diesem Philosophen nicht und es garantiert den Aufstieg Chinas zur Weltmacht und ihrer Gewinne an den Neuen Seidenstrassen.

Kurz: Der Chinaschwärmer denkt in Kategorien vermeintlicher fernöstlicher Weisheiten, großer Philosophen und Dichter und Denker, wie dies andere von Deutschland taten und im Nationalsozialismus der Richter und Henker landeten. Wenn man über fernöstliches Denken schwafelt, sollte man niemals abstrakt und von der materialistisch-kapitalistischen Weltglobalisierung absehen und nicht meinen, weil Deutschland Goethe und Schiller hatte es aufgrund dieser Denker wie wegen Konfuzius oder Laotse nicht zu barbarischen Entwicklungen kommen könnte, zumal ja auch das autoritär-kapitalistische China mit seiner OBOR-/Neuen Seidenstrasseinitiative aufgrund einer kapitalitischen Überproduktionskrise bei Stahl, Beton, Infrastrukturunternehmen und Zügen da einen globalen Deal hinbekommen will, der Wirtschaftskorridore, Infrastruktur und ein globales Handelsnetz schaffen will, das die Pax Americana ablöst und herausfordert wie das wilhelminische Deutschland das britische Empire mit der Bagdadbahn. Aber das hat mit fernöstliher Denke und Konfuzianismus nichts, mit der Notwendigkeit kapitalistischen Expanionismus infolge kapitalistischer Überproduktionskrisen und Kapitalnettoexport jede Menge zu tun.

Aber inzwischen gibt es auch westliche Nachahmer, die wie ein Vertreter des Ifo- Instituts, Markus Traube in einem Vortag bei der Katholischen Akademie in München und in der BILD-Zeitung meinen, dass Deutschland sozialistischer als die VR China sei und auch ein autoritäres System für Deutschland propagiertt. Man siehe. Diese Sorte Konfuzianismus und fernöstlicvhen Denkens ergreift auch einige Neoliberale! Wenn man abkürzt, dass östliches Denken ein autoritrkapialistsches Denken sei und das westliche Denken eine liberal-demokratisch-kapitalitsische Denke, so übersieht dies, dass es im Fernen Osten auch demokratische Kräfte gibt und im Westen mehr als genug autoräre Kräfte. Von daher ist diese Zweiteilung, was denn nun das westliche und östliche Denken sei falsch, da es von den jeweiligen politischen und ökonomischen Kräften abstrahiert und einen Jetztzustand aufgrund eines ewigen Denkens für eben ewig dominant hält. Fakt ist: Nicht Goethe, Konfuzius oder welcher Denker auch immer trennt oder verbindet uns, sondern der Kapitalismus und seine Globalisierung. Und dessen Regulierung ist nicht eine Frage von Ost oder West, von Konfuzius oder Laotse oder irgendwelchen Kultursymbolen, sondern eine Frage der gewerkschaftlichen und linken Organisation und Mobilisierung im eigenen Staat wie auch weltweit–egal ob  Ost oder West-am besten beides. Es kommt eher darauf an, welches der beiden Systeme wir als befürwortenswert sehen und nicht, ob dies östlich oder westlich ist und welche man unterstützt–egal ob Ost oder West!Eher sollte man die Gewinner und Verlierer und Mittelschichten infolge des sich immer mehr globalisierenden Kapitalismus als Solidargemeinschaft sehen, als sich in West/Ost- Unterscheidungen spalten zu lassen.

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